mini|hochkant=1.35|Blick von Südwesten auf Bad Rodach mini|Altstadt von Südwesten mini|Markt mini|hochkant|Hildburghäuser Straße und Kupfersturm mini|hochkant|Rathaus mini|Evangelische Johanniskirche mini|Evangelische Salvatorkirche mini|Jagdschloss mini|Marktbrunnen

Bad Rodach (bis 1999 Rodach) ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Coburg. Seit 1999 ist die Stadt als Heilbad mit der wärmsten Thermalquelle Frankens anerkannt.

Geografie Lage Die Stadt liegt im Norden Bayerns im Landkreis Coburg, unweit der Grenze zu Thüringen. Sie befindet sich rund 18 Kilometer nordwestlich von Coburg zwischen den Langen Bergen im Osten und den Gleichbergen im Westen am Fluss Rodach.

Stadtgliederung Bad Rodach hat 19 amtliche Gemeindeteile (in Klammern: der Ortstyp):

Nachbargemeinden

Nachbar-gemeinde Ein-wohner Quellenangabe Heldburg 3322 statistik.thueringen.de Meeder 3630 statistikdaten.bayern.de Straufhain 2677 statistik.thueringen.de Veilsdorf 2720 statistik.thueringen.de

Stand der Einwohnerzahlen: 31. Dezember 2023

Geschichte Bis zum Wechsel nach Bayern Die Anfänge des Ortes Rodach, der im Frühmittelalter „Radaha“ oder „Rotaha“ bezeichnet wurde, reichen bis in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts zurück. Erstmals wurde er in einer von Arnulf III. am 11. März 899 in Regensburg unterzeichneten Urkunde erwähnt. Mit dem Dokument gab Arnulf III. einige seiner Gebiete seinem Diener Pippo zurück, der ehemals König dieser Gebiete war, um sein Seelenheil zu retten. Die erste urkundliche Erwähnung des Gemeindeteils Grattstadt erfolgte in einer Schenkungsurkunde vom Jahr 815 oder 823, mit der ein „Erluuin“ (Erwin) seine Güter in „Grezzistat (Grecestetten, Grazzestadt)“ im Grabfelde dem Stift Fulda schenkte.Guido Reinhardt: Geschichte des Marktes Gräfentonna, Langensalza 1892. Dieses Buch enthält den Vermerk zur Jahreszahl „823“ (nach anderen „815“).

1362 erhielt Rodach die Stadtrechte. Um 1300 wurde eine städtische Siedlung rund um den Marktplatz gegründet, die 1386 mit einer Stadtmauer umgeben wurde und 1425 die eigene Gerichtsbarkeit erhielt. Mit der Reformation wurde in Rodach die evangelisch-lutherische Konfession eingeführt.

In Rodach befand sich „an der Siechbrücke“ ein mittelalterliches Leprosorium, das als „Haus für Sondersieche“ bezeichnet wurde. Ein Jahr der Ersterwähnung ist nicht bekannt., siehe auch

Bad Rodach besaß ein Gestüt, die Stuterei Rodach, die 1524 das erste Mal schriftlich erwähnt und um 1806 aufgehoben wurde, nachdem die Stallungen durch einen starken Sturm niedergerissen und nicht mehr aufgebaut worden waren. Es gibt Anzeichen, dass die Pferdezucht bereits lange vor der ersten schriftlichen Nennung bestand; Ortsnamen wie Roßfeld und Mährenausen, die zum damaligen Rodach gehörten, wurden bereits im 13. Jahrhundert erwähnt.Helga Augustin: Die Stuterei Rodach – Grenzfälle – Streitfälle – Wechselfälle eines landesherrlichen Gestüts in drei Jahrhunderten, Bad Rodach 2007.

Ab 1531 wurde Rodach zur Landesfestung ausgebaut, deren Steine aus dem nach 1550 abgebrochenen Kloster Georgenberg stammten.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1632 zerstört und brannte bis auf wenige Häuser nieder. 1634 wurde die Stadt von kaiserlichen Truppen geplündert und litt 1635 unter einer Hungersnot, durch die 808 Menschen starben. Die Stadt wurde wieder aufgebaut, und im frühen 19. Jahrhundert entstanden die ersten Industriebetriebe. 1825 wurde die westliche Stadtmauer abgebrochen; die Steine wurden zum Wiederaufbau der kurz zuvor abgebrannten Häuser am Marktplatz verwendet. Im Jahre 1857 wurde auch die restliche Stadtmauer mit dem Coburger Tor und dem Torturm abgebrochen.

Am 1. Juli 1892 erhielt die Stadt eine Eisenbahnverbindung mit Coburg. 1911 wurde das städtische Elektrizitätswerk in Betrieb genommen.

Am 1. Juli 1920 vereinigte sich der Freistaat Coburg, zu dem Rodach gehörte, mit dem Freistaat Bayern.

20. und 21. Jahrhundert Im Staatsvertrag des Freistaats Bayern mit dem Freistaat Coburg über die Vereinigung Coburgs mit Bayern vom 14. Februar 1920 wurde in Paragraf 2 vereinbart, dass die Stadt Rodach kreisfrei bleibt. Allerdings galt der Vorbehalt im Schlussprotokoll, Rodach die Kreisfreiheit zu entziehen, falls die Stadt nicht binnen 15 Jahren die in Bayern geltenden Voraussetzungen für die Verleihung des Status einer kreisfreien Stadt erfülle. Am 1. April 1940 erfolgte die Eingliederung in den Landkreis Coburg. Bei rund 3000 Einwohnern wurde die Richtzahl für die Kreisfreiheit bayerischer Städte (10000 Einwohner) verfehlt.

Wie auch in Coburg, gab es in Rodach früh eine Akzeptanz des Nationalsozialismus. Im Jahr 1929 wurde eine NSDAP-Ortsgruppe gegründet. Bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 erhielt die NSDAP 751 von 1636 gültigen Stimmen.

Am 10. April 1945 eroberte die US-Armee nach einem Artilleriebeschuss Rodach. „Große Zerstörungen beim Einmarsch der Amerikaner“ heißt es auf einer Schautafel am Rathaus. Auch die Stadtkirche war betroffen. Schautafeln an Rathaus und Kirche (2016) Rodach gehörte fortan zur amerikanischen Besatzungszone. Über 40 Jahre lang trennte die innerdeutsche Grenze die nun fast rundum abgeriegelte Stadt Rodach von ihrem Thüringer Hinterland, das nur aus Südosten, Richtung Coburg, zugänglich war. Zusammen mit den Eingemeindungen 1970 (rund 3.800 Einwohner) hätte die Stadt während der Deutschen Teilung weit mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren.

Im Jahr 2016 hatte die Kernstadt knapp 3900 Einwohner und rund 4000 Arbeitsplätze.

Entwicklung zum Kurbad Am 1. März 1972 wurde Nordbayerns wärmste Thermalquelle (34 °C) in 652 Meter Tiefe erschlossen. Sie begründete die Entwicklung der Stadt zum Kurbad. Zur Nutzung dieser Thermalquelle wurde ab 1973 ein Thermal-Bewegungsbad erbaut und am 5. Juni 1976 eingeweiht. 1981 folgte die staatliche Anerkennung Rodachs als Erholungsort und 1999 die Anerkennung als Heilbad. Heute gibt es die ThermeNatur Bad Rodach mit Bade- und Saunalandschaft sowie Wellnessabteilung.

Am 18. November 1989 wurde die innerdeutsche Grenze geöffnet und die Straße zum Südthüringer Nachbarort Adelhausen für den Durchgangsverkehr freigegeben. Es entstanden der Kurpark (1989), das erweiterte Thermalbad (1996), ein Klinikum (1997) und ein Seniorenzentrum (1998). Am 29. Januar 1999 erfolgte die Namensänderung in Bad Rodach.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999.

Religionen Die Rodacher Stadtkirche St. Johannis wurde 1350 zur Pfarrkirche erhoben und gehört seit der Reformation zur Evangelisch-Lutherischen Kirche. Weitere evangelische Kirchen gibt es in den Gemeindeteilen Breitenau, Elsa, Gauerstadt, Grattstadt, Heldritt, Oettingshausen und Roßfeld. Seit 1957 gibt es in Rodach auch eine römisch-katholische Kirche, heute existiert außerdem eine neuapostolische Kirche.

Eingemeindungen

EhemaligeGemeinde Ein-wohner(1970) Datum Anmerkung Breitenau 204 01.05.1978 Elsa 292 01.05.1978 Gauerstadt 581 01.05.1978 mit Carlshan und Niederndorf Grattstadt 269 01.07.1971 Zusammenschluss zu Langenbergen Heldritt 665 01.07.1971 Langenbergen ca. 900 01.05.1978 Lempertshausen 138 01.01.1975 Mährenhausen 157 01.01.1972 Oettingshausen 126 01.01.1975 Roßfeld 305 01.07.1971 Rudelsdorf 25 01.01.1970 Schweighof 18 01.04.1928 Eingemeindung nach Elsa Sülzfeld 84 01.01.1972 Gellnhausen – 01.01.2025 gemeindefreies Gebiet, 2,8 km² Fläche

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Stadt von 6149 auf 6394 um 245 Einwohner bzw. um 4 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 2000 mit 6672 Einwohnern erreicht.

