Als römische Kaiserzeit wird im engeren Sinne die Zeit zwischen 27 v. Chr. bis 284 n. Chr. bezeichnet. Sie bildet einen Epochenabschnitt zwischen der von Expansion und Anpassungskrisen bestimmten späten Römischen Republik und der Spätantike.
Für die römisch herrschenden Kaiser stellten die öffentlichen Spiele (ludi publici) einen Einfluss auf die Bevölkerung dar, denn Essen und Unterhaltung genossen im römischen Volk ein hohes Ansehen. Durch die Darbietung der Spiele konnten sich die Kaiser während ihrer Herrschaft beim Volk außerordentlich beliebt machen, dieses von der Armut ablenken und einen damit ständig drohenden Aufstand verhindern.
Die hohe Popularität und die zunehmende Abhaltung dieser römischen Spiele hatte zur Folge, dass besonders unter der Dynastie der Flavier (69 n. Chr. bis 96 n. Chr.) in Rom eine große Bautätigkeit einsetzte. Im Zuge dessen entstanden das große Amphitheater, das Kolosseum und der Circus Maximus in Rom. Diese besonderen erbauten Objekte zeigen, dass nie in der Geschichte ein Volk so viele Feste gefeiert hat, wie das der Römer.
Römische Spiele Römische Spiele oder auch unter dem Begriff der öffentlichen Schauveranstaltungen zu verstehen, waren eines der Merkmale des römischen Lebens, die mit den zur Schau gestellten Hinrichtungen in der ganzen Welt bekannt waren. Die Schauspiele hatten eine ganz besondere Anziehungskraft in Hinsicht auf das Publikum, und das wird durch die unermessliche Zahl von Wettkämpfen ersichtlich.
Im Kaiserreich ist der Princeps dabei mit seiner Familie oft alleiniger Ausrichter der Schauspiele. Seine Anwesenheit verleiht dem Schauspiel einen dementsprechenden Schauspielcharakter, die besonders bei römischen Triumphfeiern und kaiserlichen Begräbnisfeierlichkeiten zum Ausdruck gebracht wurden. Dem Kaiser selbst, den Senatoren und den Rittern war es untersagt, sich in der Arena zu betätigen, denn es drohte ihnen der Ehrenverlust und damit ein sozialer Abstieg.
Mit der zunehmenden Professionalisierung im Schauspielbereich und vor allem der Preis für Gladiatoren stellten die kaiserliche Kasse vor Probleme. Auf diese Kostenentwicklung hin reagierten die Herrscher langfristig mit einer Art Ausbildung in diesem Beruf zur Abwälzung der Lasten. Aus dieser Entwicklung gehen die Princeps im Hinblick auf die Gladiatoren und Tierkämpfer als die größten Eigentümer von Gladiatorentruppen und Gladiatorenschulen hervor.
Die wichtigsten Schauspielarten von Rennen, Jagden und Gladiatorenkämpfen waren in ihrer Häufigkeit der Darstellung ausgewogen. Auch Seeschlachten konnten abgehalten werden, da die Arena durch eine unterirdische Anlage mit Wasser gefüllt werden konnte. Diese Feststellung ist auf die Theaterarchitektur im Kaiserreich zurückzuführen.
Die Darbietungsformen reichen von einer harmlosen Tierschau und Konfrontation von Mensch und Tier bis hin zu den ausgefallensten Tierkämpfen, wilde Tiere erhöhten jedoch den gewünschten Gräuel der Spiele. Auch die Neuerungen bei der Gladiatur reichen, je nach Stimmung des Veranstalters, von einem menschenwürdigen Ablauf bis zur Zuspitzung von Grausamkeit.
Die professionellen Gladiatoren waren beim Volk beliebt und waren mit Helm und Schild zum eigenen Schutz ausgestattet. Bei den professionellen Gladiatoren unterscheidet man zwischen dem „Retiarius“, der mit einem Netz und einem Dreizack gegen den „Mirmillo“ kämpfte. Dieser war mit einem geschmückten Helm versehen und symbolisierte den Kampf zwischen Fischer und Fisch. Außerdem gab es die „Sanniter“, die mit einem Schwert und einem rechteckigen Schild bewaffnet waren, und die „Thraker“, die mit einem kurzen Krummsäbel und einem kleinen runden Schild kämpften. Neben diesen Gladiatoren gab es die Gladiatoren, die darin ausgebildet wurden, sich gegenseitig zu töten. In diesen Kämpfen sind die Kämpfer ohne jeden Schutz mit dem ganzen Körper den Schlägen des anderen ausgesetzt, Helm und Schild würden hierbei nur das Werk des Todes verzögern.
