mini|Historisches Gebäude der Academia Petrina (heute Museum) mini|Aufriß des Academischen Gimnasium in Mitau Die Academia Petrina war die älteste höhere Bildungseinrichtung auf dem Gebiet des heutigen Staates Lettland.Education, the Baltic States and the EU by Bryan T. Peck, page 89. Die Academia Petrina wurde auf Betreiben von Friedrich Wilhelm von Raison 1775 in Mitau (), der Hauptstadt des Herzogtums Kurland und Semgallen, durch Herzog Peter von Biron eingerichtet und bestand mit wechselvoller Geschichte bis 1944. Seit 1991 besteht mit dem erneuten Status des Gymnasiums die Tradition der Petrina fort in einer Technischen Sekundarschule an einem anderen Ort der Stadt.
Name 1775 Academia PetrinaAcademia Petrina (Mitau) Eintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek auf der Website dnb.de. Abgerufen am 29. März 2021., gestiftet als Gymnasium academicum seit 1804 Gymnasium illustre Gymnasium Petrinum'Universitäten im östlichen Mitteleuropa: Zwischen Kirche, Staat und Nation', S. 43 https://books.google.com/books?isbn=3486845462. seit 1837: offizielle Bezeichnung Gouvernements-Gymnasium 1934 bis 1940: Hercoga Pētera ģimnāzija (Herzog-Peter-Gymnasium)Hercoga Pētera Ǵimnazija (Mitau) Eintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek auf der Website dnb.de. Abgerufen am 29. März 2021. nach 1945: Jelgavas 1. vidusskola (Jelgava-Sekundarschule Nr. 1) 15. August 1991: 1. Gymnasium 2012: Jelgavas Tehnoloģiju vidusskola (Technische Sekundarschule Jelgava)
Geschichte Vorgeschichte Die Einrichtung der Akademie beruhte auf einer Idee von Friedrich Wilhelm von Raison: „Vorzüglichen Dank aber ist ihm die ganze Provinz schuldig für den wirksamen Antheil, den er an der Stiftung des mitauschen Gymnasiums nahm. Er war es eigentlich, der den Herzog Peter zu derselben bewog; er war es, der mit Sulzern die Korrespondenz wegen des zu entwerfenden Plans und wegen Berufung der ersten Lehrer führte, der die Bücher für die Bibliothek und die Instrumente für die Sternwarte verschrieb; so wie er auch bis an seinen Tod an der Vervollkommnung des Instituts ununterbrochen Theil genommen hat.“Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen Livland, Esthland und Kurland, bearbeitet von Johann Friedrich von Recke, Karl Eduard Napiersky, Dritter Band, L-R, Mitau 1831, S. 461–463 .
Es bestand die Absicht, in Mitau eine vollständige Universität mit allen vier Fakultäten zu errichten. Dieser Plan wurde aufgrund der Abhängigkeit Kurlands von der katholisch-polnischen Oberherrschaft verworfen. Nach dem in Polen geltenden Recht durfte eine Universität ohne Einwilligung und Bestätigung des Papstes nicht gestiftet werden, und ob und wann die Genehmigung der päpstlichen Kurie zu der Errichtung einer protestantischen theologischen Fakultät zu erlangen gewesen wäre, war unklar. Daher wurde diese Absicht aufgegeben und beschlossen, ein akademisches Gymnasium zu stiften, das – halb Schule, halb Universität – alle Rechte einer Hochschule genießen sollte, mit Ausnahme des Vorrechts, akademische Würden zu erteilen.
Von 1773 bis 1775 baute Severin Jensen den herzoglichen Palais bzw. das Witwenpalais der Herzogin von Kurland und Semgallen und späteren Zarin Anna Iwanowna zur Academia Petrina um. Der Ort hatte durch deren „Hofhaltung“ eine gewisse Bedeutung erlangt.Karl-Otto Schlau: Mitau im 19. Jahrhundert: Leben und Wirken des Bürgermeisters Franz von Zuccalmaglio (1800-1873). Harro von Hirschheydt, Wedemark-Elze 1995, ISBN 3-7777-0006-1, S. 109.Jochen Könnecke: Lettland. DuMont Reiseverlag. S. 212.
Ab der Stiftung bis 1795 Am 8. Juni 1775 erfolgte die Stiftung, festgehalten auf einem 17-seitigen Dokument.Fundation des academischen Gymnasii vom 8. Junius 1775, gegeben auf dem Schloss Mitau, In: Curland unter den Herzögen, von Carl Wilhelm Cruse, Zweiter Band, Mitau 1837, S. 222–238 .
