Uetersen [] (früher auch Ütersen (Holstein), dänisch ) ist eine Kleinstadt im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Ihr Gebiet liegt im Bereich der Metropolregion Hamburg. Sie ist eines der Unterzentren des Landes Schleswig-Holstein.

Geografie Lage Das Gemeindegebiet der Stadt Uetersen liegt am Übergang der Geestlandschaft Hamburger Ring (Haupteinheit Nr. 695) der gruppierten Südholsteinischen Geest (Nrn. 694–696) der Schleswig-Holsteinischen Geest in die Seestermüher Marsch der Holsteinischen Elbmarschen (Nr. 671) der Unterelbeniederung (Nr. 67) in zentraler Lage im Kreis Pinneberg. Der Höhenunterschied der beiden Landschaftsformationen ist deutlich erkennbar. Der tiefste Punkt im Gemeindegebiet der Stadt liegt in den Deichwiesen an den Klosterkoppeln bei einem Meter, der höchste Punkt mit 18 Metern im Waldgebiet von Langes Tannen beim Russenberg.

Der Siedlungskern der Stadt Uetersen liegt mit der Altstadt am nördlichen Ufer des Flusses Pinnau auf dem Geestabschnitt Hamburger Ring, im Westen Hamburgs eine Übergangslandschaft von (relativ) großer Mächtigkeit zur benachbarten Barmstedt-Kisdorfer Geest. Das östliche Stadtgebiet befindet sich auf einer ehemaligen Dünenlandschaft, die aus der Eiszeit stammt und sich von Wedel über die Holmer Sandberge bis nach Elmshorn erstreckt.

Stadtgliederung mini|Uetersen nach einem Plan von Carl August Christian Rost († 1826)

Das Stadtgebiet Uetersens besteht heute aus der Altstadt mit dem Klosterbezirk und der Innenstadt, den Quartieren Lohe, Katzhagen, Kreuzmoor, den Wohngebieten um Rudolf-Kinau-Weg, Am Seeth/Wischhörn, Am Gehölz, Tornescher Weg, Am Steinberg, Weidenkamp/Ohrtbrook und Kleine Twiete, deren Grenzen jedoch nicht festgelegt sind. Neu hinzugekommen ist das Neubaugebiet „Am Hochfeld“ im Norden der Stadt. Auf dem bereits teilerschlossenen, 38 Hektar großen Gebiet sollen etwa 320 Wohneinheiten entstehen.Was rollt denn da auf Tornesch zu? – Uetersen plant Neubaugebiet mit 320 Wohneinheiten. In: Wedel-Schulauer Tageblatt, 6. März 2008.

Charakteristisch für Uetersen ist der lange Hauptstraßenzug als Zeugnis der Entwicklung des 1870 zur Stadt erhobenen Fleckens aus einem entlang einer Heerstraße entstandenen Dorf. Die Ansiedlung der Bewohner erfolgte zunächst entlang der alten Heerstraße (Lohe, Mühlen-, Kreuz-, Marktstraße, Großer Wulfhagen und Großer Sand, mit Schwerpunkt an der Mühlen-, der marktartig erweiterten Marktstraße und Großer Wulfhagen), die dem Geestrand zunächst in nordsüdlicher Richtung folgte und dann nach Osten und später nach Südosten verlief und die Pinnau überquerte. Weitere Ansiedlungen gab es in der Lohe mit Katzhagen und weitere verliefen den Ochsenweg entlang zur Pinnau und rund um den Kleinen Sand, der sich in weitere kleine Straßen verzweigte. Später erfolgten Ansiedlungen in Richtung der Marsch und dem heutigen Eggerstedsberg sowie in der Tantaus Allee und im Norden und Nordosten der Stadt.

Nachbargemeinden Uetersen grenzt im Norden an die Gemeinden Heidgraben und Groß Nordende, im Osten an die Stadt Tornesch, im Süden an die Gemeinden Moorrege und Appen sowie im Westen an Neuendeich.

Klima mini|hochkant|Klima UetersenDie Stadt mit den angrenzenden Marschgebieten wird von der Nordsee und den Ausläufern des Golfstroms beeinflusst. Das Klima ist durch milde Winter und feuchte Sommer gekennzeichnet. Durch die geringe Entfernung zur Nordsee von etwa 60 Kilometern wird die Stadt von starken Winden überwiegend aus Westen beeinflusst, die häufig im Herbst das berüchtigte „norddeutsche Schmuddelwetter“ mit sich bringen.

