mini|Die Gärtnerische Lehr- und Versuchsanstalt zu Friesdorf mit dem Schulgebäude in den 1960er Jahren. Die Gärtnerische Lehr- und Versuchsanstalt zu Friesdorf war eine Lehr- und Forschungsinstitution der Landwirtschaftskammer Rheinland für den Bereich des Gartenbaus. 1917 in Bonn zunächst nur als Versuchsanstalt gegründet, wurde sie 1920 nach Friesdorf, einem Ortsteil von Bad Godesberg, verlegt und mit einer Winterschule ausgestattet. Diese wurde 1931 zu einer Ganzjahresschule ausgebaut und 1934 mit der Versuchsanstalt zur „Lehr- und Versuchsanstalt“ vereinigt, die bis 1965 unter der Leitung von Hans Karl Möhring (1899–1970) stand. Bis weit in die Nachkriegszeit war die Einrichtung „maßgebend für die Entwicklung des gärtnerischen Fachschulwesens“ in Deutschland.Festschrift anläßlich des 25jährigen Bestehens der Gärtner-Lehranstalt der Landwirtschaftskammer Rheinland zu Friesdorf Bad-Godesberg Friesdorf 1956. S. 5. 1986 wurde die Anstalt wegen der zunehmenden Raumknappheit im Bundesviertel nach Auweiler westlich von Köln verlegt. Dort bestand sie bis 2004 weiter.Fachschule Auweiler geschlossen Gabot.de 23. Juli 2004. Reste des ehemaligen Schulgartens der Anstalt sind noch heute im Ortsteil Hochkreuz als Friesdorfer Park begehbar.

Anfänge der Anstalt in Bonn (1917–1920) mini|Gebäude der Rheinischen Landwirtschaftskammer in Bonn-Endenich, die während des Ersten Weltkriegs die Gründung der Gärtnerischen Versuchsanstalt betrieb. Die Gründung der Versuchsanstalt, die später nach Friesdorf verlegt wurde, fiel in das Jahr 1917. Hintergrund war das Ziel der preußischen Landwirtschaftskammern, „den Vorsprung des westlichen Auslands im Gartenbau“ einzuholen. Sie entwickelten deshalb 1913 Pläne, zusätzlich zu den Landwirtschaftsschulen gärtnerische Versuchsanstalten einzurichten.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920-1986)“. 1991, S. 131. Der Gedanke, für die Rheinprovinz eine eigene Versuchsanstalt und Gärtnerschule zu schaffen, ging von dem Offizier und Kammerherrn Arnold Freiherr von Solemacher-Antweiler (1859–1942) aus. Er arbeitete seine diesbezüglichen Vorschläge in Form einer Denkschrift aus, die er dem damaligen Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Rheinland überreichte.Möhring: 25 Jahre Gärtnerlehranstalt Friesdorf. 1956, S. 7.

Zur Verwirklichung dieser Vorschläge gründete die Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer Rheinland am 28. Januar 1913 auf Anregung des Preußischen Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten einen Ausschuss „Gärtnerei“. Dieser stellte am 5. Januar 1915 einen Antrag zur Errichtung einer Gärtnerischen Versuchsanstalt innerhalb der Rheinprovinz, der am 28. Oktober 1916 die Zustimmung des Vorstands der Landwirtschaftskammer erhielt. Am 20. Januar 1917 bewilligten Provinzialausschuss und Landwirtschaftsminister je 5000 Reichsmark Zuschuss für die Errichtung der Anstalt.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920–1986)“. 1991, S. 137.

Die Finanzierung der Anstalt erfolgte allerdings nicht allein durch den preußischen Staat, sondern auch durch einen Förderverein, die „Rheinische Gärtnervereinigung“, die zur gleichen Zeit speziell zu diesem Zweck gegründet wurde. Sie hatte die andere Hälfte des jährlich auf 10.000 Mark geschätzten Zuschussbedarfs zu beschaffen.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920–1986)“. 1991, S. 131. Im April 1917 setzte der Vorstand der Landwirtschaftskammer ein Kuratorium ein, dass die Aufsicht über die Arbeit der Anstalt führte.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920–1986)“. 1991, S. 132. Zu den Untersuchungsgebieten, die der Anstalt zugewiesen wurden, gehörten Düngung, Anwendung der Gesetze der Vererbungslehre auf Pflanzenneuzüchtungen, Überwachung und Prüfung von Neuzüchtungen und Pflanzenschutzmitteln sowie von neuen Geräten für den Gartenbau wie Maschinen, Gewächshäusern und neuen Kulturmethoden. Die Versuchsergebnisse sollten vor allem durch Publikationen, Erteilung von Ratschlägen und Vortragstätigkeit schnell an die Interessenten gelangen.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920–1986)“. 1991, S. 132.

