Reggaeton ist eine Musikrichtung, die sich aufbauend auf Reggae, Hip-Hop, Merengue, Salsa, Bachata, weiteren lateinamerikanischen Musikrichtungen und elektronischer Tanzmusik entwickelt hat.

Geschichte Der Musikrichtung gelang erst Anfang des 21. Jahrhunderts der internationale Durchbruch. In den USA erwarben seit Ende der 1990er Jahre einige Majorlabel Beteiligungen an Plattenfirmen in Puerto Rico, um die Musik vertreiben zu können. Auch zahlreiche Kollaborationen zwischen puerto-ricanischen und US-amerikanischen Musikern, vor allem aus der Hip-Hop-Szene, trugen zur aktuellen Popularität des Musikstils bei.

Entstehung Der Reggaeton entstand – weitgehend unabhängig voneinander – in verschiedenen Regionen:

in den 1980er Jahren in Panama, zunächst als „spanischsprachiger Reggae“ ab Ende der 1990er Jahre durch aus der Dominikanischen Republik und Puerto Rico stammende Künstler in New York, die Elemente der Genres Merengue und Salsa mit Hip-Hop- und Reggae-Elementen versahen und in den 1990er Jahren in Puerto Rico, von wo aus Reggaetón schließlich in ganz Lateinamerika, kurze Zeit später auch in den USA, in Spanien und seit 2005 auch in Mitteleuropa und Osteuropa populär geworden ist.

Die ersten Reggaemusiker Lateinamerikas tauchten Mitte der 1970er Jahre in Panama auf. Der Reggae war hier dank der vielen jamaikanischen Einwanderer, die zum Bau des Panamakanals ins Land gekommen waren, populär geworden. Entscheidende, den Reggaetón ebenfalls charakterisierende Elemente wie Einflüsse aus Hip-Hop und House wurden jedoch erst später von Künstlern aus Puerto Rico entwickelt. Die ersten spanischsprachigen Hip-Hop-Tapes kamen Mitte der 1980er Jahre aus Puerto Rico.

Entwicklung in den 1990er Jahren Anfang der 1990er Jahre fand auch Ragga aus Jamaika auf der Insel eine breitere Aufmerksamkeit. Die spanischen Versionen von Ragga-Hits wie El desorden von Nando Boom (Original Stick it up von Cutty Ranks) und Hombre Murió von Killer Ranks (Original Nuff Man a Dead von Super Cat) muteten zwar exotisch an, waren aber richtungsweisend für den weiteren Verlauf der Entwicklung des Reggaetón. Die CD Dancehall Reggaespañol auf dem Major-Label Columbia brachte die Musik ab 1991 auch nach Europa.

Im selben Jahr erschien der Song Dem Bow des jamaikanischen Raggae-Sängers Shabba Ranks. Dieser wurde stilprägend für die Weiterentwicklung des Reggaeton; sein typischer, gradliniger und von elektronischen Drumsounds geprägter Rhythmus wird bis heute nahezu unverändert verwendet und auch selbst in der Reggaeton-Szene als Dem Bow bezeichnet. Der Dem-Bow-Rhythmus selbst wurde von jamaikanischen Reggae- und Dancehall Produzenten in den späten 1980er und in den frühen 1990er Jahren kreiert. Der Rhythmus wurde zum einen Teil von Reggaes One Drop Rhythmus beeinflusst, und zum anderen Teil von anderer westindischer Musik wie Calypso und Soca. Vom Song Dem Bow erschien noch im selben Jahr eine Cover-Version des Panamaer Produzenten El General, einem der Pioniere der Musikrichtung.

Man nannte diese Musik damals under, als Kurzform von Underground. Die frühen Jahre des Reggaeton in Puerto Rico waren geprägt von seiner Entwicklung als Ausdrucksform junger, oft marginalisierter Künstler in den Barrios, unterstützt durch Pioniere wie Vico C, der die ersten erfolgreichen Alben veröffentlichte, und DJ Playero, dessen Mixtapes maßgeblich zur Verbreitung des Genres im Untergrund beitrugen.

Auch wenn Panama eine längere Reggae- und eigentlich auch Reggaetónkultur vorzuweisen hat, blieben die neuen Riddims aus Puerto Rico nicht unbemerkt. In den folgenden Jahren mischte sich der Panamaer Reggaetón mit dem aus Puerto Rico. Es kamen ebenfalls kubanische Elemente hinzu. Der heutzutage in Lateinamerika so erfolgreiche Reggaetón war geboren.

