mini|Hans Albrecht von Barfus, Kupferstich eines unbekannten Künstlers (1702) Johann (Hans) Albrecht von Barfus (auch Barfuß; * 1635 in Möglin bei Wriezen, Mark Brandenburg; † 27. Dezember 1704 in Kossenblatt bei Beeskow, Mark Brandenburg) war ein brandenburgisch-preußischer Generalfeldmarschall.
Hans Albrecht von Barfus trat schon in jungen Jahren in die Armee ein. Er kämpfte in Schlachten gegen Polen, Schweden, Frankreich und vor allem gegen das Osmanische Reich. So konnte er sich 1686 bei der Befreiung Ofens auszeichnen und 1691 die schon verloren geglaubte Schlacht bei Slankamen gewinnen helfen. Vom Kaiser Leopold I. wurde Barfus für seine Tapferkeit gelobt und 1699 in den Reichsgrafenstand erhoben, außerdem vom Kurfürsten zum Generalfeldmarschall befördert. Durch seine Heirat in die einflussreiche Familie von Dönhoff gewann er am brandenburgischen Hof an Macht, war 1697 nach dem Sturz Eberhard von Danckelmans sogar kurzzeitig Premierminister. Wegen einer Intrige gegen Graf Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg musste er 1702 schließlich seinen Abschied nehmen und sich auf seine Güter zurückziehen.
Herkunft Johann Albrecht von Barfus wurde 1635Nach anderen Quellen 1631 oder 1634. auf dem Rittergut Möglin geboren. Sein Vater Georg Henning von Barfus (1611–1673) war zu dieser Zeit Rittmeister beim kaiserlichen Kürassier-Regiment des Obersten von Wins und noch 1640 in diesen Diensten. Später wurde er Oberst zu Ross beim brandenburgischen Reiterregiment des Generals Graf Georg Friedrich zu Waldeck. 1663 erschien er in einem Verzeichnis der kriegserfahrenen Offiziere der Mark Brandenburg als Oberstleutnant. Er entstammte einem alten märkischen Adelsgeschlecht, das 1251 erstmals erwähnt wurde,Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band I (= Band 53 der Gesamtreihe GHdA). C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1972, . und heiratete Cäcilia Freiin von Wins, die auch aus einem wohlbegüterten jüngeren brandenburgischen Geschlecht stammte.Marcelli Janecki (zugl. Red.): Jahrbuch des Deutschen Adels, Erster Band. Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft, Vaterländische Verlagsanstalt, Verlag von W. T. Bruer, Berlin 1896, S. 122 ().
Die väterlichen Güter Möglin, Reichenow, Bliesdorf und Altwriezen, die zum Teil schon seit Jahrhunderten in Familienbesitz waren, hatte der Dreißigjährige Krieg sehr mitgenommen, besonders der langwierige Aufenthalt des kaiserlichen Regiments des Generalfeldmarschalls Torquato Conti.
Die beiden Brüder der Mutter standen in kaiserlichen Diensten und hatten es dort zu hohen Ehren gebracht. Der Ältere, Christoph von Wins, war Oberst und hatte in Schlesien in den Fürstentümern Münsterberg und Neisse die Rittergüter Schützendorf und Gührau erworben. Der Jüngere, Johann von Wins, war Kammerherr, Kriegsrat sowie Oberst eines Regiments Kürassiere und wurde samt seinem Bruder und seiner Schwester 1630Sippenverband Ziering-Moritz-Alemann. . Selbstverlag, Berlin 1936, nennt 1638 als Jahr der Standeserhöhung. vom Kaiser Ferdinand II. in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Der Kaiser unterzeichnete das Diplom persönlich und verlieh ihm den Namen Freiherr von Leis und Wins.
Militärische Karriere
Unter Kurfürst Friedrich Wilhelm Der Einfluss seines Vaters, wie auch seiner Onkel, bestimmte Hans Albrecht von Barfus schon früh zum Kriegsdienst. 1650 trat er beim Fußvolk in die kurbrandenburgische Armee ein und diente „von der Pike auf“, was er des Öfteren zu erwähnen pflegte, als er später zum General aufgestiegen war.
Seine ersten Feldzüge unternahm er unter dem Feldmarschall Otto Christoph von Sparr, den Generalen Joachim Ernst von Görzke, Georg von Derfflinger und dem Grafen Georg Friedrich zu Waldeck. So focht er 1656 als Leutnant auf schwedischer Seite gegen die Polen und nahm an der Schlacht bei Warschau teil. In seinen ersten Dienstjahren stieg er nur langsam auf, war im Januar 1670 immer noch Leutnant. Erst der Französisch-Niederländische Krieg, in dem Brandenburg auf holländischer Seite kämpfte, machte ihn 1672 zum Hauptmann und zum 1673 Oberstwachtmeister. Er scheint wegen seiner langsamen Beförderung daran gedacht zu haben, den Kriegsdienst zu verlassen, da er von 1673 bis 1677 mehrere Güter um Soldin in der Neumark ankaufte.
