Die Texas (BB-35) ist ein Schlachtschiff der New-York-Klasse und jetziges Museumsschiff, das in den 1910er-Jahren für die United States Navy gebaut wurde. Sie wurde sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. 1948 wurde das Schiff zu einem Museumsschiff umgebaut. 1976 wurde sie in die Liste der National Historic Landmarks aufgenommen. Von 2022 bis 2024 befand sich das Schiff für mehrjährige Reparaturen im Trockendock und liegt jetzt für weitere Arbeiten am Gulf Copper Shipyard von Galveston in Texas.https://www.houstonchronicle.com/news/houston-texas/galveston/article/Battleship-Texas-set-for-historic-move-17409501.php
Geschichte Bau links|mini|Die Texas bei ihrem Stapellauf am 18. Mai 1912 Die Texas, benannt nach dem 28. Staat der USASilverstone: Directory of the world's capital ships. Hippocrene Books, New York 1984, S. 481., wurde am 17. April 1911 in Newport News in der Marinewerft Newport News Shipbuilding auf Kiel gelegt, am 18. Mai 1912 von Claudia Lyon getauft und vom Stapel gelassen und am 23. Oktober 1913 fertig gestellt. Anschließend begab sich das Schiff auf Testfahrten, die bis zum Ende des Monats andauerten. Nach dem erfolgreichen Abschluss wurde die Texas am 12. März 1914 unter dem Kommando von Kapitän Albert W. Grant in Dienst gestellt.Ferguson: Historic Battleship Texas. State House Press, Abeline 2007, S. 19f.
Vorkriegszeit Am 24. März 1914 verließ die Texas die Marinewerft von Norfolk und nahm nach einem Zwischenstopp in Hampton Roads Kurs auf New York. In der Nacht vom 26. auf den 27. März machte sie einen Zwischenstopp in Tompkinsville und kehrte anschließend wieder nach New York zurück. Dort verbrachte sie die nächsten drei Wochen mit der Installation der Feuerleitanlage. Während ihres Aufenthalts in New York kam es in Mexiko zum sogenannten Tampico-Zwischenfall, bei dem amerikanische Seeleute von mexikanischer Bundestruppen in Tampico festgesetzt wurden. Obwohl das Problem vor Ort schnell gelöst wurde, sah Präsident Wilson in dem Vorfall eine Gelegenheit, Druck auf die mexikanische Regierung unter Victoriano Huerta auszuüben, die er für undemokratisch hielt. Am 20. April 1914 brachte Wilson die Angelegenheit vor den Kongress und erteilte Konteradmiral Frank Fletcher, dem Befehlshaber der Atlantikflotte, den Befehl, als Vergeltung für den Vorfall in Tampico Streitkräfte in Veracruz anzulanden und das dortige Zollgebäude zu beschlagnahmen. Diese Aktion wurde am 21. und 22. Mai durchgeführt. Aufgrund der Brisanz der Situation stach die Texas am 13. Mai 1914 in See und schloss sich nach einem fünftägigen Aufenthalt in Hampton Roads am 26. Mai den Truppen von Fletcher vor Veracruz an. Sie blieb etwas mehr als zwei Monate in mexikanischen Gewässern und unterstützte die amerikanischen Streitkräfte an Land. Am 8. August verließ sie Veracruz und nahm Kurs auf Nipe Bay, von wo aus sie nach Norden dampfte und am 21. August New York erreichte. Die Texas blieb dort bis zum 5. September 1914 und schloss sich anschließend erneut der Atlantikflotte an. Im Oktober kehrte sie an die mexikanische Küste zurück und diente bis November als Stationsschiff vor Tuxpan. Am 20. Dezember kehrte das Schiff in die Heimat zurück und erreichte am 28. Dezember New York. Anschließend wurde das Schiff für Reparaturen ausgemustert. Nach dem Abschluss der Arbeiten am 16. Februar 1915 schloss sich die Texas erneut der Atlantikflotte an. Am 25. Mai rettete die Texas zusammen mit den Schlachtschiffen South Carolina, Louisiana und Michigan 230 Passagiere des havarierten Passagierschiffes Ryndam der Holland America Line, das von dem norwegischen Frachter Joseph J. Cuneo 34 Seemeilen vor Nantucket gerammt worden war.Als Dank erhielt die Texas ein Modellschiffnachbau aus Sterlingsilber der De Zeven Provincien, dem Flaggschiff von Admiral DeRuijiters
Erster Weltkrieg
