Die Schott AG ist ein internationaler Technologiekonzern, der vor allem für die Herstellung von Spezialglas und Glaskeramik bekannt ist. Das 1884 in Jena gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Mainz und beschäftigt weltweit rund 17.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern. Der Geschäftsbereich für pharmazeutische Verpackungen wurde 2022 als Tochterunternehmen Schott Pharma ausgegründet.

Geschichte Gründung als Glaslabor Ende des 19. Jahrhunderts mini|hochkant|Unternehmensgründer und Namensgeber Otto Schott mini|Glastechnisches Laboratorium in Jena (1884) mini|Zentrale der Schott AG in Mainz thumb|Baustelle des neuen Schott-Hauptsitzes in Mainz im Jahr 1951 mini|Werk Mainz in den 1950er Jahren Die Anfänge der Schott AG gehen zurück bis in das Jahr 1884. Damals gründeten Otto Schott, Ernst Abbe und Carl Zeiß sowie dessen Sohn Roderich Zeiß das Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen in Jena, das zunächst optische Gläser für Mikroskope und Fernrohre herstellte. Unter anderem wurden 1889 aus hochwertigen Gläsern die Linsen des Berliner Bamberg-Refraktors gefertigt.Harro Hess: Aus der Geschichte der Berliner Gesellschaft Urania (1888–1927). Archenhold-Sternwarte Berlin-Treptow, 1979.

Im Jahr 1891 wurde die von Ernst Abbe zwei Jahre zuvor ins Leben gerufene Carl-Zeiss-Stiftung Teilhaberin des Glaslabors. Mit der Erfindung des chemisch resistenten, hitze- und temperaturwechselbeständigen Borosilicatglases konnten neue technische Gläser wie Thermometerglas, Laborgläser und Glaszylinder für Gaslampen angeboten werden.

Stiftungsunternehmen Die neuen Produkte sorgten für einen raschen wirtschaftlichen Aufstieg des Unternehmens. 1919 lag die Mitarbeiterzahl bei 1.233, der Umsatz verdoppelte sich bis 1920 auf 28 Millionen Mark. 1919 übertrug Otto Schott seine Geschäftsanteile an die Carl-Zeiss-Stiftung. Das Glaslabor wurde so zu 100 Prozent ein Stiftungsunternehmen und in Jenaer Glaswerk Schott & Gen. umbenannt. Ab 1927 leitete Erich Schott, Sohn des Unternehmensgründers Otto Schott, das Glaswerk.

Zeit des Nationalsozialismus Das Jenaer Glaswerk blieb auch nach der Machtergreifung des NS-Regimes ab dem 30. Januar 1933 weiterhin ein vollständiges Unternehmen der Carl-Zeiss-Stiftung. Bis 1938 gehörte kein Mitglied der Geschäftsleitung der NSDAP an; die Geschäftsleitung war eher im liberal-demokratischen Spektrum verortet.Johannes Bähr: Selbstbehauptung, Anpassung und Wandel. Die Carl-Zeiss-Stiftung und die Stiftungsbetriebe im „Dritten Reich“. In: Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision, zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 147. Die Geschäftsführung passte sich den Erwartungen des NS-Regimes an und trug Änderungen im Stiftungsstatut mit, die wichtigen Grundsätzen Ernst Abbes widersprachen.Johannes Bähr: Selbstbehauptung, Anpassung und Wandel. Die Carl-Zeiss-Stiftung und die Stiftungsbetriebe im „Dritten Reich“. In: Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision, zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 156.

Für die Produktion wurden während des Zweiten Weltkriegs auch Zwangsarbeiter eingesetzt. Im Jenaer Glaswerk waren seit Herbst 1940 insgesamt 3502 Zwangsarbeiter beschäftigt, von denen die aus der Sowjetunion die zahlenmäßig größte Gruppe bildeten.Johannes Bähr: Selbstbehauptung, Anpassung und Wandel. Die Carl-Zeiss-Stiftung und die Stiftungsbetriebe im „Dritten Reich“. In: Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision, zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 186. Neben optischen Gläsern u. a. für Zielfernrohre, waren es vor allem auch die Glas-Metall-Durchführungen für elektrotechnische Anwendungen, wie z. B. in Funkgeräten von Kampfflugzeugen (ab 1941 im neugegründeten Zweigwerk in LandshutJohannes Bähr: Selbstbehauptung, Anpassung und Wandel. Die Carl-Zeiss-Stiftung und die Stiftungsbetriebe im „Dritten Reich“. In: Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision, zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 184.) sowie die Herstellung von Scheinwerfer-Rohglas und Gläser für Flieger- und Schutzbrillen in den DESAG-Tochterbetrieben Mitterteich und GrünenplanJohannes Laufer: Deutsche Spiegelglas AG 1871–1975. Die Geschichte eines Unternehmens zwischen Industrialisierung und sozialer Marktwirtschaft. Verlag „Die Werkstatt“, Göttingen 1994, ISBN 3-89533-114-7, S. 260 ff., die das Glaswerk zu einem wichtigen Betrieb der Rüstungsindustrie werden ließen.

