Die Brautfahrt der Marie-Antoinette (ursprünglich Maria Antonia) von Österreich führte die zwei Tage zuvor per Stellvertreter verheiratete erst 14-jährige Tochter Kaiserin Maria Theresias ab dem 21. April 1770 von ihrem Geburtsort Wien nach Versailles, wo sie die Ehefrau des gut ein Jahr älteren späteren französischen Königs Ludwig XVI. wurde. Der Zug bis Straßburg bestand aus 235 Personen, insgesamt 57 Wagen, die meist sechsspännig fuhren und 350 Zug- und Reitpferden. Inklusive mehrerer Ruhetage innerhalb der 17 Tagesstrecken dauerte die Reise von rund 1500 Kilometern 24 Tage, von denen 17 auf das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches und sieben auf das französische Königreich entfielen.Peter Kalchthaler: Triumphbogen in der Kaiserstraße. In: Badische Zeitung. 3. Mai 2010, abgerufen am 18. Dezember 2017. mini|Erzherzogin Maria Antonia am Spinett, vermutlich 1769 kurz vor ihrer Hochzeit, nach Franz Xaver Wagenschön

Bedeutung Die Reise der Dauphine war ein gesellschaftliches Großereignis der Zeit und die letzte große Brautfahrt des 18. Jahrhunderts. Die Heirat (Tu felix Austria nube) zwischen der Erzherzogin Maria Antonia und dem Dauphin Ludwig Augustus krönte die seit Jahren betriebene Annäherung (Renversement des alliances) zwischen Österreich und Frankreich. Deshalb planten beide Fürstenhäuser die Brautfahrt zwischen Wien und Paris als eine öffentlichkeitswirksame, mehrwöchige Reise.Harm Klueting: Renversement des Alliances und Marie Antoinette. In: Das Reich und seine Territorialstaaten im 17. und 18. Jahrhundert: Aspekte des Mit-, Neben- und Gegeneinander. (= Historia profana et ecclesiastica: Geschichte und Kirchengeschichte zwischen Mittelalter und Moderne. Band 10). LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7414-1, S. 124. ()

Sowohl in Österreich als auch in Frankreich wurde entlang der Reisestrecke ein enormer Aufwand getrieben. Das absolutistische Vermählungszeremoniell schloss die Bevölkerung außerhalb der Herrscherhöfe weitgehend aus; die lange Brautreise der Marie-Antoinette ermöglichte der Land- und Stadtbevölkerung eine Teilhabe an der bevorstehenden Vermählung. Entsprechend engagiert waren Stadt- und Landadel, Klerus, städtische Magistrate und Bürgerschaft der zu passierenden Territorien, dem Anlass angemessene Vorbereitungen zu treffen.Carmen Ziwes: Die Brautfahrt der Marie Antoinette 1770: Festlichkeiten, Zeremoniell und ständische Rahmenbedingungen am Beispiel der Station Freiburg. In: Klaus Gerteis (Hrsg.): Zum Wandel von Zeremoniell und Gesellschaftsritualen in der Zeit der Aufklärung. Felix Meiner, Hamburg 1992, ISBN 3-7873-1070-3.

Im Vorfeld waren von den zu passierenden Städten, Gemeinden, Klöstern und Residenzen desolate Wege und Straßen erneuert, Lebensmittel in ausreichender Menge herbeigeschafft und Übernachtungsquartiere hergerichtet worden. Frische Zug- und Reitpferde mussten zur Verfügung gestellt werden, Hauswände wurden gestrichen und Ehrenpforten errichtet. Für den Aufwand mussten sich etliche Körperschaften verschulden.

Ähnlich aufwändig war die Hochzeitsfahrt der Großnichte Marie-Antoinettes Marie-Louise von Österreich als zweiter Gemahlin Napoleon Bonapartes. Sie wurde 1810 auch in Wien zunächst per Stellvertreter verheiratet und reiste anschließend ebenfalls nach Paris, wo in der Kapelle des Palais du Louvre die Trauung mit Napoleon stattfand.

Ablauf Die Verantwortung für Organisation und Durchführung der Fahrt war Fürst Georg Adam von Starhemberg,Sonia Carboncini (Hrsg.): Die deutsche Aufklärung im Spiegel der neueren italienischen Forschung. (= Aufklärung. Band 5, Heft 1). Meiner, Hamburg 1991, ISBN 3-7873-0979-9, S. 50. dem österreichischen Gesandten am französischen Hof, übertragen worden. Maria Antonia wurden von ihren Hofdamen Gräfin von Trauttmannsdorff, Gräfin Kolowrat, Gräfin von Windisch-Graetz und Gräfin von Paar begleitet. bei habsburg.net Der zukünftigen französischen Königin waren von dem nach Wien gereisten Sondergesandten des französischen Königs, Marquis de Durfort, zwei prächtige, vom Kutschenmacher Francien in Paris nach Plänen des Duc de Choiseul gefertigte Reisekarossen mitgebracht worden.Will Bashor: Marie Antoinette's Head: The Royal Hairdresser, the Queen, and the Revolution. Rowman & Littlefield, 2013, ISBN 978-1-4930-0119-4, S. 22. () Die Wagen hatten vergrößerte Fenster, waren mit goldbesticktem Samt ausgeschlagen, prächtig verziert und aufwendig gefedert.

