mini|Ortskern Gebhardshain Gebhardshain ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain an. Bis zum 1. Januar 2017 war sie Verwaltungssitz einer gleichnamigen Verbandsgemeinde, die mit der Verbandsgemeinde Betzdorf fusionierte. Gebhardshain ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.
Geographie Geographische Lage Die Ortsgemeinde liegt an den nördlichen Ausläufern des Westerwalds hin zum Siegerland südwestlich von Betzdorf und südöstlich von Wissen; Nachbargemeinden sind Wissen im Norden und Nordwesten, Elben im Osten, Steinebach/Sieg im Süden, Fensdorf und Selbach im Westen. Südwestlich des Ortes erstrecken sich ausgedehnte Waldgebiete, mit denen die Gemarkung an die im Westerwaldkreis gelegenen Gemeinden Kundert und Mörsbach grenzt.
Naturräumliche Zuordnung Gebhardshain liegt in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Bergisch-Sauerländisches Gebirge (Nr. 33) und in der Haupteinheit Mittelsieg-Bergland (330) sowie Untereinheit Nisterbergland (330.01).
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 1058 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Geschichte Gebhardshain wird erstmals im Jahre 1220 urkundlich erwähnt. Der Ortsname ist eindeutig auf einen Personennamen zurückzuführen, vermutlich auf einen Gebhard aus der Familie der Konradiner, der um das Jahr 1000 herum gelebt haben dürfte. Gebhardshain war im 13. Jahrhundert Sitz des Rittergeschlechts derer von Gevertzhagen, die als Schöffen in Gerichtsurkunden schon 1216 erscheinen. Das Geschlecht war Lehensträger der Grafen von Sayn. 1378 erkannten diese den Kurfürsten von Trier als ihren Lehnsherren an, womit Gebhardshain nicht nur zur Diözese Trier, sondern auch zu Kurtrier, dem weltlichen Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Trier, gelangte. Gebhardshain liegt an der Grenze zum Erzbistum Köln, das in Wissen beginnt.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Gebhardshain, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Jahr Einwohner 1815 271 1835 375 1871 483 1905 734 1939 1098 1950 1040 Jahr Einwohner 1961 1330 1970 1518 1987 1586 1997 1825 2005 1907 2017 1908
Politik Gemeinderat mini|Rathaus Der Gemeinderat in Gebhardshain besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl CDU FDP FWG WGB Gesamt 2024 10 1 5 – 16 Sitze 2019 9 1 5 1 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Ergebnis der Gemeinderatswahl 2019 2014 9 – 7 – 16 Sitze 2009 9 1 6 – 16 Sitze 2004 9 2 5 – 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Gebhardshain e. V.
Bürgermeister Beate Straka (CDU) wurde am 17. September 2024 Ortsbürgermeisterin von Gebhardshain. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war sie als einzige Bewerberin mit einem Stimmenanteil von 73,7 % für fünf Jahre gewählt worden.
Strakas Vorgänger Jürgen Giehl (FWG) hatte das Amt zehn Jahre ausgeübt und kandidierte bei der Wahl 2024 nicht erneut als Ortsbürgermeister.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Gebhardshain
Kirchen In Gebhardshain gibt es zwei Kirchen: die katholische Kirche St. Maria Magdalena (links im Bild) und die evangelische Kirche (rechts im Bild). Bis 31. Juli 1859 benutzten beide Konfessionen (2500 Katholische und 280 Evangelische) die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche als Simultaneum.Zur konfessionellen Entwicklung vgl. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, S. 74–80. Nach der Trennung wurde die stark renovierungsbedürftige Kirche, die man zuerst zu renovieren gedachte, bis auf den Turm, der mit Glocken und Uhr der Kommune gehörte,Karl Dünhof: Geschichte der evangelischen Gemeinde Gebhardshain. Siegblätter-Verlag, Betzdorf o. J. (1958) S. 57 ff. abgerissen und als dreischiffige romantisierende byzantinische Basilika 1860/62 neu errichtet. Der Turm wurde 1900 aufgestockt. Der Siegburger Baumeister Court orientierte sich beim Entwurf der Pläne für den Neubau an ein Konzept, das Ernst Friedrich Zwirner 1850/51 für die Kirche in Stieldorf entworfen hatte.Hermann-Josef Roth: Der Westerwald. Köln, DuMont, 1981, S. 77.
Die Evangelischen bekamen 5750 Taler für ihren Anteil. Die dann 1862 (23. März Grundsteinlegung) bis 1863 (22. Juli Einweihung) nach Plänen des Kreisbaumeisters L. Fortemps, Kirchen, unter der Bauaufsicht des Baumeisters Court, der auch schon die katholische Kirche erbaut hatte, für 31800 Taler von der Nümbrechter Firma Dickel errichtete einschiffige, fünfachsige Langhauskirche mit vorgesetztem Turm und eingezogenem überwölbtem 5/8 Chorschluss und Mauerwerk aus weiß gefugter Grauwacke und zeittypischen einzelnen Elementen des RundbogenstilsVerzeichnis der evangelischen Kirchenneubauten im Rheinland 1860–1914 (1927) Uni Duisburg-Essen S. 21. bekam 1869 eine Orgel, die 1901 durch ein Instrument der Firma Eberhard Friedrich Walcker mit zehn Registern und zwei Manualen ersetzt wurde.Dünhof S. 77.
