Die Burg Deutschlandsberg ist eine Felsenburg bei Deutschlandsberg im österreichischen Bundesland Steiermark.
Lage
Die Burg liegt auf einem hohen Felsvorsprung über der Laßnitz, die sich durch die sogenannte Klause, ein wildromantisches Tal, den Weg nach Osten bahnt. Am Fuße des Burgberges erstreckt sich Deutschlandsberg, dessen Wahrzeichen die Burg darstellt.
Die Burg steht unter Denkmalschutz (). Sie liegt auf den Grundstücken .2/1; .2/2; 233/7; 233/11; 243/9; 331 der Einlagezahl (EZ) 95 in der Katastralgemeinde (KG) 61005 Burgegg. Weitere Grundstücke, auf denen sich (bereits eingehend untersuchte) Stellen befinden, wie das Grundstück 243/8 oder keine Funde zu erwarten sind (Straßengrundstücke) liegen außerhalb des denkmalgeschützten Bereiches, werden aber in der Literatur als Ort der Burg mit angegeben.Murgg: Burgruinen. S. 30, nennt als Grundstücke: 2/1-2, 233/6–8, 233/11–13, 243/1, 243/9–10, 319/1, 331. Der Bereich der ebenfalls denkmalgeschützten Bodenfundstelle der Altburg (Tanzboden, Tanzplatz) ist im Flächenwidmungsplan ausgewiesen., Kartenservice (GIS-Steiermark), Planung und Kataster, flächenhafte Ersichtlichmachungen.
Geschichte Siedlungsspuren auf einer ebenen Stelle im Nordosten der heutigen Anlage, dem „Tanzplatz“ (auch „Tanzkogel“Knapp: Altburgstellen, S. 20. oder „Tanzboden“Paul Dittrich: Die Altburgstelle neben der Burg Deutschlandsberg. In: Blätter für Heimatkunde. Band 26, Graz 1952, S. 56 (historischerverein-stmk.at). genannt und nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Altburgstelle in ), belegen eine Besiedlung aus urgeschichtlicher Zeit. Dort wird eine befestigte Siedlung als Holz-Erde-Anlage vermutet.Murgg: Burgruinen. S. 30. Diese Anlage wird auch als „Altburg Deutschlandsberg“ bezeichnet. Funde stammen aus der Jungsteinzeit (Lasinjakultur, ungefähr 3900–3300 v. Chr.) und späteren Perioden, wie z. B. Tonscherben von FurchenstichkeramikA. Bernhard: Siedlungsgeschichtlicher Überblick …. MStBV 2004, S. 11. vom Typ der in der Steiermark verbreitetenArchäologie im Vulkanland Kupferzeitliche Siedlung in der ‚Waltra-Höhle’ bei Jamm, Marktgemeinde St. Anna am Aigen. Retz-Gajary-Kultur aus der frühen Kupferzeit ca. 2800–2400 v. Chr. In der Hallstattzeit wurde eine mit einem Wallsystem befestigte Siedlung errichtet. Im Bereich des heutigen Parkplatzes und am Südhang des Burgbereiches sind spät-latènezeitliche Gebäude dokumentiert.Fundbericht. In: Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Fundberichte aus Österreich. (FÖ) Band 51, Jahrgang 2012. Wien 2013, , , S. 316. Im Süden des Burgbereichs befinden sich jene Fundstellen, die durch ihr Fundmaterial eine Vorgängeranlage aus dem 10./11. Jahrhundert erschließen lassen.Murgg: Burgruinen S. 31. Bisherige Forschungen zeigen, dass in diesem Bereich nicht zwei Burgen existiert haben, sondern von einer (zumindest phasenweise) parallelen Nutzung beider Bereiche auszugehen ist.Murgg, Hebert: Wehrbauten BMÖ 1994, S. 61. Weitere Spuren konnten aus der Römerzeit und nachfolgenden Jahrhunderten bis in das Frühmittelalter (7. Jahrhundert) gefunden werden.
Allein im Fundmaterial archäologischer Grabungen in den Jahren 2015 und 2016 wurden 47.940 Keramikfragmente (davon 4756 Rand-, 40.550 Wand- und 2634 Bodenstücke von Töpfen, Schalen und anderen Gefäßen aus Keramik) gefunden. Weiters wurden mehrere tausend Tierknochen gefunden, von denen 2952 taxonomisch näher bestimmt wurden. Wichtige Fundstücke sind in einer Reihe von Publikationen veröffentlicht. Die Funde bestätigen, dass am Ort der Deutschlandsberger Burg bereits vor der Errichtung des (in das 12. Jahrhundert datierte, erste größere Befestigung) ursprünglichen Polygonalturmes eine frühhochmittelalterliche Siedlungstätigkeit nachweisbar ist.Bernhard Schrettle, Johanna Kraschitzer, Erika Gál: Hoch- bis spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Keramik von der Burg Deutschlandsberg (Steiermark) - Ein Addendum mit einem archäozoologischen Exkurs. In: Beiträge zur Mittelalter- und Neuzeitarchäologie. BMÖ, Band 40, Jahrgang 2024. Herausgegeben von der Österreichischen Gesellschaft für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie, Wien 2024, , ISBN 978-3-903192-22-5. S. 103, 111 und 114.
