mini|300px|Die naturräumliche Gliederung des Ilm-Kreises

Der Ilm-Kreis ist ein Landkreis in Thüringen, der die Großräume der Städte Arnstadt und Ilmenau umschließt. Er erstreckt sich südlich von Erfurt von der A4 im Norden bis zum Rennsteig im Thüringer Wald im Süden. Im Ilm-Kreis befinden sich das größte Industriegebiet Thüringens, das Erfurter Kreuz im Norden von Arnstadt und die Technische Universität Ilmenau. Benannt wurde der Kreis nach dem Fluss Ilm, der den Kreis von Südwesten nach Nordosten durchfließt. Die Kreisstadt ist Arnstadt.

Der Ilm-Kreis entstand 1994 durch die Zusammenlegung der Landkreise Arnstadt im Norden und Ilmenau im Süden in etwa auf dem Territorium des bereits zwischen 1922 und 1952 bestehenden Landkreis Arnstadt. In den beiden Städten Arnstadt und Ilmenau leben zusammen über 60 % der Bevölkerung des Ilm-Kreises. Der Landkreis gehört zu Mittelthüringen. Durch die gute infrastrukturelle Anbindung an zwei Bundesautobahnen sowie durch die zentrale Lage in der Nachbarschaft zu Erfurt nimmt der Ilm-Kreis hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung einen Spitzenplatz unter den ostdeutschen Landkreisen ein.

Geografie Lage in Thüringen

Der Ilm-Kreis liegt im zentralen Bereich Thüringens. Er ist nur von weiteren Thüringer Kreisen umgeben. Nachbarkreise sind im Norden die kreisfreie Stadt Erfurt (Grenzlänge: 16 km), im Nordosten der Landkreis Weimarer Land (Grenzlänge: 23 km), im Osten der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (Grenzlänge: 73 km), im Süden der Landkreis Hildburghausen (Grenzlänge: 32 km) und die kreisfreie Stadt Suhl (Grenzlänge: 30 km), im Südwesten der Landkreis Schmalkalden-Meiningen (Grenzlänge: 8 km) und im Westen der Landkreis Gotha (Grenzlänge: 38 km).

Topografische Gliederung Der Ilm-Kreis lässt sich topografisch in drei verschiedene Zonen gliedern:

Der Nordosten des Kreisgebiets (nördlich von Arnstadt) stellt den Südrand des Thüringer Beckens dar. Dieses Gebiet ist kaum bewaldet und wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Hier befindet sich auch auf dem Gebiet der Gemeinde Amt Wachsenburg der mit niedrigste Punkt des Kreisgebiets. Dieser liegt auf der Kreisgrenze, am Übergang des Flusses Gera in die kreisfreie Stadt Erfurt.

Der mittlere und östliche Bereich des Kreises wird durch Hügelland mit Höhenlagen zwischen 250 und 600 m über NN charakterisiert. Die Flüsse Ilm, Gera und Wilde Weiße haben hier teilweise bis zu 300 m tiefe Täler in die Landschaft gegraben. Je nach Boden- und Hangverhältnissen wird dieses Gebiet landwirtschaftlich genutzt oder ist bewaldet. Hier gibt es einige kleinere Bergketten wie z. B. die Reinsberge.

Das südliche Drittel des Landkreises nehmen die Mittelgebirgslandschaften des Thüringer Waldes und im äußersten Südosten des Thüringer Schiefergebirges ein. Bis auf den Ort Frauenwald liegen alle übrigen Gebiete des Ilm-Kreises nördlich des Rennsteigs. Während der Thüringer Wald im südwestlichen Teil des Kreises noch stark zerklüftet ist, ebnet er nach Südosten hin immer weiter ab, sodass in der Neustädter Umgebung Hochflächen vorherrschend sind, während im Westen noch Bergkuppen dominieren. Damit wird der Übergang zum Thüringer Schiefergebirge mit seinen Hochflächen und zerklüfteten Tälern markiert.

Die höchstgelegenen Orte des Ilm-Kreises sind Neustadt am Rennsteig (800 m ü. NN) und Frauenwald (750 m ü. NN).

mini|200px|Höhenkarte Die folgende Tabelle enthält einige wesentliche Berge und Erhebungen im Ilm-Kreis. In der ersten Tabelle sind Berge im Thüringer Wald und Schiefergebirge aufgeführt und in der zweiten Tabelle Berge im Vorland des Gebirges.

Berg Höhe Gemeinde Kickelhahn 861 m Ilmenau Morast 838 m Großbreitenbach Reischelberg 821 m Großbreitenbach Haube 811 m Großbreitenbach Langer Berg 809 m Großbreitenbach Rumpelsberg 799 m Elgersburg Lindenberg 749 m Ilmenau Vitzberg 696 m Großbreitenbach Milchberg 676 m Großbreitenbach Berg Höhe Gemeinde Reinsburg 604 m Arnstadt Singer Berg 583 m Stadtilm Pörlitzer Höhe 580 m Ilmenau Großer Kalmberg 547 m Stadtilm Herrenberg 545 m Stadtilm Weißer Stein 532 m Martinroda Hufeisen 528 m Stadtilm Großer Hund 525 m Stadtilm Riechheimer Berg 513 m Elleben Willinger Berg 502 m StadtilmWassenberg(Veste Wachsenburg) 421 m Amt Wachsenburg

Der Ilm-Kreis ist zu etwa 43 % bewaldet (Thüringen: 32 %) und zu etwa 44 % landwirtschaftliche Nutzfläche (Thüringen: 54 %). Der übrige Flächenanteil entfällt auf Wasser-, Siedlungs-, Verkehrs- und sonstige Flächen.

Gewässer Die wichtigsten Flüsse des Ilm-Kreises sind die Ilm, nach der er benannt ist, und die Gera. Fast alle übrigen Flüsse und Bäche münden in einen der beiden Flüsse. Der südliche Teil des Kreises gehört zum Einzugsgebiet der Schwarza, die teilweise die südöstliche Kreisgrenze zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt bildet. All die genannten Flüsse gehören zum großräumigen Einzugsbereich der Elbe. Lediglich einige kleinere südlich des Rennsteigs entspringende und bald den Landkreis verlassende Bäche und Quellflüsse (Vesser, Tränkbach, Nahe und Schleuse) gehören zum Einzugsbereich der Werra und damit der Weser.

Die folgende Tabelle enthält alle Flüsse erster und zweiter Ordnung gemäß der Einordnung durch die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, wobei eine (1) nach dem Flussnamen für einen Fluss erster Ordnung und eine (2) für einen Fluss zweiter Ordnung steht.

Fluss Gesamtlänge davon im Kreisgebiet Ilm (1) 128,7 km 46,8 km Gera (1) 85,0 km 38,8 km Wipfra (2) 39,6 km 39,6 km Wilde Gera (1) 22,8 km 22,8 km Zahme Gera (1) 19,0 km 19,0 km Wilde Weiße (2) 18,0 km 13,0 km Wohlrose (2) 17,0 km 17,0 km Fluss Gesamtlänge davon im Kreisgebiet Deube (2) 10,0 km 10,0 km Oelze (2) 10,0 km 10,0 km Schorte (2) 9,5 km 9,5 km Breitenbach (2) 8,2 km 8,2 km Mettbach (2) 8,0 km 8,0 km Humbach (2) 6,5 km 6,5 km

Der Ilm-Kreis verfügt nur über wenige natürliche Standgewässer, diese befinden sich im Gehrener Feuchtgebiet, im Ilmenauer Teichgebiet und bei Rudisleben. Die größte Gewässerfläche stellt die Talsperre Heyda dar, die Bewässerungszwecken dient. Daneben gibt es noch die Talsperre Lütsche, die zur Versorgung der Dampflokomotiven der Deutschen Reichsbahn gebaut worden war, heute aber hauptsächlich touristischen Zwecken dient.

Klima Auf Grund der geografischen Gegebenheiten gibt es im Ilm-Kreis große klimatische Unterschiede, die auch aus den jeweiligen durch umliegende Gebirge erzeugten Luv-und-Lee-Situationen resultieren. Dabei lässt sich sowohl bei den Temperaturen als auch bei den Niederschlägen ein deutliches Nord-Süd-Gefälle beobachten.

Die Jahresmitteltemperaturen betragen im Nordrand des Kreises etwa 8 °C, während sie in den Gipfellagen des Thüringer Waldes nur etwa 4 °C erreichen. Noch deutlicher wird der Unterschied bei den Niederschlägen: In den Gipfellagen fallen im langjährigen Mittel etwa 1200 mm Niederschlag. Dieser Wert nimmt nach Norden hin deutlich ab und erreicht im Bereich der Drei Gleichen kaum noch 450 mm jährlich. Dieses Gebiet gehört damit zu den trockensten in Deutschland. Die mittlere Jahressumme an Sonnenscheinstunden beträgt zwischen 1400 Stunden im Bergland und 1600 Stunden am Nordrand des Kreises.

Der Klimawandel der letzten Jahrzehnte wirkt sich auch auf das Klima im Ilm-Kreis aus, wobei die Stärke der Auswirkungen wiederum regional sehr unterschiedlich ist. So betrug die Zunahme der mittleren Temperatur in den Jahren 1951 bis 2000 im Norden ca. 0,8 K, aber nur etwa 0,4 K im Bergland. Bei den Niederschlägen lassen sich sogar gegensätzliche Trends feststellen: Während es im genannten Zeitraum zu einer Zunahme der jährlichen Niederschlagsmenge im Mittelgebirge um bis zu 20 Prozent kam, gingen die Niederschlagsmengen am Rand des Thüringer Beckens leicht zurück. Insgesamt lässt sich im Ilm-Kreis wie in ganz Thüringen ein Trend zu nasseren Wintern und trockeneren und wärmeren Sommern feststellen.

Problematisch ist auch, dass einige kleinere Bäche im Thüringer Wald alljährlich zur Schneeschmelze im Februar/März große Wassermengen abtransportieren müssen. Dadurch kommt es immer wieder zu Überschwemmungen, besonders im Ilmtal zwischen Gräfinau-Angstedt und Stadtilm, wo das Tal nur ein geringes Gefälle besitzt. Dort sind aber ausreichende Flutauen vorhanden. Zu verheerenden Überschwemmungen kommt es im Ilm-Kreis bei der Schneeschmelze jedoch nicht, da die Flüsse zwischen den Ortschaften nicht begradigt und überall Auflächen vorhanden sind.

Geologie Die heutige stark differenzierte geografisch-geomorphologische Gestalt des Ilm-Kreises ist das Ergebnis eines sich über mehrere Hundert Millionen Jahre hinziehenden Prozesses von aus dem Erdinneren herrührenden Hebungsprozessen verbunden mit den Wirkungen des Klimas bzw. vorübergehender Meeresüberflutungen. Trotz der heute anzutreffenden landschaftlichen Gegensätze verlief die geologische Entwicklung des Gebiets des heutigen Ilm-Kreises lange Zeit gleich.

Der älteste tektonische Vorgang, der für die geologische Betrachtung des Gebiets von Bedeutung ist, war die variszische Gebirgsfaltung vor etwa 325 Millionen Jahren. Sie hinterließ eine rasche Abfolge von Wellen und Satteln, die von Südwest nach Nordost ausgerichtet waren. Im Gebiet des Ilm-Kreises unterscheidet man dabei den östlich gelegenen Schwarzburger Sattel und die zentral gelegene Oberhöfer Mulde. Im Muldenbereich bildeten sich dabei einzelne Vulkane. Die bei dieser Faltung herausgehobenen Sedimente wurden rasch eingeebnet. Es entstanden langgezogene Schwellengebiete und Senken. Die Mulden wurden von den Schwellen her mit den Schuttmassen (vor allem Sandsteine und Konglomerate) aufgefüllt. Im Bereich des oberen Ilmtals war dies aber auch Granit infolge der Vulkantätigkeit.

Nach dieser Periode drang vor etwa 240 Millionen Jahren aus nordwestlicher Richtung das Zechsteinmeer nach Thüringen vor. Dessen Ablagerungen, vor allem Kalke, Dolomite, tonige Gesteine und Salze bilden ein zweites Stockwerk auf den variszischen Gesteinen.

Durch tektonische Bewegungen der Erdkruste vor etwa 160 Millionen Jahren bildeten sich die noch heute sichtbaren Großformen im Thüringer Bereich aus. Es entstanden vorrangig von Nordwest nach Südost gerichtete Schollen, die sich, wie die relativ schmale Scholle des heutigen Thüringer Waldes und die deutlich breitere Scholle des Thüringer Schiefergebirges, teilweise bis zu 1000 Meter aus ihrer Umgebung heraushoben, aber auch um wesentlich geringere Beträge wie die Scholle des Thüringer Beckens. Von besonderer geologischer Bedeutung sind die Ränder dieser Schollen, wo sich Gesteinsschichten teilweise senkrecht aufstellten. Eine solche Störungszone ist die Eichenberg-Gotha-Saalfelder-Störungszone, durch die nordwestlich von Arnstadt zwei charakteristische Höhenzüge entstanden sind, aus deren Mulde zwischen den beiden der Keuper-Bergkegel der Veste Wachsenburg herausragt. Dieser Bereich ist wegen der hier zutage tretenden unterschiedlichsten Gesteinsschichten geologisch besonders interessant und die Basis für den entstehenden Geopark Drei Gleichen.

Die tektonischen Bewegungen, die auch saxonische Gebirgsbildung genannt werden, hörten gegen Ende des Tertiärs im Pliozän vor etwa zwei Millionen Jahren auf. Bereits in dieser Phase wurden die Schichten des Zechsteins und der Trias (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper) von den Höhenlagen der Schollen abgetragen, wobei im Bereich des Thüringer Waldes weitere für die Witterung anfällige Gesteine zutage traten, während im Bereich des Schiefergebirges ältere, feste Gesteine die relativ flache Oberfläche noch heute bilden.