Die evangelische Dorfkirche Kuppentin ist eine gotische Kirche aus Backstein- und Feldsteinmauerwerk in Kuppentin im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Sie gehört zur Kirchengemeinde Woosten-Kuppentin in der Propstei Parchim der Kirchgemeinde Mecklenburg in der Nordkirche. mini|Dorfkirche Kuppentin (2006) mini|Dorfkirche Kuppentin (2024)
Kirchengeschichte Bischof Brunward von Schwerin bestätigte am 3. August 1235 in Warin der Kirche zu Kuppentin das Pfarrgut und den Pfarrsprengel.MUB, I. Band 786–1250. Stiller, Schwerin 1863, S. 434, Nr. 436. 1235. Aug. 3. Warin. Brunward, Bischof von Schwerin, bestätigt der Kirche zu Kuppentin das Pfarrgut und den Pfarrsprengel. Es war die Zeit der Kolonisierung und Christianisierung des slawischen Gebietes durch Deutsche aus dem Norden und Westen des bereits bestehenden Mecklenburgs. Slawen gaben dem Ort Kuppentin den Namen Ort des Kobbad, 1235 und 1271 als Kobadin, 1283 Cobbendin und 1558 als Cobbentyn erwähnt.Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Mecklenburg. In: MJB, 46, Schwerin 1881, S. 78. Zu dieser Zeit entstanden auch die Kirchspiele Plau und Kuppentin als Pfarrbezirke. Der Kirche Kuppentin wurde ein Kirchspiel übergeben, das die Dörfer Kuppentin, Bobzin, Gallin, Daschow, Zahren, Plauerhagen, Penzlin, Hof-Linden und die Dörfer Broock und Barkow umfasste, also ein ansehnliches und ertragreiches Kirchspiel. In dieser Ersterwähnung vom 3. August 1235 wurde auch der erste Kuppentiner Pastor Engelbertus de Cobandin genannt. Seit 1272 saßen die von Preen als Vasallen auf Kuppentin. Gottschalk von Preen als Ritter bei Heinrich I. von Werle erhielt als erste Belehnung fünf Hufen, nachfolgend wurde Johann von Preen genannt.
Weisin, Lalchow und Zahren und die Pfarre entwickelte sich dank ihrer begehrten Pfründe zu einem angesehenen und einflussreichen Besitz.Friedrich Schlie: Das Gut und Kirchdorf Kuppentin. Schwerin 1901, S. 603. Auch das Kloster Dobbertin erwarb schon 1308 in Kuppentin Einkünfte von vier Hufen und zwei Katen, die sich auf 12 Mark im Dorf Kobende erstrecken.MUB, V. Band, Schwerin 1869, Nr. 3205. 1391 wurde der Knappe Tydeke Samekow als wohnhaft in Kuppentin genannt und sieben Jahre später in Daschow. Vor 1461 war Kuppentin ein Lehngut von Heine Curse und gelangte 1461 durch eine Erbtochter des Heine Curse an Hans von Restorff II., Sohn von Hans Restorff I. auf Wessentin und Kritzow.Eckart von Stutterheim: Geschichte der Familie von Restorff. Teil II., München 1989. Von 1551 bis 1567 hatte Joachim von Restorff und von 1580 bis 1601 Christoph von Restorff, Sohn von Joachim Grundbesitz in Kuppentin. Bis 1639 waren die Provisoren vom Sophien-Stift in Lübz Joachim (Achim) von Restorff und bis 1701 sein Sohn Christoph in Kuppentin.Thomas Reilinger: Zeittafel Kuppentin. In: Festschrift zur 775 Jahrfeier in Daschow, Kuppentin, Penzlien und Zahren im Jahr 2010. Kuppentin 2010. Ab 1703 wurde ein Cord Dietrich von Restorff genannt und ab 1714 wurde das Gut zeitweise vom Hauptmann von Gamm verwaltet. Die von Restorff blieben bis zum Konkurs 1732 in Kuppentin. Von 1733 bis 1736 wurde ein von Weltzien als Verwalter genannt, der nach Plau am See ging.
