Das Toilettenpapier, auch Klopapier, Klosettpapier oder WC-Papier, ist ein zur einmaligen Verwendung gedachtes Tissue-Papier zur Reinigung der Ausscheidungsorgane nach dem Stuhlgang oder nach dem Harnlassen. Bei Verwendung eines Bidets oder einer Duschtoilette kann Toilettenpapier zur Trocknung eingesetzt werden. Toilettenpapier zerfällt in den meisten Ländern in der Kanalisation; in einigen Ländern ist es nicht üblich, das Papier hinunterzuspülen.

In zahlreichen Regionen in Afrika und Asien ist die Verwendung von Toilettenpapier nicht üblich. mini|hochkant|Recyclingtoilettenpapier mini|hochkant|Toilettenpapier und Toilettenpapierhalter Formen Das zumeist auf Papphülsen („Klorolle“, „Toilettenpapierrolle“ oder „Klopapierrolle“ genannt) aufgewickelte Toilettenpapier kann aus bis zu sechs Papierlagen bestehen. Es ist meist zehn Zentimeter breit. Zum leichteren Abreißen der benötigten Papiermenge sind Perforationen auf Kleinrollen üblich. Gefärbtes oder mit Bildern oder Texten bedrucktes Toilettenpapier findet oft als Scherzartikel oder Werbeartikel Verwendung. Es gibt feuchtes, antibakterielles und parfümiertes Papier. Feuchttücher können in der Abwasserentsorgung problematisch sein, weil sich dieses Papier nicht schnell genug auflöst; zudem gibt es Gesundheitsbedenken. Die Unternehmen haben deshalb für gewöhnliches Toilettenpapier durch kationische, wasserlösliche Polymere eine temporäre Nassreißfestigkeit entwickelt, um die Interessen der Toilettenbenutzer und der Kläranlagen in Einklang zu bringen. Für den Outdoor-Bereich wurden Toilettenpapiere entwickelt, die sich im Boden bis zu viermal schneller zersetzen als herkömmliche Papiere.

Herstellung Holz für die Zellstoffherstellung wird vor allem aus Kiefern, Fichten, Birken und auch zu geringen Teilen aus Eukalyptus-Bäumen gewonnen. Da Lignin und andere Pflanzenstoffe nicht vollständig durch den Kochprozess bei der Zelluloseherstellung entfernt werden können, bleibt der Zellstoff dunkel gefärbt. Für Hygieneprodukte werden die Zellulosefasern weiter aufbereitet und die noch verbliebenen Ligninreste, ähnlich dem Prozess für Papier, in einem Bleichprozess entfernt. Das hat den Vorteil, dass der Zellstoff nicht nur entfärbt, sondern auch saugfähiger und weicher wird, denn Lignin ist wasserabweisend.

mini|hochkant|Weltweite Zellstoffproduktion von 1990 bis 2005 nach Bleichmethode: Chlor (grün, unten), Elementar-Chlor-Frei (blau, Mitte), mit Chlordioxid oder Chlorit und Total-Chlor-Frei (grau, oben) mit Ozon oder Wasserstoffperoxid gebleicht. Bei dem früher zum Bleichen verwendeten elementaren Chlor bildeten sich chlorierte Abfallprodukte, die negative Einwirkungen auf Mensch und Umwelt hatten. Unter diesen Abfallstoffen besonders problematisch sind die hochtoxischen Dioxine. Als Oxidationsmittel dienen stattdessen Chlordioxid, Wasserstoffperoxid oder Ozon. Abhängig vom Oxidationsmittel unterscheidet man zwischen ECF-gebleichten (Elementar-Chlor-Frei), z. B. Bleiche mit Hypochlorit oder Chlordioxid, in denen immer noch chlorhaltige Substanzen für die bleichende Wirkung verantwortlich sind, und TCF-gebleichten (Total-Chlor-Frei) Zellstoff, z. B. mit Sauerstoff, Wasserstoffperoxid oder Ozon.

Durch Aufbringen des Zellulosebreis auf eine bienenwabenartige Siebstruktur werden die Fasern in eine bestimmte Anordnung gebracht und erhalten so ein dreidimensionales Profil. Tissue wird in zwei oder mehreren Lagen verarbeitet. Bei Toilettenpapier kann die Oberfläche noch mit einer Prägung versehen oder bedruckt werden. Durch die Prägung wird bei mehrlagigen Toilettenpapieren die Haftung der Einzellagen untereinander sowie die Festigkeit des Blattes erreicht, ein Effekt, der sich durch punktuelles Verkleben noch steigern lässt. Eine Kombination aus weichen Zellstofffasern mit besonders dicken und sicheren Lagen aus dichtem Faserverbund kennzeichnet mehrlagige Papiere. Die oft gewünschte Weichheit wird durch die Strukturierung der Oberfläche erzielt.