Am 25. Dezember 1677 zum Oberst befördert, erhielt er Anfang 1678 das Regiment des gestorbenen Generalfeldzeugmeisters Christian Albrecht von Dohna und wohnte mit demselben dem Feldzuge in Pommern gegen die Schweden bei; der brandenburgische Kurfürst hatte inzwischen die Seiten gewechselt. Im September 1678 war er bei der Landung auf Rügen und beim Angriff des Korps unter General Otto Wilhelm von Königsmarck zugegen. Schließlich konnten die Brandenburger Stralsund und ganz Vorpommern erobern. Am 28. Februar 1683Nach anderen Quellen 1678. wurde er Gouverneur der Festung Peitz, am 9. Juni dieses JahresNach anderen Quellen 1684. Generalmajor. Im August führte er mit dem Generalmajor Graf Wolfgang Christoph Truchsess von Waldburg 1000 Mann Fußvolk und 200 Dragoner dem Kaiser Leopold I. gegen die Türken zur Hilfe.Der Abmarschbefehl des Kurfürsten an den Oberst von Barfus ist abgedruckt in: Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. 14. Band. de Gruyter, Berlin und Leipzig 1926, S. 115. Sie vereinigten ihre Truppen mit einem Teil der polnischen Armee, konnten aber bei der Beendigung der Belagerung Wiens am 12. September noch nicht eingreifen, weil sich der Wiener und der Berliner Hof nicht über die Bedingungen einigen konnten. Zur Befreiung der wichtigen Festung Gran konnten sie am 21. September allerdings beitragen, worüber der polnische König Johann III. Sobieski in seinem Schreiben an den Kurfürsten von Brandenburg seine besondere Zufriedenheit äußerte. Auch bei der Einnahme der Festung Schretzein zeichneten sie sich aus und eroberten ein altes brandenburgisches Geschütz, das die Türken in einem früheren Krieg erbeutet haben mögen und das von Barfus als Siegeszeichen dem Kurfürsten heimbringen durfte. Damit war der Feldzug in Ungarn beendet: Das weitere Vordringen der Türken nach Mitteleuropa war gestoppt, Nordwestungarn wurde habsburgisch und die Truppen kehrten in die Mark zurück.
Am 10. Januar 1685 wurde von Barfus Gouverneur und Oberhauptmann der Festung Spandau. In Friedenszeiten hatte er auch administrative Pflichten zu erfüllen. Im April 1685 erhielt er beispielsweise vom Kurfürsten den Auftrag, einen Streit zwischen dem Fürstenwalder Magistrat und der Bürgerschaft beizulegen. Den von ihm vorgeschlagenen Rezess genehmigte der Kurfürst.
mini|Die Befreiung Budas, Gemälde eines unbekannten Künstlers (um 1700) Am 27. Dezember 1685 erhielt von Barfus den Befehl, sich zu einem erneuten Feldzug nach Ungarn bereitzuhalten. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte sich verpflichtet, dem Kaiser 8000 Mann zur Hilfe zu senden, darunter auch vom Regiment Barfus ein 578 Mann starkes Bataillon. Am 17. April 1686 hielt der Kurfürst die Heerschau bei Crossen ab und das Korps marschierte unter dem Oberbefehl des Generalleutnants Hans Adam von Schöning durch Schlesien nach Ungarn. Im Juni kamen die Truppen vor Buda an und wurden am 27. Juni durch den kaiserlichen kommandierenden General Karl von Lothringen besichtigt. Nach mehr als neun Wochen Belagerung erfolgte am 2. September der Hauptangriff, wobei Charles Eugène de Croÿ den rechten, Hans Albrecht von Barfus den linken Flügel befehligte. Die Türken flüchteten sich auf das Schloss und ergaben sich tags darauf. Damit war Buda, damals die Hauptstadt der Türken in Ungarn, befreit. Die Brandenburger traten im Oktober den Rückmarsch an und erreichten am 7. Dezember Grünberg in Schlesien, wo das Korps auseinanderging.
