Émilien Jacquelin (* 11. Juli 1995 in GrenobleDie Angabe des Geburtsortes Grenoble stammt aus der IBU-Datenbank. Andere Steckbriefe nennen zum Teil Saint-Martin-d’Hères als Jacquelins Geburtsort, vgl. etwa douane.gouv.fr. Abgerufen am 26. November 2022.) ist ein französischer Biathlet und Radrennfahrer. Seine größten Erfolge sind die Weltmeistertitel 2020 und 2021 in der Verfolgung. Bei den Olympischen Winterspielen 2022 gewann er mit der Mixed-Staffel und mit der Männerstaffel jeweils die Silbermedaille, 2026 wurde er mit der Männerstaffel Olympiasieger.

Werdegang Biathlon Anfänge (bis 2017) Émilien Jacquelin wurde in Grenoble geboren und wuchs in Villard-de-Lans im Vercors auf.Vincent Daheron: Emilien Jacquelin : "Mon rêve d'enfance, c'était de courir le Tour de France" auf francetvinfo.fr. 15. September 2020. Abgerufen am 25. November 2022. Er ist der jüngste von vier Brüdern.Fabio Lo Verso: Clément Jacquelin: «Je travaille pour améliorer l’ergonomie du biathlon et le respect de l’environnement» auf wereport-atelier.fr. 10. Januar 2022. Abgerufen am 25. November 2022. Clément Jacquelin sagt in dem Interview: «On est quatre, je suis le deuxième et Émilien le cadet […].» In den 2000er-Jahren starteten zwei seiner älteren Brüder ebenfalls auf internationaler Ebene als Biathleten, darunter Clément Jacquelin, der 2009 mit der französischen Staffel Jugendweltmeister wurde. Mehrere von Jacquelins Vorfahren waren als Radsportler aktiv.Will Davies: France's Emilien Jacquelin: Top things to know before the Biathlon Men's 15km Mass start auf olympics.com. 18. Februar 2022. Abgerufen am 25. November 2022. Ein Vorfahre ist Edmond Jacquelin, Bahnrad-Weltmeister von 1900, vgl. Vincent Daheron: Emilien Jacquelin, le goût du risque comme leitmotiv auf francetvinfo.fr. 29. November 2020. Abgerufen am 25. November 2022. Seit seiner frühen Kindheit begeisterte sich Émilien Jacquelin für den Radsport. In einem späteren Interview nannte er als Idol insbesondere den Tour-de-France-Sieger von 1998 Marco Pantani wegen des Elans (im Original: „panache“), den er gezeigt habe. Die Bereitschaft, Risiken einzugehen, sei für ihn stets das Leitmotiv seiner eigenen Sportlaufbahn gewesen. In seiner Jugend strebte Jacquelin zunächst selbst eine Karriere als Radprofi an, trainierte aber parallel über mehrere Jahre auch Skilanglauf. Weil die Erfolge im Radsport ausblieben, verlegte er als Teenager seinen sportlichen Schwerpunkt auf den Wintersport: Mit 14 Jahren betrieb er zum ersten Mal Biathlon,Vincent Daheron: Emilien Jacquelin, le goût du risque comme leitmotiv auf francetvinfo.fr. 29. November 2020. Abgerufen am 25. November 2022. zwei Jahre später konzentrierte er sich auf diese Kombination von Langlauf und Schießen.Volker Kreisl: Voll in die Pedale. In: Süddeutsche Zeitung, 18. Februar 2020, S. 25. Abgerufen am 25. November 2022 via szarchiv.de. Später schrieben Journalisten mit Blick auf Jacquelins Stärke in direkten Duellen auf der Strecke, er profitiere von den im Radsport gelegten Grundlagen: Sofern der Kopf mitspiele, habe er die Fähigkeit, sich „durch die schmerzhaften Abschnitte [zu] quälen“.Saskia Aleythe: Sternzeichen Schnellschütze. In: Süddeutsche Zeitung, 15. Februar 2021, S. 24. Abgerufen am 26. November 2022 via szarchiv.de. Der frühere Biathlet Michael Rösch erkannte in den „taktischen Spielchen, die er [Jacquelin] mit seinen Gegnern spielt“, einen Hinweis auf dessen Vergangenheit als Radsportler.Franziska Wendler und Martin Hoffmann: Das steckt hinter dem Tränen-Drama auf sport1.de. 22. Februar 2021. Abgerufen am 26. November 2022.