Die Academia Petrina wurde nach Lehrplänen von Johann Georg SulzerWilliam Meyer: Die Gründungsgeschichte der Academia Petrina in Mitau. Ein Beitrag zur Geschichte der Aufklärungszeit in Kurland, in: Sitzungsberichte der Kurzemer (Kurländischen) Gesellschaft für Literatur und Kunst und Jahresberichte des Kurzemer (Kurländischen) Provinzial-Museums in Jelgava (Mitau), Bd. 1935/36 (1937), S. 35–168. als Akademisches Gymnasium in zwei Stufen geführt. Die Schüler wurden zunächst in einer ersten Abteilung in den Grundlagen der klassischen Sprachen sowie in Literatur, Mathematik, Geschichte und Geographie unterrichtet. Danach folgte die zweite, wissenschaftliche Stufe, die dem Grundstudium an einer Hochschule entsprach.
Im Russischen Kaiserreich bis zum Ersten Weltkrieg Ab 1795 gehörte Mitau als Hauptstadt des Gouvernements Kurland zum Russischen Kaiserreich. Die Academia Petrina sollte zu einer Hochschule erweitert werden. Die Kurländische Ritterschaft hatte in Petersburg schon wichtige Zusagen erhalten und Johann Heinrich Kant (1735–1800), Pastor in Mitau, versuchte seinen Bruder Immanuel Kant aus Königsberg zum Wechsel nach Mitau zu überreden. Doch es war die Livländische Ritterschaft, die sich schließlich durchsetzen konnte: Die deutschsprachige Landesuniversität für die drei Ostseegouvernements wurde nicht in Mitau errichtet, sondern 1802 in Dorpat, als Kaiserliche Universität Dorpat. Deshalb gingen die Kurländer anfangs nur sehr zögerlich nach Dorpat.
1803 wurden im Russischen Kaiserreich Lehrbezirke eingerichtet. Das Gebiet des Gouvernements Kurland wurde dabei dem Lehrbezirk Dorpat (später Lehrbezirk Riga) unterstellt. Die Academia Petrina wurde 1806 in das Schulsystem Russlands eingegliedert und zum Gymnasium des Gouvernements Kurland umgewandelt. So war im 19. Jahrhundert und bis zum Ersten Weltkrieg das Gymnasium Mitau der wichtigste Bildungsträger für Lettland und das nördliche Litauen (Gouvernement Kowno).Creators of Independent States: Latvia, Lithuania and Jelgava Gymnasium, Deep Baltic vom 1. Juni 2017, abgerufen am 26. Dezember 2017. Seit 1837 lautete die offizielle Bezeichnung Gouvernements-Gymnasium. Bis 1887 war die Unterrichtssprache Deutsch; im Zuge der Russifizierung wurde es von Russisch abgelöst.
Ab dem Ersten Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg kam es 1915 zu einer Evakuierung der Schule nach Taganrog in der südrussischen Oblast Rostow. Im Gebäude des Gymnasiums in Mitau ließ sich die Kommandantur der deutschen Besatzungsmacht nieder. Beim Rückzug der Westrussischen Befreiungsarmee unter Pawel Michailowitsch Bermondt-Awaloff brannte das Gebäude nieder. Dem Brand fiel auch die reiche Bibliothek mit 42.000 Bänden zum Opfer.David H. Stam: International dictionary of library histories. Band 1, Chicago: Fitzroy Dearborn 2001, ISBN 978-1-57958-244-9, S. 395.
Im unabhängigen Lettland 1918 bis 1940 1922 wurde die wiederhergestellte Academia Petrina als staatliches lettisches Gymnasium wiedereröffnet. 1923 erfolgte die Teilung in ein Realgymnasium (später Gymnasium Nr. 2, heute Staatliches Gymnasium Jelgava) und ein humanistisches Gymnasium, das im historischen Gebäude blieb. (lettisch). 1925 feierte es unter internationaler Beteiligung sein 150. Jubiläum. Von 1934 bis 1940 trug die Schule den Namen Hercoga Pētera ģimnāzija (Herzog-Peter-Gymnasium).Arturs Veisbergs (Red.): Hercoga Pētera ģimnāzija – Academia Petrina, 1775–1975. Rakstu krājums. Ziemel̦blāzma, Västerås 1974.
1940 bis 1991 Während der sowjetischen Besatzung 1940 wurde die Schule umbenannt und 14 Schüler und Lehrer wurden nach Sibirien deportiert. Während der folgenden deutschen Besatzung kam es zu einer kurzen Wiederherstellung der Schule, bis ihre Zerstörung 1944 den Schulbetrieb unmöglich machte.
Nach dem Ende des Krieges während der erneuten sowjetischen Besatzung war die Schule in verschiedenen Gebäuden im Stadtgebiet untergebracht und trug die Bezeichnung Jelgavas 1. vidusskola (Jelgava-Sekundarschule Nr. 1).
Im unabhängigen Lettland nach 1991 Am 15. August 1991 erhielt sie den Status eines Gymnasiums zurück. 2008/2009 gab es 770 Schüler an der Schule sowie ein 78 Personen umfassendes Kollegium. 2012 beschloss der Stadtrat, das 1. Gymnasium zur Jelgavas Tehnoloģiju vidusskola (Technische Sekundarschule Jelgava) umzuwandeln. Das heutige Schulgebäude hat die Anschrift Meiju ceļš 9. (lettisch).
