Wildpoldsried () ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Oberallgäu.

Bundesweit und international bekannt wurde die kleine Gemeinde als Energiedorf, das mittels erneuerbarer Energien ca. fünfmal so viel Energie erzeugt, wie es selbst verbraucht. Für diese Leistung wurde die Gemeinde vielfach mit deutschen (z. B. Deutscher Solarpreis 2009, Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt 2011) und internationalen Preisen geehrt. 2018 erhielt die Gemeinde zum zweiten Mal den European Energy Award in Gold, diesmal mit der europaweit höchsten Punktzahl. 2019 wurde die Gemeinde als Bayerisches Heimatdorf prämiert.Verleihung der Auszeichnung Heimatdorf, abgerufen am 26. März 2021

Geographie Lage Wildpoldsried liegt im Oberallgäu im Leubasbecken. Durch den Ort verläuft der Allgäu-Radweg.

Die Höhenlage der Gemeinde reicht von im Leubastal bis im Kronholz bei Steig.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet besteht nur aus der Gemarkung Wildpoldsried.

Es gibt 22 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte mini|Wildpoldsried mini|Windräderdorf Wildpoldsried mini|Wildpoldsried von Nordosten mini|Pfarrkirche St. Georg und Mauritius Wildpoldsried wurde erstmals urkundlich im Jahr 1392 (durch einen Verkauf der Burg Wolkenberg) erwähnt und war vor 1800 Sitz eines Oberen und Unteren Gerichts des Fürststifts Kempten. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss und der Säkularisation 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1964 auf 2602 um 638 Einwohner bzw. um 32,5 %. Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 Einwohner 743 932 1170 1510 1813 1668 1917 2135 Jahr 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Einwohner 2338 2385 2545 2531 2554 2543 2586

Politik Gemeinderat Bei der Wahl am 8. März 2026 erhielten die Freien Wähler 44,9 %, die CSU 35,6 % und die Grünen 19,5 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,2 % und war damit eine der höchsten im Landkreis Oberallgäu. +SitzverteilungFreie Wähler6CSU5Grüne3

Bürgermeister Seit dem 1. Mai 2026 ist Günter Mögele (Freie Wähler) Erster Bürgermeister. Diese wurde am 8. März 2026 mit 72,1 % der Stimmen gewählt. Seine Vorgängerin war Renate Schön (CSU), die vom 1. Mai 2020 bis zum 30. April 2026 amtierte. Im November 2025 beschloss der Gemeinderat eine Satzungsänderung zur Rechtsstellung des Bürgermeisters. Seitdem wird das Bürgermeisteramt im Ehrenamt ausgeführt.

Wappen

Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde besiegelte im Jahr 1986 die Partnerschaftsurkunde mit den Gemeinden Civray und Saint-Ambroix in der französischen Landschaft Berry.

Bau- und Bodendenkmäler

Burgruine Wolkenberg katholische Pfarrkirche St. Georg und Mauritius Schloss Wagegg

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft 2018 gab es in der Gemeinde 781 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 1062 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 281 Personen größer als die der Einpendler. 20 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es 57 landwirtschaftliche Betriebe.

Der Stromspeicher-Hersteller Sonnen GmbH hat seinen Sitz in Wildpoldsried. Im Februar 2019 wurde die Übernahme von Sonnen durch den britisch-niederländischen Energiekonzern Royal Dutch Shell bekannt. 2026 wurde das Unternehmen wieder verkauft.

Verkehr Durch Wildpoldsried verläuft die Bahnstrecke Buchloe–Lindau, allerdings ohne Halt. An das überörtliche Verkehrsnetz ist die Gemeinde insbesondere durch die Bundesstraße 12 angebunden; die nächste Einfahrt liegt 3 km vom Ortszentrum entfernt.

Energiedorf Wildpoldsried Seit Mitte der 1990er-Jahre wurden rund 24 Millionen Euro in den ökologischen Umbau der Gemeinde investiert. Dabei wurden neun Windkraftanlagen errichtet, 26.400 Quadratmeter Photovoltaikanlagen installiert und eine Biogasanlage errichtet, welche Wärme für die Haushalte liefert. Das Dorf produziert ca. fünfmal so viel Strom, wie es verbraucht. 2012 wurden zwei weitere Windräder in Betrieb genommen. Die Wochenzeitung Die Zeit nannte 2012 die Zahl von 30 Millionen Euro, welche die Bürger von Wildpoldsried bisher in erneuerbare Energie investiert hatten.Die Zeit Nr. 34, 16. August 2012, S. 32.

Netzintegration Um die Einspeisung der je nach Wind- und Sonnenverhältnissen stark schwankenden Erzeugungsmengen von Strom zu optimieren, arbeitet das Dorf, im Rahmen von Forschungsprojekten, mit den Allgäuer Überlandwerken, Siemens, der Hochschule Kempten und der RWTH Aachen zusammen. Seit April 2011 läuft das Pilotprojekt IRENE bzw. IREN2, welches wiederum 2018 durch das Projekt "Pebbles" abgelöst wurde. Die Projekte befassen sich mit der Integration von großen Mengen regenerativer Energie ins Stromnetz, mit Elektromobilität, sowie mit der Inselnetzfähigkeit kleinerer Netzbereiche.Für das Stromnetz der Zukunft. In: projekt-irene.de, 2. November 2011

Bildung Im Bildungsbereich gibt es folgende Einrichtungen: Eine Kindertagesstätte mit 124 Plätze und 108 betreuten Kindern (Stand 1. März 2019) Die Grundschule Wildpoldsried mit acht Lehrkräften und 98 Schülern (Schuljahr 2018/19)

Literatur Gregor Dolak: Im grünen Zweistromland. In: Focus Magazin Ausgabe Nr. 28, 2011

Weblinks

Gemeinde Wildpoldsried

Audios

Videos Deutsche Welle: Kluge Energievisionen in Deutschland | Global Ideas Siemens Dokumentation Wildpoldsried Die Strompioniere von Wildpoldsried. In: projekt-irene.de, Allgäuer Überlandwerk GmbH (131 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Oberallgäu Kategorie:Ort in Oberschwaben Kategorie:Ersterwähnung 1392 Kategorie:Bayerisches Alpenvorland Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)