Technisierung () beschreibt den Einsatz von technischen Hilfsmitteln in Prozessen, die bisher der geistigen oder handwerklichen Tätigkeit des Menschen vorbehalten waren. Sie lässt sich als Oberbegriff für Automatisierung, Mechanisierung und Maschinisierung fassen.Technisierung in Gabler Wirtschaftslexikon online Die Deutung des Technisierungsbegriffs änderte sich im Verlauf der Geschichte und schwankte zwischen der Hoffnung auf Vorteile wie bspw. Entlastungen, und der Befürchtung der Instrumentalisierung und des Autonomieverlusts des Menschen. Aus heutiger Sicht gelten Handlungen, natürliche Prozessabläufe oder Zeichenprozesse dann als technisiert, wenn sie nach einem festen Schema eine erwartete Wirkung wiederholbar und zuverlässig erzielen.

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte kam es zu einer zunehmenden Technisierung, genannt „Technischer Fortschritt“. Technisierung wird auch als Bedingung kultureller Entwicklung verstanden, da Regelhaftigkeit und Verlässlichkeit über die Zeit hinweg kollektive Strukturen und Identitäten stabilisieren und ausbilden. Technische Regeln entlasten davon, in jeder Situation ständig von neuem über Handlungsmöglichkeiten, -notwendigkeiten und -rationalität nachdenken zu müssen. Für nicht wiederholbare Handlungen, z. B. für politische oder wirtschaftliche Maßnahmen, ist die Formulierung technischer Regeln in strengem Sinne nicht möglich.

Definition Der Begriff Technisierung ist industriesoziologisch nicht eindeutig definiert und wurde im Laufe der Zeit unterschiedlich gedeutet. Wenn Technik nicht substanziell, sondern relational als sozialer Prozess bestimmt wird, ist unter Technisierung eine besondere Form zweckgerichteter Schematisierung und eine geregelte Kopplung von Elementen zu verstehen. Die gekoppelten Elemente befinden sich in einem künstlichen, abgeschlossenen System, und sind in einem Medium von Handlungen, Symbolen oder Sachen fixiert, weswegen mit einer angestrebten Wirkung fest gerechnet werden kann.

Diese Technisierungsformen können in verschiedenen Trägermedien verkörpert, versachlicht oder eingeschrieben sein:

Bei der Handlungstechnik unterliegen körperliche Bewegungen einem Technisierungsschema: man spricht von Habitualisierung, wenn Handlungen unbewusst quasi-automatisch ablaufen. Wenn Arbeits- wie z. B. Tanzbewegungen in einfache Elemente zerlegt, von Überflüssigem befreit, auf Teilaspekte spezialisiert und kunstvoll kombiniert werden. Beispiel: während Sezieren eine Technik ist, ist Herumschnipseln keine. Ein Technisierungsprozess wird als Mechanisierung bezeichnet, wenn er sich auf die Konstruktion und Kombination von physischen Dingen zu Maschinen und komplexen Anlagen bezieht: z. B. die Materialbearbeitung des Drehens, Fräsens und Bohrens wird durch Spezialisierung vereinfacht und auf die Mechanik von Werkzeugmaschinen übertragen. Handelt es sich um Techniken der Zeichenverarbeitung, nennt man diesen Prozess Algorithmisierung, was die Zerlegung von Anweisungen in einfachste und eindeutige Befehle bedeutet, die zu Programmen für eine sequentielle Abarbeitung der Aufgabe zusammengefasst werden, beginnend bei der einfachen schriftlichen Rechentechnik (Addieren im Zehnersystem durch Untereinanderschreiben in Spalten) bis zur komplizierten Computerprogramme der Künstlichen Intelligenz-Technologie.

Beispiele für Technisierungen sind:

Arbeitstechniken, Überredungstechniken oder die Autofahrtechnik sind Technisierungen im Medium von Handlungen. Rechenkalküle, Rezepte oder Computerprogramme sind Technisierungen im Medium der Symbole. Maschinen, Produktionsanlagen oder elektrische Übermittlungsnetze sind Technisierungen im physikalischen Medium. Habitualisierung, Mechanisierung oder Algorithmisierung sind hingegen Technisierungen in unterschiedlichen Medien.