Erster Direktor der Anstalt wurde am 1. März 1917 Gartenbaudirektor Max Hermann Löbner (1869–1947), der bereits an seinem früheren Wirkungskreis am Königlich Botanischen Garten in Dresden und an der von Friedrich Nobbe begründeten pflanzenphysiologischen Versuchsstation in Tharandt Erfahrungen mit Pflanzenversuchen gesammelt hatte. Er legte die Anfänge der Anstalt auf einem 2,5 ha großen Grundstück, das sich neben und hinter dem Kammergebäude in der Endenicher Allee 60 in Endenich befand. Hier wurde ein 100 m langer und 20 m breiter Streifen mit Dahlien, Tomaten, Baumschulgewächsen und verschiedenen Züchtungen bepflanzt. Durch Spenden der Krupp-Gussstahlfabrik in Essen, der Rheinischen Gärtnervereinigung und verschiedener Gartenbaubetriebe konnte die Anstalt ausgebaut werden.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920–1986)“. 1991, S. 132.

Die Anstalt in Friesdorf (1920–1986) Erste Jahre unter der Leitung von Max Löbner (1920–1933) Im Jahre 1920 zog die Versuchsanstalt auf ein Grundstück mit einer alten Gewächshausanlage in Friesdorf unmittelbar an der Landstraße zwischen Bonn und Bad Godesberg, der späteren Bundesstraße 9, um. Die Anstalt lag dort direkt an der Haltestelle der Bonn-Mehlemer Straßenbahn.Saathoff: "Bericht über die Tätigkeit der Gärtnerischen Versuchsanstalt Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz im Berichtsjahre 1919" in Die Gartenwelt 24/20 (14. Mai 1920) S. 184 Digitalisat Dort stand auch ein Unterrichtsraum mit 20 Sitzplätzen zur Verfügung, so dass am 15. November 1920 die Gärtnerschule der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz eröffnet werden konnte.Möhring: 25 Jahre Gärtnerlehranstalt Friesdorf. 1956, S. 7. Die Schule war nach niederländischem Modell als Winterschule organisiert: drei bis vier Monate pro Jahr fand Unterricht statt, die übrigen Monate nahmen die Schüler an den Kulturarbeiten der Versuchsanstalt teil.Festschrift anläßlich des 25jährigen Bestehens der Gärtner-Lehranstalt der Landwirtschaftskammer Rheinland zu Friesdorf Bad-Godesberg. Friesdorf 1956, S. 3. Die Schule begann mit 17 Schülern, doch ging aufgrund der Geldentwertung und der durch die Alliierte Rheinlandbesetzung verursachten Verkehrsschwierigkeiten ihre Anzahl in den Jahren bis 1923 stark zurück.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920-1986)“. 1991, S. 132 f. In den Jahren danach nahm die Anzahl der Schüler wieder zu, so dass sie im Jahre 1929/30 bei 32 lag.Möhring: "25 Jahre Gärtnerlehranstalt Friesdorf" 1956. S. 7.

Im Oktober 1927 wurde ein Ausbau des Drei- bzw. Vier-Monatskurses in eine Vollgartenschule mit einjährigem Lehrgang vorgeschlagen. Das achtköpfige Schulkuratorium stimmte diesem Vorschlag sofort zu. In den folgenden Jahren wurden langwierige Verhandlungen über Gewährung von Staats- und Provinzialmitteln, Anlage des Schulgartens und Wahl des Direktors geführt. Der Plan für den neuen 10 Morgen großen Schulgarten für Gehölzkunde und Landschaftsgestaltung wurde von Gartenarchitekt Reinhold Hoemann in Düsseldorf-Grafenberg entworfen.Möhring: 25 Jahre Gärtnerlehranstalt Friesdorf. 1956, S. 10, 16. 1930/31 wurde auf dem Gelände der Anstalt ein Schulgebäude mit der Wohnung des Direktors errichtet.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920–1986)“. 1991, S. 132–134. Als Architekt wirkte Otto Scheidgen, der später Max Löbners Tochter Martha heiratete.

