mini|hochkant=1.1|Stolperstein in der Friedenstrasse Diese Liste der Stolpersteine in Dachau enthält die Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunstprojekts von Gunter Demnig in der oberbayrischen Stadt Dachau verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Dachau lebten und wirkten.
Auf der Oberseite der Betonquader mit zehn Zentimeter Kantenlänge ist eine Messingtafel verankert, die Auskunft über Namen, Geburtsjahr und Schicksal der Personen gibt, derer gedacht werden soll. Die Steine sind in den Bürgersteig vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eingelassen.
Die erste Verlegung in Dachau erfolgte am 9. November 2005, 67 Jahre nach der Reichskristallnacht, in der Folge viele Menschen jüdischen Glaubens in sogenannte „Schutzhaft“ genommen und unter anderem in das KZ Dachau deportiert wurden.
Liste der Stolpersteine In Dachau wurden fünfzehn Stolpersteine an zwölf Adressen verlegt. StolpersteinInschriftVerlegeortName, Leben 120px HIER WOHNTETHOMAS BLEISTEINERJG. 1908'SCHUTZHAFT' 1933DACHAU1938 BUCHENWALDERMORDET 16.4.1940MAUTHAUSEN Wieningerstraße 10 , der Hilfsarbeiter Thomas Bleiseiner wurde zwischen 1933 und 1940 mehrfach inhaftiert, vor allem wegen Arbeitsverweigerung. Dabei musste er viele Arbeitsstellen nur ablehnen, weil er weder Schuhe noch ein Fahrrad besaß, um dort hinzugelangen. 120px HIER WOHNTEALWINE DÖLFELJG. 1931EINGEWIESEN 1938ASSOCIATIONSANSTALTSCHÖNBRUNN'VERLEGT' 2.6.1944HEILANSTALT EGLFING-HAAR'KINDERFACHABTEILUNGERMORDET 1.10.1944' Augustenfelder Straße 20 war nach einer Impfung so schwer erkrankt, dass sie eine Behinderung behielt und von ihrer Familie nicht dauerhaft gepflegt werden konnte. Sie wurde im Alter von 13 Jahren in Eglfing-Haar ermordet. 120px HIER WOHNTEJOHANNEISENMANNJG. 1909IM WIDERSTAND / KPD'SCHUTZHAFT' 1933GEFÄNGNIS MÜNCHENTOT 3.4.1933UMSTÄNDE NIE GEKLÄRT Münchner Straße 29 , der Hilfsarbeiter schloss sich als junger Mann dem Kreis um den Kommunisten Franz Klein an. Nach der Machtergreifung wurde er als politischer Gegner ins Gefängnis München Neudeck gebracht, wo er unter nicht geklärten Umständen zu Tode kam. 120px HIER WOHNTEANTON FELBERJG. 1902VERHAFTET 1938'SICHERHEITSVERWAHRUNG'DACHAU1939 FLOSSENBÜRGERMORDET 20.10.1939 Friedenstraße 17 , der Korbmacher Anton Felber wurde bis 1938 mehrfach inhaftiert, vor allem wegen Diebstählen. Der frühe Tod seiner Eltern zwang ihn zum Stehlen und Herumtreiben. Ab 1938 kam er in Vorbeugungshaft ins KZ Dachau. 120px HIER WOHNTEDR. SAMUEL GILDEJG. 1874BERUFSVERBOT 1938'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUDEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 30.6.1944 Sankt-Peter-Straße 2 , seine letzte frei gewählte Wohnung fand der Arzt im Herbst 1938 bei dem jüdischen Schriftsteller Hermann Gottschalk in Augustenfeld. Nur eine Woche später mussten Gilde und Gottschalk vor der Vertreibung durch die SS fliehen. Gilde wurde kurz darauf verhaftet und am 12. November 1938 im KZ Dachau in Schutzhaft genommen. Bis dahin hatte der Mediziner noch zahlreiche Patienten behandelt, obwohl er von den Nazis gezwungen worden war, seine renommierte Praxis aufzugeben. 120px HIER WOHNTEALICE JAFFÉJG. 1875DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 1944 Hermann-Stockmann-Straße 27 war Privatsekretärin beim Ehepaar Meinhold und Julie Rau, konnte zusammen mit diesen nach England entkommen. 120px HIER WOHNTEJULIUS KOHNJG. 1886DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDETMÄRZ 1943 Hermann-Stockmann-Straße 10 war Untermieter bei der Familie Neumeyer. 120px HIER WOHNTEMARIA LINNERJG. 