Durch das gestiegene Umweltbewusstsein der Konsumenten wie auch der Hersteller wird bei der Zellstoff- und Tissueproduktion zunehmend auf einen sparsamen Wasserverbrauch sowie umweltverträgliche Verfahren bei der Abwasserbeseitigung geachtet. Die bei der Produktion anfallenden Holzreststoffe und Laugenüberstände werden zur Deckung des Energiebedarfs verwendet. Zudem gibt es Varianten, die teilweise oder vollständig aus Altpapier hergestellt werden. Gemäß 2016 veröffentlichter Zahlen macht der Anteil verkauften Recycling-Toilettenpapiers in Deutschland aber nur 24 Prozent aus, was vor allem an den Privatverbrauchern liegt, während er bei Großunternehmen und Kommunen schätzungsweise 80 Prozent beträgt. Bei Hygienepapieren ging der Anteil an Recyclingpapier im Einzelhandel von 72 Prozent 2001 auf 51 Prozent 2012 zurück.Birgit Bonk, Birgit Brückner: In: WDR.de, 28. September 2016

Die Hygienepapierherstellung ist extrem kapitalintensiv und dem generellen Preisdruck im Einzelhandel ausgesetzt. Wegen des relativ geringen Warenwerts und der Frachtkosten rentieren sich Lieferwege von über 500 Kilometern laut einem Bericht der FAZ von 2014 nicht. Es handelt sich um ein schnelldrehendes Konsumgut, für das Verbraucher üblicherweise wenig Interesse aufbringen.

Geschichte Archäologische Funde im ältesten Salzbergwerk der Welt, dem Salzberg bei Hallstatt, lassen vermuten, dass in der Bronzezeit Pestwurzen-Blätter auch als Toilettenpapier verwendet wurden. Noch heute gibt es in Bayern die volkstümliche Bezeichnung Arschwurzen für diese Pflanze.

Vor Verwendung von Toilettenpapier wurden Lumpen (Textilien) oder Schwämme verwendet, überwiegend aber keine Hilfsmittel. Die linke Hand war in vielen Kulturen, insbesondere Asiens, der Körperreinigung vorbehalten, die rechte dem Händedruck und dem Essen, was eine soziale Benachteiligung Einhändiger (Strafamputation) nach sich zog.

Die erste Erwähnung von Toilettenpapier findet sich für das China des 6. Jahrhunderts. Der Gelehrte Yan Zhitui (531–591) schrieb im Jahr 589: Im Jahr 851 schrieb ein Reisender: „Sie (die Chinesen) sind nicht sehr sorgfältig mit Sauberkeit, und sie waschen sich nicht mit Wasser, wenn sie ihr Geschäft erledigt haben, sondern wischen sich nur mit Papier ab.“ Für das frühe 14. Jahrhundert findet sich in Aufzeichnungen für den Raum der heutigen Provinz Zhejiang eine jährliche Produktion von 10 Millionen Packungen mit je 1000 bis 10.000 Blatt Toilettenpapier. Der kaiserliche Hof in Nanjing verbrauchte 1393 etwa 720.000 Blatt mit einer Größe von 2 × 3 Fuß. Kaiser Hongwu und seine Familie verbrauchten in diesem Jahr 15.000 Blatt einer besonders weichen und parfümierten Toilettenpapiersorte.

In Europa ist aus dem Mittelalter die Verwendung von alten Lappen, Stoffresten, Wollbällchen oder auch Moos, Blättern, Heu und Stroh belegt, ab dem 16. Jahrhundert auch von Abfall- und minderwertigem Papier. Bei Ausgrabungen mittelalterlicher Latrinen, beispielsweise aus der Hansestadt Tartu (Estland), wo mehr als 3200 als Toilettenpapier genutzte Textilreste aus mehreren Haushalten ausgewertet wurden, konnten qualitative Unterschiede der als Toilettenpapier genutzten Textilien analog zu dem sozialen Status des zugehörigen Haushaltes beobachtet werden. So bestand die Mehrzahl der Textilreste aus wohlhabenden Haushalten aus in Streifen gerissenen, feinen und weichen Wollstoffen aus stark abgetragener Alltagskleidung, denen vereinzelt noch seidene Applikationen anhafteten. Demgegenüber setzten sich die Textilreste aus sozial schlechter gestellten Haushalten aus eher groben einfachen Stoffen zusammen, was direkt mit der von den Bewohnern getragenen Alltagskleidung korrespondiert. Seide war zu diesen Zeiten extrem teuer und machte in Tartu gerade einmal 0,6 % der gefundenen Textilreste aus, ist aber dennoch in Zweitverwendung in Latrinen gelandet. In islamisch geprägten Ländern war der Gebrauch von Papier im 16. Jahrhundert dem Bericht eines französischen Reisenden aus der Türkei zufolge aus religiösen Gründen verpönt – man verwende dort zur Reinigung „niemals Papier oder sonst etwas, auf das sich der Name Gottes schreiben ließe“. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen beschrieb 1669 in seiner Continuatio des Abentheuerlichen Simplicissimi, wie aus einem Hanfsamen nacheinander Kleidung, Windeln, Schreibpapier und Packpapier wird, bis der Bogen schließlich am Abort endet.

