Akkordeonorchester sind Orchester, die hauptsächlich mit Akkordeons besetzt sind. Akkordeonorchester sind in der Regel Laienorchester und international verbreitet.Paul Schwenke: Zentralblatt für Bibliothekswesen. VEB Bibliographisches Institut, 1957 ().

In einem Akkordeonorchester wird nur die rechte Diskantseite des Instrumentes benutzt, die linke Bassseite wird in der Regel nicht benötigt. Die Bassstimmen werden meist von einem elektronischen Akkordeon oder einem Bassakkordeon gespielt. Die Auswahl verschiedener Register dient dazu, verschiedene Klangfarben zu erzeugen, die dem Charakter des Stückes entsprechen. Die in Erwachsenenorchestern gebräuchlichen großen 120-bässigen Instrumente verfügen auf der Diskantseite üblicherweise über mindestens elf verschiedene Register.

Aufbau mini|Beispielhafte Sitzordnung eines Akkordeonorchesters Das orchestrale Akkordeonspiel unterteilt sich in drei Arten, die sich nicht streng voneinander abgrenzen lassen. Dazu gehören das große Akkordeonorchester, das Akkordeon-Ensemble (je Stimme höchstens zwei Spieler) sowie Akkordeon-Spielgruppen. Ab 13 Akkordeonspielern spricht man von einem Akkordeonorchester. Es gibt Schüler-, Jugend- und Erwachsenen- sowie seit einiger Zeit auch Seniorenorchester. Viele Akkordeonorchester bestehen aus 20 bis 35 Spielern; es gibt jedoch auch Abweichungen.

Die Spieler eines Akkordeonorchesters teilen sich in verschiedene Stimmen auf: Die erste Stimme spielt meistens die höchste Lage und häufig Läufe. Die zweite Stimme ist von der Lage her etwas tiefer als die erste Stimme. Auch in der zweiten Stimme kommen regelmäßig Läufe vor; jedoch nicht so oft wie in der ersten Stimme. Die dritte Stimme ist von der Lage her wesentlich tiefer als die zweite Stimme. Sie hat relativ wenig Läufe und bildet oft den Kontrapunkt, also eine eigenständige Gegenmelodie. Die vierte Stimme ist die Rhythmusstimme. Sie ist, zusammen mit Bass und Schlagzeug, für die Begleitung zuständig. Läufe kommen kaum vor, dafür jedoch sehr häufig mehrstimmige Akkorde. Der Bass ist ein (oft elektronisches) Akkordeon, das tiefe Töne erzeugt und nur auf der rechten Diskantseite über Tasten und keine Knöpfe auf der linken Bassseite verfügt. Zusammen mit der vierten Stimme und dem Schlagzeug bildet er die Rhythmusgrundlage des Orchesters.

In einigen Akkordeonorchestern wird der Bass durch Keyboards oder Kontrabass ersetzt oder ergänzt. Das Schlagzeug ist zusammen mit Bass und vierter Stimme für den Rhythmus im Orchester zuständig. In vielen Akkordeonorchestern gibt es ein Elektronium bzw. mehrere Elektronien, das heißt, ein elektronisches Akkordeon, das nur auf der rechten Diskantseite über Tasten und keine Knöpfe auf der linken Bassseite verfügt, hohe Töne erzeugt und die Klangfarben verschiedener Instrumente, z. B. von Blasinstrumenten wie Trompete, Posaune oder Horn, nachahmt. In einigen Akkordeonorchestern wird das Elektronium durch Keyboards ersetzt. Abhängig von der Bearbeitung eines Stückes kann es zusätzliche Stimmen geben, z. B. eine fünfte Stimme oder eine Klavier- oder Keyboardstimme.

Repertoire Akkordeonorchester spielen sowohl Originalliteratur, die speziell für Akkordeonorchester komponiert wird (im Allgemeinen konzertante Stücke), als auch Bearbeitungen, bei denen bereits existierende Stücke für Akkordeonorchester arrangiert werden. Akkordeonorchester führen Musik vieler verschiedener Stilrichtungen auf.

Beliebte Bearbeitungen sind beispielsweise die Suite Nr. 2 aus L’Arlésienne von George Bizet und die Komödiantensuite von Dimitri Kabalewski. Stücke von Johann Strauss, Johannes Brahms, Gioachino Rossini und Georg Friedrich Händel sind ebenso Teil des Repertoires vieler Orchester wie Werke von Astor Piazzolla, Abba oder Udo Jürgens, Ouvertüren aus Opern, Melodien aus Operetten und Musicals sowie Filmmelodien.

Bekannte Komponisten für Akkordeonorchester Thomas Bauer Hans Boll Renato Bui Hubert Deuringer Fritz Dobler Adolf Götz Heinz Ehme Hugo Herrmann Stefan Hippe Wolfgang Jacobi Hans-Günther Kölz Jürgen Löchter Curt Mahr Willi Münch Werner Niehues Josef Preißler Wolfgang Ruß Hermann Schittenhelm Ralf Schwarzien Rudolf Würthner

Auswahl Akkordeonorchester in Deutschland Das erste Akkordeonorchester in Deutschland war das 1927 auf Initiative des Akkordeonherstellers Hohner unter Leitung von Hermann Schittenhelm gegründete Hohner Akkordeonorchester.Orchestergeschichte auf der Website des Hohner Akkordeonorchesters 1927 Trossingen e. V.

In Deutschland gab es im Jahr 2006 ca. 1900 Akkordeonorchester.Harmonika International – Sonderausgabe Dokumentation 2/2006. Deutscher Harmonika-Verband e. V. (Hrsg.), S. 80; dhv-ev.de Dazu gehören auf Landesebene zahlreiche Auswahl- sowie ein Bundesakkordeonorchester. Üblicherweise finden mehrmals jährlich zwei- bis dreitägige Probenphasen statt. Es werden Konzerte im In- und Ausland gegeben.

Viele Akkordeonorchester gehören dem Deutschen Harmonika Verband e. V. (DHV e. V.) an. Der DHV ist Mitglied im Deutschen Musikrat (DMR). Der DHV ist der zweitgrößte instrumentale Laienverband in Deutschland und richtet regelmäßig Wettbewerbe auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene aus. Der DMR veranstaltet alle vier Jahre einen Orchesterwettbewerb (DOW), an dem viele Akkordeonorchester teilnehmen.

Zu den Akkordeonorchestern in Deutschland gehören: Bundesakkordeonorchester Akkordeonlandesjugendorchester Baden-Württemberg Landesjugendakkordeonorchester Bayern Landesakkordeonorchester Berlin Landesjugendakkordeonorchester Brandenburg Sinfonisches Akkordeonorchester Hessen A-Train Landes-Akkordeon-Bigband Hessen ACOLLAGE Niedersachsen Landesjugendakkordeonorchester NRW Landesakkordeonorchester Rheinland-Pfalz Landesjugendakkordeonorchester Rheinland-Pfalz Landesorchester Saarland Landesakkordeonensemble Sachsen-Anhalt Landesakkordeonorchester Thüringen

Akkordeonorchester in den USA In den 1910er Jahren wurde das Akkordeon von der amerikanischen Öffentlichkeit noch nicht als „ernsthaftes“ Musikinstrument akzeptiert und war typischerweise im Varieté zu sehen. Es wurde nur gelegentlich von Solisten verwendet, die mit traditionellen Orchestern in den großen Konzertsälen der Vereinigten Staaten auftraten."Music Around the World - A Global Encyclopedia" Martin, Andrew R. Mihalka, Matthew. Eds. ABC-CLIO 2020 s.3 ebook isbn9781610694995 Accordion Golden Age 1950s auf Google Books (englisch) Infolgedessen spielten Akkordeonorchester im frühen 20. Jahrhundert im Allgemeinen Volksmusik und Aufnahmen von „ernster Musik“ von Amerikas Akkordeonorchester waren noch nicht weit verbreitet. Als das Akkordeon schließlich immer beliebter wurde, gründete der Akkordeonist Joe Biviano in den 1940er Jahren die New York Accordion Symphony in New York City. Er wurde als „Vater“ des Akkordeon-Symphonie-Ensembles in den Vereinigten Staaten bezeichnet."The Accordion in the Americas - Klezmer, Polka, Tango, Zydeco, and More!" Simonett, Helena. University of illinois Press 2012 s. 169 isbn 97802520943232 Joe Biviano auf Google Books (englisch) Bemerkenswert war auch Jacob C. Neupauer, der das Philadelphia Accordion Orchestra gründete, das aus 32 Akkordeons, Harfe, Kontrabass, Pauken und zwei Trompeten bestand.International Who’s Who in Music and Musicians' Directory Melrose Press 1975 s. 651 Biographie von Jacob Neupauer auf Google Books (englisch)"The Philadelphia Inquirer"- Jacob C. Neubauer, 93, A Musician and Educator" Downy, Sally A. 19 April 2011 Nachruf auf Jacob C. Neubauer auf Google Books (englisch)"Music Educators Journal" Music Educators National Conference 1957 Vol. 44-45 s. 49 American Accordionist Association (AAA) Executive Board Meeting -Foto von Jacob Neupauer mit Anthony Mecca auf Google Books (englisch) Sein Orchester tourte dreißig Jahre lang auf großen Konzertbühnen entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten.Squeeze This! A Cultural History of the Accordion in America. Jacobson, Marion. University of Illinois Press. 2012. ss. 78-79 ebook ISBN 978-0-252-09385-2 Accordeon Orchestra auf Google Books on Google Books (englisch)

In den 1940er Jahren wurden auch in mehreren großen Städten der Vereinigten Staaten von Amerika Akkordeonorchester gegründet. Diese Akkordeonorchester waren im Allgemeinen größer als die kleineren Akkordeonkapellen, die in den 1930er Jahren in Deutschland entstanden. Sie beschäftigten oft zwischen fünfzig und einhundert Akkordeonisten und spezialisierten sich auf die Aufführung „ernster“ populärer und klassischer Musik.Squeeze This! A Cultural History of the Accordion in America. Jacobson, Marion. University of Illinois Press. 2012. ss.72-73, ss.75-80 ebook ISBN 978-0-252-09385-2 Accordeon Orchestra auf Google Books on Google Books (englisch) Dazu gehörten:Marion Jacobson: Squeeze This! A Cultural History of the Accordion in America. University of Illinois Press 2012, ISBN 978-0-252-09385-2, S. 78–80 (englisch)

„The New York Accordion Symphony“ in New York City „The Springfield Accordion Orchestra“ in Massachusetts „The Houston Accordion Symphony“ in Houston, Texas „The Philadelphia Accordion Orchestra“ in Philadelphia, Pennsylvania