Auf internationaler Ebene debütierte Jacquelin beim Europäischen Olympischen Winter-Jugendfestival 2013 in Brașov, wo er eine Goldmedaille im Sprint gewann.Sprint : Emilien Jacquelin en or en Roumanie auf ledauphine.com. 21. Februar 2013. Abgerufen am 26. November 2022. In den folgenden Jahren gewann er im Nachwuchsbereich mehrere weitere Medaillen: 2014 holte er Bronze im Einzelrennen bei den Jugendwettkämpfen im Rahmen der Juniorenweltmeisterschaften in Presque Isle. Bei den Juniorenweltmeisterschaften im nächsten Jahr in Minsk gewann er erneut Bronze, diesmal mit Aristide Bègue, Felix Cottet Puinel und Fabien Claude in der Staffel. Mit einem vierten Platz im Einzelrennen verfehlte er seine Vorjahresplatzierung und eine Podestplatzierung knapp. In der Saison 2015/16 startete Jacquelin erstmals bei Rennen des IBU-Cups. Bei den Junioren-Europameisterschaften 2016 auf der Pokljuka gewann er in der Verfolgung Silber und belegte im Einzel und im Sprint jeweils den fünften Platz. Die Saison 2016/17 – in der er Teil des französischen B-Kaders warMirko Hominal: L'équipe de France de biathlon hommes pour 2017 auf ski-nordique.net. 29. April 2016. Abgerufen am 26. November 2022. – schloss er auf dem fünften Platz der IBU-Cup-Gesamtwertung ab.

Weltcupdebüt und erste Weltmeistertitel (2017 bis 2020) mini|links|Émilien Jacquelin beim Sprint in Oberhof 2020

In der Saison 2017/18 gewann Émilien Jacquelin das erste Rennen des IBU-Cups in Sjusjøen. Daraufhin beriefen ihn die Nationaltrainer erstmals in die Weltcupmannschaft. Mit mehreren Top-40-Platzierungen gewann Jacquelin in Östersund beim Saisonauftakt der höchsten Biathlon-Wettkampfserie seine ersten Weltcuppunkte. An der Seite von Jean-Guillaume Béatrix, Simon Desthieux und Quentin Fillon Maillet belegte er im Staffelrennen in Hochfilzen den dritten Platz. Beim Weltcup im italienischen Antholz erreichte er in Sprint und Verfolgung mit den Plätzen fünf und sechs seine besten Einzelergebnisse des Winters. Nach dem Weltcup in Antholz nahm er an den Europameisterschaften teil, wo er zusammen mit Julia Simon die Silbermedaille im Single-Mixed-Wettbewerb gewann. Anschließend startete er bei Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Im Einzel erreichte er den 77. Rang und mit der Staffel den fünften Rang. Am Ende der Saison stand Jacquelin auf Position 46 in der Gesamtweltcupwertung und wurde zusammen mit Swetlana Mironowa von der IBU als Rookie of the Year ausgezeichnet. Im nacholympischen Winter 2018/19 zählte Jacquelin erstmals zum französischen A-Kader.Martin Léger: Émilien Jacquelin, pas à pas auf affiches.fr. 4. Januar 2019. Abgerufen am 26. November 2022. Er startete durchgängig im Weltcup und erreichte im Gesamtklassement der Serie den 24. Platz mit zwei neunten Rängen – im Sprint von Ruhpolding sowie im Massenstart von Antholz – als besten Einzelresultaten. Zudem lief er mit der französischen Männerstaffel in zwei Weltcuprennen auf das Podium: als Zweiter in Oberhof und Dritter in Ruhpolding.

