Die 18. Nordischen Skiweltmeisterschaften fanden vom 1. bis 6. Februar 1950 in Lake Placid (Bundesstaat New York) und Rumford (Bundesstaat Maine) in den USA statt. Ursprünglich geplant war die Austragung der gesamten Veranstaltung eigentlich für Lake Placid. Doch wurden die Langlaufwettbewerbe wegen Schneemangels im ca. 450 Kilometer entfernten Rumford durchgeführt.

Tauwetter, Schneemangel, Verlegung nach Rumford Am 26. Januar meldete der Austragungsort Tauwetter, es gab +10° Celsius, die Sprungschanze wurde gesperrt. Der Schnee schmolz buchstäblich weg, kurzfristig stand eine Absage im Raum, doch mehrere Funktionäre der Veranstalter fuhren am 28. Januar nach Rumford, wo es 30 cm Schnee gab. Als Alternative stand auch Andover, ebenfalls Bundesstaat Maine, zur Auswahl. Doch sowohl die Unterbringungsmöglichkeiten als auch das Gelände in Rumford waren besser geeignet. Am 30. Januar wurde endgültig die Verlegung nach Rumford beschlossen.

Da es zwar dann noch in Lake Placid geschneit, der Schneefall am Dienstag-Nachmittag (31. Januar) aufgehört hatte, wurde die 18-Kilometer-Piste anschließend von Mitgliedern des FIS-Ausschusses (nochmals) inspiziert, doch erwies sie sich trotz der zehn Zentimeter Neuschnee als nicht befahrbar, weshalb der Wettbewerb nun endgültig in Rumford ausgetragen werden sollte.«Für die Laufbewerbe bleibt es bei Rumford»; «Sport Zürich» Nr. 15 vom 3. Februar 1950, S. 2, Spalte 2

Eröffnung Die Eröffnung erfolgte durch FIS-Präsident Nikolai Ramm Østgaard vor dem Schulhaus in Lake Placid. Die Nordeuropäer wollten die Langlaufwettbewerbe so lange wie möglich hinausschieben, um sich an die Verhältnisse zu gewöhnen, die Amerikaner dagegen versuchten, so bald wie möglich mit den Wettkämpfen zu beginnen.

Skandinavische Dominanz Auch bei diesen Weltmeisterschaften gab es wieder die bereits Jahrzehnte lang währende Dominanz der Sportler aus Skandinavien. Sämtliche Medaillen gingen an Schweden, Norweger und Finnen. Eine einzige Platzierung eines Nicht-Skandinaviers unter den ersten sechs in den Einzeldisziplinen erreichte der US-Amerikaner Arnt Devlin im Skispringen. Zu erwähnen ist auch, dass zur damaligen Zeit die Starterzahl pro Nation nicht in der Form wie heute limitiert war, wodurch bei Nordischen Weltmeisterschaften die skandinavischen Länder das Gros der Starter stellten. In späteren Jahren konnten grundsätzlich nur mehr vier Starter pro Nation teilnehmen, ehe dann ab erstmals 1982 die „Titelverteidigerregelung“ griff, womit eine „qualifizierte“ Teilnahme von fünf Startern/Starterinnen möglich wurde.

Deutschland und Japan fehlten Bei einer Sitzung des FIS-Komitees vor Ort wurde die Frage der Wiederaufnahme Deutschlands und Japans auf den Kongress 1951 in Venedig vertagt, sodass deutsche und japanische Sportler weiterhin von der Teilnahme ausgeschlossen blieben. An der Sitzung waren nur fünf der zwölf ständigen Mitglieder anwesend, was zur Folge hatte, dass nicht alle Probleme behandelt werden konnten. Eine Einigung hinsichtlich Deutschland konnte auch deshalb nicht herbeigeführt werden, weil einige Mitglieder der Meinung war, dass der ein Jahr zuvor ins Leben gerufene westdeutsche Bundesstaat nicht ohne Weiteres anderen Staatsgebilden gleichgestellt werden könne. Die Befürworter meinten hingegen, dass die nun bestehende Bundesrepublik Deutschland ein eigenes Parlament besitze, das Gesetze erlassen könne.«Deutschland und Japan müssen warten»; «Sport Zürich» Nr. 16 vom 6. Februar 1950, S. 6, Spalte 3

Das Schweizer Team Der Großteil der Angehörigen des Schweizer Teams war erstmals in den USA. Die Mannschaft hatte keine Wettkampfdiät, ihr machte von den im Hotel servierten Speisen vor allem das amerikanische Frühstück (Schinken, Eier, Fruchtsäfte, Cornflakes, Brot, Milch, Kaffee) besondere Freude. Ihre Anreise hatten sie bis New York selbst berappen müssen, die Weiterfahrt nach Lake Placid wurde vom US-Verband bestritten, und hier mussten sie bis zum Wettkampfbeginn für die Hotelrechnung selbst aufkommen. Der Pensionspreis im Hotel namens «St. Moritz», dem drittgrößten Etablissement von Lake Placid, war für US-Verhältnisse mit fünf Dollar bescheiden, doch umgerechnet waren dies 22 CHFr.«Interview mit Hans Brunner»; «Sport Zürich» Nr. 15 vom 3. Februar 1950, S. 3, Spalte 1

