Der Kölner Dom (offiziell Hohe Domkirche zu Köln) ist eine römisch-katholische Kirche in Köln unter dem Patrozinium des Apostels Petrus. Er ist die Kathedrale des Erzbistums Köln sowie Metropolitankirche der Kirchenprovinz Köln. Hausherr ist der Dompropst.Alheydis Plassmann, Martin Bock: Art. Köln – Domstift. In: Nordrheinisches Klosterbuch. Lexikon der Stifte und Klöster bis 1815 (= Studien zur Kölner Kirchengeschichte. Band 37). Teil 3: Köln. Verlag Franz Schmitt, Siegburg 2022, ISBN 978-3-87710-462-0, S. 157–198, hier S. 159. Der Dom ist eine der größten Kathedralen im gotischen Baustil, mit 157,22 Metern die vierthöchste Kirche der Welt und nach dem Ulmer Münster der zweithöchste Sakralbau Deutschlands.
Sein Bau wurde 1248 im Auftrag von Konrad I. nach Entwurf von Meister Gerhard begonnen und 1880 im Auftrag von Friedrich Wilhelm IV. nach Entwurf von Ernst Friedrich Zwirner vollendet. Einige Kunsthistoriker haben den Dom wegen seiner einheitlichen und ausgewogenen Bauform als „vollkommene Kathedrale“ bezeichnet.Rüdiger Marco Booz: Kölner Dom – die vollkommene Kathedrale. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2022, ISBN 978-3-7319-1215-6, S. 254–268; Arnold Wolff: Die vollkommene Kathedrale. Der Kölner Dom und die Kathedralen der Ile-de-France. In: Dombau und Theologie im mittelalterlichen Köln. Festschrift zur 750-Jahrfeier der Grundsteinlegung des Kölner Domes und zum 65. Geburtstag von Joachim Kardinal Meisner 1998 (= Studien zum Kölner Dom. Band 6). Hrsg. im Auftrag des Metropolitankapitels von Ludger Honnefelder. Verlag Kölner Dom, Köln 1998, ISBN 3-922442-27-7, S. 15–47. Ursprünglich als repräsentative Kathedrale der Kölner Erzbischöfe und monumentales Reliquiar für die Gebeine der Heiligen Drei Könige geplant,Thomas Becker: Der Kölner Dom. Kulturgeschichtliche Impressionen. Vortrag im Rahmen der Veranstaltung „DomStadt“ der Thomas-Morus-Akademie Bensberg im Kölner Dom am 29. Oktober 2001. galt der Dom bei seiner Vollendung im 19. Jahrhundert als Nationalsymbol für Deutschland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der scheinbar unversehrte Dom inmitten der ausgebombten Stadt als „Wunder“ verstandenDer britische Kunstschutzoffizier Michael Ross notierte: „Ein Wunder, dass sie noch stand, die einzige Kirche – in der ganzen City fast das einzige bedeutende Gebäude, das nicht eine vollständige Ruine war.“ Zit. nach Niklas Möring: Der Kölner Dom im Zweiten Weltkrieg (= Meisterwerke des Kölner Domes. Band 10). Verlag Kölner Dom, Köln 2011, ISBN 978-3-922442-72-1, S. 94. und zu einem emotionalen Symbol für den Lebenswillen.Andreas Rossmann: Die Wucht am Rhein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. September 2017 (faz.net; beschränkter Zugang). Der Dom zählt seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe und gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
Vorgängerbauten Römische und merowingische Bischofskirche Maternus, ein Vertrauter des Kaisers Konstantin I., war in den Jahren um 313 (dem Jahr der „konstantinischen Wende“) der erste urkundlich bezeugte Bischof Kölns.Werner Eck: Frühes Christentum in Köln. In: Ulrich Krings, Rainer Will (Hrsg.): Das Baptisterium am Dom. Kölns erster Taufort. Greven, Köln 2009, ISBN 978-3-7743-0423-9, S. 11–21, hier S. 12. Die ursprünglich kleine frühchristliche Gemeinde, bis zum Toleranzedikt des Galerius im Jahre 311 noch „illegal“ und von den Behörden der Provinz Germania inferior phasenweise verfolgt und allenfalls toleriert, versammelte sich über Generationen – wohl schon seit Anfang oder Mitte des 3. Jahrhunderts – nicht in einer Kirche, sondern in privaten Wohnhäusern christlicher Familien. Ein solches lag vermutlich auf dem Domhügel unter dem heutigen Chor.Georg Hauser: Schichten und Geschichte unter dem Dom. Die Kölner Domgrabung (= Meisterwerke des Kölner Domes. Band 7). Verlag Kölner Dom, Köln 003, ISBN 3-922442-49-8, S. 19.