Vincent Vittoz, der Jacquelin seit 2018 als Nationaltrainer betreute, schätzte ihn 2020 als kraftvollen, aber ungeduldigen Athleten ein. Häufig gehe er die Rennen läuferisch schnell an, könne das Tempo aber nicht bis zum Ende des Wettkampfs halten. Auch Jacquelins Schießen bezeichneten Beobachter als eher instinktiv und bescheinigten ihm eine Lust am Spektakel. Teilweise vergab er gute Platzierungen durch sehr schnelle, fehlerbehaftete Schießeinlagen. Vittoz sowie der französische Schießtrainer Patrick Favre strebten an, Jacquelin zu einem regelmäßigeren Rennplan zu bringen oder seine Energie zu kanalisieren; Jacquelin selbst begriff sein wenig gezügeltes Auftreten im Wettkampf dagegen als Markenzeichen, das er weiterführen wolle.Elisabeth Pineau: Biathlon : le Français Emilien Jacquelin sacré champion du monde de la poursuite auf lemonde.fr. 16. Februar 2020. Abgerufen am 26. November 2022. Im Vergleich zu Martin Fourcade, dem erfolgreichsten französischen Biathleten der 2010er-Jahre und mehrfachen Gesamtweltcupsieger, galt Jacquelin als mental weniger stabil.William Pereira: Biathlon: « J'aime beaucoup Pinot et Nibali »... Emilien Jacquelin, le biathlète au panache de cycliste auf 20minutes.fr. 16. Februar 2020. Abgerufen am 26. November 2022. Bis zu Fourcades Karriereende 2020 trainierten die beiden Athleten zusammen in ihrem gemeinsamen Heimatort Villard-de-Lans. Jacquelin erklärte während dieser Zeit, er verbringe zwei Drittel des Jahres mit Fourcade,Qui est Emilien Jacquelin, champion du monde de la poursuite auf ledauphine.com. 16. Februar 2020. Abgerufen am 26. November 2022. der für ihn die Rolle eines Mentors und Vorbilds einnahm. Später sagte Jacquelin, Fourcades Ansicht, dass Leistung im Wettkampf wichtiger als Spaß sei, habe seinem eigenen Verständnis vom Sport zunächst komplett widersprochen. Fourcade habe ihm aber die Bedeutung einer strikten Trainingsmoral vermittelt.Will Davies: France's Emilien Jacquelin: Top things to know before the Biathlon Men's 15km Mass start auf olympics.com. 18. Februar 2022. Abgerufen am 26. November 2022.

Im Winter 2019/20 feierte Jacquelin die bis dahin größten Erfolge seiner Laufbahn. Zu Beginn der Saison stand er im Dezember 2019 als Dritter der Verfolgung von Hochfilzen und als Zweiter des Massenstarts in Annecy-Le Grand-Bornand (jeweils bei Siegen von Johannes Thingnes Bø) erstmals auf dem Podium in Einzel-Weltcuprennen. Ins neue Jahr startete er in Oberhof mit einem zweiten Platz im Sprint, beendete den folgenden Massenstart nach neun Strafrunden dann allerdings als Letzter. Zusammen mit Martin Fourcade, Simon Desthieux und Quentin Fillon Maillet gewann er in Ruhpolding sein erstes Staffelrennen. Mit Anaïs Bescond gewann er auf der Pokljuka auch die Single-Mixed-Staffel, während er bei den dortigen Einzelrennen nicht unter die ersten zwanzig kam. In die Weltmeisterschaften in Antholz startete Jacquelin mit einem sechsten Platz im Sprint. In der Verfolgung setzte er sich nach vier fehlerfreien Schießeinlagen auf der Schlussrunde gegen Johannes Thingnes Bø durch und wurde mit 0,4 Sekunden Vorsprung auf Bø Weltmeister.Emilien Jacquelin sprintet bei IBU WM zu Verfolgungsgold auf biathlonworld.com. 16. Februar 2020. Abgerufen am 26. November 2022. Nachdem er im Einzel nicht gestartet war, wurde er mit Bescond Dritter im Single-Mixed-Wettbewerb. In derselben Besetzung wie beim Sieg in Ruhpolding wurde die französische Staffel Weltmeister. Dies war der erste Staffeltitel für Frankreich seit 2001.Biathlon | Antholz : Les bleus champions du monde 19 ans après auf nordicmag.info. 22. Februar 2020. Abgerufen am 26. November 2022. Die Weltmeisterschaften beendete Jacquelin mit einer Bronzemedaille im Massenstart hinter Bø und seinem Teamkollegen Fillon Maillet. Nach weiteren Podestergebnissen in den letzten Weltcuprennen des Winters belegte Jacquelin am Saisonende den fünften Rang im Gesamtweltcup, als drittbester Franzose (hinter Martin Fourcade und Fillon Maillet auf den Plätzen zwei und drei). Die Verfolgungswertung entschied er mit zwei Punkten Vorsprung auf Fourcade und Fillon Maillet für sich und gewann damit seine erste kleine Kristallkugel.

Etablierung in der Weltspitze (2020 bis 2022)