mini|Luftaufnahme von 2016 mini|Ortsansicht von Westen mini|Typisches Sandsteinhaus
Großweingarten (fränkisch: WaigardnE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 84. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „wáigàɘdn“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Spalt im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Großweingarten hat eine Fläche von 10,928 km². Sie ist in 2006 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5447,80 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Egelmühle, Hagsbronn, Hügelmühle, Steinfurt, Straßenhaus und Wasserzell.
Geographie Geographische Lage Das Pfarrdorf liegt im Fränkischen Seenland, einen Kilometer südlich von Spalt auf dem rund () hohen Michelsberg, einer Erhebung des Spalter Hügellandes. Nach Süden und Südwesten hin fällt der Bergrücken zum Großen Brombachsee ab, von dem das Dorf 2 km Luftlinie und 4 km über Straßenverbindungen entfernt ist. Im Nordwesten liegt das Waldgebiet Birkle, im Südwesten das Flurgebiet Sollach, im Süden Lüße und im Südosten Oberlohe.
Klima Durch die exponierte Lage auf dem Bergrücken ist die Tageshöchsttemperatur um bis zu fünf Grad niedriger als in Nürnberg und ein bis zwei Grad niedriger als in Spalt. Zudem ist mit stärkerem Wind (Hochlage) zu rechnen, und die Gewittergefahr ist seenbedingt auch etwas höher.
Geschichte Großweingarten wurde wahrscheinlich im 9. Jahrhundert vom damaligen Spalter Kloster St. Salvator planmäßig als Straßendorf angelegt.F. Eigler: Schwabach, S. 71. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1294 als „Wingarten“,E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 84.F. Eigler: Schwabach, S. 96. als der Eichstätter Bischof Reinboto von Meilenhart mit dem Regensburger Bischof Heinrich II. von Rotteneck u. a. dieses Dorf tauschte. Zuvor hatte die Burggrafschaft Nürnberg diese Orte vom Regensburger Bischof zu Lehen bekommen.F. Eigler: Schwabach, S. 89 f. Seit dem 9. Jahrhundert wurde auf den Südhängen des Bergrückens Weinanbau betrieben. Zu Beginn der Neuzeit verlor er jedoch zugunsten des Hopfenanbaus an Bedeutung. Daraus entstand Mitte des 19. Jahrhunderts ein gewisser Wohlstand. Aus dieser Zeit stammen viele der großen Sandsteinhäuser, die heute das Ortsbild prägen.
Im Salbuch für das Hochstift Eichstätt von 1407 unterstand dem Pflegamt Wernfels-Spalt mit 33 Anwesen fast ganz Großweingarten. In den Salbüchern des Spalter Chorherrenstift St. Nikolaus von 1460, 1549 und 1619 ist für Großweingarten jeweils ein Anwesen aufgelistet.F. Eigler: Schwabach, S. 113 f. Der Hauptmannschaft Enderndorf der Reichsstadt Nürnberg unterstanden 1529 14 Untertansfamilien.F. Eigler: Schwabach, S. 347.
Laut dem eichstättischen Salbuch des Pflegamts Wernfels-Spalt von 1671 unterstanden in Großweingarten 40 Anwesen dem Kastenamt Spalt, 4 Anwesen den Kollegiatstiften St. Emmeram und St. Nikolaus, 1 Anwesen dem pfalz-bayerischen Kastenamt Hilpoltstein, 1 Anwesen dem Trisoleiamt Ellingen des Deutschen Ordens. Die nürnbergischen Anwesen wurden im Salbuch nicht aufgelistet.F. Eigler: Schwabach, S. 101.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Großweingarten 59 Anwesen. Das Hochgericht übte das eichstättische Pflegamt Wernfels-Spalt aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Spalt. Grundherren waren das Kastenamt Spalt (50 Anwesen: 6 Halbhöfe, 4 Viertelhöfe, 8 Köblergüter, 1 Gut mit Zapfenwirtschaft, 27 Gütlein, 1 Gütlein mit Schmiede, 3 Leerhäuser), die Kollegiatstifte St. Emmeram und St. Nikolaus (3 Halbhöfe, 2 Gütlein), das pfalz-bayerische Kastenamt Hilpoltstein (2 Gütlein), das Trisoleiamt Ellingen des Deutschen Ordens (1 Gütlein) und das St. Klara-Klosteramt (1 Halbhof). Neben den Anwesen gab es noch die Filialkirche, herrschaftliche Gebäude (Forsthaus) und kommunale Gebäude (Schule, Schafhirtenhaus, Kuhhirtenhaus, Ochsenhirtenhaus).F. Eigler: Schwabach, S. 392 f.
