mini|305px mini|Münzporträt des Hadrian mini|Befundskizze des Kastells mini|Infotafel am Museumsgelände

mini|Der Ellen nahe der Einmündung in die Irische See mini|Serpent Stone (Senhouse Museum)

mini|Befundskizze des Mithräums (Maryport 1) mini|Weihinschrift für die Gottheit Aescolapoius (Senhouse Museum) mini|Senhouse Museum

Alauna war ein römisches Hilfstruppenkastell nahe der Hafenstadt Maryport in der Unitary Authority Cumberland im Nordwesten Englands.

Das Kastell und seine Zivilsiedlung waren für mehr als 300 Jahre ein wichtiger Bestandteil der Küstenverteidigung am Solway Firth an der nordwestlichen Grenze des Römischen Reiches. Diese bestand aus einer Reihe von Kastellen, Kleinkastellen und Wachtürmen und diente als westlicher Flankenschutz des Hadrianswalls. Das Kastell war vermutlich Hauptquartier sowie Nachschubhafen für die Garnisonen der Küstenkastelle und wohl auch Flottenstützpunkt. Die dortige römische Zivilsiedlung gilt als die größte, die bislang im Umfeld des Hadrianswalls entdeckt werden konnte.

Das Senhouse-Museum, untergebracht in einem 1885 von der Royal Navy errichteten Gebäude, verfügt über eine umfangreiche und international bedeutende Sammlung römischer Altäre und andere in Maryport oder seinem Umland geborgenen archäologischen Funde. Fünf dieser Altäre wurden von den jeweiligen Kastellkommandeuren gestiftet. Bei einigen von ihnen konnte man ihren Lebenslauf und Karriere teilweise rekonstruieren und ihre Stationen quer durch das römische Reich nachverfolgen.

Das Areal befindet sich heute in Privatbesitz, dennoch können seine Überreste von den umliegenden Straßen und Wegen aus betrachtet werden. Darüber hinaus kann man seine Besichtigung mit einem Besuch des Museums verbinden. Beim Museumsgebäude befindet sich eine – einem Limesturm nachempfundene – Aussichtsplattform, von wo man aus das gesamte Kastellareal überblicken kann.

Name Bis heute herrschen noch berechtigte Zweifel darüber, ob der römische Name für Maryport tatsächlich Alauna lautete. Als Alauna wurde in der Antike wohl auch der Ellen bezeichnet, der knapp südlich am Kastell vorbeifloß. Er wird in dieser Schreibart nur in der Cosmographia des Geografen von Ravenna erwähnt. Die Station wird dort zwischen Gabrosentum (Moresby) und Bibra (Beckfoot) angeführt. Im Itinerarium Antonini scheint eine Station namens Alone, auf der Route von Ravenglass nach Whitchurch, auf, aber wahrscheinlich ist damit entweder Watercrook (Alavana am Fluss Kent in der Nähe von Kendal) oder eine Station an der heutigen Low Borrow Bridge (am Fluss Lune in der Nähe von Tebay) gemeint. In der Truppenliste der spätantiken Notitia Dignitatum wiederum ist eine Festung Alione als Standort einer Nervierkohorte eingetragen. Alauna ist die weibliche Form des gallischen Gottes Alaunus oder einer keltischen Wassergottheit. Es wäre auch möglich, dass sich der römische Ortsname von der keltischen Bezeichnung für „schön, wunderbar“ ableitet (gälisch alainn [e]). Eine Alternative dazu wäre, angesichts der vielen Altarsteine die in Maryport gefunden wurden, dass sich der Name evtl. auch vom Wort für „Schrein“ oder „Altar“ herleitet (walisisch Allor, Plural Allorau). Das Suffix Carvetiorum wird oft als Zusatz verwendet, um diese bemerkenswerte archäologische Stätte von anderen zu unterscheiden, die in der Römerzeit ebenfalls Alauna genannt wurden. In Forscherkreisen wird heute überwiegend Alauna mit Maryport gleichgesetzt. Die heutige Stadt wurde im achtzehnten Jahrhundert gegründet und nach der Ehefrau des Großgrundbesitzers und Industriellen Humphrey Senhouse, Mary, benannt.Ravenna Nr. 118, Rivet/Smith 1979, 244–245.