Während der Fahrt wurden Maria Antonia Feierlichkeiten (Empfänge, Theatervorführungen, Musikdarbietungen, Feuerwerke und Umzüge) in mehreren besuchten Städten zuteil. Sie erhielt und gab wertvolle Geschenke.

21.–25. April: durch das heutige Österreich Die Reise begann am Samstag, dem 21. April 1770, um 10 Uhr an der Wiener Hofburg. In Wien führte der Weg des Zuges laut Bericht im Wienerischen Diarium über Michaelerplatz, Kohlmarkt, Graben, Stock im Eisen und Kärntnerstraße, durch das Kärntnertor neben dem Glacis und weiter durch Laimgrube und Mariahilf. Die Straßen waren gesäumt von der Bürgerschaft sowie der Wiener Garnison.

Im Stift Melk, der ersten Übernachtungsstation, traf Maria Antonia ihren Bruder, den Kaiser Joseph II., der bereits vor ihrer Abreise aus Wien nach dort aufgebrochen war. Es wurde das Singspiel Rebecka, die Braut Isaaks von Klosterbewohner und Haydn-Schüler Robert Kimmerling aufgeführt, der noch Jahre später von Joseph II. dafür gelobt worden sein soll. Joseph kehrte am nächsten Tag nach Wien zurück, während sich der Brautzug über Kemmelbach auf den Weg nach Enns begab. Maria Antonia schlief in Schloss Ennsegg; die meisten Mitglieder der Reisegesellschaft in Ennser Bürgerhäusern. Für Maria Antonia wurde ein Festspiel mit Ballett veranstaltet.

Von Enns ging es am 23. April über Kleinmünchen und Wels nach Lambach. Um die bisherige Distanz von 4½ Pferdewechselstationen (Posten) zwischen Enns und Lambach zu verkürzen und den Zwickel zwischen Wiener und Salzburger Poststraße zu überbrücken, war im Vorfeld der Reise eine direkte Verbindungsstraße zwischen den Orten Ebelsberg und Wegscheid gebaut worden, die heute beide zu Linz gehören. Nachdem die Straße fälschlicherweise ab 1929 als Dauphinstraße bezeichnet worden war, wurde ihr Name 1954 in Dauphinestraße korrigiert.

Im Lambacher Stiftstheater, das Abt Amandus Schickmayr im Jahr 1770 durch Johann Wenzel Turetschek hatte renovieren lassen, wurde für Maria das Stück Der kurzweilige Hochzeitsvertrag aufgeführt. Maurus Lindemayr hatte es für diesen Anlass geschrieben. Auf geschmückten Traun-Schiffen wurde zudem ein Wasserfest mit Fackeltanz gefeiert.

Nach einem Pferdewechsel an Josef Ignaz von Poths Thurn und Taxis'scher Reichspost-Station Altheim, führte die Reise am nächsten Tag nach Braunau am Inn. Über die dortigen Festivitäten am 24. April gibt es spätestens seit dem Stadtbrand von 1874 jedoch keine detaillierten Aufzeichnungen mehr.

Nach einer weiteren Übernachtung in Altötting begann die, mit sechs Posten und zehn Stunden Fahrzeit, längste Etappe der Fahrt.

26.–28. April: durch Bayern und Schwaben Diese Etappe führte nach München, wo auf Wunsch von Kurfürst Maximilian III. Joseph, ihrem Cousin mütterlicherseits, ein Rasttag eingeplant worden war. Die beiden Nächte verbrachte Maria Antonia in der ihr als Unterkunft zugedachten Amalienburg. Anlässlich des Besuchs wurde die Oper Léroe cinese von Pietro Pompeo Sales aufgeführt.