1802 kam das Pflegamt Wernfels-Spalt – und damit auch Großweingarten – an das Herzogtum Bayern, 1803 durch den Hauptlandesvergleich kurzzeitig zum Königreich Preußen, 1806 schließlich an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Großweingarten gebildet, zu dem neben dem Hauptort Egelmühle, Steinfurt und Wasserzell gehörten. 1811 kamen Hagsbronn vom Steuerdistrikt Fünfbronn und Hügelmühle vom Steuerdistrikt Mosbach dazu. Im selben Jahr entstand die Ruralgemeinde Großweingarten, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Pleinfeld (1858 in Landgericht Roth umbenannt) zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Spalt (1919–1932 Finanzamt Spalt, ab 1932 Finanzamt Schwabach). Straßenhaus wird 1861 und Kaltenbrunn 1871 erstmals erwähnt. Ab 1862 gehörte Großweingarten zum Bezirksamt Schwabach (1939 in Landkreis Schwabach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Roth (1879 in Amtsgericht Roth umbenannt), seit 1970 ist das Amtsgericht Schwabach zuständig.F. Eigler: Schwabach, S. 473. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 11,025 km².
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Großweingarten am 1. Januar 1972 nach Spalt eingemeindet.
1994 feierte Großweingarten sein 700-jähriges Bestehen.
Historische Beschreibung Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1800) wird der Ort für dieses Lexikon außergewöhnlich ausführlich beschrieben:
Baudenkmäler In Großweingarten gibt es 25 Baudenkmäler, darunter: Dorfensemble Kirche St. Michael
Bodendenkmäler In der Gemarkung Großweingarten gibt es vier Bodendenkmäler.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Großweingarten Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 587 696 753 773 766 768 772 798 898 914 868 833 769 781 762 733 768 744 771 999 985 932 948 945HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 90 113 137 152 151 153 146 160 187 Quelle Für die Gemeinde Weingarten zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Egelmühle (S. 21), Hagsbronn (S. 35), Hügelmühle (S. 44), Steinfurt (S. 89) und Wasserzell (S. 100) Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 698 Einwohner.
Ort Großweingarten Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2015Einwohner 416 492 589 559 659 557 553 694 665 663 718 746Häuser 64 85 113 114 107 115 136 182 Quelle
Religion Der Ort ist Sitz der römisch-katholischen Pfarrei St. Michael. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Michael (Fünfbronn) gepfarrt.
Wirtschaft und Infrastruktur Kirschanbau Eine besondere Spezialität des landwirtschaftlich strukturierten Dorfes ist die alljährliche Kirschernte. Durch den besonders hohen Kirschbaumbestand ist Großweingarten auch als „Kirschdorf“ bekannt. Während der Erntesaison Ende Juni bis Ende Juli gibt es in den Bauernhöfen Verkaufsstände, an denen man oder frisch vom Acker Kirschen kaufen kann.
Verkehr Die Kreisstraße RH 16/WUG 18 führt nach Stirn (3,7 km südöstlich) bzw. zur Staatsstraße 2223 bei Straßenhaus (1,4 km nordöstlich), die Kreisstraße RH 18 führt nach Hagsbronn (2,4 km westlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft nach Spalt zur Kreisstraße RH 13 (1,1 km nordwestlich).
Von 1924 bis zur Betriebseinstellung am 28. September 1969 hatte Großweingarten im Talgrund einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Georgensgmünd–Spalt, die im Volksmund „Spalter Bockl“ genannt wurde.
Auszeichnungen Ab 1982 beteiligte sich die Bevölkerung am Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden. Großweingarten wurde 1984 Bezirkssieger und 1985 Landes- und Bundessieger. Zwei Jahre später (1987) wurde dem Ort als erstem Dorf in Europa die Europa-Nostra-Verdienstmedaille verliehen.
Literatur
Weblinks
Website von Grossweingarten
Fußnoten
Kategorie:Ortsteil von Spalt Kategorie:Ort im Landkreis Roth Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Roth) Kategorie:Ersterwähnung 1294 Kategorie:Gemeindegründung 1811 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Roth