mini|hochkant=1.3|Stadtgebiet von Gelnhausen mini|hochkant=1.3|Luftbild von Gelnhausen (oben), Altenhaßlau (Mitte), Hailer (unten) Gelnhausen ist die Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises im Südosten Hessens. Die ehemalige Reichsstadt liegt auf halber Strecke zwischen Frankfurt am Main und Fulda am östlichen Rand des Rhein-Main-Gebietes. Sie trägt seit dem 26. April 1978 die amtliche Zusatzbezeichnung Barbarossastadt.
Geografie mini|Altstadt von Gelnhausen aus dem Flugzeug gesehen mini|Gelnhausen – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655
Geografische Lage Gelnhausen liegt am Südrand des Büdinger Waldes im Kinzigtal. Der Büdinger Wald ist ein nach Norden über die Kinzig vorspringender Spessart-Ausläufer, der zum Hessisch-Fränkischen Bergland (Kennziffer 14) gezählt wird. Dieser Ausläufer schiebt sich von Süden vor die gegen das Rhein-Main-Tiefland (Kennziffer 23) gerichtete Südabdachung des Vogelsberges. Als nordwest-südost-verlaufende Buntsandsteinscholle von 350 bis 410 m Höhe bildet er im Wesentlichen eine Sandsteinhochfläche, auf deren lehmigen Sandböden sich ein fast geschlossenes Waldgebiet befindet, zum größeren Teil Laubwälder, darunter auch schutzwürdige Edellaubbaumwälder. Die Landschaft hat hohe Bedeutung als Erholungsgebiet. Bedeutung für den Biotopverbund hat insbesondere das große unzerschnittene Gebiet nördlich von Gelnhausen. An der Grenze zum Vogelsberg im nördlichen Teil der Gemarkung des der Gemeinde Gründau zugehörigen Ortsteils Breitenborn befinden sich dagegen Basaltdecken und einer der größten Basaltbrüche Hessens.
Südlich der Kinzig findet der Spessart mit den drei Zeugenbergen: dem Niedermittlauer- und dem Meerholzer Heiligenkopf sowie dem Rauenberg seinen nördlichen Abschluss.Zeugenberge (PDF; 1,3 MB), aufgerufen am 22. Dezember 2021 Die Kinzig, die im Mittelalter ab Gelnhausen schiffbar war, durchfließt die Landschaft in einem weiten flachen Muldental von Osten nach Westen und am südlichen Rand durch das Stadtgebiet.
Von 2007 bis 2013 lag auf Grund der EU-Erweiterung die geografische Mitte der EU exakt bei im südlichsten Teil von Meerholz,, Hessische Staatskanzlei 9. Mai 2008 einem Stadtteil Gelnhausens – inmitten eines Feldes am Fuße des „Niedermittlauer Heiligenkopfes“. Am 26. Januar 2007 hisste der hessische Europaminister Volker Hoff an dieser Stelle symbolisch eine Flagge der Europäischen Union.
Klima mini|Niederschlagsdiagramm Der Jahresniederschlag beträgt 859 mm. Der Niederschlag liegt im oberen Viertel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. 73 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar; am meisten regnet es im Juni. Im niederschlagreichsten Monat fällt etwa 1,5-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 3 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.
Nachbargemeinden Gelnhausen grenzt im Norden und Westen an die Gemeinde Gründau, im Nordosten an die Stadt Wächtersbach, im Osten an die Gemeinde Biebergemünd, und im Süden unmittelbar an die Gemeinde Linsengericht und an die Gemeinden Freigericht und Hasselroth.
Stadtgliederung Gelnhausen besteht neben dem Stadtkern (Stadtteil Mitte) aus den Stadtteilen Hailer, Haitz mit Kaltenborn, Höchst, Meerholz und Roth.
Geschichte mini|Obermarkt
Überblick Mit langgestrecktem Unter- und Obermarkt, fünf erhaltenen Tortürmen und Teilen der alten Stadtbefestigung hat sich die frühere Reichsstadt ihr mittelalterliches Gepräge erhalten.
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts nannte sich ein (zuvor in Langenselbold ansässiger) Zweig des Adelsgeschlechts der Reginbodonen nach Gelnhausen, die Grafen von Selbold-Gelnhausen.
Die Stadtgründung von Gelnhausen erfolgte im Jahr 1170 durch Kaiser Friedrich I. (Barbarossa), was ihr den heute geläufigen Beinamen „Barbarossastadt“ einbrachte. Dies geschah, indem drei Dörfer am Hang nördlich der Kinzig zusammengeschlossen wurden, eines davon Gelnhausen genannt. In historischen Dokumenten ist die Schreibweise des Ortsnamens in wechselnder Form zu finden: Geylhausen (1058), Geilenhusen (1133), Gelenhusen (1158), Geilnhusen (1170), Gelnhusen (1223) und Geilenhusen (1232).
