mini|Stift Rein im Oktober 2006 mini|Großer Stiftshof mit Basilika mini|Barocker Innenraum der Stiftskirche (von der Orgel aus gesehen)

Das Stift Rein () ist eine Zisterzienserabtei in der Gemeinde Gratwein-Straßengel in der Steiermark. Es wurde im Jahr 1129 von Markgraf Leopold dem Starken von Steyr als 38. Kloster des Ordens gegründet und ist das älteste bestehende Zisterzienserstift der Welt, da alle früher errichteten durch die Französische Revolution oder in Deutschland durch die Säkularisation aufgelöst und verweltlicht wurden.

Im Jahr 1276 leisteten steirische und Kärntner Adelige den für die österreichische Geschichte Weichen stellenden Reiner Schwur. Dabei ging es um die Lösung der Frage, wer das Reich regieren sollte. Ottokar II. Premysl, der durch die Heirat mit Margarete von Babenberg an die Herrschaft gelangt war, oder der aus dem Aargau gekommene Aufsteiger Rudolf von Habsburg. Im Schwur von Rein stellten sich die Aristokraten auf die Seite Rudolfs, woraufhin er Landesherr wurde und damit am Anfang der 640 Jahre währenden Habsburger Herrschaft stand.

Ende des 15. Jahrhunderts ging die Anzahl der Mönche zunächst wegen der Pest und später infolge der sich rasch ausbreitenden Reformation stark zurück. Erst im ausgehenden 16. Jahrhundert stieg die Anzahl der Ordensbrüder wieder an. Die Äbte des Stiftes waren in der Gegenreformation wichtige Berater der Landesfürsten. Außerdem gründeten Reiner Patres zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert vier neue Klöster.

Zwischen 1959 und 1990 beherbergte das Stift den aus der Tschechoslowakei vertriebenen Konvent des Klosters Hohenfurth und führte während dieser Zeit den Doppelnamen „Stift Rein-Hohenfurt“.

Die Stiftskirche wurde 1979 von Papst Johannes Paul II. zu einer Basilica minor erhoben. Bis 2019 war sie Dekanatskirche des ehemaligen Dekanats Rein, zu dem 14 Pfarren gehörten.

Des Weiteren stellt das Stift seine Räumlichkeiten dem Bundesgymnasium Rein zur Verfügung.

Namensherkunft und Lage mini|Blick von Osten

Der Name „Rein“ leitet sich vom slowenischen Wort rauna ab, das übersetzt „Talebene“ bedeutet. Ob dieses Wort mit einem vorslawischen Gewässernamen *RīnGerhard Schlimpert: Alte Gewässernamen in Brandenburg und Mecklenburg. In: Ernst Eichler (Hrsg.): Probleme der älteren Namenschichten. Leipziger Symposion 21. bis 22. November 1989. In: Rolf Bergmann, Ulrich Obst, Rudolf Schützeichel, Jürgen Untermann (Hrsg.): Beiträge zur Namenforschung, Neue Folge. Beiheft 32. Carl Winter Universitätsverlag. Heidelberg 1991. ISBN 3-533-04360-6, S. 48–49. verbunden werden kann, ist nicht sicher. Für eine Ableitung vom Flussnamen Rhein (keltisch Rhenos) gibt es keine Hinweise. Der Name wird auch auf indogermanisch *rū- (= „aufreißen, graben“) zurückgeführt.Hermann Baltl, Fritz Lochner von Hüttenbach: Die Steiermark im Frühmittelalter. Frühmittelalterliche Namen in der Steiermark. Verlag Leykam, Graz 2004, ISBN 978-3-7011-7485-0, S. 148 und S. 150 (zur Bevölkerung).

Das Stift befindet sich im Ortsteil Rein, etwa 15 Kilometer nordwestlich von Graz. Es wurde in einem Seitental der Mur am Fuß des Ulrichsberges errichtet, der vom Pleschkogel überragt wird.