Auf der Fahrt nach Augsburg am Sonntag, den 28. April, hellte sich das Wetter auf, nachdem bis dahin die gesamte Reise von Schlechtwetter begleitet war. Beim Einzug in die Stadt schien die Sonne.Beck, S. 318. Nachdem sie vom Rat der Stadt ein goldenes Reise-Service erhalten und Abgesandte des Schwäbischen Reichskreises Maria Antonia ihre Aufwartung gemacht hatten, aß sie mit Fürstbischof Clemens Wenzeslaus in dessen Bischöflichem Palais, wo sie später auch nächtigen sollte. Anschließend besuchte sie die Kayserlich Franciscische Akademie der freien Künste und Wissenschaften, wo ihr die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde, sowie das Silbermagazin von Wilhelm Michael von Rauner (1665–1735) – das Rauner’sche Silbergewölbe. Sie sah eine Aufführung von Charles-Simon Favarts Die drei Sultaninnen im Jesuitentheater. Auf Einladung des Bankiers Benedikt Adam Liebert fand anlässlich der Einweihung von dessen kurz zuvor fertiggestelltem Schaezlerpalais ein Ball für Maria Antonia statt. noch irgendwo nötig? An der Wertachbrücke wurde der weiterreisende Tross vom Burgauischen Jägercorps begrüßt und dann begleitet.Augsburgische Ordinari Postzeitung, Num. 114. Samstag, den 12. May. Anno 1770, S. 2, als Digitalisat, abgerufen am 7. Mai 2023. Da die künftige Königin von Frankreich in Augsburg im bischöflichen Palais untergebracht war und sie ab der Wertachbrücke weiter eskortiert wurde, ist es am wahrscheinlichsten, dass sie Augsburg auch über das Wertachbrucker Tor verließ und dann über die alte Landstraße, die Ulmer Straße, in Richtung Günzburg/Ulm fuhr.

29. April – 6. Mai: durch Vorderösterreich hochkant=2.5|mini|Halt des Brautzugs am Hofgut Sternen, Wandgemälde am Hofgut Sternen im Höllental bei Freiburg In der zweiten Auflage des Buches Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Schwaben, erschienen im Jahre 1800 in Ulm, wird die um 1770 von Ulm nach Freiburg angelegte Chaussée als Dauphine-Straße bezeichnet.Dauphine-Straße, Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Schwaben, Stettinische Buchhandlung, S. 417. () Das Teilstück von Kehl nach Lahr ist in der Chronik über Straßenbau und Straßenverkehr in dem Großherzogthum Baden beschrieben.Straße von Kehl nach Goldscheuer und Lahr. Dauphine-Straße, Baer Baer Consulting, Springer Verlag, 2013, S. 184,185. () 29. April: Übernachtung in Günzburg, angeblich im heutigen „Goldenen Löwen“. In Günzburg wurde sie von Herzogin Anna Charlotte von Lothringen bereits erwartet. Nach einem Essen wurde abends das Komödienhaus mit Aufführung einer Opera buffa besucht.Augsburgische Ordinari Postzeitung, Num. 114. Samstag, den 12. May. Anno 1770, S. 2, als Digitalisat, abgerufen am 7. Mai 2023. 30. April: Ruhetag in Günzburg, aber mit Besuch der Wallfahrtskirche Maria Königinbild in Limbach zwischen Günzburg und Burgau mit Lesung/Abhaltung einer Messe, die der Reichsprälat des Klosters Wettenhausen hielt.Augsburgische Ordinari Postzeitung, Num. 114. Dienstag, den 15. May. Anno 1770, S. 3, als Digitalisat, abgerufen am 8. Mai 2023. In Günzburg wurden die Schätze des Münzhauses bestaunt, wo goldene Medaillen mit Maria Antonias Porträt geprägt wurden. Abends wurde eine Komödie aufgeführt. Für das Volk wurden allerlei Köstlichkeiten aufgefahren: Wagen mit Wein, Bier und Brot gefüllt und einen ganzen gebratenen Ochsen am Spieß. Zudem ließ man Geld auswerfen.Augsburgische Ordinari Postzeitung, Num. 114. Samstag, den 12. May. Anno 1770, S. 3, als Digitalisat, abgerufen am 7. Mai 2023. 1. Mai: Erwartung von Maria Antonia morgens um 9 Uhr in Ulm, über Leipheim und Oberfahlheim kommend, von 80 Kanonenschüssen begrüßt und angekündigt. Am Hotel „Goldenes Rad“ am Münsterplatz wurde gehalten, wo Maria Antonia eine heiße Schokolade zu trinken und von der Stadt Ulm u. a. als Hochzeitsgeschenk ein Kaffee-Service im Wert von 6.000 Gulden erhielt. Nach einem nur halbstündigen Aufenthalt in der Donaustadt ging die Fahrt über den Galgenberg, ebenfalls von Kanonendonner begleitet, zur Stadt hinaus Richtung Oberdischingen.Augsburgische Ordinari Postzeitung, Num. 110. Dienstag, den 8. May. Anno 1770, S. 3, als Digitalisat, abgerufen am 8. Mai 2023. 1. Mai: Durchfahrt von ErbachZeittafel der Stadt Erbach, abgerufen am 8. Mai 2023. und Oberdischingen. In Letzterem ließ Franz Ludwig Graf Schenk von Castell anlässlich des Brautzugs eine 600 Meter lange Kastanienallee (heute Kastanienallee genannt) anlegen.. Website der Gemeinde Oberdischingen