Es befand sich nicht im Zentrum der Provinzhauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium, wo das Praetorium stand, sondern am nördlichen Siedlungsrand unweit des Rheinufers, wo etwa zur selben Zeit die römische Stadtmauer errichtet wurde, auf deren Innenseite das Haus in unmittelbarer Nähe lag. Auf seinem Grundstück wurde eine erste Taufkapelle gebaut, deren begehbares Taufbecken unter dem Domchor archäologisch ergraben wurde. Es wird vermutet, dass an der Stelle dieses Hauses eine erste Kirche entstand, die spätestens zur Zeit des Maternus († um 328) zur ersten Bischofskirche (Kathedrale) wurde. Der heutige Dom ist zwar ein gotischer Bau, doch die wahrscheinliche Platzkontinuität der Kathedrale entspricht in etwa der des Trierer Doms, in dem sogar noch bedeutende römische Bausubstanz steckt.
Noch zu Lebzeiten des Maternus gestattete Kaiser Konstantin I. im Jahre 321 der jüdischen Gemeinde der Colonia, die sich parallel zur christlichen entwickelt hatte und ebenfalls zur religio licita („erlaubten Religion“) geworden war, eine Aufnahme ihrer Mitglieder in die curia der ProvinzhauptstadtDas Edikt Kaiser Konstantins von 321, Bundeszentrale für politische Bildung, bpb.de; ihre erste Synagoge wurde vermutlich etwa zur gleichen Zeit wie die erste Bischofskirche im späteren Kölner Judenviertel erbaut. Der bedeutendste antike Sakralbau der Stadt war aber der im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtete Tempel für die Kapitolinische Trias, der Haupttempel der Stadt, welcher den Hauptgöttern der römischen Religion geweiht war: Jupiter, Juno und Minerva. Er lag ebenfalls auf einer kleinen Erhebung in Rheinnähe, jedoch am südlichen Siedlungsrand der römischen Kolonie.Lucie Hagendorf-Nussbaum: St. Maria im Kapitol, Köln (= Kunstführer Nr. 2830). Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2014 Als Maternus starb, bestanden die drei Religionen in Köln mit ihren jeweiligen Gotteshäusern nebeneinander. Ein weiterer bedeutender Bau dieser Zeit entstand um 345 auf einer leichten Anhöhe inmitten eines Gräberfelds westlich außerhalb der Stadtmauer, ein großes, prachtvolles Mausoleum, das später ebenfalls in eine Kirche umgewandelt wurde, die heutige Basilika St. Gereon.
Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft am Rhein bauten die in Köln residierenden merowingischen Kleinkönige des Fränkischen Reichs im 6. Jahrhundert an der vermutlichen Stelle der ersten antiken Bischofskirche eine neue, die schließlich etwa 40 bis 50 Meter lang und mit einem Ambo ausgestattet war. Diesen frühmittelalterlichen Bau ließ wahrscheinlich der austrische König Theudebert errichten, ein Enkel Chlodwigs, des ersten Merowingerkönigs. Die Bischofskirche diente auch Mitgliedern der königlichen Familie als Grablege; unter anderen wurde um 537 Theudeberts langobardische Gemahlin Wisigarde hier bestattet.Karl Ubl: Köln im Frühmittelalter. Die Entstehung einer heiligen Stadt. 400–1100 (= Geschichte der Stadt Köln. Band 2). Greven Verlag, Köln 2022, ISBN 978-3-7743-0440-6, S. 90 ff. 1959 wurden bei archäologischen Untersuchungen im Zuge des Baus einer neuen Krypta merowingische Gräber entdeckt, darunter ein reich ausgestattetes Frauengrab aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts, welches das von Wisigarde sein könnte.Carl Dietmar, Marcus Trier: COLONIA – Stadt der Franken: Köln vom 5. bis 10. Jahrhundert. DuMont Buchverlag, Köln 2011. S. 90ff., 100. Auch das reich ausgestattete Grab von Chlodwigs Vater Childerich I. († 481) wurde 1653 bei Ausschachtungsarbeiten in der Nähe der Kirche Saint-Brice in Tournai von einem Arbeiter entdeckt. Die Grabungsfunde unter dem Domchor lassen allerdings keine vollständige Rekonstruktion der Gebäude aus der Merowingerzeit zu.Georg Hauser: Schichten und Geschichte unter dem Dom. Die Kölner Domgrabung (= Meisterwerke des Kölner Domes. Band 7). Verlag Kölner Dom, Köln 2003, ISBN 3-922442-49-8, S. 25. Köln 2010 (TB), ISBN 978-3-92244-249-3.