Unter Kurfürst Friedrich III. Am 29. April 1688 starb der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm. Am darauf folgenden Tag wurde von Barfus von seinem Nachfolger, dem Kurfürsten Friedrich III., zum Generalleutnant befördert. Am 19. September fand die feierliche Beisetzung des „Großen Kurfürsten“ statt, wobei von Barfus die in Berlin aufgestellten Truppen befehligte. Am 11. Dezember erhielt er die Ernennung zum wirklichen geheimen Kriegsrat. Damit war der Grundstein seiner politischen Laufbahn gelegt, die ihn später in höchste Ämter führen sollte. Doch zunächst standen noch einige Kriegszüge bevor.
mini|Belagerung und Bombardierung der Stadt Bonn, Kupferstich von J. P. Richermo (1689) mini|„Plan von der Belagerung von Bonn“, Kupferstich von J. W. Schleuen (1690) Am Anfang des Jahres 1689 befand sich von Barfus am Rhein und im Februar in Den Haag, wo er mit Graf Georg Friedrich zu Waldeck und holländischen Generalen den nächsten Feldzug gegen die Franzosen beriet. Die Holländer vereinigten sich daraufhin bei Alpen mit den am Rhein zusammengezogenen brandenburgischen Truppen unter den Generalen von Schöning, Alexander von Spaen und von Barfus. Der Kurfürst von Brandenburg übernahm das Oberkommando. Am 13. März trug von Barfus zum Erfolg der Schlacht bei Uerdingen bei.A. C. v. d. Oelsnitz: Geschichte des k. preuss. Ersten Infanterie-Regiments seit seiner Stiftung im J. 1619 bis zur Gegenwart: Mit dem Porträt S. Maj. des Königs. Mittler, 1855, S. 205 (). Dann wurden Neuss, Rheinberg, Zons sowie Kaiserswerth genommen und die Armee marschierte nach Bonn. Am 22. Juni war von Barfus mit seinen Truppen Bonn gegenüber angekommen und hatte Befehl, die Beueler Schanze auf der rechten Rheinseite einzunehmen. Der Zufall fügte es, dass zwei Tage später beim Beschuss eine Granate in das Pulvermagazin der Schanze schlug und eine Bresche in die Verteidigungsanlagen riss. Im Sturmangriff wurden die Reste der Besatzung überwältigt. Von Barfus ließ die eroberte Schanze erweitern und Wurfbatterien anlegen, die Bonn bombardierten. Die brandenburgische Armee schloss Bonn auf der linken Rheinseite ein. Der am 11. Juli im Lager Wesseling eingetroffene Kurfürst war unschlüssig, ob er den französischen Kommandanten von Bonn, Alexis Bidal Marquis d’Asfeld (1654–1689), durch eine Blockade oder eine förmliche Belagerung zur Übergabe zwingen sollte, weshalb er seine Generale aufforderte, sich schriftlich dazu zu äußern. Von Barfus stimmte für eine förmliche Belagerung und forderte in seinem Schreiben vom 15. August „mehr Infanterie, Artillerie, Munition, Schanzzeug, Faschinen, Geld und etliche Tausend Bauern.“Ein von Barfus ausgestelltes Gutachten für den Kurfürsten, 15. August 1689, zitiert nach Franz Wilhelm von Barfus-Falkenberg: H. A. Graf von Barfus Königl. Preuß. General-Feldmarschall. Ein Beitrag zur Geschichte unter den Kurfürsten Friedrich Wilhelm und Friedrich III. von Brandenburg, insbesondere der Feldzüge gegen die Türken 1683, 1686, 1691. Hertz, Berlin 1854, S. 44, .
Der Streit mit von Schöning
mini|Hans Adam von Schöning, Kupferstich von August Christian Fleischmann (um 1690) Am 24. August kam die Nachricht, dass der Marschall Louis de Crévant, duc d’Humières ein Korps gegen Mainz entsandt habe, um die Belagerung durch die Verbündeten zu brechen. Von Barfus erhielt den Befehl, mit 6000 Mann zur Verstärkung der Belagerungsarmee von Mainz unter dem Herzog Karl von Lothringen zu marschieren. Die Truppen brachen auf, und von Barfus wollte ihnen am 30. August folgen, als sich ein Streit zwischen ihm und dem jüngeren, aber militärisch über ihm stehenden von Schöning ereignete. Feldmarschallleutnant von Schöning, der als hochmütig und habsüchtig beschrieben wird, behandelte seine Untergebenen oft mit Härte und Geringschätzung. In einer schriftlichen Stellungnahme äußerte sich von Barfus folgendermaßen zu dem Vorfall: Er habe vom Kurfürsten den Befehl erhalten, sich bei von Schöning abzumelden und diesen in Kenntnis gesetzt …
Dann kam Geheimrat Eberhard von Danckelman, von dem von Barfus sich verabschiedete und die beiden sofort verließ, um zu seinen Truppen zu reiten. Bevor er sein Pferd besteigen konnte, kam der Feldmarschall-Leutnant und bat ihn zur Seite: