Die bayerischen Post3 Bay 83 (nach DRG-Gattungskonventionen) waren dreiachsige Postwagen, welche nach Blatt-Nr. 121 des Wagenverzeichnisses von 1897 (Blatt-Nr. 192 des Verzeichnisses von 1913) als erster Typ der zweiten Generation von Postwagen gebaut wurden.

Entwicklung Ab 1883 wurden von verschiedenen Bahngesellschaften – so auch von der K.Bay.S.B – die ersten dreiachsigen Wagen für Schnellzüge beschafft. So ergab sich auch der Bedarf für entsprechende Wagentypen zur Postbeförderung.

Beschaffung Zwischen 1883 und 1904 wurde so für die zweite Generation an Postwagen insgesamt 61 Wagen beschafft. 25 davon gehörten zum Typ nach Blatt-Nr. 192. Sie wurden in vier Baulosen in den Jahren 1883 bis 1887 gebaut.

Verbleib Drei der Wagen wurden 1916 zu Gepäckpostwagen umgebaut (siehe Blatt-Nr. 212). Alle Wagen wurden von der Reichsbahn übernommen. Von der DB wurde dieser Wagentyp nicht mehr übernommen.Joachim Deppmeyer; Klaus Kirsch; Peter Wagner: Kleine Typenkunde deutscher Bahnpostwagen. 2., überarbeitete Auflage, Transpress, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-71215-6.

Konstruktive Merkmale Untergestell Der Rahmen der Wagen war nicht mehr in Mischbauweise gebaut, sondern komplett aus Eisenprofilen zusammengenietet. Die äußeren Längsträger hatten eine Doppel-T-Form. Als Zugeinrichtung hatten die Wagen Schraubenkupplungen mit Sicherheitshaken nach VDEV, die Zugstange war durchgehend und mittig gefedert. Als Stoßeinrichtung besaßen die Wagen Stangenpuffer mit einer Einbaulänge von 650 mm, die Pufferteller hatten einen Durchmesser von 370 mm.

Laufwerk Die Wagen hatten genietete Fachwerkachshalter aus Flacheisen der kurzen, geraden Bauform. Gelagert waren die Achsen in geteilten Gleitachslagern. Die Räder hatten Speichenradkörper der bayerischen Form 24 mit einem Raddurchmesser von 1.014 mm. Die Tragfedern hatten eine Länge von 1.750 mm mit einem Querschnitt von 96 mm × 13 mm. An den Endachsen waren sie 9 Lagen stark, an der querverschiebbaren Mittelachse 7 Lagen. Sie waren mit Federlaschen in den Federböcken befestigt. Die Endachsen waren Lenkachsen des Typs A4.

Die Spindelhandbremse im hochgesetzten Bremserhaus wirkte auf alle Räder der Endachsen beidseitig. Die Wagen waren alle mit Westinghousebremsen ausgestattet.

Wagenkasten Das Wagenkastengerippe bestand aus einem hölzernen Ständerwerk. Es war außen mit Blech und innen mit Holz verkleidet. Die Seitenwände waren an den Unterseiten leicht eingezogen, die Stirnwände gerade. Die Wagen besaßen ein flach gewölbtes Dach, welches über die Seitenwände ragte. Auf das Dach war ein Oberlichtaufbau aufgesetzt, der direkt in das hochgesetzte Bremserhaus überging. Dieses war beidseitig nur von außen zugänglich. Die Wagen hatten alle durchgehende, seitliche Laufbretter und Anhaltestangen. Der Zugang zum Innenraum erfolgte beidseitig durch einteilige, nach außen aufschlagende Flügeltüren.

Der Innenraum war durchgehend und ohne Zwischenwand. Auf der Seite des Bremserhauses befand sich der Packraum, auf der gegenüberliegenden Seite der Briefsortierraum. In der Wagenmitte befand sich auch der nach beiden Wagenhälften wirkende Ofen. Je Wagenhälfte gab es einen gepolsterten Sitz.

Ausstattung Zur Beheizung verfügten die Wagen über eine Ofenheizung. Die Wagen waren alle mit einer Leitung für eine Dampfheizung ausgestattet. Die Beleuchtung erfolgte durch Gas-Lampen. Die beiden Vorratsbehälter mit einem Volumen von je 350 Litern für das Leuchtgas hingen in Wagenlängsrichtung am Rahmen. Zwischen 1926 und 1929 erfolgte die Umrüstung auf elektrische Beleuchtung.

Die Wagen erhielten die für die Außenseiten vorgeschriebene Lackierung in Grün und als Eigentumskennzeichnung die Aufschrift Königliche Bahn-Post.Gustav Reiß: Zum 75jährigen Bestehen der Bahnposten in Bayern. In: Gesellschaft zur Erforschung der Postgeschichte in Bayern (Hrsg.): Archiv für Postgeschichte in Bayern.

Bemerkung Drei der Wagen wurden 1916 zu Gepäckpostwagen umgebaut (siehe Blatt-Nr. 212). Bis auf einen Wagen waren alle im Verzeichnis von 1913 noch aufgeführt.

Skizzen, Musterblätter, Fotos mini|300px|ohne|WV 1913, Skizze Blatt 192 zu Post3 Bay 83

Wagennummern Die Daten sind im Wesentlichen den Wagenpark-Verzeichnissen der Kgl.Bayer.Staatseisenbahnen, aufgestellt nach dem Stande vom 31. März 1897, dem 31. März 1913 sowie dem Artikel von A. Mühl im Lok Magazin 102 entnommen.

Herstelldaten Wagennummern je EpocheGattungszeichen Fahrwerk Ausstattung Zusatzinfos Bau- jahr Her- steller ab 1874 ab 1893 Rep.(1919) DRab 1923 DRGab 1933 Ausge-mustert Anz.Achs. Rad-stand(mm) LüP(mm) Brem-sen Unter-Gest. Lenk-achs. Bl. Hz. Art u. Anzahl der Abteile(siehe Legende) Bemerkung Blatt-Nr. 192(ehem.121) B.P. Post Post3 Bay 83 Post 3/10 (siehe jeweilige Legende) A B D G P Z188321 05515 22036.6003.30011.524BrH, WbrEA4GO, L111188421 05615 22136.6003.30011.524BrH, WbrEA4GO, L11121 05715 22221 05815 2231916Umbau zu Gepäckwagen (Blatt 212)21 05915 22421 06015 22521 06115 2261916Umbau zu Gepäckwagen (Blatt 212)21 06215 22721 06315 22821 06415 229188421 87715 23036.6003.30011.524BrH, WbrEA4GO, L11121 87815 23121 87915 23221 88015 23321 88115 2341916Umbau zu Gepäckwagen (Blatt 212)21 88215 235188722 61115 23636.6003.30011.524BrH, WbrEA4GO, L111Gepäckraum mit breiten Doppeltüren188722 61215 23736.6003.30011.524BrH, WbrEA4GO, L11122 61315 23822 61415 23922 61515 24022 61615 24122 61715 24222 61815 24322 61915 244

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Reisezugwagen (Bayerische Staatseisenbahnen)