Ann-Charlott Settgast (-Brockmüller) (* 25. September 1921 in Neustrelitz; † 5. September 1988 in Schwerin) war eine deutsche Schriftstellerin.

Leben Ann-Charlott Settgast war die Tochter der Lehrerin Gertrud Settgast, geb. Ahrens und des Versicherungsbeamten Paul Settgast. Sie besuchte in Neustrelitz bis zur Mittleren Reife das Oberlyzeum. Mit 2 Jahren erkrankt sie an Kinderlähmung, was eine lebenslange Gehbehinderung zur Folge hatte.

Nachdem ein von ihr angestrebtes Studium der Filmdramaturgie durch den Krieg unmöglich wurde, begann sie 1939 zunächst als Sachbearbeiterin und Buchhalterin bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Neustrelitz zu arbeiten. Mit 21 Jahren siedelte sie mit ihrer Mutter nach Schwerin über und war dort zwischen 1943 und 1950 ebenfalls als Sachbearbeiterin und Buchhalterin bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Schwerin, später der Sozialversicherungskasse tätig.LHA Schwerin, 10.9-S/22 Nachlass Settgast (-Brockmüller), Ann-Charlott, Fragebogen vom 10. März 1986, Sig. 277.

Seit 1958 war Ann-Charlott Settgast mit dem 1961 verstorbenen Segelschiffkapitän Werner Brockmüller verheiratet.

Literarisches Wirken Vor 1945 schrieb Settgast hauptsächlich Kurzgeschichten über mecklenburgische Künstler und andere heimatkundliche Artikel für lokale Zeitungen. Bereits als 14-Jährige veröffentlichte sie unter dem Titel „Skizzen aus dem alten Neustrelitz“ kleine Geschichten in der Landeszeitung für Mecklenburg und Nachbargebiete, später auch „Geschichten aus dem alten Rostock“ im Rostocker Anzeiger. Aber auch ein erster Roman entstand Anfang der 1940er-Jahre. Der Seemannsroman mit dem Titel „Auf falschem Kurs“ wurde 1944 vom Verlag „Neues Leben“ angenommen, jedoch wohl aufgrund von Papiermangel nie gedruckt.

Nach 1945 intensivierte Settgast ihre schriftstellerische Tätigkeit. Es folgten Publikationen in der Tagespresse und verschiedenen Zeitschriften. 1947 nahm sie ihre Arbeit als freie Mitarbeiterin beim Landessender Schwerin und später des Berliner Rundfunks auf und befasste sich dort vor allem mit Kinder- und Jugendfunkformaten.LHA Schwerin, 10.9-S/22 Nachlass Settgast (-Brockmüller), Ann-Charlott, Personalfragebogen 1950, Sig. 236.

Ab 1951 war sie als freischaffende Schriftstellerin tätig. Settgast verfasste von nun an vor allem Jugendbücher und historische Romane, aber auch plattdeutsche Texte (vor allem für die Norddeutsche Zeitung) und Hörspiele für den DDR-Rundfunk. Ihre historischen Romane befassen sich beispielsweise mit Johann Gutenberg, Hans Sachs, Johannes Kepler, Ida und Ferdinand Freiligrath oder Bertha von Suttner. Die Erinnerungen ihres Ehemannes, des Segelschiffkapitäns Werner Brockmueller, verarbeitete sie zu Geschichtensammlungen unter dem Titel Ut de Seekist.

Wirken in der Bewegung schreibender Arbeiter Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit engagierte sich Ann-Charlott Settgast als Mentorin in der Bewegung schreibender Arbeiter, Veteranen und Kinder. Wegweisend für diese Bewegung war die Bitterfelder Autorenkonferenz von 1959. Ziel der Konferenz war es die „vorhandene Trennung von Kunst und Leben“ und die „Entfremdung zwischen Künstler und Volk“ zu überwinden und die Arbeiterklasse am Aufbau des Sozialismus umfassender zu beteiligen. Dazu sollten u. a. Künstler und Schriftsteller in den Fabriken arbeiten und Arbeiter bei deren eigener künstlerischer Tätigkeit unterstützen.

Im Zuge dessen übernahm Ann-Charlott Settgast ab 1959 die künstlerische Anleitung verschiedener Zirkel u. a. den Zirkel der Schreibenden Arbeiter der VEB Mathias-Thesen-Werft Wismar, des VEB Zellstoff Wittenberge, des Kabelwerk Oberspree in Schwerin und des Hauptpostamts in Schwerin. Zudem leitete sie die Zirkel schreibender Arbeiter in Hagenow, Grabow, Brüsewitz, Gadebusch und Zirkel der Arbeitsgemeinschaft „Junge Poeten“ in Schwerin.LHA Schwerin, 10.9-S/22 Nachlass Settgast (-Brockmüller), Ann-Charlott, Fragebogen vom 10. März 1986, Sig. 277.

Weiteres Engagement und Ehrungen Ferner war Ann-Charlott Settgast zwischen 1964 und 1971 Bezirkstagsabgeordnete, Mitglied des Bezirksvorstandes Schwerin des Deutschen Schriftstellerverbands, Mitglied der Kreisleitung des deutschen Kulturbundes Schwerin, Mitglied des Kuratoriums zur Verleihung des Fritz-Reuter-Preises und Mitglied des Rates der Bezirks-Kulturakademie.

1961 wird Ann-Charlott Settgast mit dem Fritz-Reuter-Kunstpreis ausgezeichnet. Es folgten weitere Auszeichnungen und Ehrungen.LHA Schwerin, 10.9-S/22 Nachlass Settgast (-Brockmüller), Ann-Charlott, Fragebogen vom 10. März 1986, Sig. 724 und 316. Seit 2007 ist in Schwerin-Werdervorstadt eine Straße nach ihr benannt.Bildnachweis Frank Rawel, 2012

Der Nachlass von Ann-Charlott Settgast wird im Landeshauptarchiv Schwerin aufbewahrt.

Auswahl ihrer Werke

Bücher Settgast veröffentlichte insgesamt 21 Bücher.

Klaus und seine Freunde, 1949 Martin Höst. Bauernbub, 1951 Das Regenbogenfähnlein, 1951 Meister der schwarzen Kunst, 1954 Schuhmacher und Poet dazu, 1954 Weisheit – Narrheit – Gold, 1956 Miteinander, 1957 Ein Junge aus Berlin, 1958 Zirkuskinder, 1959 Mit Jakobsstab und Enterbeil, 1960 Käpt’n Ahlbrügg und seine Janmaaten, 1960 Nächte am Orinoco, 1963 Wagnis einer Frau, 1968 Die Nacht der Doktorin Erxleben, 1977 Micha und der Klabautermann, 1978 Brandstifter, 1978 Ut de Seekist, 1982 Die Versuchung, 1986 Der Mann in Tranquebar, 1986

Hörspiele De Seißen gahn, 1948 Un wenn ok hunnert Johr’ vergahn, 1950 Frühling in Uhlenbrauk, 1950 MAS Pingelsdorf, 1950 Uprägung in Seebeck, 1951

Literatur

Settgast, Ann-Charlott. In: Kurt Böttcher (Leitung des Autorenkollektivs und Gesamtredaktion): Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1975; Band 2, S. 313

Einzelnachweise

Weblinks Hommage mit Erinnerungen an die Autorin als Zirkelleiterin Erinnerungen zum 25. Todestag von Ann-Charlott Settgast Namensgebung Ann-Charlott-Settgast-Straße

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