Begriffsgeschichte In der Antike und teils im frühen Mittelalter wurde Technik als Überlistung der Natur durch menschliches Handeln angesehen. Im Mittelalter ist das Technikverständnis dann instrumentell geprägt, Technik wird zunehmend als zweckmäßiges Optimieren natürlicher Gegebenheiten durch den handelnde Menschen gewertet.Jan-Hendrik Passoth: Technik und Gesellschaft. Sozialwissenschaftliche Techniktheorien und die Transformationen der Moderne.VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15582-1, S. 69–80. Diese Umdeutung des Technikverständnisses, geht einher mit mehreren Veränderungen im Bereich der technischen Artefakte im Mittelalter bis zur Renaissance: Der Übergang von der Sklaverei zum Lehnswesen führt dazu, dass die handwerkliche Arbeit aufgewertet wird und es in erster Linie zu neuen Handwerkstechniken kommt. So ist der Buchdruck mit beweglichen Lettern letztlich eine Kombination unterschiedlicher Handwerkstechniken. Die Technik dieser Zeit ist von Kraftmaschinen, von der Wasserkraft, sowie von der menschlichen und tierischen Antriebskraft geprägt, das Augenmerk richtete sich auf die Kräfte der Natur und auf die Entkopplung von Kraftgewinnung und -nutzung. Die Vorstellung, dass menschliche Zwecksetzung einem göttlichen Vorbild folgt, wird sich bis in die frühe Neuzeit halten. Bemühungen um neue Krafttechnologien kreisen im frühen Mittelalters noch um die von Gott gesetzten Kräfte der Natur (also Wind-, Wasser- und Muskelkraft), dann beginnen die Techniker des späten 17. Jahrhunderts sich mit dem aus der Waffentechnik bekannten Schießpulver, dem durch Explosion erzeugten Unterdruck und der Kraft des Wasserdampfes zu befassen.

Aus Sicht der Anthropologie ist der Mensch seiner Natur nach ein Techniker. Technisierung wird immer wieder als eine Erfahrung von Entfremdung empfunden. Andere Ansätze zeigen, dass das Technische zur menschlichen Selbstentfaltung gehört und daher nicht im Gegensatz zur „Natur“ des Menschen steht. Für Hegel und Cassirer ist die „ursprüngliche Natur“ des Menschen erst in seinen technischen Werken erschließbar. Dies widerspricht dem „uomo pre-tecnologico“ bei Galimberti und dem „homme naturel“ bei Rousseau, da das menschliche Dasein schon immer durch einen technischen Selbst- und Weltbezug charakterisiert wurde.

Marx sah ab einer gewissen Entwicklungsstufe der Technik die Arbeitsteilung durch die Maschinen als „technische Notwendigkeit“. Wie es schon Hegel formuliert hatte, wies auch Marx darauf hin, dass in der durch die Maschinen veränderten Arbeitswelt, eine „Ausbeutung“ der menschlichen Arbeitskraft möglich sei.

Diesen Blickwinkel gab es in der Antike und auch bei Kant noch nicht. Kant begriff Technik einerseits als künstlerisches Vermögen, allerdings hat er, anders als in der Antike, damit den Strukturzusammenhang beschrieben, der technisches und moralisches Handeln verglich, seine Interpretation als Zweck-Mittel-Verhältnis blieb leitend für die Beschreibung der Technik. Zum anderen war Technik für Kant eine Art Produktivität, die auch im Ansehen der Natur zu erkennen war. Er unterschied technisches Handeln vom „bloß“ Mechanischen, es erfasste ein großes Maß an Selbstentfaltung.

Tendenzen zu einem zeitgemäßen Begriff Technisierung formen ab 1930 Philosophen wie Ernst Cassirer, Edmund Husserl, Hans Blumenberg, welche die Technik nicht mehr als eine stoffliche Substanz mit bestimmten Eigenschaften, sondern als eine besondere Form der Wirklichkeit und als einen Prozess bzw. eine Vorgehensweise betrachten: nicht das verfertigte Werk (opus operatum), sondern die Verfertigungsweise selbst (opus operandi) trat in den Vordergrund.