Im Amphitheater, auch Jagdrevier des Kaisers und der Römer genannt, wurden nicht nur Kämpfe zwischen Männern und Tieren vollzogen, es wurden auch Jagden simuliert. Die Begeisterung, das Erstaunen und die Erregung der Zuschauer bei exotischen Tieren, Gladiatoren und den Jägern sicherte den Erfolg der Schauspiele. Eine weitere Begeisterung entwickelte das Volk aus der Pferdeleidenschaft, die Wagenrennen. Dabei wurden leichte Wagen von zwei oder vier Pferden gezogen und der Wagenlenker musste innerhalb von sieben Runden großes Geschick aufweisen, um seinen Vorsprung durch das Schneiden von engen Kurven auszubauen. Auch er konnte sich mit einem Erfolg unter den Römern einen bedeutenden Namen verschaffen.
Der Ursprung und die Entwicklung der Spiele in Rom Rom hat in den sieben Jahrhunderten seines Bestehens, wie es scheint, die Form seiner Freizeitgestaltung oft tiefgreifend verändert und dabei eine Muße herausgebildet, die sich in einem Sieg des Individualismus mit seinem Bemühen, mithilfe der Muße zu seinem persönlichen Glück zu finden, definiert. Mit der Entwicklung der Schauspielveranstaltungen hat Rom seine aristokratische Moral und sein Pflichtpensum um das Recht der gesellschaftlichen Elite erweitert.
Die ländlichen Feste und die regionalen Besonderheiten der von Ackerbau und Viehzucht geprägten Halbinsel bestanden bis in die Kaiserzeit hinein. Die Römer haben in ihrem Reichsgebiet, besonders in Griechenland und im Osten ein fest verankertes System von Freizeitangeboten vorgefunden und dieses oft übernommen, vor allem wenn sich Übereinstimmungen ergaben. Dieses war zum Beispiel zwischen den charismatisch geprägten Schauveranstaltungen aus der Republik der Römer und dem Euergetismus, der in den Festdarbietungen des monarchischen Orients seinen Ausdruck fand, der Fall. Damit kann eine Kontinuität in der Beständigkeit der Freizeitstrukturen von den Griechen bis zu den Römern hergestellt werden. So nahmen die Schauspiele im Kaiserreich als Manifestation politischer Loyalität die ursprüngliche Rolle der griechischen Panegyris wieder auf. Das römische Imperium erhielt mit dem Principat aus dem Westen und dem Dominat aus dem Osten zwei auf das Volk ausgerichtete Organisationen der Schauspiele. Mit dem Kaiserkult, der dem religiös zunächst neutralen Principat vom hellenistischen Osten auferlegt wurde, erhielten die römischen Spiele während der Kaiserzeit wieder einen sakralen Charakter, wie an dem Festkalender und an den Ephemeriden deutlich wird.
Die Schauspielkultur in Rom war außerordentlich besonders, denn es stellte eine technische und kulturelle Überlegenheit Roms gegenüber den Barbaren dar. Auch das römische Heer ließ sich in den Anfängen der Kaiserzeit von der Wirkung der Spiele aus dem Zentrum der Großstadt begeistern. Des Weiteren wurden die Wagenrennen wegen ihrer Beliebtheit in Etrurien in Rom heimisch und der olympische Gedanke trat in Form von athletischen Wettkämpfen in den römischen Schauspielveranstaltungen der Kaiserzeit auf. Das römische Volk sehnte sich durch die Monotonie nach neuen und seltenen Darbietungen.
Austragungsorte der Spiele Der Blick auf einen Stadtbauplan lässt die Besessenheit der Stadt Rom von Zirkus und Theater erkennen. Das Kolosseum stellte eines der bedeutendsten Objekte für die Austragung der römischen Spiele dar. Hier wurden unter anderem die Gladiatorenkämpfe, die Jagden und die Seeschlachten abgehalten. Das Kolosseum war das Amphitheater der Flavier, das unter Kaiser Vespasian und unter seinem Nachfolger Kaiser Titus von 72 n. Chr. bis 80 n. Chr. erbaut wurde. Diese Art von Bau wurde mit der häufigen Abhaltung zunehmend verbreitet. Für die Bevölkerung war es die erste Adresse für Freizeit und Unterhaltung. Während der Kaiserzeit erfolgten Restaurierungsarbeiten am Kolosseum aufgrund von Erdbeben und Bränden.
Ein weiteres Bauobjekt ist der Circus Maximus, das größte Gebäude und zudem das größte Sportstadion Roms, das jemals für Schauspiele errichtet wurde. Diese Bauten symbolisieren die römische Stadt und das römische Leben während der Kaiserzeit.