1899EINGEWIESEN 23.3.1935HEILANSTALT GABERSEE'VERLEGT' 7.11.1940HARTHEIMERMORDET 7.11.1940'AKTION T4' Gottesackerstraße 5 hatte nach einer Krankheit ihr Gehör verloren und lebte trotz ihres Berufs als Näherin in einer Dachauer Fürsorgeeinrichtung. Sie wurde in der „Euthanasie“-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz vergast. 120px HIER WOHNTEHANS NEUMEYERJG. 1887DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTTOT 19.4.1944 Hermann-Stockmann-Straße 10 , im Haus der Familie Neumeyer herrschte ein reges kulturelles Leben: Hans Neumeyer, der seit seiner Jugend blind war, hatte Musik studiert und komponierte; Vera Neumeyer gab den Damen der Dachauer Künstlergesellschaft Unterricht in Tanz und Gymnastik. Die Kinder des Ehepaars, Ruth und Raimond, konnten nach England entkommen. 120px HIER WOHNTEVERA NEUMEYERGEB. EPHRAIMJG. 1893MAJDANEK? ? ? Hermann-Stockmann-Straße 10 , im Haus der Familie Neumeyer herrschte ein reges kulturelles Leben: Hans Neumeyer, der seit seiner Jugend blind war, hatte Musik studiert und komponierte; Vera Neumeyer gab den Damen der Dachauer Künstlergesellschaft Unterricht in Tanz und Gymnastik. Die Kinder des Ehepaars, Ruth und Raimond, konnten nach England entkommen. 120px HIER WOHNTEJOHANN PFLÜGLERJG. 1909IM WIDERSTANDERMORDET 28.4.1945RATHAUSPLATZ'DACHAUER AUFSTAND'Heimgartenstraße 14 , geboren 1909 in Niederroth, arbeitete bei Krauß Maffei in Allach. Er hatte Kontakte zur KPD und verteilte mit Franz Klein und anderen Mitgliedern der KPD Flugblätter. 1933 war er 47 Tage im Amtsgericht Dachau inhaftiert. Er pflegte zudem Kontakte zur Freiheitsaktion Bayern, die den Dachauer Aufstand organisierte. Pflügler war an den Kämpfen um das Rathaus beteiligt und wurde entweder bei den Kämpfen oder der nachfolgenden Vergeltungsaktion der SS erschossen. 120px HIER WOHNTEALBERT VETTERMANNJG. 1900VERHAFTET 1940'SICHERHEITSVERWAHRUNG'DACHAU1941 RAVENSBRÜCKERMORDET 30.5.1942 Schleißheimer Straße 149 , geboren 1900 in Chemnitz, war im Juni 1937 beim Bau der Reichsautobahn von München nach Ulm (heute A8) eingesetzt. Dabei lernte er Johannes Rudolf Grosser kennen, mit dem er eine sexuelle Beziehung begann. Er wurde deshalb verurteilt und war so von 1940 bis 1942 in den KZs Dachau und Ravensbrück in polizeilicher Sicherungsverwahrung inhaftiert. Am 25. März 1942 wurde er in die Tötungsanstalt Bernburg/Saale überführt und sofort nach Ankunft ermordet. 120px HIER WOHNTEMAX WALLACHJG. 1875DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 1944Oskar-von-Miller-Straße 1 betrieb mit Ehefrau Melitta, genannt Melly, in der Stockmannstraße eine Stoffdruckerei. Ihr Sohn Franz konnte sich nach England retten. 120px HIER WOHNTEMELITTA WALLACHGEB. HOLLAENDERJG. 1894DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 1944Oskar-von-Miller-Straße 1 120px HIER WOHNTETHERESE WILDMOSERJG. 1910EINGEWIESEN 1.1.1938HEILANSTALT TAUFKIRCHEN'VERLEGT' 25.2.1941HARTHEIMERMORDET 25.2.1941'AKTION T4'Benediktenwandstraße 3 war Dienstmädchen und litt unter Epilepsie. Sie wurde Opfer des als „Aktion T4“ bezeichneten Krankenmordprogramms der Nationalsozialisten.
Verlegungen Die ersten sechs Stolpersteine zur Erinnerung an die Dachauer, die im Holocaust ermordet wurden, verlegte Demnig 2005. 2014 kamen vier Stolpersteine für Menschen mit anderem Verfolgungshintergrund hinzu. 2017 ließ die Stadt Dachau fünf weitere Stolpersteine" zur Erinnerung an Opfer des Naziregimes verlegen. Darunter sind erstmals auch behinderte Menschen, die in der „Aktion T4“ der Nazis ermordet wurden. Die Stolpersteinverlegungen wurden jeweils von Gedenkveranstaltungen begleitet.
Weblinks
Gunter Demnig: Stolpersteine – Website des Projekts
Einzelnachweise
Kategorie:Dachau Dachau