Die 22. Nordischen Skiweltmeisterschaften fanden in der Zeit vom 4. bis 9. März 1958 in der finnischen Stadt Lahti statt, zum dritten Mal nach 1926 und 1938. Laut Angaben der FIS wurde mit insgesamt 200.000 Zusehern ein neuer Besucherrekord registriert.History of World Championships in Lahti, archiviert über wayback (20170303124327), wayback.org von , lahti2017.fi, abgerufen am 20. Oktober 2023

Zuschlag an Lahti Die Nominierung von Lahti erfolgte am 2. Juni 1955 im Rahmen des 20. FIS-Kongresses in Montreux. Gegenkandidaten waren Banff in Kanada und Squaw Valley im US-Bundesstaat Kalifornien.

Eröffnung und erste organisatorische Angelegenheiten Staatspräsident Kekkonen eröffnet die Weltmeisterschaften Um 19 Uhr Ortszeit (=18 Uhr MEZ) des 1. März (Samstag) paradierten fast achthundert Konkurrenten aus neunzehn Ländern im großen Skistadion vor dem finnischen Staatspräsidenten Urho Kekkonen und rund 60.000 Zuschauern.

Argentinien fehlte, weil dessen einziger Sportler nicht rechtzeitig eingetroffen war, sodass lediglich die weiße Flagge mit den blauen Längsstreifen durch einen Pfadfinder hereingetragen wurde. Präsident Kokkonen führte in seiner Ansprache aus, dass in den nordischen Ländern der Skilauf ein Teil des täglichen Lebens sei und einen sehr hohen Rang unter den Sportarten hat. Finnland, das gerade das goldene Jubiläum seines Skiverbandes feierte, sei sehr glücklich, dass ihm die Ehre zuteilwurde, diese Weltmeisterschaften zu organisieren. Danach ertönte eine Fanfare, die Scheinwerfer richteten sich auf den Hauptflaggenmast, an dem Finnlands weiße Fahne mit dem blauen Kreis aufgezogen wurde. Einen weiteren Willkommensgruß entbot FIS-Präsident Marc Hodler.

Nach der Eröffnungsfeier fand ein Schauspringen auf der das Stadion überschattenden Salpausselkä-Schanze statt.

Einzug in die Quartiere, Auslosungen Schon vor der Eröffnung hatte es die Auslosung des 15-km-Langlaufes der Männer und 10-km-Laufs der Frauen gegeben. Bereits am Morgen des 1. März hatten alle Teams mit Ausnahme von Finnland und der UdSSR im großen Gewerbeschulhaus von Lahti Quartier bezogen.

Zuvor waren fast alle Mannschaften im Trainingsquartier Pajulahti gewesen, 20 km von Lahti entfernt. Das UdSSR-Team hatte sich geweigert, ebenfalls ins Hauptquartier zu ziehen und blieb in Pajulahti. Die Finnen hatten in Lahti separate Quartiere.Nordische Ski-Weltmeisterschaften in Lahti . Die Eröffnung. In: Sport Zürich. Nr. 26, 3. März 1958, S. 3/4.

Programmänderungen Der 30-km-Langlauf wurde schon am 2. März, die nordische Kombination am 2./3. März ausgetragen.

Randnotizen Es waren pro Nation wieder mehr als vier Starter erlaubt, und zwar diesmal sechs (vor vier Jahren waren es sogar acht gewesen). Diese Regelung brachte es mit sich, dass vor allem bei den Herrenlanglaufbewerben der Hauptanteil der ersten 24 Klassierten aus Startern aus Skandinavien und der Sowjetunion bestand. Mit nur je einer Silber- und Bronzemedaille gab es für Norwegen eine für seine Ansprüche sehr bescheidene Ausbeute, wobei in mehreren Wettbewerben nicht einmal die Top Ten erreicht wurden. Die Schweizer Skispringer hatten eine Anreise hinter sich, die von mehreren Zwischenfällen begleitet war. Schon am Freitag-Nachmittag, 28. Februar, mussten sie in Zürich-Kloten lange auf den Abflug der Maschine warten, landeten somit erst nach Mitternacht in Stockholm. Am 1. März erfolgte der Überflug nach Helsinki, von wo die Reisegruppe per Autobus am Abend in Lahti eintraf. Aber es waren einige Koffer und sämtliche Sprungski verloren gegangen. Dieses Gepäck kam aber dann doch noch zum Vorschein.Zwischenfallsreiche Flugreise der Schweizer Springer nach Lahti. In: Sport Zürich. Nr. 27, 5. März 1958, S. 6.Die Intervall-Taktik der finnischen Langläufer. letzter Absatz In: Sport Zürich. Nr. 27, 5. März 1958, S. 6. Dem Großteil der Langläufer schmeckte zum Frühstück die finnische Kost mit Milch und Hafergrütze. Nur die Schweizer verlangten immer wieder nach grünem Salat und stopften Unmengen von Fruchtsalat in sich hinein. Der Speisezettel der Sowjet- und auch der ČSR-Läufer wies immer wieder Hühnerspeisen auf.Weltmeisterschafts-Cocktail – gut gemixt. In: Sport Zürich. Nr. 28, 7. März 1958, S. 2. Am 4. März fand abseits vom Weltmeisterschaftstrubel auch eine «Neben-Weltmeisterschaft», ein 5-km-Lauf für Sportjournalisten, Fotoreporter, Wochenschau- und Kameraleute statt. In den Klassen bis 35 (Senioren I) und bis 45 Jahre (Senioren II) gab es finnische Siege, wobei Peter Wiede von der Süddeutschen Zeitung bei den Senioren I Vierter wurde; Paul Piguet von der «Tribune de Lausanne» rettete aber bei der Klasse über 45 Jahren mit seinem Sieg vor vier Skandinaviern die Ehre der Mitteleuropäer. Es nahmen 43 Vertreter des Nachrichtenwesens an diesen «Championnats», darunter zwanzig Ausländer (also Nicht-Skandinavier), teil.Am Rande der Loipe. In: Sport Zürich. Nr. 28, 7. März 1958, S. 2.