Ab 1739 gelangte Kuppentin in den Besitz von Bernd Ulrich von Pressentin auf Prestin, der seit 1730 bis zu seinem Tode 1769 das Nachbargut Daschow bewirtschaftete und dort seinen Wohnsitz hatte. 1804 übernahm Frau Charlotte Sophie Friederike von Freyburg, eine geborene von Pressentin das Gut Kuppentin, sie heiratete 1811 Dr. August Dietrich Bade und das Gut wurde durch die Erben bis 1821 verwaltet. 1821 erwarb Helmuth von Blücher aus dem Hause Sukow und Pohnsdorf das Gut Kuppentin aus den Händen der Erben. Da Helmuth von Blücher sehr jung mit 31 Jahren verstarb, bekam 1829 der jüngere Bruder Ernst von Blücher das Gut. Als dieser 1830 Klosterhauptmann im Kloster Malchow wurde, verpachtet er Kuppentin für 20 Jahre an Jobst Heinrich von Bülow. Ab 1863 war Anton von Blüchers Sohn Gustav Eigentümer von Kuppentin. Er war Kammerherr des Großherzogs und 1876 Direktor der Justizkanzlei. Nach dessen Tod 1892 übernahmen Carl und Ernst von Blücher gemeinschaftlich den Besitz in Kuppentin, das Carl bis 1922 bewirtschaftete. Von 1922 bis zur Vertreibung 1945 bewirtschaftete Carls Neffe Ernst-August von Blücher auf Teschow das Gut Kuppentin.Helga Berendt: Familie von Blücher auf Kuppentin. 2010, S. 13–18.
Nach der Enteignung 1945 wurde das Gutshaus für Flüchtlingswohnungen genutzt, eine kleine Konsum-Verkaufsstelle untergebracht und als Gaststätte bis zur Wende genutzt. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden ab 1959 durch die LPG Karl Liebknecht bewirtschaftet. Bis zur Wende wurden die Pflanzenproduktion der LPG in Neu Poserin und die Tierproduktion der LPG in Gallin zugeordnet. Ab 1993 hat eine Genossenschaft die Landwirtschaft um Kuppentin übernommen.
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Reparaturen am Kirchendach und am Mauerwerk nur notdürftig ausgeführt, der Chorgiebel neigte sich stark nach Westen. 1978 wurde die Kirche wegen Baufälligkeit sogar gesperrt.Horst Alsleben: Die Kuppentiner Dorfkirche ist seit genau 16 Jahren gesperrt. In: SVZ Lübz-Goldberg-Plau, 26. Oktober 1994. Seit der Gründung eines Fördervereins am 20. Dezember 1995 unter Vorsitz von Jürgen Damm kümmerte sich der Verein 21 Jahre lang um deren Sicherung und Sanierung bis zu ihrer Wiederweihe 2001.
Baugeschichte Die Kirche in Kuppentin wurde 1235 erstmals urkundlich erwähntMUB, I. Band, Schwerin 1863, Nr. 436., doch der Chorbau konnte um 1290/1300 und das Kirchenschiff auf 1337 datiert werden.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 363.
Am 22. Dezember 1649 tauschte Herzog Adolf Friedrich mit dem Klosterhauptmann Paschen von der Lühe und der Domina Catharina von Sprengel vom Kloster Dobbertin das Patronat der Kirche zu Kuppentin für die Kirche in Golberg mit der Filialkirche in Zidderich ein.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3271. Schon am 11. November 1650 verkaufte das Kloster Dobbertin die Kirche für 500 Gulden an Lüder von Dessin's Erben auf Daschow. 1655 brannte das Pfarrhaus ab. Der Pastor Michael Freund schob dieses Unglück auf die Ruchlosigkeit einer seiner Diener.
1978 wurde die Kirche wegen gefährdeter Standsicherheit des Giebels und drohender Einsturzgefahr durch die Staatliche Bauaufsicht, Außenstelle Lübz gesperrt.Schreiben der Staatlichen Bauaufsicht des Kreises Lübz vom 26. Oktober 1978. Der Giebel des Chores hatte sich zum Langhaus geneigt und drohte einzustürzen. Mauerwerk und Chor zeigten große Risse. Einige Deckenbalken des Langhauses waren wegen Feuchteschäden durchgefault und Dachsparren waren gebrochen. Das Mauerwerk auf der Nordseite wurde durch die Last des Daches infolge der zerstörten Deckenbalken nach außen gedrückt.Baufachliches Gutachten vom 27. August 1978 durch den vom Ministerium für Bauwesen der DDR zugelassenen Bausachverständigen Bauingenieur Klaus Ott aus Güstrow. Sofortige Notsicherungsarbeiten sollten durch Feierabendbrigaden ausgeführt werden, die baufachlich überfordert waren. Nach einem Hilferuf des Pastors Siegfried Schulz an das damalige Institut für Denkmalpflege in Schwerin wurde der vom Ministerium für Bauwesen als Bausachverständiger in der DDR für den konstruktiven Bauzustand bei historischen Gebäuden zugelassene Experte Wolfgang Preiss aus Dresden am 22. November 1978 mit der Begutachtung des Bauzustandes beauftragt. Außer der Kunstbergung konnten seine Empfehlungen zur Abwendung der drohenden Gefahren und für die Wiederherstellung des Bauwerkes in den nächsten zehn Jahren nicht durchgeführt werden.Wolfgang Preiss: Baufachliches Gutachten Dorfkirche Kuppentin, Kreis Lübz. Dresden 5. März 1979. Erste 1981 begonnene Vorarbeiten zur Sicherung des Chores wurden abgebrochen. Denn in den kommenden Jahren konnten weder durch das Kreisbauamt noch durch die Kreisplankommisson Lübz die fehlenden Projektierungs- und Baukapazitäten sowie die Baugerüste bereitgestellt werden. Die von der Evangelischen Landeskirche angebotenen Projektierungsleistungen durch ein in Braunschweig (BRD) ansässiges Ingenieurbüro durchführen zu lassen, wurden auch auf einer am 11. März 1986 in Kuppentin durchgeführten Beratung vom Stellvertretenden Vorsitzenden für Innere Angelegenheiten beim Rat des Bezirkes Schwerin abgelehnt.Koop, Stellv. d. Vors. f. Inneres Rat des Bezirkes Schwerin: Protokoll über die am 11. 3. 1986 durchgeführte Standortberatung der evang. Kirche zu Kuppentin. 12. März 1986. 1992 wurde mit der Auslagerung der Kanzel, des Schmerzensmanns, der Bänke im Chor und dem Abbau des Altars begonnen. Danach erfolgte im Chor der Einbau eines Ringankers und der Zuganker und die Rissverpressung. Wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten wurden die Sicherungsarbeiten auf unbestimmte Teit eingestellt.
