Beim Fernschach wird Schach gespielt, indem die Züge dem Gegner postalisch oder elektronisch übermittelt werden. Im Gegensatz zu anderen Schachwettkämpfen ist der Einsatz von Hilfsmitteln (Literatur, Beratung durch andere Spieler, Computerprogramme, …) nicht verboten.

Die Züge werden per Postkarte, Fax, E-Mail, auf einem Schachserver oder durch andere Medien ausgetauscht. Fernschachpartien werden gelegentlich auch als Korrespondenzpartien bezeichnet. Eine Fernpartie kann über Wochen, Monate oder Jahre ausgetragen werden – außer beim Rapid-Fernschach, wo die Bedenkzeit in Tagen berechnet wird. Die früher gebräuchliche Definition des Fernschachs allein nach der besonderen Zugübermittlung wegen der räumlichen Trennung der Gegner und der in Tagen berechneten Bedenkzeit reicht heute nicht mehr aus. Dies geht darauf zurück, dass auch bislang dem Spiel am Brett vorbehaltene Wettkampfformen wie Blitzpartien auf Schachservern von räumlich getrennten Gegnern ausgetragen werden können und beim Rapid-Fernschach die Bedenkzeit nicht in Tagen berechnet wird.

Traditionell wurden die Züge per Postkarte oder Brief übermittelt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde vereinzelt auch per Telegraf oder Funk korrespondiert. Es gab sogar schon den Ansatz, über eine Telefonzentrale zu spielen. Im 19. Jahrhundert waren Fernpartien vor allem als Wettkämpfe zwischen Vereinen oder Städten populär, und im Kalten Krieg erfreuten sich Radio-Wettkämpfe zwischen den USA und der UdSSR großer Aufmerksamkeit. Die Masse der Partien fand und findet jedoch zwischen Einzelspielern statt. Während Kriegen konnten Fernschachpartien aufgrund des für die Notation verwendeten Codes von strengen Zensurmaßnahmen betroffen sein, wodurch Partien zum Erliegen kommen konnten.

In Deutschland hat das Fernschachspiel eine besondere Tradition. So ist auch heute noch der Deutsche Fernschachbund e. V. der weltweit größte nationale Verband.

Es existieren und existierten eigene Zeitschriften für Fernschach, etwa die Fernschachpost und von 1966 bis 1990 in der Deutschen Demokratischen Republik das Fernschach-Bulletin, das ab 1975 Fernschach der DDR hieß.

Historisches Die älteste bekannte Fernpartie fand 1804 zwischen den Städten Den Haag (Oberstleutnant Friedrich Wilhelm von Mauvillon) und Breda (Offizier, Name nicht bekannt) statt. Bedeutender war jedoch der Städtekampf London gegen Edinburgh, der im April 1824 begann und den Edinburgh im Juli 1828 mit 3:2 gewann. In dieser Zeit waren Städtekämpfe sehr populär, wobei sich die lokalen Schachspieler berieten, gelegentlich unterstützt von bekannten Schachmeistern.

Die erste per Telegraf ausgetragene Partie fand im April 1845 zwischen Howard Staunton und Henry Thomas Buckle statt. Sie dauerte acht Stunden und endete mit einem Remis.

Den Begriff „Fernschach“ verwendete erstmals Andreas Duhm (1883–1975) in der Schweizerischen Schachzeitung.

Fernschachregeln Bedenkzeit Mit Ausnahme des Rapid-Fernschachs wird die Bedenkzeit im Fernschach in Tagen gemessen. Abhängig vom Verband hat man für zehn Züge 30 bis 60 Tage Bedenkzeit zur Verfügung, wobei zumindest bei Postturnieren noch die Brieflaufzeit hinzukommt. Die Hauptrolle für die Berechnung der Bedenkzeit war das Datum des Poststempels. Aufgrund der Postlaufzeiten, die noch vor wenigen Jahren in den Ostblock oder nach Südamerika hin und zurück mehrere Wochen betragen konnten, bestand die Möglichkeit zu sehr tiefen und gründlichen Analysen.

Aufgrund der Brieflaufzeiten konnten insbesondere internationale Partien durchaus einige Jahre dauern. So begann das Finale der 10. Fernschach-Olympiade 1987 und endete 1995. Kurios dabei war, dass die Bronzemedaille 1995 – also lange nach der Wiedervereinigung – die Mannschaft der DDR gewann.