Im Winterhalbjahr kann es sehr stürmisch werden. Die Temperaturen können auf −20 °C absinken. Der tiefste gemessene Wert lag bei −30 °C im Februar 1940. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17 °C, der kälteste der Januar mit 1,1 °C. Temperaturen um die 28 °C sind im Hochsommer keine Seltenheit. Seit den 1990er Jahren wurden auch Spitzentemperaturen von bis zu 37 °C gemessen (August 1992, Juli 2010). Der kälteste März mit −17 °C und wärmste Oktober mit durchschnittlich +13 °C seit den Wetteraufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes war im Jahr 2006. Der wärmste Oktobertag seit der Wetteraufzeichnung war der 19. im Jahr 2012 mit einer Temperatur von etwa 22 °C.Wärmster 19. Oktober in Hamburg seit Beginn der Messungen (Wetterstation in Hamburg-Fuhlsbüttel, Klaus-Groth-Schule-Tornesch (eigene Wetterstation), Wasserturm Uetersen (dito) und Innenstadt Uetersen (Fußgängerzone Uetersen)). In: Hamburger Abendblatt, 20. Oktober 2012. Im Laufe eines Jahres fallen durchschnittlich 778 Millimeter Niederschlag.

Landschaftsbeschreibung mini|Uetersen und Umgebung um 1650, gut sichtbar die Dünenlandschaft im Norden und Osten der Stadt

Im 18. Jahrhundert versuchte man durch Anpflanzen von Strandhafer und Sanddisteln die Dünen zum Stillstand zu bringen, doch erst um 1870 wurde ein großer Teil der Dünenlandschaft einplaniert und mit fettem Marschboden bedeckt, sodass die Dünen zum Stillstand kamen. Diese wurden nach dem Ersten Weltkrieg weiter abgetragen und der Sand zur Aufschüttung des Hafengebietes benutzt. Von der Dünenlandschaft hatte man bis Mitte des 18. Jahrhunderts freie Sicht auf den rund 27 Kilometer entfernten Hamburger Michel.Uetersen vor sechzig Jahren (Erinnerungen eines alten Mannes) In: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1920, S. 80–109. Straßennamen wie Bergstraße, Hochfeldstraße, Großer Sand, Kleiner Sand und Sandweg erinnern an die hohen Dünen. Das nördliche Stadtgebiet wird durch den Wald von Langes Tannen begrenzt, darin befinden sich noch einige größere, mit Bäumen bewachsene Sanddünen. Das Gebiet ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Geschichte Herkunft des Stadtnamens Der Name der Stadt Uetersen ist vermutlich aus der niederdeutschen Bezeichnung (de) üterste enn entstanden, was so viel wie (das) äußerste Ende bedeutet. Der Name bezieht sich darauf, dass der Ort am Übergang der Geest zur Seestermüher Marsch liegt. Die erste nachweisliche schriftliche Erwähnung stammt aus einer Schenkungsurkunde der Ritter von Barmstede um 1234, in der der Ort als Utersten bezeichnet wird. Weitere Namensformen waren im Barock Vtersten, Vttersten und Vtirzsten. Insgesamt gab es rund 20 verschiedene Schreibformen, bis sich der heutige Stadtname durchsetzte. Es gibt aber auch die Vermutung, dass der Name aus Ütersteen hervorging, was äußerster Stein bedeutet oder von Ütristina, dem alten Namen der Pinnau, stammt.Jahrbuch für den Kreis Pinneberg: Wolfgang Laur: Der Ortsname Uetersen (1967).

Vorgeschichte Die Stadt verfügt über keine Gründungsurkunde. Als Gründungsjahr wird 1234 angenommen, das Jahr, in dem die Stadt erstmals urkundlich erwähnt wurde. Seit 1933 wird dieses Datum offiziell landesgeschichtlich anerkannt.