Heimatmuseum In Gebhardshain gibt es ein Heimatmuseum, das im Jahre 1999 eröffnet wurde. Dort werden unter anderem verschiedene Haushaltsgeräte aus der Vergangenheit ausgestellt. Außerdem gibt es seit dem 1. September 2001 ein Puppen-Museum, in dem man über 50 Puppen sehen kann.
Kulturdenkmäler → Liste der Kulturdenkmäler in Gebhardshain
Regelmäßige Veranstaltungen Gebhardshain feiert zwei jährlich wiederkehrende Feste. Die viertägige Kirmes um den ersten Sonntag im August gibt den Rahmen für das gleichzeitige Schützenfest. Die Dorfjugend ist mit der Aufrichtung des Kirmesbaumes, einer Eröffnungsrede und einem Seifenkistenrennen um die Dorfkirche am Kirmessonntag für das traditionelle Rahmenprogramm und für Musik und Tanz im Festzelt verantwortlich. Auf dem traditionellen Herbstmarkt werden neben Produkten des ländlichen Raumes und modernem Kunstgewerbe vielfältige gebietstypische Gaumenfreuden angeboten. Für die Kinder wird das Angebot der Viehhändler zum Streichelzoo. Dazu findet alle vier Jahre eine Leistungsschau in der Westerwaldschule statt. Hier stellen regionale Firmen ihre Produkte vor.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Beschäftigten Gebhardshains pendeln meist zu auswärtigen Arbeitsplätzen. Im Ort selbst ist der regionale Fremdenverkehr mit Schwerpunkt Seniorenreisen und Familienurlaube aus den nahen Ballungsräumen ein bedeutender saisonaler Arbeitgeber. Ein Aussiedlerhof an der Straße nach Wissen ist der einzige Vollerwerbslandwirtschaftsbetrieb.
Verkehr Der Bahnhof Gebhardshain-Steinebach lag an der Bahnstrecke Scheuerfeld–Emmerzhausen.
Windkraftanlagen mini|Windpark Mörsbach/Gebhardshain. Links im Bild die beiden erst 2011 errichteten Enercon E53 Anlagen. Nach einem mehrjährigen politischen Streit wurde auf dem Gewann Spielstück südwestlich der Ortschaft ein Windpark bestehend aus mehreren Windkraftanlagen des Typs Nordex N90/2300 mit einer Nabenhöhe von 100 Metern, einem Rotordurchmesser von 90 Metern und einer Gesamthöhe von 145 Metern errichtet.Ziel: Windpark mit 20 Rädern im Frühjahr 2014 am Netz. In: Rhein-Zeitung. 5. Juni 2012. Abgerufen am 5. Juni 2012. Die Nennleistung der Anlagen beträgt jeweils 2,3 MW.
Öffentliche Einrichtungen In Gebhardshain befindet sich der zweite Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde, die katholische Kindertagesstätte „St. Maria Magdalena“, die Astrid-Lindgren-Grundschule und die „Westerwaldschule“, eine Regionale Sekundar-Schule, sowie mit dem „St. Vinzenzhaus“ ein Altenpflegeheim der cusanus trägergesellschaft trier.
Söhne und Töchter des Ortes Friedrich Gebauer (1830–1903), Textil- und Maschinenfabrikant in Berlin Konrad Fuchs (1928–2015), Professor für Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Walter Pauli (1953–1975), Polizeibeamter in Köln, wuchs in Gebhardshain auf Hans-Josef Roth (1934–2006), Kirchenmusikdirektor in Aachen Herbert Weller (1926–2019), Träger der Peter-Cornelius-Plakette des Landes Rheinland-Pfalz Jessica Weller (* 1983), Landtagsabgeordnete der CDU im Rheinland-Pfälzischen Landtag
Mit Gebhardshain verbunden Hermann Josef Doetsch (1876–1957), Amtsbürgermeister von Gebhardshain von 1907 bis 1913Heimatbuch 2007, Landkreis Mayen-Koblenz, Kreisverwaltung Mayen-Koblenz, Hermann Josef Doetsch starb vor 50 Jahren, von Dr. Bernhard Koll, S. 41 ff., In: dilibri.de (abgerufen am 20. Dezember 2020)
Literatur Michael Kröll: Die Pfarrei Gebhardshain im Gebiete der ehemaligen Herrschaft Freusburg a. d. Sieg Trier : Verl. der Paulinus-Dr., 1882, DOI urn:nbn:de:hbz:kn28-1-13738 Konrad Fuchs: Geschichte der Verbandsgemeinde Gebhardshain. Mainz 1982, ISBN 3-87439-082-9. Gebhardshainer Heimatfreunde e. V. (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte, Mundart und Landeskunde von Gebhardshain. Wewa-Druck, Gebhardshain 1995. Hellmuth Gensicke: Zur nassauischen Ortsgeschichte: Kirchspiel und Gericht Neukirch. In: Nassauische Annalen 1981. S. 150–168. Benedikt Märzheuser: Das Gebhardshainer Land, Wirtschaftsentwicklung in den letzten 100 Jahren. richter-druck, Elkenroth 1980. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58. 2015, S. 74–80.
Trivia Es besteht eine meist folkloristisch-verbal ausgetragene Rivalität mit dem Nachbarort Steinebach. In diesem Zusammenhang muss auch der Sieg Gebhardshains am 29. Mai 2010 über den Nachbarort Steinebach mit 3:1 im Wettbewerb „Bürgermeisterschaft“ des Rundfunksenders RPR1 gesehen werden.
Weblinks
Ortsgemeinde Gebhardshain auf den Seiten der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain Gebhardshainer Heimatfreunde e. V.
Einzelnachweise
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