Lage Das Kastell lag auf einem 45 bis 56 Meter hohen Sandsteinrücken, über dem Westufer des Ellen und nahe den Küstenklippen. Von dort aus hatte man einen guten Blick in alle Himmelsrichtungen, besonders auf den Solway Firth, die Irische See, das 16 km entfernte schottische Ufer und das Küstenhinterland. Das Kastell und das Senhouse-Museum befinden sich zwischen den Straßen The Promenade und Camp Road am nördlichen Ende von Maryport. Östlich davon stehen die Gebäude der Camp Farm. Straßenverbindungen bestanden nach Beckfoot (Bibra), Burrow Walls (Magis), vermutlich auch nach Old Carlisle (Maglona) und Papcastle (Derventio). Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Küstenregion zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda und nach einer weiteren Verwaltungsreform vermutlich zur Provinz Valentia.

Forschungsgeschichte Die frühesten Berichte von römischen Altären aus Maryport stammen von William Camden aus dem späten 16. Jahrhundert. Viele von ihnen wurden seit 1570 vom Lord of Ellenborough, John Senhouse, aufgekauft und seiner Antikensammlung in Netherhall einverleibt. Erste Grabungen wurden Ende des 18. Jahrhunderts durchgeführt. 1870 entdeckte Humphrey Pocklington Senhouse in einer Reihe von Gruben nahe dem Kastell siebzehn Altäre für Gott Jupiter. 1880 grub der Amateurarchäologe Joseph Robinson in den Feldern nördlich des Kastells und enthüllte dabei eine römische Straße die vom Nordtor kommend den Vicus durchquerte, sowie die Überreste des Mithräums, des angrenzenden Rundtempels und Altarfragmente. Eine weitere Ausgrabung wurde durch Jarrett und Birley 1966 in der Nordostecke vorgenommen. Dort wurde ein einziger Suchschnitt durch die Kastellmauer gegraben und dabei auch ein Kasernenblock angeschnitten. Luftbilder, aufgenommen zwischen den Jahren 1949 und 1977, ließen die Reste des Vicus erkennen. Das Kastell wurde von der Royal Commission of Historic Monuments in England zwischen 1992 und 1993 vermessen. Im Jahr 1998 übergab Joe Scott Plummer, die Senhouse-Sammlung in die Obhut des Senhouse Museum Trust, der heute das römische Museum in Maryport verwaltet. Zwischen Mai 2000 und September 2004 führte ein Team des Time Scape Surveys (Leitung Biggins/Taylor), unterstützt durch den Maryport Heritage Trust, auf dem Gelände der Camp Farm eine geomagnetische Untersuchung durch. Mit einer Fläche von 72,5 Hektar war es die größte geophysikalische Untersuchung, die bisher an der ehemaligen römischen Nordgrenze durchgeführt wurde. Dabei wurden wieder Spuren der römischen Zivilsiedlung entdeckt. Weitere geophysikalische Messungen durch Kris Strutt (Southampton University), an der auch wieder ein Team von Time Scape teilnahm, fand 2010 statt. Diese Untersuchungen deckten einen weitaus umfangreicheren Vicus auf, als bislang vermutet wurde. 2011 wurde von Ian Haynes und Tony Wilmott (Newcastle University) jener Platz untersucht, wo man 1870 bei Aushubarbeiten auf zahlreiche Jupiteraltäre gestoßen war. Bei Ausgrabungen wurde auch ein früheres Holz-Erde-Kastell nachgewiesen, dass später vom Steinkastell überbaut wurde. Zwischen 2013 und 2014 legte ein Team um Ian Haynes und Tony Wilmott (Newcastle University) und des Senhouse Museum Trust nahe dem Kastell neuerlich die zwei Tempel am Ostrand des Vicus frei.Transactions of the Cumberland and Westmorland Antiquarian & Archaeological Society, Nr. 5, 1881, S. 237–255, Jarrett/Stephens 1987–2000, S. 61, Birley 1961, S. 216–222, Biggins/Taylor 2004, S. 102–133, William Camden, 1586.

Fundspektrum Das Kastellareal befindet sich seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Familie Senhouse. Ihre über die Jahrhunderte zusammengetragenen römischen Artefakte bildeten später die Sammlung des Senhouse Roman Museum, die seit 1992 in einem ehemaligen Gebäude der Royal Naval Artillery ausgestellt wird. Sie ist die älteste in Großbritannien und gelangte auch zu internationaler Bedeutung. Die Sammlung wurde von John Senhouse in der Regierungszeit Elizabeth I. gegründet und erstmals 1599 von William Camden in seiner Britannia erwähnt. In Maryport wurden mit Abstand die meisten – aus dem lokal vorkommenden rotem Sandstein (St. Bees Sandstein) gehauenen – römischen Jupiteraltäre Englands geborgen. Als das Kastell im 18. Jahrhundert abgetragen wurde, beauftragte Colonel Humphrey Senhouse 1772 einen Bediensteten, alle bei den Abbrucharbeiten im Kastell gefundenen römischen Inschriftensteine auszusortieren und so vor der Verbauung zu retten. Sie bildeten die Grundlage der Netherhall Collection.