Nach weiteren drei Jahren konnten die Arbeiten am Chor der Kirche mit Hilfe des im Dezember 1995 gegründeten Fördervereins ab 1996 fortgesetzt werden. Bis 1999 erfolgten aufwändige Sicherungsarbeiten mit der inneren und äußeren Sanierung sowie Restaurierung des Langhauses und des Chores. Finanzielle Förderungen kamen dafür von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Marlis-Kressner-Stiftung, der Rudolf-August-Oetker-Stiftung, dem Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, dem Förderverein und vieler freiwilliger Helfer. So konnten auch das Kunstgut und die Orgel restauriert werden. 2000 erfolgte die Neueindeckung des Chordaches mit alten Biberschwänzen und die Sanierung der Sakristei. Nach Abschluss der Sanierung erfolgte am 24. Juni 2001 in einem Festgottesdienst die Wiedereinweihung der Kirche, die seitdem wieder genutzt wird.
Baubeschreibung Die Kirche in Kuppentin gehört zu den wenigen eigenständigen Kirchengebäuden im Land, bei denen das niedrigere Langhaus als Teil der alten Kirche und der größere, höhere und breitere Chor als späterer Anbau angesehen wurde. Doch wie neue wissenschaftliche Untersuchungen belegen, hier irrtenAnmerkung: Baukörperliche Beschreibungen entstanden und entstehen bis heute nicht durchweg bei Vor-Ort-Terminen, sondern auch im Schriftverkehr mit regionalen und lokalen Quellen. sogar Experten wie Schlie und Dehio.
Äußeres Die Kirche Kuppentin besteht aus einem hohen Chor aus Backstein, einem angefügten flachgedeckten rechteckigen Feldsteinbau und einem hölzernen Turm mit achteckigem Helm. Die Abdeckung ist mit Holzschindeln aus kanadischer Rotzeder versehen. Den Abschluss bildet ein Eisenkreuz und die Metallkugel. Der Chor wurde dendrochronologisch (d) um 1290/1300 datiert, das Schiff auf 1337 (d) und der Turm auf 1556 (d). Der Chorbau hat ein fünfseitigen polygonalen Schluss aus dem Zwölfeck. Das Schiff hat schmale Fensteröffnungen, die auf der Nordseite rundbogig mit schräger Leibung gestaltet sind. Auf der Südseite wurden die Fenster ebenso wie das Portal im Norden spitzbogig verändert. Um den Chor zieht sich ein Rundbogenfries. Der Planwechsel vom ambitionierten gotischen Chor hin zu einem relativ archaischen Langhaus wird auf ein allgemeines Nachlassen des Kirchenbaugeschehens infolge der unter anderem durch Pestepidemien und Holzmangel geschwächten Wirtschaftskraft in Mecklenburg und Vorpommern zurückgeführt.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 147–148. Vor den dendrochronologischen Untersuchungsergebnissen wurde das Langhaus in der Literatur noch als älter als der Chor angesehen.Dehio-Handbuch: Kuppentin, Lkr. Parchim. 1980, S. 189–190.
Der Chor steht auf einem Feldsteinsockel und ist mit ursprünglichen, zierlichen, nicht abgetreppten Strebepfeilern versehen. Zwischen den Strebepfeilern sitzen hohe schmale Fenster, die außen und innen mit Rundstab profiliert sind. Später wurden mitten in das südliche und südöstliche Polygonfenster weitere abgetreppte Strebepfeiler eingezogen. In der Nordwand befindet sich ein vermauertes Rundfenster.