«Sport-Zürich» brachte auf der Seite 2 in der Ausgabe Nr. 17 vom 8. Februar 1950 unter dem Titel «Schweizerische Ski-Weltmeisterschafts-Bilanz eine bis jetzt unbefriedigend» eine Zusammenfassung. Dabei wurde das Gesamtbild (inkl. der noch folgenden Alpinbewerbe) skizziert, alles unter dem Hinweis, dass es eine vorläufige Bilanz sei, man noch auf die Rückkehr der Mannschaft und Betreuer und deren Analysen warten müsse. Es sei schon die Stimmung bei den Trainings nicht ganz gut gewesen, dazu seien die Fragen der Selektionierungen gekommen – wenngleich davon auch andere Nationen wie Schweden oder Norwegen betroffen waren. Letztlich war anstatt eines fünften Langläufers (Franz Regli) die Alpinläuferin Olivia Ausoni berücksichtigt worden. Dass die Mannschaft dann auch in Washington habe notlanden müssen, war zwar nicht unbedingt ein Missgeschick, aber auch nicht ein günstiger Auftakt. Schlimmer wurde es ob der örtlichen Trennung der Wettkämpfe. Gerade von den SSV-Sportlern sei bekannt, dass sie solche Betriebsstörungen nicht ohne Weiteres verdauen.

Auch die Umstellung des Wettkampfprogamms dürfte das feste Gefüge der Mannschaft in Mitleidenschaft gezogen haben, was im verhältnismäßig schwachen Abschneiden der beiden Kombinierer im Sprunglauf deutlich zum Ausdruck gekommen sei. Das Resultat (Supersaxo – Rang zwölf mit 31 / Stump Rang fünfzehn mit 34 Verlustpunkten auf Sieger Slåttvik) habe bereits über die weitere Rangstellung entschieden. Es war auch angesichts der Zusatzbelastung mit Ort- und Programmwechsel zu erwarten gewesen, dass beide Läufer in den 18 Kilometern im mörderischen Ringen gegen die skandinavischen Laufmaschinen unter die Räder geraten würden. Katastrophal war auch, dass der 50-Kilometer-Lauf nur einen Tag nach der Staffel angesetzt war, weshalb für die Staffel forfait gegeben werden musste. So ruhten sich Bricker und Allenbach am Sonntag (4. Februar) aus, Supersaxo und Stump waren nach Lake Placid zum Spezialspringen zurückgekehrt.

Das Resultat im Springen sei nicht übermäßig zufriedenstellend ausgefallen, es habe doch recht große Weitendifferenzen gegeben. Zuzubilligen war nur, dass Fritz Tschannen seit ein paar Tagen gekränkelt habe und Willy Klopfenstein doch zu wenig Trainingsgelegenheiten hatte, um an seine vorjährige Form anzuschließen. Einmal mehr habe sich in den USA gezeigt, dass die Schweizer den Nordländern trotz gelegentlicher Einzelerfolge doch um Klassen unterlegen seien, was aber den SSV nicht hindern sollte, auch in Zukunft den Langlauf und Skisprung so sorgfältig zu betreuen wie die alpinen Disziplinen. Eine nähere Analyse, erstellt durch Dölf Freiburghaus, nachzulesen unter dem Titel «Warum blieb in USA eine Superleistung der Schweizer aus» im «Sport Zürich» Nr. 20 vom 15. Februar 1950, S. 2, Spalte 3, wird betont, dass die Sportler kämpften und gaben, was ihnen möglich war. Doch sei es – wie diesmal, da sich ein Kampf um die Spitze und den Anschluss zwischen Schweden einerseits und Finnland vs. Norwegen anderseits abgespielt hat – schwer, sich innerhalb der Nordländer zu klassieren. Die klimatischen Verhältnisse in Rumford hätten den Nordländern besser behagt. Zudem hatten die Schweizer in Höhenluft trainiert, daher war es schwer, sich auf schwere, feuchte Tieflandluft umzustellen – und im Training habe es unregelmäßige Schneeverhältnisse gegeben, während in Skandinavien die günstige Beschaffenheit des Terrains auch bei einer nur dünnen Schneeschicht ein lückenloses Training erlaube. Eine nur dreitägige Trainingspause könne einen Spitzenläufer aus dem Rhythmus bringen.