Um 970 schenkte Kaiser Otto I. das Gebiet des heutigen Deutschlandsberg dem Erzbistum Salzburg. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde ein Bau mit einem Hauptturm aus Stein vermutlich unter Erzbischof Konrad I. errichtet und dem Ministerialengeschlecht der (nach dem Ort benannten) „Lonsberger“ übergeben. 1153 ist ein Fridericus de Lonsberch als Burggraf dokumentiert. Im gleichen Jahr wird auf der Burg Lonsperch eine Messkapelle eingerichtet, die dem Hl. Laurentius geweiht ist. (abgerufen am 30. Dezember 2016). Es gibt Hinweise darauf, dass die auf der anderen Seite des Laßnitztales liegende erste Befestigungsanlage dieser Gegend damals noch bestand und somit in diesem Gebiet zwei Wehranlagen gleichzeitig existierten: Die Burg Deutschlandsberg und der beim Schloss Frauental im Gebiet der Filialkirche St. Ulrich vermutete Nidrinhof aus der Zeit bairischen Kolonisation im 10. Jahrhundert.Murgg: Burgruinen. Fußnote 3 auf S. 17 unter Hinweis auf: Bernhard: Siedlungsgeschichtlicher Überblick. mini|Die Burg liegt über den Weingärten und den Villen im Westen der Stadt, Blick vom Leibenfeld im Süden In den Jahren 1185 und 1188 ist die Burg erstmals als Burg (castrum) „Lonsperch“ urkundlich erwähnt. 1292 wurde in ihr der Landsberger Bund als Grundlage des Aufstandes des steirischen Adels gegen Herzog Albrecht I. abgeschlossen. Nach einem Brand des westlichen Burgteiles im 13. Jahrhundert wurde im 14. Jahrhundert eine neue gotische Burganlage errichtet, der Turm wurde restauriert. Nach einer Besetzung durch den Ungarnkönig Matthias Corvinus von 1479 bis 1490 erhielten die Salzburger die Burg zurück und befestigten sie neu. Unter Hans Jacob von Kuenburg wurde ein Neubau der Burgkapelle 1597 begonnen, ihr Bau 1607 vollendet. Diese Kapelle war dem Hl. Ruprecht, dem Schutzpatron von Salzburg, geweiht.
1532 widerstand die Anlage einem Angriff der Türken. In weiterer Folge wurden zahlreiche Um- und Neubauten durchgeführt. Der Rezess von Wien klärte 1535 die Rechtsstellung des Burgbesitzes insoweit, als das Gebiet danach als Teil der Steiermark (und nicht als Exklave Salzburgs) zu behandeln war. Das Geschlecht der Kuenburger erstand 1595 die Burg, das Erzbistum Salzburg kaufte sie 1630 wieder zurück. Die Burg wurde danach Zentrum des Salzburger Grundbesitzes in der Weststeiermark. 1803 ging die Anlage in staatlichen Besitz (Ärar) über, 1811 wurde sie vom Grafen Moritz von Fries erstanden, bis sie schließlich 1820 in die Hände des Fürstenhauses Liechtenstein gelangte.
Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts befand sich im mittelalterlichen Teil der Burg ein Rittersaal, an dessen Decke Reste einer Malerei erkennbar waren, die eine Schlacht aus dem Dreißigjährigen Krieg darstellte. In einem Fürstenzimmer befanden sich noch einige Porträts von Salzburger Erzbischöfen. In der Schlosskapelle wurde ein Bild aufbewahrt, dass an die Rückkehr des Schlosshauptmannes Fröhlich von Fröhlichsberg erinnerte, der 1683 mit 300 Männern zur Befreiung Wiens von der 2. Türkenbelagerung aufgebrochen war und glücklich wieder zurückkam.Gerhard Fischer: Reiseerinnerungen des Johann Ritter von Kalchberg. Der Schriftsteller und Historiker Johann Nepomuk Ritter von Kalchberg war von 1805 bis 1810 Eigentümer des Schlosses Feilhofen. Seine Reiseerinnerungen stammen aus dem Jahr 1815. In: Weststeirische Rundschau. 17. August 2018. Nr. 33/2018. S. 2.
Am 7. August 1830 wurde der (später weitgehend abgetragene) runde Glockenturm durch Blitzschlag in Brand gesetzt, das Feuer konnte aber durch tatkräftige Hilfe von Ortsbewohnern eingegrenzt und ein Übergreifen auf das Schloss verhindert werden. Die Grundherrschaft Liechtenstein äußerte dafür mit einem Schreiben vom 21. August 1830 durch Josef Egger, Bezirkskommissär und fürstlicher Güter-Inspektor, ihren ausdrücklichen Dank „an die ehrsame Bürgerschaft Deutsch-Landsberg“.Feuersnot und Feuerabwehr in Alt-Landsberg. Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 11. März 2022. 95. Jahrgang Nr. 10, S. 4.