Ernst Cassirer lenkte 1930 das Augenmerk von der „Struktur des Gewordenen“ (die „forma formata“ des technischen Ensembles) auf den „Prozess des Werdens“ (die „forma formans“ der Technik). Er sah eine Ähnlichkeit zwischen den sprachlichen und technischen Funktionen: Wort und Werkzeug dienten gleichermaßen dazu, die Wirklichkeit durch bildendes Gestalten in Besitz zu nehmen. Die Sprache konstruiert den kommunikativen Weg mit Mitteln des sprachlich-theoretischen Denkens, die Technik die materielle Wirklichkeit durch das „Medium des Wirkens“. Für Cassirer waren in magischen Techniken beide Formen sinngebender Praxis noch miteinander verbunden, erst der Gedanke der ursächlichen Beziehungen und der notwendigen Kopplung trennt die moderne Technik von der „magischen Technik“ und vom künstlerischen Werk. Die moderne Auffassung der Technik konnte sich erst ab diesem Zeitpunkt der Trennung durchsetzen, indem sie den Prozess der Technikherstellung als instrumentelle Abstraktion von anderen Bedeutungen und Konnotationen sieht und damit eine Objektivierung der Welt betreibt.

Edmund Husserl zeigte 1936 eine kritische Haltung gegenüber der modernen Wissenschaft und Technik. Die moderne Mathematik und der technische Gebrauch von Formeln in den Naturwissenschaften lässt ihn schlussfolgern, dass der Prozess, den er als „Technisierung“ bezeichnet, die zentrale Ursache für die Krise der Moderne ist, sie steigere die Wirksamkeit zum Preis der „Sinnentleerung“ (Einschränkung der Erfahrung durch das Absehen von anderen Bedeutungen, die Vereinfachung durch Formbildung und Methodisierung, das reine Operieren mit Formeln). Hans Blumenberg zeigte 1963 die unvermeidliche Ambivalenz der Technisierung auf, die keine Erschaffung neuer Welten erlaube ohne eine Entfremdung von der Lebenswelt zu riskieren, und dass Husserls Phänomenologische Methode selbst Teil der Technisierung ist, die sie kritisiert.

In den 1950er und 1960er Jahren herrschte der Glaube an den Fortschritt vor, gefolgt in den ausgehenden 1970er Jahren von der Vorstellung der Technikgestaltbarkeit nach sozialen und humanorientierten Gesichtspunkten, um dann in den 1970er und 1980er Jahren die gegensätzlichen Interessen kapitalistischer Produktionsverhältnisse widerzuspiegeln, als die lebendige Arbeit durch die tote Arbeit der Maschinerie beliebig beherrsch- und kontrollierbar erschien. Der aktuelle Technisierungsbegriff ist neutraler und weniger gesellschaftskritisch:

Entwicklung und Folgen Die Technisierung hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte in mehreren Etappen vollzogen, beginnend mit der Verwendung von Werkzeugen bei einfachen Arbeiten. Erster Schritt der Technisierung war/ist die Mechanisierung, die mittels Kraft- und Hebelanwendung die Produktionsleistung und -geschwindigkeit erhöht. Die Technisierung durchläuft zurzeit eine neue Phase, von der Mechanisierung über die Elektrifizierung hin zur Elektronisierung. Die EDV gilt als Schlüsseltechnologie. Die Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit durch Erhöhung der Produktivität wird Rationalisierung genannt, sie wird mittels Technisierung oder Veränderung der Arbeitsorganisation erzielt.

Der industrielle Technisierungstrend hat bisher drei Etappen durchlaufen und bewegt sich in Richtung Industrie 4.0. In der Dienstleistungsbranche sowie im Handwerk geht ebenfalls eine zunehmende Technisierung vonstatten. Im Bereich der Kommunikation stellt die Informationstechnologie, nach der Entwicklung des Buchdruckes, einen weiteren Schritt von Technisierung dar.

In den 1960er und 1970er Jahren standen die neuen Konzepte CAD, CNC und CIM nicht mehr nur für Massenfertigung und Standardprodukte, sondern diese Maschinen erlauben eine neue, flexible Serienfertigung: Maschinen werden mithilfe von Maschinen gefertigt, die von Maschinen gesteuert werden. „Mit der CNC-Fertigung wird die Technisierung der Technisierung der Technisierung eingeleitet.“