Im Laufe der 1990er Jahre wurde der Reggaetón nach und nach zu einem bedeutenden Musikstil in ganz Lateinamerika. Einer der ersten Welterfolge war Meneaito, dessen Original schon 1989 von Gaby aufgenommen worden war; er wurde nach 1990 mehrmals remixt und in vielen südamerikanischen Ländern in seinen diversen Versionen zu einem beliebten Club-Hit. Der Sound des Reggaetóns wurde immer weiter perfektioniert und die Bewegung insgesamt kommerzialisiert.

Um 1995 wurde die Musikrichtung jedoch mit dem Begriff Reggaetón bedacht, vermutlich in Panama von El General, dessen Album „Baila con El General“ 1999 für einen Grammy („Bestes Dance-Album“) nominiert wurde. Ein weiterer erfolgreicher Reggaetón-Künstler aus dieser Epoche war El Chombo, ebenfalls aus Panama, der ab 1997 die Compilation-Reihe Cuentos de la Cripta mit wechselnden Sängern herausgab und dem 1999 einer der ersten Welthits des Genres, El Gato Volador, gelang. Damit hatte sich Reggaetón Ende der 1990er Jahre endgültig in der spanischsprachigen Welt als erfolgreiche Musikrichtung etabliert.

2000 bis 2005 Massenkompatibel wurde der Reggaetón-Sound durch die Arrangements des dominikanischen Produzentenduos Luny Tunes, welches seit 2003 mehrere eigene Alben veröffentlichte und die große Mehrheit der puerto-ricanischen Reggaetón-Alben produziert.

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts gelang der Stilrichtung der Sprung nach Europa, wo sie anfangs in Spanien populär wurde. Die bekanntesten Reggaetón-Hits in Europa waren Papi chulo … te traigo el mmmm (aus dem gleichnamigen Film von 2003) von Lorna sowie Siéntelo von Speedy und der US-Rapperin Lumidee aus dem Jahr 2004. 2005 gelang mit Gasolina von Daddy Yankee und Loco von Pachanga erstmals Reggaeton-Hits der Sprung in die deutschen Top 10 der Charts.

mini|Kumar beim TFF.Rudolstadt 2010

Kubanischer Reggaeton Der Ursprung des kubanischen Reggaeton wurde von verschiedenen Gruppen ab 1999 in Kuba geprägt. Der Stil wurde aus Lateinamerika, hauptsächlich aus Puerto Rico aufgegriffen.

Die erste Band, die mit dem neuen Musikstil bekannt wurde, hieß SBS. Sie waren sehr beliebt bei der kubanischen Jugend, da sie einen neuen, eigenen Stil zeigten, Rap mit puerto-ricanischen Einflüssen gemischt mit kubanischer Musik. Später gründeten sich andere Gruppen, die im ganzen Land bekannt wurden, wie z. B. Candyman, der es mit einem ganz originellen Stil schaffte, in den Top 10 zu landen. Die Musik von Candyman hatte einen jamaikanischen Einfluss, da er im Osten Kubas, in Santiago de Cuba lebt.

Nach 2000 konnten verschiedene Gruppen und Solokünstler wie El Médico, Triángulo Oscuro, Máxima Alerta, Pandilla X, Concepto, Baby Lores, El Taiger, El Chacal, El Insurrecto, Gente de Zona, Kola Loka und Eddy K mit ihrer kubanischen Variante Erfolge feiern. Diese Gruppen und Solokünstler mischten den Reggaetón mit kubanischen Musikrichtungen wie der Timba und es entstand der typisch kubanische Reggaetón – auch Cubaton.

2006 bis heute Im Jahr 2006 hat sich innerhalb des Reggaeton-Genres ein Trend abgezeichnet. Renommierte Reggaeton- oder Hip-Hop-Künstler widmeten sich nicht mehr ausschließlich dem Reggaeton. Parallel zu dieser Entwicklung entstand ein Übergenre. Elemente verschiedener Musikstile wurden verbunden mit klassischen Latin Music Stilen. So z. B. Toby Love, der eine eigene Musikrichtung erfand, die er „CrunkChata“ nannte, eine Mischung aus Elementen des R&B und der Bachata (siehe auch Crunk). Insider nannten diese spanischsprachige Musik von nun an sowohl „Latin Urban“ als auch „Hispanic Urban“. Ein weiterer bekannter Fall war der Rapper Chelo aus Miami, der ähnliches tat, auch er verband Latin-Elemente mit R&B. Der bekannte Rapper Pitbull veröffentlichte sein Album „El Mariel“, auf dem nicht ein einziger Reggaeton-Track zu finden war, dennoch waren fast alle der 22 Songs beispielsweise von kubanischen Musikrichtungen beeinflusst und wurden teilweise auch in Spanisch gesungen oder gerappt. Ein Song, der Diskussionen hervorrief, war Mamacita von Pharrell Williams und Daddy Yankee: Erst waren einige Hörer der Meinung, dass es sich um Reggaeton handele, doch diese Überlegung war falsch, da der Song das Grundelement, den Dem Bow, nicht beinhaltete. Vielmehr konnte man dieses Lied als gutes Beispiel für Latin Urban, da es auch spanische Texte beinhaltete, bezeichnen und somit als Latin Urban verallgemeinern.