Der Anlass für römische Spiele Im römischen Kaiserreich gewannen die öffentlichen Spiele an großer Bedeutung. Ein politischer Konsens beruht auf den Grundfesten des Reiches und der bestimmten politischen Handhabung der Schauspiele. Diese zunächst vorgesehenen politisch relevanten Jahresfeste aus dem augustinischen Kalender wurden mit der Zeit von den Kaisern durch die Festsetzung neuer Feste ergänzt. Die Kaiser vermehrten die Dauer und die Anzahl der Spiele, weil sie der Menge gefallen wollten.
In dem augustinischen Kalender waren zu Beginn die Geburtstage der lebenden Kaiser Tiberius, Drusus und Germanius, die Eckdaten in der Karriere des Augustus und der Geburtstag des jeweiligen Princeps für den Festeifer der Massen vorgesehen. An den Geburtstagen des Kaisers wurden oft militärische Spiele gegeben, was ein Anlass zur Bekräftigung der militärischen Loyalität war. Auch die Triumphzüge aus der Kaiserzeit stellten immer wieder einen Anlass für eine Abhaltung römischer Spiele dar. So wurde der bekannte dakische Triumph 107 n. Chr. mit einer Feier von 123 Tagen belohnt und stellt damit den längsten römischen Festakt in der Geschichte dar. Im späteren zeitlichen Verlauf wurde dann auch der Herrschaftsantritt mit öffentlichen Spielen für die Gesellschaft gefeiert. Neue Spiele wurden zum Anlass der zehnjährigen Wiederkehr eines Regierungsantritts des Kaisers zur Überraschung des Volkes ausgetragen. Auch die Einweihung von Bauten, die die Herrscherfamilien für die Spiele errichteten, wurde großzügig mit Festen gefeiert. Dazu gehört zum Beispiel der Bau des Marcellustheaters im Jahr 12 v. Chr. und der Bau des Kolosseums im Jahr 80 n. Chr. Bei dessen Einweihung mit hunderttägigen Festspielen ca. 5000 Tiere geopfert wurden. Seit claudischer Zeit wurde sogar aus der Urteilsvollstreckung ein öffentliches Schauspiel gemacht in Form eines abgekürzten Gladiatorenkampfes, denn Gladiatorenkämpfe waren unter dem römischen Volk besonders beliebt und diese wurden auch zur Ehre einiger Toten ausgetragen.
Der Grund für das häufige Austragen der Spiele war der Euergetismus. Der sogenannte Euergetismus basiert auf der Lehre von der vorausschauenden Fürsorge der Kaiser für das Volk. Dabei werden Sorge und Schutz von der göttlichen Vorsehung inspiriert. So wurden beispielsweise Gladiatorenkämpfe veranstaltet, wodurch das römische Volk Kämpfe und Verwundung vor Augen geführt bekam, bevor man in den Krieg zog. Die Herrschaft konnte also mit diesen Spielen in der Arena den römischen Kampfgeist anregen und wachhalten. Gleichzeitig wurde versucht, die Göttin der Rache und des Zorns, Namens Nemesis, durch die Opferung von Blut der Bürger in fiktiven Kämpfen von dem anstehenden Krieg zu überzeugen.
Politische Bedeutung der öffentlichen Spiele Es bestand in der Kaiserzeit eine enge Verbindung der Schauveranstaltungen zur politischen Struktur, weil von dem Kaiser eine zersetzende Wirkung von Parteien und Intriganten erkannt wurde. Das römische Schauspiel war nicht nur eine Kultfeier für Rom, sondern war gleichzeitig als zentralisierte oder regionale Veranstaltung auf eine Zurschaustellung von Macht und Größe angelegt.
Die Schauspiele gehörten zum Herrscherkult der Kaiser und begünstigten die politische Vereinheitlichung und Gleichförmigkeit. Der Herrscher besaß alle Vollmachten im öffentlichen und privaten Raum. Die daraus resultierende absolutistische Art der Staatslenkung führten in Rom und den entferntesten Provinzen seines Reiches zu einer einheitlichen Ausstattungspolitik. Der Herrscher hatte somit die Macht, der Freizeitkultur dienende Vorhaben zu verwirklichen. So exportierte Rom zum Zweck der Vereinheitlichung ab dem 1. Jahrhundert Gladiatorenkämpfe und Amphitheater nach Griechenland und in den Osten. Die weltweite Ordnung des römischen Schauspiels war eng mit dem Frieden und Einheit bringenden Imperialismus verknüpft.