Schlussfeier Am Sonntagabend, 9. März, gab es eine kurze Feier in Anwesenheit des Staatspräsidenten Kekkonen, der selbst noch aktiver Skilangläufer war. FIS-Präsident Marc Hodler führte aus, dass Finnland nicht nur vier Weltmeistertitel gewonnen habe, sondern auch die Achtung und Zustimmung der teilnehmenden Länder und der ausländischen Gäste für die tadellose Organisation und die großen Zuschauermassen. Der finnische Skiverbands-Präsident Akseli Kaskala sagte, dass das finnische Volk glücklich über die Leistungen der Seinen sei, aber auch große Achtung für die Errungenschaften der Skisportler des Auslandes hege. Danach wurde die Weltmeisterschaftsfanfare gespielt und unter deren Klängen wurden die Fahnen der teilnehmenden Länder eingezogen.Abschluss. In: Sport Zürich. Nr. 29, 10. März 1958, S. 4.

Medaillenspiegel + NationenEndstand nach 8 Wettbewerben Platz Nation 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 4 3 3 10 2 2 4 1 7 3 2 0 2 4 4 0 1 1 2 5 0 0 1 1

+ MännerEndstand nach 6 Wettbewerben Platz Sportler 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 2 0 1 3 2 1 1 1 3 3 1 0 1 2 4 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 9 0 3 0 3 10 0 1 1 2 11 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 15 0 02 2 16 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1

+ FrauenEndstand nach 2 Wettbewerben Platz Sportlerin 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 2 0 0 2 2 1 1 0 2 3 1 0 0 1 4 0 1 1 2 5 0 1 0 1 0 1 0 1 7 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1

Langlauf Männer Detaillierte Ergebnisse

15 km mini|hochkant=0.8| Platz Sportler Zeit [min] 1 48:58,3 2 49:11,8 3 49:29,4 4 49:39,6 5 49:50,3 6 49:53,7 7 49:53,8 8 49:58,5 9 50:05,1 10 50:15,1 … … … 16 50:22,8 19 51:29,5 20 51:37,2 23 51:58,1 28 52:28,0 31 52:49,9 33 52:54,7 34 53:06,0 35 53:12,2 36 52:22,3 38 53:35,9 39 53:42,0 40 53:47,8 41 53:49,6 43 54:00,4 44 54:00,6 45 54:02,1 46 54:05,2 47 54:08,3 48 54:11,1 52 54:21,7 53 54:22,7 55 54:23,1 56 54:25,8 62 55:33,7 63 55:39,0 64 55:48,6 67 (letzter) 70:14,3 Datum: 4. März 1958Men 15km Nordic Skiing World Championship 1958 Lahti (FIN), todor66.com, abgerufen am 20. Oktober 2023

Weltmeister 1956:

Bei der Auslosung hatte der Finne Veikko Hakulinen (als einer der letzten Starter) die Nr. 66 gezogen und den sowjetischen Läufer Pawel Koltschin unmittelbar vor sich. Hallgeir Brenden (Norwegen) hatte die 47, Sixten Jernberg (Schweden) die 55; die 1 hatte der Italiener Antonio Schelenatti (Endrang 42 in 53:52,5) vor dem Schweizer Alphonse Baume. Die Nummern der übrigen Schweizer: 21 Marcel Huguenin, 25 Werner Zwingli, 35 Fritz Kocher, 46 Michel Rey, 59 Lorenz Possa.

Es wurde um 15 Uhr Ortszeit gestartet. Die äußeren Bedingungen waren ungünstig mit 12 ° unter Null und scharfem Wind, bei dem die Läufer jeden Atemzug spürten. Positiv war, dass es keine Wachsprobleme gab. Die Loipe war anfangs vereist, bis zu Kilometer 5,5 wellig, danach ging es steil hinunter und einen Kilometer später gab es die schon bei den dreißig Kilometern mit ihren sechzig Metern aufgefallene «Tiritismaa-Steigung», worauf es erneut steil abwärts ging. Dieses Teilstück brachte manchem Teilnehmer einen erheblichen Zeitverlust. Vom achten Kilometer an bis ins Ziel sank die Loipe in welligem Gelände nach und nach von 120 auf 100 m Seehöhe.