Außerdem würde der aktive Rennsport bei den Nordländern ein Stück ihres Lebens bedeuten, sie würden während der letzten Vorbereitungsphase und der Hauptwettkampfzeit mit der Arbeit teilweise oder ganz aussetzen, was deshalb nicht so schwer falle, da die meisten Arbeitgeber und das Volk der Sache des Rennsports großes Verständnis gegenüber brächten. Auch der Umstand, dass in Schweden schätzungsweise zwei Millionen Einwohner in mehr oder weniger schneesicherem Gelände wohnen, in der Schweiz es nur 120.000 sind, bedeute einen Quantitätsunterschied. Der SSV müsse in den Bergdörfern unter naturverbundenen Bauernsöhnen Ausschau nach Nachwuchsleuten für den Langlauf halten, diese technisch ausbilden, ihre Muskeln «hobeln» und Herz und Lungen an Tempo gewöhnen.

Rumford Rumford wurde lt. der von «United Press» durch «Sport-Zürich» übernommenen Beschreibung (Titel «Rumford – neuer Austragungsort der Langlauf-Weltmeisterschaften» in Spalte 2, in der Ausgabe Nr. 15 vom 3. Februar 1950, S. 2) als Papier-Industrie-Städtchen im Bundesstaat Maine, welcher den Nordost-Zipfel der Vereinigten Staaten bildet, geschildert. Es liege in einer Gegend, das von den Reisenden aus Europa als kleines Norwegen bezeichnet wird. Die skandinavischen «Schnee Scouts», die auf der Suche nach dem begehrten Schnee hergekommen waren, hatten es mit einem Provinzstädtchen in der Nähe Oslos verglichen.

Es wurde weiters ausgeführt: Die 18-Kilometer-Langlauf-Piste liegt auf einer Höhe von 150 bis 450 m, Rumford hat 12.000 Einwohner und besitzt die größte Papierfabrik der Welt, der auch der Großteil der Einwohner Arbeit und Brot verdanke. Das Städtchen liegt am Ufer des Androscoggin River, ist von bewaldeten Hügeln der White Mountains-Bergkette umgeben, stellt im Winter gewöhnlich eine weiße Insel inmitten einer sonst sehr schneearmen Gegend dar und war mehrere Male Austragungsort der ostamerikanischen Skimeisterschaften. Es gibt eine 55-m-Schanze und einen Slalomhang. Der FIS-Entscheid hatte die Stadt in große Aufregung versetzt. Die Umdisponierung war auch für die Pressevertreter kein Kinderspiel. Ein Dutzend von Presseleuten aus aller Welt hatten sich in Lake Placid wohnlich eingerichtet und rund Dreiviertel von ihnen erhielten von ihren Zeitungen und Agenturen den Befehl, den Langläufern zu folgen. Die Wettkämpfer und Offiziellen hatten es verhältnismäßig leichter, denn ihnen wurden Autocars zur Verfügung gestellt. Die Presseleute mussten als Privatpersonen selbst dafür sorgen, nach Rumford zu gelangen. Da es aber keine Verkehrsverbindung – weder Bus, noch Bahn oder Flugzeug – gab, mussten sie die insgesamt 600 Kilometer lange Reise bewältigen, indem sie vorerst nach New York zurückkehrten, um dort vorne anzufangen. Die «Western Union Telegraph Agency», welche die Übermittlung der Pressetelegramme besorgte, hatte in Lake Placid ein großes neues Büro eingerichtet. Doch war ein Großteil der hier geleisteten Arbeit nun vergebens – man sah sich vor die Aufgabe gestellt, in Rumford eine Zweigstelle zu errichten. Personal und Material wurden aus Boston dorthin gebracht. Es galt, bis zum ersten Wettbewerb am Freitag, 3. Februar, «hinreichende Verbindungsmöglichkeiten» einzurichten. Weil dann auch noch am 5. Februar sowohl in Lake Placid das Spezialspringen als in Rumford die Staffel ausgetragen wurden, war die Lage für die Medienleute besonders prekär. Weil das Springen in der US-Öffentlichkeit offensichtlich Vorrang genoss, verlief der Staffelbewerb eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit.«Sind Ski-Weltmeisterschaften für Wettkämpfer oder Presseleute die größere Anstrengung?»; «Sport Zürich» Nr. 15 vom 3. Februar 1950, S. 2, Spalte 3

Randnotizen Schon am Freitag, 20. Januar, trafen sowohl das siebzehn Mann starke finnische und das mit 22 Mann besetzte schwedische Team in New York ein, von dem sich die Langläufer nach Lake Placid, die Springer noch zu einem Skispringen in Salisbury begaben.«Bange Tage für die Weltmeisterschafts-Organisatoren»; «Sport Zürich» Nr. 10 vom 23.1.1950, S. 7 – Spalte 3