Auch die Fundamente einer antiken Kirche sind, mit Ausnahme des Taufbeckens, bisher nicht eindeutig identifiziert. Das gilt auch für den Bischofspalast der merowingischen Zeit, der üblicherweise neben der Kathedrale gestanden haben dürfte, als erste der Residenzen der Kölner Bischöfe. Die Merowinger-Könige selbst ließen sich im antiken Praetorium nieder, dem repräsentativen einstigen Wohn- und Amtsbau des Kommandanten des Legionslagers und später des ProvinzmagistratsAmmianus Marcellinus: Res Gestae 15; 5,2–31. Res Gestae, Liber XV online, lat. und engl., den sie als Königspfalz benutzten. Aus den Überresten des römischen Tempels der Kapitolinischen Trias am Südrand der Stadt wurde in der Merowingerzeit die Pfalz der fränkischen Hausmeier aus der Dynastie der Pippiniden, die mit Pippin dem Jüngeren ab 751 Könige der Franken wurden und damit als Karolinger die Merowinger ablösten. Plektrudis, die Ehefrau des Hausmeiers Pippin des Mittleren, stiftete dort um 720 die zweitwichtigste Kirche des mittelalterlichen Köln, St. Maria im Kapitol, die auf den Fundamenten des Tempels steht.Sven Schütte: Der Kapitolstempel und die vorsalischen Bauphasen von St. Maria im Kapitol. In: Förderverein Romanische Kirchen Köln (Hrsg.): Interdisziplinäre Beiträge zu St. Maria im Kapitol zu Köln. Wissenschaftliches Kolloquium 23.–24. März 2007 (= Colonia Romanica. Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln, Bd. 24), S. 15–30; hier: S. 17–21. Der Rat der Stadt Köln zog im Mittelalter am Dreikönigstag in der Prozession zu Ehren der im Dom bestatteten Heiligen Drei Könige, der Kölner Stadtheiligen, von St. Maria im Kapitol zum Dom. Heute finden die Prozessionen im Anschluss an das jeweilige Pontifikalamt im Binnenchor des Domes statt, wobei die Trapezplatte des goldenen Dreikönigenschreins geöffnet wird, sodass die Häupter sichtbar werden.
Taufkirche mini|Musical Dome, Dom, Hauptbahnhof und Hohenzollernbrücke aus Nordosten (2016) mini|Frühes christliches Zeugnis: Baptisterium östlich des Domchors (2015)
Östlich des Domchores lag schon in spätantiker Zeit eine Taufkirche (Baptisterium), in der die frühen Christen dem damaligen Ritus folgend in etwa knietiefes Wasser stiegen und vollständig übergossen wurden. Es wird vermutet, dass das aus dem 5. Jahrhundert stammende Taufbecken (Piscina) ursprünglich im Garten des als christlicher Versammlungsort dienenden römischen Wohnhauses stand.Georg Hauser: Schichten und Geschichte unter dem Dom. Die Kölner Domgrabung (= Meisterwerke des Kölner Domes. Band 7). Verlag Kölner Dom, Köln 003, ISBN 3-922442-49-8, S. 42 f. Später wurde die über dem Becken errichtete Taufkirche zusammen mit der Domkirche zu einem baulichen Komplex zusammengefasst, der sich aber heute archäologisch nicht mehr nachweisen lässt.Werner Eck: Frühes Christentum in Köln. In: Ulrich Krings, Rainer Will (Hrsg.): Das Baptisterium am Dom. Kölns erster Taufort. Greven, Köln 2009, ISBN 978-3-7743-0423-9, S. 11–21, hier S. 19. Sebastian Ristow: Das Kölner Baptisterium am Dom und die frühchristlichen Tauforte nördlich der Alpen. In: Ulrich Krings, Rainer Will (Hrsg.): Das Baptisterium am Dom. Kölns erster Taufort. Greven, Köln 2009, ISBN 978-3-7743-0423-9, S. 23–43, hier S. 29 f. Als der Hildebold-Dom errichtet und aufgrund des veränderten Ritus mit einem Taufstein ausgestattet wurde, blieb von der Taufkirche nur das Taufbecken übrig.Sebastian Ristow: Das Kölner Baptisterium am Dom und die frühchristlichen Tauforte nördlich der Alpen. In: Ulrich Krings, Rainer Will (Hrsg.): Das Baptisterium am Dom. Kölns erster Taufort. Greven, Köln 2009, ISBN 978-3-7743-0423-9, S. 23–43, hier S. 31. Heute gilt das Baptisterium, das im Dom-Sockel zugänglich ist, als ältestes Zeugnis für den christlichen Kultus in Köln.Bernd Streitberger: Was wird aus dem Baptisterium am Dom? In: Ulrich Krings, Rainer Will (Hrsg.): Das Baptisterium am Dom. Kölns erster Taufort. Greven, Köln 2009, ISBN 978-3-7743-0423-9, S. 91–98.
Alter Dom
mini|Ottonische Miniatur im Hillinus-Codex mit Darstellung des Hildebold-Doms mini|Reliquie: Petrusstab aus dem Kölner-Dom-Schatz