Geschichte

Gründung und Herrschaft der Traungauer mini|hochkant|Markgraf Leopold der Starke überreicht die Stiftungsurkunde mini|hochkant|Stiftungsurkunde vom 22. Februar 1138, Stiftsarchiv Rein (hier als Faksimile); deutsche Übersetzung in der Datei-Beschreibung des Bildes Das Kloster Rein wurde im Jahr 1129 von Markgraf Leopold dem Starken aus dem Geschlecht der Traungauer gegründet; sein Grab (2006 aufgefunden) befindet sich unter der heutigen Marienkapelle. Leopold ließ das Kloster als Hauskloster der Traungauer und als religiöses Zentrum seiner Mark errichten. Als materielle Basis für die Gründung dienten jene Güter, die Leopolds Vater Ottokar II. aus dem Erbe des Grafen Waldo erhalten hatte. Dazu gehörte auch der Wehrhof Reun. Als die Antwort des Traungauers auf die Frage, welcher Orden das zukünftige Kloster bewohnen sollte, der Zisterzienser-Orden lautete, nahm dieser Kontakt mit dem Kloster Ebrach in Bayern auf. Damit gehörte das Stift Rein zur Filiation der Primarabtei Morimond. Die Mönche aus dem Kloster Ebrach kamen am 25. März 1129 zum Fest der Verkündigung des Herrn nach Rein und konnten am 8. November 1130 unter Abt Gerlach (1129 bis ca. 1164) ein provisorisches Kloster beziehen. Bereits 1136 wurde von Rein aus das Kloster Sittich in Slowenien besiedelt. Da Leopold im Gründungsjahr starb, vollendete seine Witwe Sophie die Klostergründung. Am 22. Februar 1138 beurkundete Erzbischof Konrad I. von Salzburg die Gründungsgeschichte und die ersten Schenkungen, die das Reintal umfassten, an das Kloster. Bereits in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens erlebte das Kloster einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, der sich in der Schaffung verschiedener Werke der Schreibstube, wie dem Reiner Musterbuch aus dem 13. Jahrhundert, äußert. Des Weiteren waren die von den Mönchen bewirtschafteten Grangien für die Erschließung und Kultivierung des Umlandes bedeutend.

Im Jahr 1140 fand die Konsekration der Stiftskirche statt. 1144 schenkte König Konrad III. dem Kloster das Dorf Werndorf. 1146 wurde von Rein aus das Stift Wilhering in Oberösterreich besiedelt. Da zwischen dem Markgrafen Ottokar III. und dem Kloster eine enge Beziehung bestand, kam es zu einigen Schenkungen von dem Markgrafen – wie etwa im Jahr 1164 drei Hofstätten unter der Burg am Grazer Schloßberg, aus denen später der heutige Reinerhof in der Sackstraße entstand. Im selben Jahr kam es zu einer weiteren Schenkung durch Konrad III., die jenes Gebiet zwischen den Flüssen Feistritz, der Söding und dem Alpenkamm umfasste. Es diente vormals als Lehen. Herzog Ottokar IV., der letzte der Traungauer, überließ 1192 dem Stift die Alm Gottenfeld bei Hirschegg. Diese Schenkung wurde im selben Jahr von Herzog Leopold V. und nochmals 1210 von Herzog Leopold VI., beide aus dem Geschlecht der Babenberger, bestätigt.

Herrschaft der Babenberger, Erbstreit und Reiner Schwur Obwohl die Babenberger Rein mit einigen Schenkungen bedachten, entstand nie eine engere Beziehung zwischen dem Stift und dem Herrschaftsgeschlecht. Im Jahr 1205 ließ Leopold VI. dem Stift größere Mengen an Eisen vom Erzberg sowie 1210 vier Huben in Premstätten zukommen. 1217 verzichtete er zu Gunsten des Klosters auf das Weinzehent in Weikersdorf. Leopolds Frau Theodora ließ in der Stiftskirche einen dem Apostel Thomas geweihten Altar und davor ein ewiges Licht errichten. Herzog Friedrich II. schenkte im Jahr 1243 den Grundbesitz der von ihm zerstörten Burg Helfenstein.

Neben den Babenbergern traten zu jener Zeit auch die Stubenberger, die Stadecker, die Herren von Plankenwarth, die Krottendorfer, die Herren von Walsee, die Herren von Wildon, die Herren von Kranichberg, die Murecker sowie die Emmerberger als bedeutende Stifter auf. Die Stadecker stellten auch mit Ludwig I. (ca. 1227 bis vor 1243) den siebten Abt des Stiftes.

Im Jahr 1265 wurde Abt Amelrich zum Bischof des Salzburger Eigenbistums Lavant ernannt. Als der Habsburger Rudolf I. 1273 zum römisch-deutschen König gewählt wurde, kam es zu einem Konflikt mit Ottokar II. Premysl, da Rudolf die Herausgabe der vormals babenbergischen und spanheimerschen Ländereien forderte. Aufgrund dieses Konfliktes trafen sich am 19. September 1276 steirische und Kärntner Adelige, um einstimmig den Reiner Schwur zu leisten, in dem sie Rudolf Treue und Gefolgschaft schworen. Das Kloster bot damit den Feinden des bisherigen Landesfürsten Ottokar II. eine Möglichkeit, sich gegen ihn erfolgreich zu verbünden.

Herrschaft der Habsburger, Luthertum und Gegenreformation Der Reiner Abt Heinrich von Admont diente Herzog Albrecht von der Steiermark als Landesschreiber und später Landeshauptmann. Der am 7. Juni 1399 zum Abt gewählte, aus dem Bistum Meißen stammende Angelus Manse diente dem 1411 als steirischer Herzog angetretenen Ernst dem Eisernen als enger Ratgeber und ab 1415 als Rat und Hofkaplan. Im Jahr 1414 wurde Angelus vom Landesfürsten zum Konzil von Konstanz geschickt und wirkte später an der Melker Klosterreform mit. Ernst der Eiserne wurde im Chor der Reiner Stiftskirche begraben. Auch seine erste, 1407 verstorbene Frau Margarethe wurde in Rein begraben.