Aus der Winterschule im Halbtagsbetrieb wurde im Oktober 1930 die Gärtnerische Lehranstalt mit Vollzeitbetrieb,Möhring: "25 Jahre Gärtnerlehranstalt Friesdorf" 1956. S. 10. die feierliche Eröffnung in Anwesenheit von Vertretern der Landwirtschaftskammer, der Provinzialverwaltung, der Regierung und verschiedener Gärtnerei-Verbände fand allerdings erst im April 1931 statt,Festschrift anläßlich des 25jährigen Bestehens der Gärtner-Lehranstalt der Landwirtschaftskammer Rheinland zu Friesdorf Bad-Godesberg Friesdorf 1956. S. 3. nachdem am 2. März der Gewerbeoberlehrer und Dipl.-Gartenbauinspektor Hans Karl Möhring (1899–1970) zum Direktor der Lehranstalt gewählt worden war.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920-1986)“. 1991, S. 134. Möhring hatte an der Forschungsanstalt für Garten- und Weinbau in Geisenheim und am Berufspädagogischen Institut der Universität Köln studiert und von 1925 bis 1931 die Gärtnerische Berufs- und Fachschule in Essen geleitet.Saatgut-Wirtschaft 15-16 (1963) 350. Bis 1931 konnten in Friesdorf mehr als 200 Schüler zu Gärtnermeistern ausgebildet werden. Bei Ablegung ihrer Prüfung waren sie im Durchschnitt 23 bis 25 Jahre alt.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920-1986)“. 1991, S. 133f.

Unter der Leitung von Hans Karl Möhring (1933–1965) mini|Die Gärtnerische Lehr- und Versuchsanstalt mit den Steinbrüchen des Kuckstein im Hintergrund Nachdem Max Löbner am 1. Juli 1933 in den Ruhestand getreten war, übernahm Möhring auch die Leitung der Versuchsanstalt.Der Blumen- und Pflanzenbau vereinigt mit Die Pflanzenwelt 39 (Februar 1935) S. 100b. Digitalisat Er verschrieb sich vor allem dem Ziel, gärtnerische Betriebsleiter heranzubilden. Sie sollten die Anbautechnik beherrschen, eine gute Marktkenntnis und betriebswirtschaftliche Bildung besitzen, mit der steuerlichen Gesetzgebung vertraut sein und auch kaufmännische und ausreichende naturwissenschaftliche Kenntnisse haben. Die Gärtnerlehranstalt sollte allen Sparten des Gartenbaus gerecht werden. Neben dem Blumen- und Zierpflanzenanbau, der schon von Löbner entwickelt worden war, bemühte sich Möhring in den folgenden Jahren darum, auch die übrigen Sparten auszubauen.Möhring: 25 Jahre Gärtnerlehranstalt Friesdorf. 1956, S. 12.

1936 wurde der Gärtnerischen Versuchsanstalt der Beratungsring rheinischer Baumschulen angegliedert."Direktor Möhring - Friesdorf - zum 40jährigen Dienstjubiläum" in Rheinische Monatsschrift für Gemüse Obst Zierpflanzen 10/1963. Die Schüler besuchten die Gärtnerlehranstalt üblicherweise zwei Semester, und zwar ein Sommer- und ein Wintersemester. Die durchschnittliche Anzahl lag zwischen 1931 und 1939 bei 24 pro Semester.Möhring: 25 Jahre Gärtnerlehranstalt Friesdorf. 1956, S. 13f. Sie kamen aus allen Teilen Deutschlands, zum Teil sogar aus dem Ausland. Die meisten von ihnen wohnten während ihrer Ausbildung zur Untermiete in Friesdorf.Schwalb: „Die Gärtnerische Versuchsanstalt zu Friesdorf (1920-1986)“. 1991, S. 134 f. Die Schüler waren eng mit der Lehranstalt verbunden. Am Semesterende gab es Bierzeitungen, zu den Geburtstagen des Direktors Fackelzüge und zur Friesdorfer Kirmes Paias-Verbrennungen.Stienen: Erinnerungen an Papa Möhring. 2008, S. 16.