Im Frühjahr 1944 erhielt die Geschäftsleitung vom Rüstungsministerium den Befehl, die Fertigung von Rohglas für optisches Glas in die Staatsschieferbrüche bei Lehesten in Thüringen unter Tage zu verlegen und den Aufbau einer Fertigung für optische Gläser in der Tochtergesellschaft Vereinigte Farbenglaswerke Zwiesel voranzutreiben.Johannes Bähr: Selbstbehauptung, Anpassung und Wandel. Die Carl-Zeiss-Stiftung und die Stiftungsbetriebe im „Dritten Reich“. In: Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision, zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 185. Bis Kriegsende konnte dieses Projekt nicht mehr abgeschlossen werden. Nachdem das Glaswerk von Luftangriffen trotz der herausragenden Stellung in der Kriegswirtschaft im Wesentlichen verschont blieb, erlitt das Stammwerk in Jena im März 1945 erhebliche Schäden. In den letzten Kriegstagen setzten sich die Geschäftsleitungen von Schott und Zeiss für eine kampflose Übergabe der Stadt ein. Weisungen, die Werksanlagen zu zerstören, wurden nicht ausgeführt.Johannes Bähr: Selbstbehauptung, Anpassung und Wandel. Die Carl-Zeiss-Stiftung und die Stiftungsbetriebe im „Dritten Reich“. In: Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision, zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 185.

Mainz wird neuer Sitz Als der Standort Jena nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde, nahm die US-Armee bei ihrem Rückzug aus dem Gebiet die Geschäftsleitung und ausgewählte Spezialisten mit nach Westdeutschland, unter anderem Richard Hirsch. Das Ereignis ging als „Zug der 41 Glasmacher“ in die unternehmensgeschichte ein.Geschichte: Schott 1884 – 2009. In: Schott AG, aufgerufen am 20. Januar 2016. Nach Zwischenstationen in Heidenheim an der Brenz, Zwiesel, Mitterteich und Landshut endete die Reise für die meisten der Mitarbeiter des Jenaer Glaswerks schließlich in Mainz, wo Erich Schott 1952 den heutigen Unternehmenssitz in der Mainzer Neustadt errichten ließ – mit zwei Natursteinmosaiken im Eingangsbereich von Charles Crodel in Erinnerung an das Jenaer Hauptwerk. Auslöser für den Neuanfang war die Enteignung des Jenaer Werks und die Umwandlung in einen volkseigenen Betrieb (VEB) 1948 sowie die ein Jahr danach erfolgte Teilung Deutschlands.

In Jena gab es nun den VEB Jenaer Glaswerk Schott & Gen., später in das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena integriert (1976).Rainer Karlsch: Die Carl-Zeiss-Stiftung in Jena 1945 bis 1989. In: Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision, zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 232. In Mainz wurde das Stiftungsunternehmen Jenaer Glaswerk Schott & Gen. fortgeführt. In den ersten Nachkriegsjahren entstand eine inoffizielle Zusammenarbeit zwischen ost- und westdeutschen Mitarbeitern, die 1953 durch die DDR beendet wurde.SCHOTT Archiv, IV/15.618: Schriftwechsel, Berichte und Erinnerungen von Paul PrausnitzSCHOTT Archiv, 15.28: Schriftwechsel, Berichte und Aktennotizen insbesondere zum Ende der Demontage und dem Wiederaufbau des Jenaer Glaswerkes 1947/48 Während sich der volkseigene Betrieb in Jena zu einem der wichtigsten Spezialglaslieferanten des Ostblocks entwickelte, baute Erich Schott von Mainz aus eine internationale Unternehmensgruppe mit Produktionsstandorten und Vertriebsstätten in Europa, Amerika und Asien auf. Mit neuen Produkten wie Glaskomponenten für Fernsehbildröhren, Glasfasern für Licht- und Bildleiter, Spiegelträger für Großteleskope aus Zerodur-Glaskeramik, Kochflächen aus Ceran-Glaskeramik, Glasröhren für die Pharmazie und technische Anwendungen wurde das Unternehmen ein führender Spezialglashersteller.