Heute stehen als Übertragungsmittel Fax, E-Mail, SMS oder Schachserver zur Verfügung. So entfällt die Brieflaufzeit, was die Dauer einer Fernpartie erheblich verkürzt. Auf Schachservern wird die Bedenkzeit mittlerweile minutengenau gemessen und die durchschnittliche Partiedauer liegt nicht mehr bei einem Jahr, sondern bei mehreren Monaten.

Die längste bekannte Fernpartie Die längste bekannte Fernpartie dauerte 16 Jahre. Es handelte sich dabei um eine Partie zwischen K. Brenzinger aus Pforzheim und F. E. Brenzinger aus New York, die zwischen 1859 und 1875 ausgetragen wurde und nach 50 Zügen mit einem Sieg von Schwarz endete. Im Guinness-Buch der Rekorde von 1971 wird von einer Partie berichtet, die von zwei Spielern aus Schottland und Australien ab 1926 mittels Weihnachtsgrußkarten ausgetragen wurde und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch andauerte. Die Notation dieser Partie ist allerdings nicht bekannt.

Zugübermittlung mini|Die algebraische Notation

Notation Im Fernschach per Postkarte wird meist die algebraische Notation (siehe Schachnotation) verwendet: Dabei werden nur die beiden Felder benannt, auf denen die Figur stand und landet, wobei die Linien nicht mit Buchstaben, sondern Ziffern bezeichnet werden. Die entstehende vierstellige Nummer besteht aus Linie des Startfeldes, Reihe des Startfeldes, Linie des Zielfeldes und Reihe des Zielfeldes. Dabei werden die Linien a bis h als 1 bis 8 gezählt. Im Falle einer Bauernumwandlung wird eine fünfte Ziffer für die aus der Umwandlung entstehende Figur hinzugefügt. Dabei ist der Ziffernwert umgekehrt zur Stärke der Figur, also 1 für die Dame, 2 für den Turm, 3 für den Läufer und 4 für den Springer. Der Zug f7–f8D wäre also in Fernschachnotation 67681. Figuren-, Schlag- und andere Sonderzeichen entfallen. Bei den Rochaden wird nur der Königszug angegeben. Der Zug e2–e4 beispielsweise lautet dann 5254, statt Dd8–a5 schreibt man 4815. Die weiße kurze Rochade entspräche 5171, ebenso die lange 5131. Beim Fernschach per E-Mail ist inzwischen die Portable Game Notation (PGN) üblich.

Postkarte 400px|mini|Internationale Fernschachkarte Traditionell wurden die Züge per Postkarte oder Brief übermittelt.

Häufig verwendete man vorgedruckte Postkarten. Hier trug man auf einem „Formular“ die vorgeschriebenen Daten ein: letzter Zug des Gegners eigener Antwortzug gegebenenfalls Eventualzüge Poststempeldatum der gegnerischen Postkarte Datum der Ankunft der gegnerischen Postkarte Datum des Absendens der eigenen Postkarte Bedenkzeit des Gegners beim letzten Zug sowie dessen gesamte bisherige Bedenkzeit eigene Bedenkzeit beim aktuellen Zug sowie die eigene gesamte bisherige Bedenkzeit bei Bedarf Urlaubsankündigung (Urlaub von der Partie) gegebenenfalls Remisangebot, Annahme oder Ablehnung des gegnerischen Remisangebotes, Aufgabe der Partie

Die Züge notierte man in der Regel in der algebraischen Notation.

Da man oft gleichzeitig gegen mehrere Gegner spielte, summierten sich die Portokosten zu einem beachtlichen Betrag. Um hier Kosten zu sparen, nutzten viele deutsche Fernschachspieler den (1993 abgeschafften) verbilligten Tarif „Drucksache“ der Deutschen Post bzw. Deutschen Bundespost aus. Dazu waren auf der Postkarte außer den Anschriften des Empfängers und des Absenders keine handschriftlichen Eintragungen zugelassen. Daher benutzte man Stempel, mit denen man die erforderlichen Daten auf die Postkarte stempelte.

Einige deutsche Fernschachspieler versuchten Kosten einzusparen, indem sie die kostenlose Kontoführung von einigen Banken und Sparkassen ausnutzten. Sie vereinbarten bei nationalen Turnieren, auf die Postkarte zu verzichten und stattdessen die Züge auf den Kommentarfeldern von Banküberweisungsbelegen zu übermitteln; man überwies kleinere Geldbeträge hin und her. Dies sparte zwar tatsächlich Kosten, allerdings waren die Banklaufzeiten meist höher als die Postlaufzeiten, das heißt, die Partien verlängerten sich.

