Götschendorf [ˈgøːtʃn̩dɔʁf] ist ein Gemeindeteil von Milmersdorf im Landkreis Uckermark in Brandenburg. Das mittelalterliche Dorf Götschendorf war schon 1375 wüst gefallen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Götschendorf als Rittersitz neu aufgebaut. Die Gemeinde Götschendorf wurde erst 1928 durch Auflösung und Umwandlung des Gutsbezirkes Götschendorf, das frühere Rittergut, gebildet und 1973 nach Milmersdorf eingemeindet.

Lage Götschendorf liegt am Rand der Schorfheide am Kölpinsee. Die Gemarkung Götschendorf grenzt im Norden an die Gemarkungen Milmersdorf, Friedenfelde und Groß Kölpin, im Osten an die Gemarkungen von Groß Fredenwalde und Temmen, im Süden an die Gemarkung von Ringenwalde und im Westen an die Gemarkung von Petersdorf. Zur Gemarkung gehören der Kölpinsee, der Gotts See, der Kesselsee und der Große Krinertsee. Im Süden grenzt die Gemarkung an den Lübelowsee und den kleinen Proweskesee. Im Norden grenzt die Gemarkung an den Kleinen Krinertsee und den Düstersee. Größere Fließgewässer fehlen, ausgenommen einigen Entwässerungsgraben. Der Lübelowseegraben bildet über ca. 2,8 km die Gemarkungsgrenze zur Gemarkung Ringenwalde. Über die Hälfte der Gemarkung ist bewaldet.

Auf der Gemarkung Götschendorf liegen der Gemeindeteil Hohenwalde und der Wohnplatz Hahnwerder der Gemeinde Milmersdorf. Der Ortskern liegt auf . Der höchste Punkt der Gemarkung ist der Kienberg am östlichen Rand der Gemarkung mit , der tiefste Punkt der Seespiegel des Kölpinsees mit .

Durch den Ort führt die von Milmersdorf nach Ringenwalde führende Landesstraße L 23. Im Ort zweigt eine kleine Straße nach Norden zum Wohnplatz Hahnwerder ab, 2006 lebten in Götschendorf 223 Einwohner.

Geschichte Anfängliche Besiedlung mini|Götschendorf auf dem Urmesstischblatt 2948 Friedrichswalde von 1826 Götschendorf wurde 1375 erstmals im Landbuch Karls IV. als Coczykendorp erwähnt. Es dürfte im Zuge der Deutschen Ostsiedlung um 1200 entstanden sein. Sophie Wauer gibt zwei Möglichkeiten der Erklärung des Ortsnamens an. Einmal die Ableitung von einem Personennamen Götz(e)ke, einer Koseform/Verkleinerungsform von Götz, was wiederum eine Koseform von Personennamen wie Gottschalk oder Gottfried ist; also das Dorf eines Götz(e)ke. Die andere Möglichkeit wäre die Interpretation als slawisch-deutscher Mischname *Choc-kendorp = Dorf eines Choc-k oder Choč-k. Die Personennamen *Chocik, *Chočik oder auch *Chocek, *Choček sind Koseformen von Personennamen wie Chotĕmer oder Chotislav. Nach der Dorfform handelt es sich um eine Gutssiedlung.

Mittelalterliches Dorf Bei seiner Ersterwähnung im Landbuch Karls IV. war Götschendorf bereits wüst. Die Beschreibung im Landbuch referiert die Besitz- und Abgabenverhältnisse, bevor das Dorf verlassen wurde. Der Text lautet im Original:

Nach diesen Angaben hatte das Dorf 60 Hufen, davon waren vier freie Kirchenhufen. Jede der abgabenpflichtigen Hufen musste sieben Schillinge Pacht bezahlen, ansonsten nichts weiter, wie das Landbuch besonders vermerkt. Von 14 Hufen kannte man den Besitzer noch, die anderen waren anscheinend völlig wüst. Der Krug gab sechs Schillinge. Es gab ursprünglich sieben Kossätenhöfe im Dorf, von denen zwei noch besetzt waren bzw. einen Besitzer hatten. Jeder Kossäte musste (ursprünglich) ein Huhn und sechs Pfennige im Jahr bezahlen. Der Ort gehörte den Knappen von Stegelitz, die früher hier auch wohnten. Die Kirche hatten einen Garnzug in einem namentlich leider nicht genannten See in der Nähe des Dorfes, das Historische Ortslexikon vermutet eher den Gotts See als den Kölpinsee. Der Kölpinsee war zumindest später im Besitz der Stadt Templin. Der genannte eine Garnzug ist auch ein Anhaltspunkt für die Größe und der Fischreichtum eines Sees; ein Garnzug deutet auf einen kleinen See hin. Götschendorf war aber zum Zeitpunkt der Aufnahme des Landbuches schon völlig verlassen. Das muss aber nicht bedeuten, dass die Feldmark nicht mehr bewirtschaftet wurde.

Im Jahr 1416 wird Götschendorf erneut unter dem Lehenbesitz der von Stegelitz genannt. Das Dorf war damals bereits wüst gefallen. In einem weiteren Dokument von 1472 wird nun explizit die wüste Dorfstätte Götschendorf erwähnt. Die Feldmark war aber nicht völlig verwildert, sondern wurde noch teilweise bewirtschaftet, denn von der wüsten Feldmark musste eine Abgabe von drei Wispel Korn gegeben werden, eine vergleichsweise große Menge. Ein Wispel waren immerhin 24 Scheffel.

1522 ist vom Feld Götschendorf die Rede und 1540 ist ausdrücklich vermerkt, „dieses Dorf gibt nichts“. Rund dreißig Jahre später, 1553 ist dann der Rittersitz des Franz von Arnim in Götschendorf urkundlich bezeugt, d. h., dass der Beginn des Wiederaufbaus und der Wiederansiedlung in die Zeit zwischen 1540 und 1553 fällt.

Besitzgeschichte des neuzeitlichen Dorfes Zwischen 1416 und 1472 war die Feldmark Götschendorf in den Besitz der von Arnim gekommen. Nach der Arnim’schen Familienchronik hatte der uckermärkische Landvogt Lüdeke von Arnim bereits 1457 einen Anteil an der wüsten Feldmark Götschendorf erworben. 1472 erhielten Henning, Achim, Claus, Hans und Berndt von Arnim von Biesenthal einen Gesamtlehenbrief vom markbrandenburgischen Kurfürsten Albrecht Achilles über diverse Güter in der Uckermark, u. a. auch mit Götschendorf (die wuste dorff stete czu Getzekendorf gibt drey winspel korns). Nach dem Wechsel in manu dominante, also dem Regierungsantritt des markbrandenburgischen Kurfürsten Johann Cicero erhielten Henning von Arnim (der Alte) auf Gerswalde, Claus und Hans von Arnim auf Zichow und Biesenthal sowie Berndt, Lippolt und Heinrich von Arnim Brüder und Vettern in Zehdenick 1486 erneut einen Gesamtlehenbrief und die Bestätigung ihrer Lehen. Darin steht: die wuste dorpstede getzkendorp gift drey wispel korn. 1498 wurde Bernd von Arnim (1470–1545 urk.) mit Fredenwalde, Milmersdorf und Götschendorf belehnt.

1553 hatte schließlich Franz von Arnim, Sohn des (obigen) Bernd von Arnim auf Fredenwalde und der Catharina von Bredow aus dem Hause Kremmen oder Rheinsberg, einen Rittersitz in Götschendorf eingerichtet. Franz von Arnim besaß außerdem Alt-Temmen und Gollmitz. Er war in erster Ehe mit Anna von Kerberg verheiratet, und in zweiter Ehe mit Magdalena von der Gröben. Franz von Arnim starb vor 1570 unter Hinterlassung von fünf Söhnen, von denen drei noch unmündig waren. Der älteste Sohn Joachim erhielt Gollmitz und konnte einen Anteil von Groß Sperrenwalde erwerben. Der zweite Sohn Caspar war unverheiratet und lebte in Templin. Der dritte Sohn Jacob erhielt Götschendorf und konnte Milmersdorf erwerben. Der vierte Sohn Franz war Page am kursächsischen Hof und hatte wohl keine Erben. Er erhielt gemeinsam mit dem fünften Sohn Georg das Dorf Temmen, das letzterem schließlich alleine zufiel. Georg von Arnim begründete das Haus Temmen der von Arnims. Allerdings gehörte Franz von Arnim zunächst nur die eine Hälfte der Feldmark, die andere Hälfte war 1553 im Besitz der von Ahlimb. Sie muss bald darauf aber ebenfalls in den Besitz des Franz von Arnim gekommen sein. 1578 war der Pachtschäfer des Rittergutes Fredenwalde seit 1573 mit dem Pachtgeld in Rückstand, das auf zwei Taler aufgelaufen war.

1583 wurde Jacob von Arnim (1562–1618), der Erbe von Götschendorf mündig. Er heiratete Anna von Greiffenberg aus dem Hause Frauenhagen. Er hatte drei erbberechtigte Söhne Curt, Antonius und Georg. Jacob von Arnim ist 1618 gestorben. Curt übernahm das ererbte Fredenwalde, Antonius Götschendorf und Milmersdorf. Der jüngste Bruder Georg war kaiserlicher Hauptmann und starb 1621 ohne Erben. 1608 gab es in Götschendorf nur den Rittersitz und drei Kossäten, die vermutlich die Arbeit auf dem Gut leisteten.

Der Erbe von Götschendorf und Milmersdorf, Antonius von Arnim (1598–1666) war dreimal verheiratet, in erster Ehe mit Ilse von Greiffenberg aus dem Hause Frauenhagen, in zweiter Ehe mit Eva Sabina von Billerbeck aus dem Hause Jagow in Pommern und in dritter Ehe mit Eva Sabina von der Lühe aus dem Hause Rüdersdorf. Antonius von Arnim war kurbrandenburgischer Kriegskommissar und uckermärkischer Landesdirektor. 1624 hatte das dem Antonius von Arnim gehörige Rittergut eine Aussaat von sieben Wispeln. Ein Kossät wohnte noch in Götschendorf. Von der Stadt Templin kaufte er 1628 für 500 Taler, allerdings auf Wiederkauf, den Kölpinsee. Über die Zeit, als der Dreißigjährige Krieg auch Brandenburg erreichte, liegen keine Nachrichten vor, doch muss sie zumindest wirtschaftlich sehr schwer gewesen sein. Antonius gelang es aber, die im Dreißigjährigen Krieg aufgehäuften Schulden wieder abzubauen. 1666 war das Wohnhaus in Götschendorf in gutem Dach und Fach. Am 16. Februar 1666 starb er in Götschendorf. Aus der zweiten Ehe mit Eva Sabina von Billerbeck waren die Söhne Georg Friedrich und Berndt Gottfried hervorgegangen. Georg Friedrich von Arnim (vor 1631–1677) hatte mit seiner ersten Frau Lucia Ilse von Sparr „nur“ sechs, nicht lehnberechtige Töchter, sodass der Lehnbesitz an seinen Bruder Berndt Gottfried (1639–1713) bzw. dessen (männliche) Nachkommen ging.

Berndt Gottfried von Arnim (1639–1713) trat zunächst in die preußische Armee ein und brachte es dort „nur“ bis zum Kornett. Er war Erbherr auf Götschendorf, Temmen, Milmersdorf und einem Anteil von Groß Sperrenwalde. Er war mit Magdalena Agnes von Arnim aus dem Hause Temmen verheiratet. 1705 konnte er den Kölpinsee für 150 Taler Zuzahlung zu den bereits von seinem Vater Antonius geleisteten 500 Taler nun endgültig erwerben. Milmersdorf verpachtete er, behielt sich aber die meisten Dienste der Untertanen in Milmersdorf, vier Bauern und zwei Kossäten, vor. 1705 kaufte er vom Hauptmann Joachim Wichmann von Ahlimb für 1.100 Taler wiederkäuflich die zum Ahlimbschen Rittergut Ringenwalde gehörige Feldmark Mierenwerder, die später zum Gut Götschendorf gehörte. 1709 konnte er das 1689 auf Wiederkauf an Johann Stephan von Barfuß veräußerte Gut Temmen (= Alt-Temmen) wieder einlösen. Das Gut Bernsdorf kaufte er zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt für 5.000 Taler. Leider ist in der kurzen Notiz kein Vorbesitzer von Bernsdorf genannt. Berndt Gottfried von Arnim, Erbherr auf Götschendorf, Temmen, Milmersdorf und Groß Sperrenwalde starb am 17. März 1713 und wurde im Erbbegräbnis der von Arnim in Milmersdorf beigesetzt.

Bei der Erbteilung 1713 per Losentscheid unter seinen vier Söhnen fiel Milmersdorf an den ältesten Sohn, den Hauptmann Carl Gottfried Friedrich (1671–1730). Der zweitälteste Sohn und Hauptmann Berndt Ludwig (1681–1748) erhielt Götschendorf, Neu-Hohenwalde und Bernsdorf. Der dritte Sohn Gustav Anton (1683–1738) den Anteil an Groß Sperrenwalde. Er konnte später Kraatz hinzu erwerben und begründete das Haus Kraatz der von Arnim. Der jüngste Sohn Franz Rudolph (1686–1738) erhielt das Gut Temmen. Dessen beide Söhne starben 1740 im Ersten Schlesischen Krieg bzw. 1757 im Siebenjährigen Krieg. Temmen fiel an Friedrich Erdmann (1720–1790), den Sohn des Carl Gottfried Friedrich auf Milmersdorf.