Wandel zum Technologiekonzern In den Folgejahren entwickelte sich das Unternehmen zu einem internationalen Technologiekonzern. 1984 betrieb Schott bereits 40 Produktionsstätten in zehn Ländern, der weltweite Umsatz lag bei 1,31 Milliarden DM. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm das Unternehmen in Mainz die Geschäftsanteile des Jenaer Betriebs.

1998 bestand Schott Glas, so die neue Firma, aus über 80 Unternehmen in 32 Ländern und einen weltweiten Umsatz von über drei Milliarden DM. Im Jahr 2001 verkaufte Schott die Fertigung von Trinkgläsern im bayerischen Zwiesel im Rahmen eines Management-Buy-out, dieses Unternehmen firmiert heute als Zwiesel Kristallglas AG.

2004 wurde das Unternehmen im Zug einer Reform der Carl-Zeiss-Stiftung umgewandelt. Schott wurde ebenso wie das Schwesterunternehmen Carl Zeiss zu einer rechtlich selbstständigen Aktiengesellschaft, alleinige Aktionärin der Schott AG bleibt aber die Stiftung.

Solarbranche 2001–2012 Im Jahr 2001 stieg der Technologiekonzern in die Solarindustrie ein und gründete 2005 die Schott Solar GmbH (seit 2008 Schott Solar AG). Das Tochterunternehmen produzierte Wafer, Zellen und Module für die Photovoltaik. Parallel erfolgte ein Engagement in der Concentrated Solar Power (CSP)-Technologie. Mit der Herstellung von Absorberröhren lieferte Schott die Schlüsselkomponente zur Stromerzeugung aus Sonnenenergie in Großkraftwerken. 2012 zog sich Schott aus dem Solargeschäft zurück, die Schott Solar AG wurde aufgelöst.

Ausgründung der Pharma-Sparte 2022 mini|Logo Zum 1. August 2022 verselbständigte Schott das Geschäft mit pharmazeutischen Verpackungen und Verabreichungssystemen, um damit einen möglichen Börsengang vorzubereiten. Das neue Unternehmen firmiert als Schott Pharma AG & Co. KGaA. Schott Pharma stand zum Start mit einem Jahresumsatz von rund 650 Millionen Euro für etwa ein Viertel des Konzerngeschäfts und beschäftigt rund 4.800 Mitarbeiter. Das Börsendebüt in Frankfurt am Main war am 28. September 2023.Schott erwartet knapp eine Milliarde Euro Emissionserlös, Manager Magazin vom 18. September 2023, abgerufen am 19. September 2023 Im Dezember 2023 wurde das Unternehmen in den Aktienindex SDAX aufgenommen und stieg im September 2024 in den MDAX auf.

Unternehmensprofil Die Schott AG ist eine selbstständige Aktiengesellschaft. Alleinige Aktionärin ist die Carl-Zeiss-Stiftung, die sich u. a. aus der Dividende finanziert. Eine Veräußerung der Aktien ist laut Stiftungsstatut nicht erlaubt und ein Börsengang der Schott AG damit ausgeschlossen.

Im Geschäftsjahr 2024/2025 erzielte Schott einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro und einen Jahresüberschuss von 165 Millionen Euro (im Vorjahr 308 Millionen Euro). Die Schott AG beschäftigte 2025 in Produktions- und Vertriebsstätten in über 30 Ländern rund 17.000 Mitarbeiter, davon über 6.000 in Deutschland.

Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist seit Januar 2025 Torsten Derr. Er löste Frank Heinricht ab, der das Amt seit 2013 innehatte.cs:

Werke in Deutschland mini|Hauptsitz der Schott AG in Mainz Mainz: Optisches Glas, Ceran Glaskeramik-Kochflächen, Robax Kaminsichtscheiben, Glasfasern, Pharmarohr Grünenplan: Dünngläser Jena: Brandschutzglas, Xensation Cover Glas Landshut: Electronic Packaging Mitterteich: Glasrohre, -stäbe und -profile für technische und pharmazeutische Anwendungen Müllheim (Ortsteil Hügelheim): Pharmaverpackungen

Produkte mini|Spiegelguss Schott produziert Spezialgläser und Glaskeramiken für zahlreiche Branchen wie die Hausgeräte-, Pharma-, Elektronik-, Halbleiter-, Optik-, Life-Science-, Automobil- und Luftfahrtindustrie.