Zu den größten Katastrophen der Stadt zählen die große Cäcilienflut 1412, die Sturmfluten von Weihnachten 1717 und vom 7. Oktober 1756, die Markusflut, bei denen die Stadt meterhoch überflutet wurde und 62 Menschen ertranken. Eine weitere ungewöhnliche Naturkatastrophe war die Windhose vom 10. August 1925, die große Teile von Uetersen zerstörte. Am 24. Februar 1962 kam es zu (vorerst) letzten Überflutungen durch den Adolph-Bermpohl-Orkan in Uetersen.

mini|Erwähnung des Klosters um 1220 und der verloren gegangenen Urkunde in Camerers Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein Anno 1762

Das Gründungsjahr der Stadt ist nicht feststellbar, da es darüber keine Urkunde gibt. Verschiedene archäologische Fundstücke deuten auf erste menschliche Ansiedlungen im Stadtgebiet vor der Eisenzeit hin. 1789 fand man einen Bundschuh aus der römischen Kaiserzeit. Es handelt sich dabei um den frühesten bekannten archäologischen Fund in Schleswig-Holstein.Schleswig-Holstein in 150 Archäologischen Funden. Wachholtz Verlag, 1986, ISBN 3-529-01829-5. Weitere bedeutende Funde waren Urnen, slawische Gefäßscherben und ein Schädel eines Torfrindes (bos brachyceros) aus der Zeit um 500 n. Chr.Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte: Nachrichten über deutsche Altertumsfunde. Band 24, Limbach Verlag, 1892. Dies bedeutet jedoch nicht, dass seit dieser Zeit bis ins 9. Jahrhundert eine Siedlungskontinuität bestanden haben muss. 809 sollen Truppen Karls des Großen nach der Unterwerfung der nordelbischen Sachsen von Hamburg kommend durch die damalige Gegend gezogen sein, um in Esesfelth eine Burg zu errichten, und 827 soll auf Befehl des Kaisers Ludwig des Frommen (778–840) der Ort gegründet worden sein.Adelmi Benedictini Frauc in: reg. Anual. ad. an. um 844, S. 22.Fr. Genß in: Schleswig-Holsteiner Anzeiger. Jahrgang 1775, S. 583. Später zogen die Wenden mehrmals durch die Siedlung.Johann Friedrich Camerer: Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern. 1762. Um 1050 soll es auch ein Benediktinerkloster am Rand der Siedlung gegeben haben, von dem Johann Friedrich Camerer 1762 in seinem Werk Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern berichtete. Von dem Verbleib des Klosters ist nichts weiter bekannt.

Später verlegten vermutlich die Ritter von Haseldorf ihren Wohnsitz von Haseldorf nach Uetersen und um 1154 soll eine einfache Burg (Motte) in Holz-Erde-Technik samt einer kleinen Vorsiedlung mit einigen Häusern und Hütten existiert haben, die in einer dänischen Urkunde als Uthersen taarn (äußerster Turm) erwähnt wurde. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Lage einer Burg auf einem Geestsporn am Rande der Seestermüher Marsch. In einem weiteren Schriftdokument, das vermutlich zuletzt Johann Friedrich Camerer im Jahr 1758 vorlag, soll um 1220 ein weiteres Kloster bestanden haben, das unter Gerhard I. bzw. Gebhard II. eingeweiht wurde. Über dessen Verbleib ist ebenfalls nichts bekannt. Dieses Dokument ist nicht mehr auffindbar, sodass die Stadt kein geschichtlich belegbares Gründungsjahr hat. Etwa zur gleichen Zeit wurden in der Nähe des heutigen Klosters zwei Burgen, Burg Uetersen (I) und Burg Uetersen (II)Doris Meyn: Die beiden Burgen von Uetersen. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 93, 1968. von den Rittern von Barmstede errichtet, die mit den Rittern von Haseldorf in Verbindung standen, an die nur noch der Burggraben der größeren Burg erinnert. Bei Umgestaltungsarbeiten auf dem Klostergelände im Jahr 2008 wurde viel Irdenware aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Anhand dieser Scherben geht man davon aus, dass eine Vor- und eine Hauptburg bestanden.Erkenntnisse aus Scherben. In: Uetersener Nachrichten, 21. Dezember 2008.

mini|Deutsche Übersetzung der Schenkungsurkunde von Ritter Heinrich II. von Barmstede mini|Älteste Ansichtszeichnung von Uetersen (oben links) Anno 1568

Gründungsgeschichte der heutigen Stadt