Die Verpfändung der Stadt durch den späteren Kaiser Karl IV. 1349 und insbesondere der Dreißigjährige Krieg warfen die Stadt auf lediglich regionale Bedeutung zurück.
Im Sommer 1736 bewahrte ein schwerer HagelsturmHageltag erinnert an die Brandkatastrophe 1736 die Stadt vor einer weitgehenden Zerstörung durch eine Feuersbrunst. In Erinnerung daran begeht man in jedem Jahr am 15. August den sogenannten Hageltag im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes.
In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1938, die als „Gelnhäuser Kristallnacht“ gilt, wurden die zwei Türen der Synagoge zugemauert und die Fenster der Synagoge sowie des jüdischen Gemeindehauses mit Steinen beworfen. Die örtliche Zeitung Kinzig-Wacht meldete Gelnhausen schon am 1. November 1938 „judenfrei“„Gelnhausen war schon früh „judenfrei““, Gelnhäuser Neue Zeitung, 11. November 2021, daher blieb das Gebäude im Novemberpogrom 1938 unbehelligt. Die ehemalige Synagoge ist seit 1986 ein Kulturzentrum.Daniel Hanke: Die Geschichte der Juden in Gelnhausen 1933–1938. S. 302, 315. Online Mehr als 119 Stolpersteine (Stand 2021) erinnern an das einst lebhafte jüdische Leben in Gelnhausen.
1974 verlor Gelnhausen zunächst den seit kurhessischer Zeit bestehenden Status einer Kreisstadt. Im Juli 2005 wurde jedoch die Verwaltung des Main-Kinzig-Kreises aus Hanau hierher verlegt. Der Kreis erhielt anstelle von HU das Kfz-Kennzeichen „MKK“. Seit dem 1. Januar 2013 wird, neben „MKK“, auch das alte Kennzeichen „GN“ wieder vergeben.Nun gibt’s wieder GN und SLÜ vom 28. Dezember 2012, abgerufen am 11. Februar 2013
Weinbau und Weinhandel Seit der Stadtgründung war der Weinbau eng mit Gelnhausen verbunden, wie Aufzeichnungen der Klöster Meerholz und Selbold belegen, abgerufen am 5. April 2021. Dazu beigetragen haben sicherlich die günstige topografische Lage sowie die optimale Sonnenorientierung des Berghanges oberhalb der Stadt. Die Weinhänge waren weit vom Westen bis in den Osten oberhalb der Stadt ausgedehnt, einzelne Lagen konnten Größen von bis zu 7 Morgen erreichen. Da Wein, wegen der gegenüber Wasser viel größeren hygienischen Sicherheit, eine große Verbreitung in der Bevölkerung hatte, stellte er auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Dokumentiert wird das unter anderem durch die Weinbergsordnung von 1560.
Eine Vielzahl von Berufen entwickelte sich, aufbauend auf diesem Gewerbe. So gab es Weinbergarbeiter und -arbeiterinnen, Weingärtner und Weinbergsaufseher, aber auch Kelterknechte, Kellermeister, Faßbinder, Bechermacher, Weinschröter (Fasstransporteure), Fuhrleute sowie Weinkaufleute, Weinausrufer und Andere. Die bekannten, in Gelnhausen angebauten Rebsorten waren: Gelber Ortlieber, Grüner Silvaner, Roter und Schwarzer Clevner, Weißer Elbling und Weißer kleiner Riesling. Weine aus Gelnhausen entwickelten sich zu überregional bekannten, beliebten Weinen und wurden bis an den Wiener Hof exportiert.
Rund um den Wein entstanden ebenso wie in anderen Regionen auch in Gelnhausen eigene Sitten, Gebräuche und Weinfeste. Eines von ihnen war das Weinlesefest, in dessen Mittelpunkt der „Orwanesi“, eine spätgotische Holzfigur des Heiligen Urbanus, des Schutzheiligen der Weinbauern, durch die Stadt getragen wurde.