Gebäude Samuel Aaron und Juddell Hirsch führten 1801 Arbeiten am Gebäude durch.Jewish masters Samuel Aaron and Juddell Hirsch restored the roof of the famous Mitau Academy (Academia Petrina) in 1801, In: (englisch), mit Verweis auf Paul Campe: Lexikon Liv- und Kurländischer Baumeister, Bauhandwerker und Baugestalter von 1400 – 1850, Stockholm 1951, Bd. 1, S. 375–376.
1919 brannte das Gebäude aus und wurde bis 1923 vereinfacht (ohne den oberen Turmabschluss)Siehe diese Postkarte. wieder aufgebaut. Nach erneuten Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde es in der ursprünglichen Form wieder aufgebaut und wird heute als Ģ.Eliass Jelgava Geschichts- und Kunstmuseum genutzt.
Der Turm des Gebäudes war als Sternwarte eingerichtet, an der die Lehrkräfte astronomische Beobachtungen machten, so etwa Magnus Georg Paucker. Die astronomischen Instrumente gingen beim Brand 1919 verloren.Jahrbuch des baltischen Deutschtums 24 (1976), S. 54.
Personen Professoren und Lehrer (Auswahl) Name Geburtsjahr Sterbejahr Berufung Johann Heinrich Kant 1735 1800 1774–1781, Rektor Johann Melchior Beseke 1746 1802 Rechtsgelehrsamkeit Johann Benjamin Koppe 1750 1791 1775, griechische Sprache Johann August von Starck 1741 1816 1777–1781 Wilhelm Gottlieb Friedrich Beitler 1745 1811 1775–1811 Mathematik Johann Jacob Ferber 1743 1790 Physik und Naturgeschichte Johann Georg Eisen von Schwarzenberg 1717 1779 1776–1777 Heinrich Friedrich Jäger 1747 1811 1775–1789 Johann Nicolaus Tiling 1739 1798 1775–1798 Johann Gabriel Schwemschuch 1733 1803 1775–1798 Matthias Friedrich Watson 1732 1805 Johann Gottlieb von Groschke 1760 1828 Naturgeschichte und Chemie Johann Daniel von Braunschweig 1786 1857 1817–1837 Charles Toussaint 1813 1877 Französisch Magnus Georg Paucker 1787 1855 1813–1855 Mathematik und Astronomie Gottlob David Hartmann 1752 1775 Philosophie August Lebrecht Bretschneider 1771 1840 Musik Christian Heinrich Gottlieb Köchy 1769 1828 1803–1805 Rechtswissenschaft
Absolventen (Auswahl) Name Geburtsjahr Sterbejahr Spätere Tätigkeit Aspazija 1865 1943 lettische Dichterin Krišjānis Barons 1835 1923 lettischer Volkskundler Oskar Bidder 1866 1919 deutschbaltischer Pastor, evangelischer Bekenner Carl Gotthard von Bistram 1777 1841 kurländischer Landespolitiker und Jurist Paul von Bistram 1861 1931 kurländischer Kreismarschall Hans Bielenstein 1863 1919 deutschbaltischer Pastor, evangelischer Märtyrer Eduard Alexander von der Brüggen 1822 1896 kurländischer Landmarschall Jānis Čakste 1859 1927 Präsident Lettlands Wilhelm von Fircks 1870 1933 deutschbaltischer Politiker, Saeima-Abgeordneter Ernestas Galvanauskas 1882 1967 Premierminister Litauens Alberts Kviesis 1881 1944 Präsident Lettlands Wincenty Lutosławski 1863 1954 polnischer Philosoph Emil Mattiesen 1875 1939 deutschbaltischer Musiker, Musikpädagoge, Komponist und Philosoph Kārlis Mīlenbahs 1853 1916 lettischer Philologe Kazimieras Paltarokas 1875 1958 litauischer Bischof Gabrielė Petkevičaitė-Bitė 1861 1943 litauische Autorin Ulrich von Schlippenbach 1774 1826 deutschbaltischer Dichter Mykolas Sleževičius 1882 1939 Premierminister Litauens Antanas Smetona 1874 1944 Präsident Litauens Christoph Strautmann 1860 1919 lettischer Pastor, evangelischer Märtyrer Ludwig Johannes Tschischko 1858 1918 lettischer Pastor, evangelischer Märtyrer Carl Ludwig Wilpert 1765 1861 Generalsuperintendent von Kurland Stanisław Wojciechowski 1869 1953 Präsident PolensSo z. B. nach Studia polonijne 23 (2003), S. 189; Biographien zu Wojciechowski und Wojciechowskis Tagebücher sprechen allerdings von Gymnasiumsbesuch und -abschluss im heimischen Kalisz (am heutigen Asnyk-Lyzeum) 1888.
Literatur In der Reihenfolge des Erscheinens: