miniatur|Bartholomeus van der Helst: Porträt des Paulus Potter, 1654, Öl auf Leinwand, Mauritshuis, Den Haag Paulus Pietersz. Potter (getauft am 20. November 1625 in Enkhuizen; begraben am 17. Januar 1654 in Amsterdam) war ein niederländischer Tier- und Landschaftsmaler, Zeichner und Radierer. Bald nach seinem Tod wurden für Potters Gemälde hohe Preise gezahlt. Es sind zahlreiche Kopien und Nachahmungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert belegt, darunter solche von Jean-Joseph-Xavier Bidauld und Christian David Gebauer.
Leben miniatur|Paulus Potter: Der Stier, 1647, Öl auf Leinwand, Mauritshuis, Den Haag mini|Aufstellung von Paulus Potters Stier im Rijksmuseum Amsterdam, Juli 1945. Fotografie von Emmy Andriesse für Anefo (Algemeen Nederlandsch Fotobureau) Paulus Potter war der Sohn des Malers Pieter Symonsz. Potter und Neffe von Willem Bartsius. Die Familie wohnte 1628 in Leiden und zog 1631 nach Amsterdam, wo der Vater bis zu seinem Tod im Jahr 1652 lebte. Der Vater ist als Lehrer bezeugt. Möglicherweise kommt als weiterer Lehrer Claes Cornelisz. Moeyaert in Betracht, mit dem der Vater befreundet war. Ferner erwähnt das Allgemeines Künstlerlexikon (AKL) einen Eintrag im Skizzenbuch des Jacob Willemsz. de Wet in Haarlem, wonach Potter am 12. Mai 1642 acht Pfund für ein Jahr Malunterricht bezahlt habe. Am 6. August 1646 trat Potter der Lukasgilde in Delft bei. 1649 zog er nach Den Haag und wurde Mitglied der dortigen Gilde. Er bewohnte ein Haus an der Dunne Bierkade 17, das dem Maler Jan van Goyen gehörte, der sein Nachbar war. Am 3. Juli 1650 heiratete er Adriana, Tochter des Baumeisters Claes Dirksz. van Balckenende (auch Balkeneynde).
Im Mai 1652 übersiedelte Potter nach Amsterdam. Nach dem Thieme-Becker geschah dies auf Anraten des Bürgermeisters Nicolaes Tulp, nach Houbraken (1719) auf dessen Einladung. Am 2. Januar 1653 errichtete er gemeinsam mit seiner Frau ein Testament. Paulus Potter starb an Tuberkulose und wurde am 17. Januar 1654 in Amsterdam begraben. Kurz vor seinem Tod porträtierte ihn Bartholomeus van der Helst.
Werk Paulus Potter schuf mindestens 130 Gemälde, die meist mit vollem Vor- und Nachnamen signiert sind. Seine frühesten bekannten Bilder von 1641/1642 behandeln biblische Themen; Thieme-Becker nennt als frühestes bekanntes Bild Auszug Abrahams nach Kanaan von 1642. Das Allgemeines Künstlerlexikon (AKL) nennt für 1642 das Gemälde Gott erscheint Abraham (versteigert 1997 bei Christie’s, New York) und sieht darin den Einfluss Moeyaerts. Eine bezeichnete Bleistiftzeichnung Wildschweinjagd (1641 datiert; Frankfurt) trägt laut AKL den Vermerk oud 14 jaar. Ab 1643 spezialisierte sich Potter nach dem AKL auf bäuerliche Szenen mit Vieh in offener Landschaft, in denen die Tiere das Hauptthema bilden.
Bedeutende Gemälde Der Stier, 1647 signiert und datiert, Öl auf Leinwand, Mauritshuis, Den Haag. Der Auftraggeber ist unbekannt. Das Mauritshuis hebt das Großformat bei einem konventionellen Sujet sowie Details wie die Lerche und die Fliegen auf dem Rücken des Tieres sowie die Schnurrhaare der Kuh hervor. Der große Bauernhof, 1649, Eremitage, St. Petersburg. Reiterporträt Dirck Tulp, 1653, Sammlung Six, Amsterdam. Dirck war der Sohn Nicolaes Tulps. Spaniel, 1653, Amsterdam; Kettenhund, St. Petersburg. Kühe auf der Weide (Cattle in a Meadow), 1652, Öl auf Holz, 35,8 × 46,9 cm, Mauritshuis (Angaben Mauritshuis/Google Arts & Culture).
Nach Houbraken war das letzte Gemälde ein Kaminstück für Amalia zu Solms-Braunfels, das sie nicht angenommen habe, weil darauf eine urinierende Kuh dargestellt gewesen sei.
Zeichnungen und Druckgrafik Das AKL nennt Arbeiten in schwarzer Kreide, etwa Viehherde in einem Park (1647, Rijksmuseum Amsterdam) und ein Selbstporträt (Stockholm). Ab 1643 entstanden einige Radierungen (Rinder, Pferde). Nach Potters Tod radierte Marcus de Bye Tierserien nach dessen Zeichnungen.
Rezeption Der junge Stier gelangte 1795 als französische Kriegsbeute nach Paris und hing dort bis 1815 im Louvre. Nach der Rückführung ist es nach Angaben des Mauritshuis seit 1822 wieder im Mauritshuis ausgestellt. Das AKL vermerkt, das Bild sei im 19. Jahrhundert in den Niederlanden sehr populär gewesen, während die französische Kunstkritik es abgelehnt habe, und nennt einen Einfluss des Louvre-Aufenthalts auf den französischen Realismus. Das Bild ist Gegenstand von Mark Tanseys Gemälde The Innocent Eye Test (1981). In Den Haag erinnert das Paulus Potterhuis an der Dunne Bierkade 17 an den Maler.
Literatur Ilja M. Veldman: Potter, Paulus Pietersz. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 96, De Gruyter, Berlin 2017, S. 415. Potter, Paulus. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 27, E. A. Seemann, Leipzig 1933, S. 306–307. Arnold Houbraken: De Groote Schouburgh der Nederlantsche Konstschilders en Schilderessen. Band 2, Amsterdam 1719, S. 125–130. Cornelis Hofstede de Groot: Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten holländischen Maler des XVII. Jahrhunderts. Band 4, Esslingen 1911, S. 609–698. Alfred von Wurzbach: Niederländisches Künstler-Lexikon. Band 2, Leipzig 1910, S. 352 ff. Quentin Buvelot: A Newly Discovered Letter to Arnold Houbraken on the Life of Paulus Potter. In: The Burlington Magazine 157, Nr. 1343, 2015, S. 92–95. Amy Walsh (Hrsg.): Paulus Potter. Paintings, Drawings and Etchings. Den Haag: Mauritshuis 1994 (Ausstellungskatalog), ISBN 90-400-9721-6 Rudolf von Arps-Aubert: Die Entwicklung des reinen Tierbildes in der Kunst des Paulus Potter. Dissertation, Halle 1931
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Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Niederlande) Kategorie:Landschaftsmaler Kategorie:Pferdemaler Kategorie:Maler des Barock Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Niederländer Kategorie:Geboren 1625 Kategorie:Gestorben 1654 Kategorie:Mann