Die Nutzung von Papier stieg mit der Verbreitung von Zeitungen und dem Aufkommen der industriellen Papierherstellung. Mit der Verbreitung des Wasserklosetts in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst in England wurde spezielles Papier benötigt, das nicht zur Verstopfung der Abwasserleitungen führt.

Das erste moderne, kommerziell erhältliche Papier, das in einer Fabrik speziell als Toilettenpapier hergestellt wurde, produzierte Joseph Gayetty 1857 in den USA. Es bestand aus einzelnen Blättern in einer Schachtel und war mit Aloen-Extrakten getränkt. alt=Perforation zur Trennung von Toilettenpapierblättern|mini|Perforation zur Trennung von Toilettenpapierblättern Das perforierte Toilettenpapier auf Rollen, wie wir es kennen, stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Das Fachblatt Papier-Zeitung erwähnte 1879 in einem Bericht über gelochtes Rollenpapier für Verpackungszwecke, dass vielfach auch derartiges Closetpapier angeboten werde.

mini|Closetpapier-Produktion der Eisenwerke Gaggenau 1891 Im Jahre 1888 gehörten zum vielfältigen Angebot der Eisenwerke Gaggenau neben perforiertem Toilettenpapier auch passende Halter („Closetclipse für Rollenpapier“). 1891 konnte das Unternehmen täglich 2000 Rollen gelochtes Closetpapier in seiner Papier-Perforier-Anstalt produzieren, der nach eigener Ansicht damals einzigen derartigen Einrichtung in Europa außerhalb von Großbritannien.

Im Jahre 1928 gründete Hans Klenk in Ludwigsburg die Toilettenpapierfabrik Hakle. Damals bestand eine Rolle aus 1000 Blatt rauen Krepppapiers. Im Jahre 1959 verbreitete sich im Westen Deutschlands – aus Amerika kommend – das weichere Tissue-Papier, das auf der Haut angenehmer ist. Hakle führte das zweilagige (1972) und das dreilagige (1984) sowie das feuchte (1977) Toilettenpapier in Deutschland ein. In der DDR blieb Krepppapier die einzig verfügbare Sorte. Dabei kam es hin und wieder zu Versorgungsengpässen, die „Gegenstand unendlicher Geschichten“ und Thema der Berichterstattung in westdeutscher Presse wurden. Generationenübergreifend charakterisierten DDR-Bürger das verfügbare Toilettenpapier – das auch Gegenstand des politischen Witzes war – im Rückblick als „hart“, „rauh“ und „viel zu dünn“. Nach Westbesuchen gehörte das dortige weichere Papier für viele zu den kleinen Annehmlichkeiten, die „schmerzlich vermisst“ wurden.

In Japan kam es 1973 während der Ölkrise zu der „Toilettenpapier-Panik“. Das Gerücht einer zu erwartenden Verknappung von Toilettenpapier aufgrund einer Beschränkung der Ölimporte führte zu Hamsterkäufen. Damit kam es zu einer Verknappung, die wiederum die Gerüchte zu bestätigen schien. Im Dezember desselben Jahres gab es auch in den USA Hamsterkäufe aufgrund einer Satiresendung im Fernsehen.

In Europa wurden in Mangelzeiten (den 1920er Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs und den ersten Nachkriegsjahren) auch Zeitungen in kleine Blätter zerschnitten, an einer Ecke gelocht und mit einem Bindfaden an einem Nagel aufgehängt oder auf einen Haken gespießt. In armen Gegenden etwa Südamerikas existiert diese Praxis noch. Als Alternative gab es nach oben offene Holzkästchen, die an der Wand angebracht wurden und mit dem passend geschnittenen Zeitungspapier gefüllt wurden. In den 2010er Jahren wurde die Knappheit an Toilettenpapier in Venezuela im Zuge der dortigen Versorgungskrise an Konsumgütern (siehe Proteste in Venezuela 2014–2017) weltweit thematisiert und auf die herrschende Mangelwirtschaft zurückgeführt.