Immer wieder war, im Laufe der Jahrhunderte, das Wetter ein entscheidender Faktor für Wohl und Wehe des Weinbaus in Gelnhausen. Während in der Anfangszeit die Mittelalterliche Warmzeit sehr begünstigend wirkte, begann ab dem 15. Jahrhundert, mit der Kleinen Eiszeit, eine Periode wiederkehrender Kälteeinbrüche, die mehrere Jahrhunderte andauerte und zu Ernteausfällen führte.„Da kam eines Nachts ein Reif …“- Vom Weinbau in Gelnhausen vor 500 Jahren – Aus dem Stadtbuch des Gerichtsschreibers Hartmann Brell, mitgeteilt von K.S., Zwischen Vogelsberg und Spessart, Heimatjahrbuch des Kreises Gelnhausen, 1962 Johann Heinrich Cassebeer erkannte früh „den Niedergang des Weinbaus in Gelnhausen und brachte Ideen zur Umnutzung der Weinbergsflächen ein. Unter anderem initiierte er die Pflanzung von Edelkastanien“.geschichtsverein-gelnhausen.de Heinrichshöhe und Edelkastanie Die Stecklinge besorgte er aus dem Taunus, „wohin die Römer den Baum vor bald zwei Jahrtausenden gebracht hatten“.„Gelnhausens erster grüner Bürgermeister – Apotheker, Naturwissenschaftler, Politiker: Dr. Gerd Eidam erinnert an Johann Heinrich Cassebeer“, Gelnhäuser Neue Zeitung, 1. Februar 2022 Der Pflanzort, die Heinrichshöhe, ist nach Cassebeer so benannt.
Das Ende des Weinbaues in Gelnhausen war aber weder der Frost, noch in entscheidendem Maße die aus Amerika eingeschleppte Reblaus, sondern die Eröffnung der Bahnstrecke, auf dem Abschnitt Hanau–Wächtersbach im Jahr 1867, die der Bevölkerung viele attraktive Arbeitsplätze näher brachte. Heute finden sich am Pfaffenweg, einem Kultur-Wanderweg oberhalb der Stadt noch Spuren der alten Wingerten und in einem von ihnen einen Neubeginn des Weinbaus.Pfaffenweg-Weinbau in Gelnhausen Abgerufen am 6. April 2021
Bad Gelnhausen Beim Bau einer Eisenbahnbrücke östlich von Gelnhausen, im Zuge der Errichtung der Kinzigtalbahn, entdeckte man 1865 die Mineralwasservorkommen in den „Klosterwiesen“. Die sehr positive Analyse der Sole führte sehr bald zu ihrer Erschließung und zum Bau eines kleinen Badehauses. Damit begann ein Badebetrieb „am Nippel“. Die relativ ungünstige Lage der Quellen im Verhältnis zur Stadt erschwerte allerdings die Realisierung der notwendigen weiteren Investitionen für einen florierenden Badebetrieb. Hinzu kam der Erste Weltkrieg mit seinen Folgen. Erst 1926 gestaltete man mit dem Schöfferpark im Westen der Stadt einen eindrucksvollen Kurpark. Das Wohnhaus des Fabrikanten Ludwig Wilhelm Schöffer, die Villa „Withu“, wurde zum Kurhaus.Bad Gelnhausen, aufgerufen am 20. April 2022Gudrun Kauck: Bad Gelnhausen, aufgerufen am 20. April 2022
Gegen eine weitere Entwicklung des Bades gab es, Anfang der 1930er Jahre, mit der einsetzenden Weltwirtschaftskrise den nächsten Schlag. Es folgte dann der Zweite Weltkrieg. Mit ihm endete auch die Geschichte von Bad Gelnhausen. Wiederbelebungsversuche „zwischen 1950 und 1977, die Quellen wieder zu erschließen und entsprechend zu nutzen, blieben erfolglos“.Gerhard Jahn: Es prudelt und sprudelt vor dem Tore …. Vortrag am 12. Februar 2003. Nicht ohne Einfluss waren dabei sicherlich die Erfolgsgeschichten der benachbarten Bad Orb und Bad Soden.
Eingemeindungen und Gebietsreform 1970/74 Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Juli 1970 die bis dahin selbständigen Gemeinden Haitz und Roth auf freiwilliger Basis als Stadtteil nach Gelnhausen eingegliedert. Am 1. April 1971 kam Hailer hinzu. Höchst und Meerholz folgten kraft Landesgesetz am 1. Juli 1974. Für alle Stadtteile und die Kernstadt von Gelnhausen wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Gelnhausen 21.801 Einwohner. Darunter waren 2063 (9,5 %) Ausländer, von denen 796 aus dem EU-Ausland, 952 aus anderen europäischen Ländern und 315 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 12,4 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 14,0 %.) Nach dem Lebensalter waren 3554 Einwohner unter 18 Jahren, 9341 zwischen 18 und 49, 4650 zwischen 50 und 64 und 4253 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 9692 Haushalten. Davon waren 3188 Singlehaushalte, 2738 Paare ohne Kinder und 2733 Paare mit Kindern, sowie 789 Alleinerziehende und 244 Wohngemeinschaften. In 1946 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 6727 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung 1611: 479 Steuernde in der Stadt, 28 im Ziegelhaus, 9 Juden