Karl Kneidinger (* 30. August 1882 in Wien, Österreich-Ungarn; † 14. April 1952 ebenda) war ein österreichischer Schauspieler bei Bühne und Film und ein Theaterregisseur und Oberspielleiter.
Leben und Wirken Karl kam als Sohn der Schauspieler Marie (1857–1908) und Rudolf Kneidinger (1862–1935) auf die Welt. Kneidinger stand bereits als Jugendlicher auf Theaterbühnen. Der bullige Schauspieler trat an Bühnen in Graz, München und vor allem Wien auf. In der österreichischen Hauptstadt wirkte er unter anderem am Theater in der Josefstadt, dem Wiener Stadttheater (dort erstmals auch Regie), an der Wiener Volksbühne, am Wiener Schauspielhaus, am Wiener Bürgertheater, erneut am Stadttheater sowie am Renaissance-Theater und am Raimundtheater. Als Regisseur und künstlerischer Leiter war Kneidinger überdies für das Wiener Volksstückensemble aktiv.
Zu den Theaterstücken, in denen er auftrat gehören, neben Leichtgewichtigem wie Tschun Tschi, der Operette Im Weißen Rößl und einer Freilichtbühnenaufführung von Winnetou im Rahmen der Karl-May-Festspiele in Wien im Juni 1939, auch eine Reihe von künstlerisch ambitionierten Aufführungen mit jüdischem Themenhintergrund wie Eisik Scheftel, Nathan der Weise und Jud Süß.
Beim Film seit der Endphase des Ersten Weltkriegs aktiv, verkörperte der korpulente Wiener zumeist untergeordnete Charaktere wie einen Gärtner in Richard Oswalds Das vierte Gebot, einen armen Hausherrn in Das Mädel aus der Wachau, eine seiner sehr wenigen Kinohauptrollen, einen Buchhalter in dem Tendenzfilm Leinen aus Irland, einen Knecht in dem Mozart-Film Eine kleine Nachtmusik, einen Lehrer in Mutterliebe und einen Briefträger in dem bäuerlichen Schwank Der prämierte Leberfleck, Kneidinger letztem Film und zugleich seine einzige Nachkriegsproduktion. Kneidinger stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.Kneidinger, Karl. In: Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten : Hitlers Liste unersetzbarer Künstler. Kiel: Arndt, 2020, ISBN 978-3-88741-290-6, S. 316
Filmografie 1918: Konrad Hartls Lebensschicksal 1920: Das vierte Gebot 1923: Die Goldratten 1928: Befehl zur Ehe 1928: Das Mädel aus der Wachau 1929: Revolution der Jugend 1930: Wiener Herzen (Erzherzog Otto und das Wäschermädel) 1930: Geld auf der Straße 1931: Die Blumenfrau von Lindenau 1931: Purpur und Waschblau 1931: Die große Liebe 1933: Wenn du jung bist, gehört dir die Welt 1934: G’schichten aus dem Wienerwald 1935: Eva 1936: Die Frau des Anderen (Romanze) 1937: Millionenerbschaft 1939: Leinen aus Irland 1939: Mutterliebe 1939: Eine kleine Nachtmusik 1941: Liebe ist zollfrei 1942: Brüderlein fein 1948: Der prämierte Leberfleck
Literatur Johann Caspar Glenzdorf: Glenzdorfs internationales Film-Lexikon. Biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen. Band 2: Hed–Peis. Prominent-Filmverlag, Bad Münder 1961, , S. 852.
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