Ferner kann man Kosten und Partiedauer verringern, indem man dem Gegner Eventualzüge vorschlägt. Insbesondere, wenn der Gegner nur einen einzigen erlaubten oder vernünftigen Antwortzug hat, kann man sinngemäß schreiben: Ich ziehe nun Lb5+. Falls Du mit Ld7 antwortest, spiele ich im nächsten Zug Dd2. Auch längere Eventualzugfolgen kann man vorschlagen.

Bei Eventualzugvorschlägen sollte man möglichst die Formulierung „beliebig“ oder ähnliches vermeiden, um ungewollte Effekte zu vermeiden. So kursiert als Bonmot das folgende Beispiel: Nach 1. d4 g6 schreibt Schwarz „2. beliebig, ich spiele 2. … Lg7“. Daraufhin zieht Weiß 2. Lh6. Schwarz muss nun wie angekündigt Lf8–g7 antworten. Weiß gewinnt dann mit 3. Lxg7 den Läufer und schlägt im nächsten Zug noch den schwarzen Turm auf h8.

Fax, E-Mail, Schachserver, Instant-Messenger Seit etwa 1990 wurde das Postkartenschach fast völlig von den Medien Fax, Telefon, E-Mail, SMS und Schachservern in den Hintergrund gedrängt. Heute ist auch das Spiel per Fax kaum noch verbreitet. Die Nutzung des Internets hat nicht nur allgemein zugenommen, sondern ist vor allem bei den Schachspielern fast aller Altersgruppen überdurchschnittlich angestiegen, daher finden heute auch bei den Fernschachverbänden vielfach Turniere auf Fernschachservern und E-Mail-Turniere statt. Anstelle von E-Mail wird auch zunehmend Instant Messaging eingesetzt.

Der Weltfernschachbund (ICCF) hat 1996 erstmals E-Mail- und Faxturniere organisiert.

Wertungszahlen national und international Nach einer Mindestzahl von Partien in Turnieren erhalten die Spieler wie im Turnierschach eine Wertungszahl. In die Wertungszahl fließen die erreichten Punkte in einem Turnier und die Wertungszahlen der Gegner ein. National gibt es die Fernschach-Wertungszahl (FWZ) und international die Fernschach-Elo-Zahl, wobei jeder Verband meist ein eigenes Wertungssystem besitzt. Nach Wertungszahlen kann das Spielstärkeniveau festgestellt werden. Die Durchschnitte der Wertungszahlen der Kontrahenten regeln nach Kategorieziffern, wie viele Punkte ein Spieler erreichen muss, um beispielsweise eine Norm für den Titel „Internationaler Meister“ zu bekommen.

Besonderheiten Beim Fernschach sind naturgemäß einige Regeln des Spiels am Brett außer Kraft gesetzt: Die Regel „berührt – geführt“ gilt nicht. Bei Übermittlung eines regelwidrigen Zuges muss die quasi berührte Figur nicht gezogen werden. Hilfestellungen sind erlaubt, z. B. gemeinsame Analyse mit anderen, Benutzen von Schachliteratur, Schachdatenbanken und auch Schachprogramme dürfen benutzt werden. Wird eine Partie von mehreren Spielern gespielt, spricht man von einer Zirkulationspartie.

Turniere Nationale Turniere Die nationalen Turniere werden von den nationalen Fernschachverbänden organisiert. Der Deutsche Fernschachbund e. V. (BdF), früher „Bund Deutscher Fernschachfreunde“ genannt, der am 25. August 1946 in Frankfurt/Main gegründet wurde, ist der deutsche nationale Fernschachverband. Er ist die vom Internationalen Fernschachverband ICCF anerkannte deutsche Vertretung im internationalen Fernschach. Der Deutsche Fernschachbund bietet Auf- und Abstiegsturniere für Einzelspieler und Mannschaften an, organisiert die Deutsche Meisterschaft und veranstaltet weitere Turniere wie Pokalturnier, Allgemeine Turniere, Thematurniere und Turniere in Chess960. Diese Turnierformen ermöglichen es Schachspielern jeder Spielstärke, adäquate Spielpartner zu finden. Er richtet weltweite Länderkämpfe aus und ermöglicht seinen Mitgliedern das internationale Fernschachspiel.

Um den Mitgliedern, die den Einsatz von Computern zur Zuganalyse ablehnen, ein Spielangebot zu eröffnen, bietet der Deutsche Fernschachbund auch „engine-freie“ Turniere an. Während normalerweise im Fernschach alle Hilfsmittel erlaubt sind, ist dabei nur der Einsatz von Eröffnungsbüchern oder -datenbanken zulässig. Schachprogramme dürfen weder für Zugvorschläge noch zur Kontrolle geplanter Züge eingesetzt werden.