Mit dem Kriegseintritt der USA am 6. April 1917 wurden die Militärübungen an Bord der Texas verstärkt. Im August lief die Texas zur Überholung New York an. Die Reparaturen wurden am 26. September abgeschlossen und das Schiff lief noch am selben Tag nach Port Jefferson aus. Auf ihrer Fahrt dorthin lief sie am 27. September jedoch vor Block Island auf Grund. Drei Tage lang versuchte die Besatzung vergeblich das Schiff wieder flottzumachen. Erst am 2. Oktober konnte die Texas mit Hilfe von Schleppern befreit werden. Der entstandene Schaden am Rumpf machte eine Reparatur und die Rückkehr in die Werft erforderlich. Im Dezember 1917 waren die Reparaturen abgeschlossen und das Schiff wurde in den York River verlegt, wo es Manöverübungen durchführte. Mitte Januar 1918 kehrte die Texas nach New York zurück und bereitete sich auf die Atlantiküberquerung vor. Am 30. Januar verließ sie New York und erreichte am 11. Februar Scapa Flow vor der schottischen Küste. Dort schloss sie sich dem 6. Schlachtgeschwader der Grand Fleet an.Ferguson: S. 44.Der Dienst der Texas bestand ausschließlich aus Konvoi-Einsätzen, gelegentlichen Vorstößen zur Verstärkung des britischen Blockadegeschwaders und Manöver- sowie Geschützübungen in der Nordsee.Jones: U.S. battleship operations in World War I. Naval Institute Press, Annapolis 1998, S. 38ff., S. 43ff. Nach der Kapitulation Deutschlands am 11. November 1918 begleitete die Texas zusammen mit dem 6. Schlachtgeschwader, bestehend aus der New York, der Florida, der Wyoming und der Arkansas sowie dem Rest der Grand Fleet die deutsche Hochseeflotte zur Internierung nach Scapa Flow.Jones: S. 72. Anschließend wurde der amerikanische Verband nach Portland verlegt, wo er am 4. Dezember 1918 eintraf. Acht Tage später lief die Texas aus, um Präsident Wilson an Bord des Truppentransporters George Washington auf dem Weg nach Frankreich zur Pariser Friedenskonferenz zu eskortieren. Nachdem die Eskorte am Mittag des 13. Dezember Brest erreicht hatte, kehrte die Texas noch am gleichen Abend in die USA zurück. Die Texas traf am ersten Weihnachtstag 1918 vor Ambrose Light ein und erreichte New York am folgenden Tag, wo sie zur Überholung ausgemustert wurde.
Zeit zwischen den Weltkriegen Nach dem Abschluss der Arbeiten nahm die Texas Anfang 1919 ihren Dienst in der Atlantikflotte wieder auf und begab sich anschließend nach Guantanamo, wo sie für verschiedene Erprobungen verwendet wurde. Am 10. März startete eine britische Sopwith Camel von einem Katapult, das tags zuvor auf dem Dach des zweiten Geschützturms errichtet worden war. Somit war die Texas das erste US-Schlachtschiff, von dem ein Flugzeug startete.Ferguson: S. 54 Im Sommer desselben Jahres wurde das Schiff der Pazifikflotte zugeteilt. Am 17. Juli 1920 erhielt sie im Zuge der Vereinheitlichung der Nomenklatur und der Identifikationsnummern durch die Marine die Bezeichnung BB-35.
Washingtoner Flottenabkommen
Aufgrund des in der Washingtoner Flottenkonferenz von 1922 ausgehandelten Vertrages wurde der Bestand der US-Schlachtschiffe auf achtzehn begrenzt und der Bau von neuen Schlachtschiffen für die nächsten fünfzehn Jahre untersagt. Um dennoch weiterhin verteidigungsfähig zu bleiben, empfahl das General Board im April, die Texas zusammen mit weiteren fünf Schlachtschiffen einer umfassenden Modernisierung zu unterziehen.Ferguson: S. 56. Die Texas verblieb bis 1924 im Pazifik und kehrte anschließend zu einer Überholung an die Ostküste zurück. Nachdem die Arbeiten beendet waren, begab sich die Texas für eine Ausbildungsfahrt von Kadetten der Marineakademie auf eine Reise nach Europa. Nach ihrer Rückkehr wurde die Texas am 31. Juli 1925 erneut ausgemustert und entsprechend den Vorschlägen des General Boards in der Marinewerft von Norfolk umgebaut. Nach der Beendigung der Arbeiten nahm sie ihren Dienst an der Ostküste wieder auf. Gegen Ende des Jahres wurde die Texas zum Flaggschiff der United States Fleet unter dem Kommando von Admiral Henry Wiley.Ferguson: S. 59f. Am 15. Januar 1928 transportierte sie Präsident Coolidge zur Panamerikanischen Konferenz nach Havanna und kehrte am 17. Januar mit ihm nach Key West zurück.
