Die Kirche der Gottesmutter von Częstochowa in Drygały (Drygallen, 1938–1945 Drigelsdorf) ist ein Bauwerk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es war bis 1945 Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Drygallen und ist heute Pfarrkirche der Pfarrei Drygały in Polens Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Lage Drygały ist ein Dorf im südlichen Osten der Woiwodschaft Ermland-Masuren und liegt an der Woiwodschaftsstraße 667 zwischen den Städten Biała Piska () und Ełk (Lyck). Der Ort ist Bahnstation an der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk.
Der Standort der Kirche befindet sich auf einer kleinen Anhöhe in der südlichen Ortsmitte östlich der ulica Sienkiewicza genannten Hauptstraße.
Kirchengebäude mini|Festlich geschmückter Barockaltar der Kirche in Drygały (Drygallen/Drigelsdorf) Bereits im Jahre 1438 wurde in Drygallen eine Kirche erwähnt.Drygały – Drygallen/Drigelsdorf bei ostpreussen.net Beim Mongolensturm von 1656 ging sie in Flammen auf. Der Nachfolgebau von 1660 war 1729 baufällig, dass er 1830 aufgegeben und abgerissen werden musste.
Zwischen 1732 und 1734 entstand auf dem Kirchenberg ein Neubau,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Bd. 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 119, Abb. 539. der am 29. September 1734 eingeweiht wurde:Drigelsdorf – Das Gotteshaus und die letzten Geistlichen der Kirchengemeinde. In: E.J. Guttzeit: Der Kreis Johannisburg. Würzburg 1964, S. 246–247. Die einfach gegliederte, verputzte Saalkirche mit wuchtigem eingezogenen Kirchturm mit Haube samt einer Wetterfahne von 1732. Die Bauausführung geschah unter dem architektonischen Einfluss des ostpreußischen Baumeisters Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt. Altar und Kanzel stammten aus dem 17. und 18. Jahrhundert und wurden erst später zu einem Kanzelaltar zusammengefügt – nach 1945 dann wieder getrennt. Eine Taufschale aus Messing mit dem Sündenfall wurde im 17. Jahrhundert gefertigt, während gut gearbeitete und ebenfalls aus Messing hergestellte Stand- und Kronleuchter aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammten.
Im Jahr 1860 erhielt die Kirche eine Orgel, die von Schmerberg in Gumbinnen (heute ) gebaut wurde. Vorausgegangen war in dem Jahr eine umfangreiche Reparatur der Kirche.
Die Glocken waren Gusswerke westfälischer Metall- und Glockengießer in Bochum.
Nach 1945 wurden aufgrund der Übernahme des Gebäudes durch die Römisch-katholische Kirche in Polen mehrfache Veränderungen vorgenommen und das Gotteshaus der Gottesmutter von Tschenstochau gewidmet.Parafia Drygały im Bistum Ełk
Evangelische Kirchengemeinde Bereits 1436 – also in vorreformatorischer Zeit – gab es in Drygallen eine Kirche.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 491. Die Reformation hielt hier früh Einzug, so dass bereits für 1538 ein lutherischer Pfarrer erwähnt wurde,Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 31. dem nach 1560 und bis 1814 ein zweiter Geistlicher beigegeben wurde. Bis 1715 war die Pfarrei der Inspektion Lyck (heute ) zugeordnet; bis 1945 gehörte sie zum Kirchenkreis Johannisburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1725 zählte das Kirchspiel Drygallen 4.400 Gemeindeglieder, die in der Mehrzahl außerhalb des Kirchdorfes wohnten.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung machten dem Leben der evangelischen Gemeinde ein Ende. Die heute hier lebenden wenigen evangelischen Kirchenglieder gehören jetzt zur Kirchengemeinde in Biała Piska (Bialla, 1938–1945 Gehlenburg), einer Filialgemeinde der Pfarrei Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Drygallen bzw. Drigelsdorf gehörten mehr als 20 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort.
Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Annafelde Iłki (Groß) Brennenbis 1907 Groß Pogorzellen Pogorzel Wielka Danielshof Dombrowken Altweiden Dąbrówka Drygalska *Drygallen Drigelsdorf Drygały *Dupken Lindensee Lipowskie Goullonshof Skupie Jeglinna, Waldhaus Jeglina Jurgasdorf Zaskwierki Klarashof Klarewo Klein Pogorzellen (ab 1930)Brandau Pogorzel Mała Koslowen Wildfrieden Kozłowo Legenthof Drogosław *Mysken Misken Myszki Neu Drygallen Neudrigelsdorf Nowe Drygały *Nittken Nitki Pölken *Ruhden Ruda *Sabielnen Freundlingen Zabielne *Salleschen Offenau Zalesie *Schlagakrug Bemowo Piskie Schlagamühle Młynno *Sulimmen Sulimy Valenzinnen Falęcin Valisko Worgullen Worgule
Pfarrer (bis 1945) An der Kirche Drygallen amtierten bis 1945 als evangelische Geistliche die Pfarrer:
Stanislaus Gorzicalla, 1538 Stanislaus Labielski, bis 1564 Paul Drygalski, 1567–1596 Martin Gadzalius, bis 1593 Martin Drygalski, 1594–1612 Friedrich Ferrarius, ab 1596 Thomas Kerstein, 1638–1650 Martin Sabielnus, 1638–1657 Christian Orlowius, 1651–1677 Georg Swinda, 1657–1658 Albert Knopka, 1658–1668 Michael Ambrosius, 1668–1707 Christoph Oberhüber, 1677–1710 Johann Oberhüber, 1707–1710 Johann Corsepius, 1708–1710 Michael Sartorius, 1710 Paul Olschewius, 1710–1730 Jacob Urbanus, 1711–1735 Reinhold Orlowius, 1730–1769 Paul Bernhard Trentovius, 1735–1740 Johann Theodor Sartorius, 1741–1748 Christoph Mäding, 1749–1755 Michael Nikutowski, 1756–1774 Michael Horn, 1769–1771 Friedrich Albert Kiehl, 1771–1814 Jacob Hambruch, 1774–1786 Gottlieb Stern, 1787–1803 Christian Sadowski, 1803–1809 Johann Samuel Fischer, 1809–1814 Johann Sebastian Schultz, 1814–1830 Paul Nathanael Paulini, 1830–1845 Karl Ferdinand Marcus, 1846–1867 Gottlieb Treskatis, 1868–1871Treskatis (1809–1872) war Angehöriger des Corps Masovia. Julius Emil Alexander Gayk, 1872–1884 Otto Carl Julius Meißner, 1885–1909 Heinrich Conrad Skowronski, 1909–1913 Alfred G. Petersdorff, 1913–1933 Bruno Braczko, 1933–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarre Drygallen bzw. Drigelsdorf haben sich einige erhalten. Die Deutsche Zentralstelle für Genealogie in Leipzig verwahrt sie: Taufen 1781–1824 und 1844–1874.
Katholische Kirche Vor 1945 lebten nur wenige Katholiken in Drygallen bzw. Drigelsdorf. Sie waren in die römisch-katholische Kirche in Johannisburg im Dekanat Masuren II (Sitz: Johannisburg) im Bistum Ermland eingepfarrt.
Nach 1945 siedelten sich in Drygały zahlreiche polnische Neubürger an, die fast ausnahmslos römisch-katholischer Konfession waren. Es bildete sich hier eine Gemeinde, die das bisher evangelische Gotteshaus als ihre Kirche reklamierte.
Im Jahre 1962 wurde Drygały zur Pfarrei erhoben, die – wie schon die Kirche – der Gottesmutter von Tschenstochau gewidmet wurde. Sie ist in das Dekanat Biała Piska im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen eingegliedert. In Pogorzel Wielka ((Groß) Brennen, bis 1907 Groß Pogorzellen) entstand eine Filialgemeinde.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1730er Jahren Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Kirche Unserer Lieben Frau von Tschenstochau Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Biała Piska