Im 15. Jahrhundert erlebte das Kloster eine Glanzzeit seiner Entwicklung. Um 1450 gehörten 48 Mönche zum Konvent; zwischen 1441 und 1482 waren 13 Reiner Mönche als Studiosi im Wiener Ordenskolleg St. Nikolaus wohnhaft. Dem damaligen Reiner Abt Hermann Molitor (1439–1470) wurde 1444 vom Basler Konzil und 1445 von Papst Eugen IV. das Pontifikalrecht verliehen. Auf Aufforderung von Kaiser Friedrich III. wurde Rein 1444 Mutterkloster von Stift Neukloster in Niederösterreich. Friedrich III. unterstellte 1473 das Stift Lilienfeld der Reiner Filiation. Im Übrigen war die Amtszeit von Molitor eine Zeit von politischen Streitereien, welche unter anderem in der Baumkircher Fehde gipfelten.

Bei einem Türkeneinfall Im Jahr 1480 entstanden schwerere Schäden an der Bausubstanz. In der Folge der Reparatur wurden Befestigungsanlagen mit Wehrmauern und Wehrtürmen ausgebaut. Im selben Jahr kam es zu einem Ausbruch der Pest im Kloster, der unter anderem der Abt Christian Ganser (1472–1480) zum Opfer fiel. Die Amtszeit seines Nachfolgers Wolfgang Schrötl (1481–1515) war vom Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Festigung des Klosters geprägt. Die Befestigungsanlagen wurden weiter ausgebaut. Abt Johannes Lindenlaub (1515–1529) wurde vom Erzherzog und späteren Kaiser Ferdinand I. zum Rat berufen.

Anfang des 16. Jahrhunderts begann die Anzahl der Mönche im Kloster auf etwa 12 zu sinken. Der Grund für den Rückgang lag vor allem an der Ausbreitung des Luthertums. 1534 wurde der bisherige Vikar von Gratwein, Hippolyt Huettensteiner zum Abt gewählt. Er hatte diese Funktion allerdings nur ein paar Monate inne, da er als Platzhalter für den jungen Ludwig Ungnad Freiherr von Sonnegg, dem Sohn des Landeshauptmanns Hans Ungnad, agierte. Ungnad war im Dezember 1533, obwohl er damals nicht vogtbar war, zum Koadjutor bestellt worden. Unter der Führung des Kommendatarabts Ludwig Ungnad erlebte das Kloster seinen personellen und wirtschaftlichen Tiefpunkt. Ungnads Vater war zugleich Oberhaupt der steirischen Protestanten. Sowohl der Landesfürst als auch der Papst billigten aber den Übergang des Stiftes an Ungnad. Erst 1549 bewirkte Kaiser Ferdinand Abt Ludwig Ungnads Rücktritt.

Der Kaiser ernannte den Pfarrer von Cilli Martin Duelacher zum neuen Abt. Obwohl die beiden Ungnad noch immer Einfluss auf die Klosterführung nahmen, kam es unter Duelacher zu einem erneuten Aufschwung. Für das Jahr 1556 sind 24 Konventualen belegt, während in anderen steirischen Klöstern die Anzahl der Mönche sank. In den Jahren 1551, 1553, 1557, 1559 und 1568 wurden Geistliche des Klosters als Äbte an das Stift Neukloster postuliert. Dasselbe geschah 1557 für das Kloster Topusko und 1580 für das Kloster Sittich.

Dem Abt Bartholomäus von Grudenegg (1559–1577) wurde vom Landesfürsten der Auftrag erteilt, Geld für den Bau eines Jesuitenkollegs in Graz, dem heutigen Akademischen Gymnasium am Tummelplatz zu sammeln. Unter Abt Georg Freyseisen (1577–1605) wurde mit durchgreifenden Veränderungen an der mittelalterlichen Bausubstanz begonnen. Ihm kam bei der Durchsetzung der Gegenreformation unter Karl II. und Ferdinand II. als Visitator und Generalvikar eine besondere Bedeutung zu. Weiters wurde er zum Erzherzoglichen Rat, zum Vizestatthalter und zum Hofkammerpräsidenten bestellt. Im Jahr 1600 wurde das Stift Rein zu einem Landesgericht erhoben und erhielt damit die hohe Gerichtsbarkeit mit der Richtstätte „Breites Kreuz“ in Gratwein. Der unter Freyseisen belegte Aufschwung setzte sich bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts fort. Im Jahr 1607 kam die Pfarre Gratwein mit sieben Vikariaten an das Stift. Aus den Vikariaten entstanden später 13 inkorporierte Pfarren.