Zweiter Weltkrieg
Nachdem im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, nahm die Texas im Mai 1941 an der Neutralitätspatrouille teil, die eingerichtet wurde, um den Krieg aus der westlichen Hemisphäre herauszuhalten.
Nordafrika
Am 23. Oktober 1942 wurde die Texas für eine Invasion von französisch Nordafrika der Task Group (TG) 34.8 angeschlossen. Das Einsatzziel dieser Eingreiftruppe war Mehedia und Port Lyautey.Rohwer: Chronology of the war at sea, 1939–1945. Naval Institute Press, Annapolis 2005, S. 209. Die Schiffe trafen am frühen Morgen des 8. November vor den Landeabschnitten ein und begannen mit den Vorbereitungen für die Invasion. Erst nachdem die Truppen angelandet waren,Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die Doktrin der amphibischen Kriegsführung noch in ihrem Anfangsstadium befand und viele Offiziere den Wert der Küstenbombardierung vor der Landung nicht erkannten trat die Texas am frühen Nachmittag in Aktion, als sie ein Munitionslager bei Port Lyautey bombardierte. Bis Mitte November kreuzte die Texas vor der marokkanischen Küste und am 15. November kehrte sie zusammen mit dem Leichten Kreuzer Savannah (CL-42), dem Hilfsflugzeugträger Sangamon (ACV-26), dem Öltanker Kennebec (AO-36), vier Transportern und sieben Zerstörern in die Heimat zurück. Während des gesamten Jahres 1943 wurde die Texas als Konvoi-Begleitschutz eingesetzt.
Normandie
Mitte April 1944 wurde die Texas in den Firth of Clyde abkommandiert, wo sie sich auf die geplante Invasion in der Normandie vorbereitete. In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni nahm die Texas zusammen mit der Arkansas, zwei britischen und zwei französischen Kreuzern sowie zwölf Zerstörern als Force O unter dem Kommando von Konteradmiral Carlton Bryant Kurs auf die französische Küste.Balkoski: Omaha Beach. Stackpole Books, Mechanicsburg 2004, S. 79f. Gegen 4:40 Uhr am Morgen des 6. Juni näherte sich die Texas bis auf 6 Seemeilen (11 km) der französischen Küste. Um 5:50 Uhr eröffnete die Texas mit ihren Hauptgeschützen das Feuer auf die Küstenbatterien bei Pointe du Hoc. Gleichzeitig beschossen ihre 127-mm-Kanonen die Verteidigungsstellungen an der westlichen Zufahrtsstraße nach Vierville.Buffetaut: D-Day ships. Naval Institute Press, Annapolis 1994, S. 97. Um 6:30 Uhr stellte die Texas das Feuer ein und ankerte etwa 9 km vor der Küste. Gegen Mittag näherte sich das Schiff dem Strand bis auf etwa 3.000 Meter, um auf Scharfschützen und Maschinengewehrnester zu feuern, die in einer Senke direkt vor dem Strand versteckt waren. Im Laufe des Nachmittages feuerten die 127-mm-Geschütze auf die verschiedensten Ziele, darunter Geschützbunker und Panzer.Ferguson: S. 113. Am nächsten Morgen feuerte das Schiff mit ihren Hauptgeschützen auf die von Deutschen besetzte Stadt Trevieres, um gegnerische Truppenansammlungen aufzulösen. Um kurz nach Mitternacht griffen deutsche Flugzeuge die Schiffe vor der Küste an, sodass sich die Texas aus dem Kampfgebiet zurückziehen musste und nach Plymouth beordert wurde, wo sie neue Munition und Treibstoff erhalten sollte. Am 11. Juni kehrte die Texas wieder in ihr Einsatzgebiet zurück und erhielt kurz darauf den Befehl, eine große deutsche Truppenansammlung zwischen Isigny und Carentan anzugreifen. Da die Reichweite ihrer Geschütze nicht ausreichte, wurde der Steuerbord Torpedowulst geflutet, um eine Krängung von 2 Grad zu erreichen. Dies erlaubte eine Elevation von 17 Grad, wodurch die nötige Reichweite erlangt wurde.Ferguson: S. 116.
Cherbourg mini|Die Texas bei ihrem Angriff auf die Batterie Hamburg