1870 wurden, 300 Meter nordöstlich des Kastells, siebzehn weitere römische Altäre gefunden. Das Mysterium der vergrabenen Jupiteraltäre von Maryport wurde jahrzehntelang in der Forschung diskutiert. R. G. Collingwood nahm an, dass sie in der Regierungszeit von Kaiser Commodus (176–192) vielleicht auf einer Art Exerzierplatz (campus), außerhalb des Lagers, vergraben worden sein, da man dort auch einen Schrein oder Tempel für Iupiter Optimus Maximus vermutete. Die Altäre wären demnach dort jedes Jahr symbolisch beerdigt worden, wenn der Lagerkommandant einen neuen Altar gestiftet hatte. Diese Zeremonie soll immer am 3. Januar stattgefunden haben, als die Truppen ihren Treueeid an Kaiser und Staat erneuerten. Es ist auch möglich, dass solche Altäre anlässlich des Geburtstages des regierenden Kaisers gestiftet wurden. Einige glaubten auch sie wurden 196, angesichts einer drohenden Barbareninvasion, dort versteckt um ihre Entweihung zu verhindern. Das hügelige Terrain ist jedoch kaum für einen Campus geeignet. Die Untersuchung des Platzes von 2011 hat jedoch klar gezeigt, dass die Altäre einfach nur wiederverwendet (Spolie) und als Füllmaterial in die Fundamente eines spätrömischen Holzständergebäudes aus dem 4. Jahrhundert eingelegt worden waren (siehe hierzu Abschnitt frühchristliche Kirche). Seit dem späten dritten Jahrhundert wurden bereits alte Grabsteine, Gebäudeinschriften und Altäre wiederverwendet, um z. B. den Hadrianswall zu reparieren oder daraus Fundamente für Backöfen zu errichten. Es könnte aber auch darauf hindeuten, dass sich die Bewohner Alaunas in der Endphase der römischen Besatzungszeit größtenteils schon dem Christentum zugewandt hatten.Artikel aus Current Archaeology: Jupiter, best and greatest – Revisiting Maryport’s ritual pits. Ian Haynes/Tony Wilmott, Newcastle University and the Senhouse Museum Trust. 14. August 2012.

Ein weiterer bemerkenswerter Fund aus Maryport ist eine Steinstele, der sog. Serpent-Stone. Er besteht aus einer 1,2 Meter hohen, achteckigen Säule aus rotem Sandstein, abgeschlossen durch einen menschlichen Kopf. An der Rückseite der Stele ist eine Schlange dargestellt die von der Stelenbasis bis zum Kopf reicht. Dieser scheint mit einem Ring gekrönt zu sein. Vielleicht eine Torques die die Kelten oft als Schmuck oder Zeichen ihrer Tapferkeit trugen. Möglicherweise war sie einst Bestandteil eines größeren Schreins oder Altars auf dem Gräberfeld. Ob sie römischer oder kelto-britischer Provenienz ist, ist noch umstritten. Die Ausgrabungsteams konnten daneben in jüngster Zeit auch eine Vielzahl von Keramikfragmenten bergen, die aus Töpfereien in Gallien und dem Rheinland stammten und die weitgespannten Handelsbeziehungen von Alauna bezeugen. Viele von ihnen stammen von Vorratsgefäßen, in denen Produkte wie z. B. spanisches Olivenöl und gallische Weine transportiert wurden. Im Kastell wurden auch mehrere Schalen von Meerestieren freigelegt, darunter die von Austern, Muscheln und Schnecken. fanden sich in weiterer Folge auch Scherben von Glasgefäßen und mehrere Schmuckstücke, darunter ein Fingerring und ein Bruchstück von einem aufwendig dekorierten Glasarmband.Davies 1971, S. 122–142, Henig/Webster 2004, S. 63.

Entwicklung Die Region um Maryport war frühestens seit der Eisenzeit besiedelt und gehörte zum Siedlungsgebiet der Carvetii. Bei den archäologischen Untersuchungen wurden Reste von Gebäuden aus dieser Zeit beobachtet. Der Mündungstrichter des Ellen, südwestlich des Kastellhügels, bildete vermutlich einen natürlichen Hafen, wo Schiffe problemlos anlegen konnten und vor Stürmen geschützt waren. Eine Textstelle in der Geographica des Claudius Ptolemaeus (frühes 2. Jahrhundert) berichtet wiederum, dass die „Otalini/Otadini“ (Votadini), in Alauna, Bremenium und Coria ansässig gewesen sein sollen.