1876 wurde der Runde Turm im Norden der Anlage verkürzt, 1885/1890 der romanische Turm mit den Resten der ersten Burgkapelle gesprengt. 1932 erwarb die Stadtgemeinde Deutschlandsberg die Burg. Die Anlage hatte bis dahin zum Fideikommissgut der Herrschaft Liechtenstein gehört.Vom Hobby zum Beruf. (Artikel über den Archäologen Andreas Bernhard, der sich u. a. mit archäologischen Arbeiten im Burgbereich befasst). In: Weststeirische Rundschau. 18. September 2015. Nr. 38/2014. S. 3. Um 1945 war die Burg stark verfallen. Mit Bausteinaktionen, Burgfesten und freiwilligen Helfern wurde die Anlage danach in der Zeit des Bürgermeisters Paul Dittrich (1946–1948) zumindest gesichert, Schutthaufen entfernt und der Höhenunterschied im Burghof von 2,68 Metern durch Terrassen und Stufen ausgeglichen.„Der Traum vom weltlichen Wallfahrtsort Burg“. In: Weststeirische Rundschau. 23. Februar 2018. Nr. 8/2018. S. 3. Der romanische Turm wurde in den Jahren 2011/12 nach Plänen, die aus der Zeit um 1803 stammten, wieder aufgebaut, ebenso wurde die um 1631 erweiterte Burgzisterne wieder zugänglich gemacht und am Tag des Denkmals 2014 in Führungen erklärt. Die Zisterne sammelte das Wasser von den Dachflächen in einer ausgeklügelten Anlage, in der es durch mehrere Klärvorrichtungen und einen Sandfilter gereinigt wurde.Andreas Bernhard, Petra Laubenstein: Die Zisternenanlage auf der Burg Deutschlandsberg In: Wiederhergestellt. Nr. 36. Hrsg. vom Bundesdenkmalamt. Wien 2014.
Der Turmneubau am Standort des romanischen Turms hat vier Etagen, ist mit einem zeltartigen Dach gedeckt und wird für Museumszwecke verwendet. Der Aufwand von 800.000 € wurde weitgehend aus Förderungen der EU (Regionalfonds EFRE) und des Landes Steiermark finanziert. Die romanische Kernburg zu seinen Füßen wurde ebenfalls renoviert, der Neubau ihrer Ringmauer am Steilabfall zur Laßnitzschlucht wurde 2014 begonnen.Burganlage nimmt mehr und mehr ursprüngliche Gestalt an: Das Burgmuseum feiert heuer seinen 35. „Geburtstag“. In: Weststeirische Rundschau. 31. Oktober 2014. Nr. 44/2014. S. 1.
2017 wurde der Hauptturm, der das Aussehen der Anlage prägt, mit einem 15 m hohen, 60 Grad steilen Dach aus Titanzinkblech versehen, dessen Aussehen der Dachform im 19. Jahrhundert nachempfunden ist und dessen Lebensdauer auf Jahrhunderte geschätzt wurde. An Kosten wurde ein Betrag von 270.000 Euro genannt, der vom Land Steiermark zur Verfügung gestellt wurde und zu 80 Prozent aus Fördermitteln der Europäischen Union stammte.Thomas Wieser: Ein neues Dach um 270.000 Euro. In: Kleine Zeitung. Lokalteil Deutschlandsberg, 3. November 2016. . mini|hochkant|Turm mit neuem Dach ab 2017, Eingang zum Burgmuseum Der Name der Burg geht im Wortteil „Land-“ nicht auf das deutsche Wort für ein Gebiet, sondern auf einen slawischen Ausdruck zurück, der auch im Namen Laßnitz enthalten ist und der im Süden Österreichs mehrfach vorkommt. Er bezeichnet eine Rodungsstelle, feuchte Wiese, einen Waldbach usw.Tscherne: Von Lonsperch zu Deutschlandsberg. S. 40. Die Silbe „Deutsch-“ wurde erst im 19. Jahrhundert vor den Namen gesetzt, um das damalige Landsberg vom Ort gleichen Namens in Slowenien „Windisch-Landsberg“ zu unterscheiden: dieses heutige Podčetrtek lag damals ebenfalls noch in der (Unter-)Steiermark.
Anlage mini|Gebäude der Burg Deutschlandsberg (zum Tanzplatz rechts oben) mini|Burg Deutschlandsberg (1681) Den Zugang zur Burg bildet ein Tor an der Nordostseite. Die ältesten noch sichtbaren Teile der Anlage befinden sich im Südwesten. Dort befindet sich das Turmhaus aus der Zeit der Gotik, das das Erscheinungsbild der Anlage prägt.