Hakulinen war für den «Sprint» wegen seiner 33 Jahre als «zu alt» taxiert worden, eher hatte man ihm einen Sieg über 50 km zugetraut, nachdem er Gold auf seiner Spezialstrecke, den 30 km, verpasst hatte. Er gewann dennoch dieses Rennen und mit dem Sieg wurde ihm auch ein Platz unter den «Superchampions der Skigeschichte» zuteil, denn seine Medaillenzahl bei Olympia und Weltmeisterschaften lautete fünfmal Gold und viermal Silber. Der schnellste Start gelang zwar Koltschin, aber der nur dreißig Sekunden nach ihm gestartete Sieger behielt ihn immer in Sichtweite, was zum Erfolg mithalf. Nach fünf Kilometern führte Koltschin (15:10 min) vor Anatoli Scheljuchin (15:13 min) und Hakulinen (15:15 min), nach acht Kilometern bereits Hakulinen (27:00 min) vor Koltschin (27:05 min) und Jernberg (27:17 min). Scheljuchin (ein besserer Sprinter als Kletterer) konnte in der Endphase Jernberg ausstechen, aber Hakulinen verringerte den Abstand auf Koltschin Meter um Meter und schon vom Ziel aus konnte man sehen, dass er letztlich nur fünfzig Meter hinter dem sowjetischen Konkurrenten lag. Hakulinen sagte hinterher, dass er Glück hatte, die Startnummer direkt hinter Koltschin gehabt zu haben.

Mannschaftlich waren diesmal allerdings die sowjetischen Läufer die Besten. Sie brachten als einziges Land vier Sportler unter die ersten Zehn, aber Finnland konnte seine kompletten sechs Starter unter die ersten Fünfzehn bringen. Demgegenüber waren die Norweger die Geschlagenen, denn nach Håkon Brusveen klaffte bis Rang 21 (Harald Grønningen, 51:38,6 min) eine Lücke. Olympiasieger Brenden kam auf Rang 22 (51:56,8 min) – anderseits konnten sich ein Franzose (Jean Mermet war als Sechzehn bester nichtskandinavischer und nichtsowjetischer Läufer) und zwei Italiener unter den «Top 20» platzieren. Auch die Schweden schnitten schlechter als erwartet ab.

Bei den Schweizern trat Baume als erster in Erscheinung, er hatte schon nach fünf Kilometern Schelenatti überholt. Es war auch wieder ein Duell zwischen ihm und dem Zürcher Altmeister Kocher, doch im Gegensatz zum Renen über 30 km war diesmal Kocher mit Rang 29 der Bessere. Erfreulich war auch, dass alle sechs Schweizer ins Ziel kamen, es keinen Skibruch wie zwei Tage zuvor gegeben hatte. Ihre Ränge erregten kein Aufsehen, blieben aber nicht unter den Erwartungen.Finnlands Skikönig Veikko Hakulinen über 15 km knapper Sieger vor zwei Russen. In: Sport Zürich. Nr. 28, 7. März 1958, S. 1.

30 km Platz Sportler Zeit [h] 1 1:40:03,0 2 1:40:15,2 3 1:40:44,4 4 1:41:28,1 5 1:41:45,0 6 1:41:48,8 7 1:42:11,1 8 1:42:24,4 … … … 10 1:42:50,7 12 1:43:43,8 13 1:43:54,8 15 1:44:20,0 19 1:45:46,0 21 1:46:21,2 23 1:48:00,0 24 1:48:29,0 25 1:49:03,9 27 1:49:11,8 28 1:49:55,4 29 1:49:59,0 30 1:50:21, 32 1:50:33,0 33 1:50:43,1 34 1:50:50,5 35 1:51:04,4 36 1:51:13,7 37 1:51:17,9 39 1:51:38,0 41 1:52:15,7 42 1:52:24,9 43 1:52:27,2 44 1:52:56,5 45 1:53:01,0 47 1:53:10,3 48 1:53:10,4 49 1:53:17,3 50 1:53:27,2 51 1:53:45,7 55 1:57:21,7 45 1:53:01,0 56 (letzter) 2:03:29,4 Datum: 2. März 1958Men 30km Nordic Skiing World Championship 1958 Lahti (FIN), todor66.com, abgerufen am 20. Oktober 2023

Weltmeister 1956:

Start 9 Uhr; −6 °C, Sonne; bis auf zeitweise Windstöße ideales Wetter

62 gestartet, 56 klassiert; ausgeschieden u. a. Werner Zwingli und Erwino Hari (beide SUI)

ca. 50.000 Zuschauer

Die Siegerehrung zu diesem Rennen wurde durch den FIS-Präsidenten Marc Hodler eine halbe Stunde vor dem Start zum 15-km-Lauf der Nordischen Kombination vorgenommen.