Politik Stadtrat Die Kommunalwahl am 8. März 2026 führte zu folgender Sitzverteilung im Stadtrat (in Klammern: Sitze 2020): CSU 6 Sitze (5) GRÜNE 1 Sitz (2) SPD 5 Sitze (6) Freie Wähler / Zukunftsforum Bad Rodach 4 Sitze (4+1) ÖDP 2 Sitze (1) Sozial und Bürgernah für Bad Rodach 1 Sitz (1) AfD  1 Sitz (0)

Bürgermeister Seit dem 1. November 2012 ist Tobias Ehrlicher (SPD) erster Bürgermeister der Stadt. Er wurde im Alter von 25 Jahren gewählt und war damals der jüngste amtierende Bürgermeister Deutschlands. Obwohl er zwei Gegenkandidaten hatte, erhielt er bereits im ersten Wahlgang 68,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. Bei der Bürgermeisterwahl 2020 wurde er mit 70,3 % der gültigen Stimmen gegen Christoph Herold (CSU) wiedergewählt.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater Waldbühne Heldritt mit 800 überdachten Zuschauerplätzen in Heldritt. Jährlich werden von Juli bis August ein Kinderstück und ein Lustspiel des Heimatvereins Heldritt aufgeführt sowie eine Operette der Coburger Sommeroperette.

Nachtwächter Seit 1982 gibt es in (Bad) Rodach wieder Nachtwächter.Nachtwächtertradition auf Bad-rodach.de 2012 konnten sie ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Bad Rodach ist die Wiege der Europäischen Nachtwächter- und Türmerzunft, die 1987 im dänischen Ebeltoft gegründet wurde.

Walter Kienel, nach Wolfgang Grosch der zweite Rodacher Nachtwächter, war von der Gründung der Zunft bis zum Jahr 2004 Zunftmeister dieser europäischen Gemeinschaft. Aus gesundheitlichen Gründen musste er das Amt aufgeben und war bis zu seinem Tode Ehrenzunftmeister. Zunftmeister ist Johannes Thier.

Die Auftritte der Bad Rodacher Nachtwächter finden von Mai bis September immer am Donnerstag statt. Um 19:30 Uhr gibt es vorab die Möglichkeit, den Nachtwächterturm an der Stadtmauer zu besichtigen. Um 20:00 Uhr beginnt der Nachtwächterrundgang, Treffpunkt ist der Schlossplatz Bad Rodach. Am ersten Donnerstag im Monat findet um 20:00 Uhr anstatt des Nachtwächterrundgangs die Nachtwächteraufführung am Pulverturm an der Alten Schule statt, welche dann musikalisch von einer ortsansässigen Kapelle begleitet wird. Die Nachtwächter erzählen und kommentieren aktuelle Geschehnisse in Form von Reimen, begleitet durch Hornblasen. Ihr Ehrenkodex ist es, jeden Auftritt mit neuen Versen zu gestalten.

„Hört ihr Leut, wir geben kund, wir nehmen kein Blatt vor dem Mund, alles was um uns passiert, wird angebracht, gereimt und kommentiert.

Die Gäste all’ wir informieren, das Gute und das Schlechte wir glossieren, wir stehen ein für unsre Stadt, die ein gut’s Thermalbad hat.“

Kurbetrieb ThermeNatur Bad Rodach, staatlich anerkannter Heilquellenkurbetrieb

Bäder miniatur|Waldbad in Bad Rodach Waldbad, 1932 eröffnet

Museen Heimatmuseum

Musik Der Rodacher Rückertkreis veranstaltet regelmäßig Konzerte und Vortragsveranstaltungen. Künstler wie Siegfried Jerusalem und Susanne Kessel sind regelmäßig Gäste in Bad Rodach. Der Verein ist im Besitz eines Flügels der Firma Steinway & Sons, dadurch werden viele international bekannte Künstler nach Bad Rodach gelockt.

Bauwerke

Altes Gerichtsgebäude Fridolinhaus Jagdschloss KupfersturmDie S. 1, 6 und 7 sowie zwei ältere Schilder vor Ort bezeichnen das Bauwerk als Kupferturm. Eine Informationstafel der Stadt vor Ort aus dem Jahr 2016 benutzt dagegen den Namen Kupfersturm, der danach auf eine alteingesessene Familie Kupfer zurückgeht. Johanniskirche Kloster Georgenberg (Reste der Kapelle) Salvatorkirche St. Marien Henneberger Warte Familiengrabstätte der Familie Max Roesler auf dem Friedhof der Salvator-Kirche

Parks Kurpark zwischen dem Thermalbad, der Kurklinik und dem Seniorenwohnheim. Er wurde 1989 angelegt. Park am Wallgraben und entlang der alten Stadtmauer mit sehr altem Baumbestand. Rückertweg an der Stadtmauer, zu Ehren Friedrich Rückerts angelegt. Entlang der Stadtmauer sind Bronzetafeln mit Gedichten des fränkischen Dichters angebracht. Kleiner Kurgarten, oberhalb des Thermalbades. Dort findet jeden Sonntagmorgen ein Blaskonzert statt.

Regelmäßige Veranstaltungen Jeden ersten Donnerstag im Monat (außer im Januar) findet auf dem Marktplatz und entlang der Heldburger Straße ein großer Krammarkt statt. An einem der Sonntage im Sommer findet die überregional bekannte Roesler-Boerse statt, die ihren Namen von der ehemaligen Feinsteingutfabrik Max Roesler herleitet. Das Thema dieser Börse ist Feinsteingut.