Ein anderer Trend war, dass viele Songs nun komplexere Beats hatten. So griffen einige Produzenten nun auf den sogenannten Bachatón sowie Salsaton zurück, um dem Reggaeton eine neue Basis zu verschaffen und differenziertere Songs zu produzieren. Der Grundrhythmus, der Dem Bow, bleibt beim Bachatón, aber es werden einige Elemente der Bachata übernommen, z. B. Gitarrensounds (Beispiel: Esta noche de travesura von Hector „El Father“/Luny Tunes). Gleiches gilt für den Salsaton, der von der Salsa abstammt (Beispiel: Quítate tú pa ponerme yo von Eddie Dee) und den eher weniger verbreiteten Merengueton (Beispiel: Colé von Mojiganga). Das dominikanische Produzenten-Duo Luny Tunes entwickelte für ihre Compilation Los Benjamins ein Lied (Noche de Entierro (Nuestro amor se acabó)), welches Elemente des kolumbianischen Vallenato beinhaltete und so Vallenaton genannt wurde.

Nachdem es einige Jahre sehr ruhig war, konnte die Reggaeton-Szene etwa 2014 wieder ein Comeback starten. Bedingt war das auch durch bekannte lateinamerikanische Künstler wie Ricky Martin, Shakira oder Enrique Iglesias. Ebenfalls hilfreich waren neue Künstler – insbesondere aus Kolumbien – die einen neuen Stil brachten: Maluma oder J Balvin. Songs wie „Chantaje“ (Shakira feat. Maluma), „El Perdon“ (Nicky Jam & Enrique Iglesias) oder „Despacito“ (Daddy Yankee & Luis Fonsi) entwickelten sich zu Welthits.

Bedeutende Gastauftritte Seit N.O.R.E.s „Oye mi canto“ gibt es auch von zahlreichen Hip-Hop-Songs Reggaetón-Remixe. Auch bei den Veröffentlichungen von Sean Paul, Mr. Vegas, Nina Sky, Cypress Hill, R. Kelly und auch den Ruff Ryders ist ein Reggaetón-Einfluss spürbar. Einige Reggaetón-Künstler coverten amerikanische Hip-Hop-Stücke. So unterlegte Tego Calderón die Beats von 50 Cents „P.I.M.P.“ und „In da Club“ mit spanischen Raps. Auch in den Produktionen der Berliner Gruppe Culcha Candela finden sich Elemente des Reggaetón. Reggaetón-Künstler waren 2005 Gastmusiker auf dem Album „Life“ von Ricky Martin: Julio Voltio beim Song „I Am“, Luny Tunes beim Song „Qué más da“ (dieser Song wurde mit dem Latin Grammy Award für den besten Dance-Track ausgezeichnet) und Daddy Yankee beim Song „Drop It on Me“. Auch in Kuba erschien mit „Homerun con Bases Llenas“ des Trios Bases Llenas das erste Reggaetonalbum auf einem einheimischen Label (im Ausland produzierte Sampler gab es schon vorher). Wisin, Yandel und Luny Tunes gaben 2005 ein Gastspiel auf dem Album „TP-3: Reloaded“ von R. Kelly sowie 2006 im Reggaetón-Remix von Paris Hiltons Single „Stars Are Blind“. Im Jahr 2005 kollaborierte Don Omar mit dem dominikanisch-stämmigen US-Rapper Fabolous und dem Rap-Produzent Swizz Beatz im Remix von Dale Don Dale. Weitere Zusammenarbeiten zwischen Reggaetón-Künstlern und Künstlern anderer Genres im Jahr 2006: Héctor „El Father“ produzierte zusammen mit Jay-Z den Song „Here We Go Yo“. Héctor „El Father“ produzierte (u. a.) zusammen mit Fat Joe den Song „Yomo dele“. Tito „El Bambino“ produzierte zusammen mit Beenie Man und Luny Tunes den Song „Flow Natural“. Sean Paul produzierte 2006 zusammen mit Luny Tunes und Daddy Yankee den Song „Oh Man“. Pharrell Williams produzierte 2006 zusammen mit Daddy Yankee den Song Mamacita. Die G-Unit-Mitglieder Young Buck und Lloyd Banks unterstützten Daddy Yankee Im Remix von Rompe. Nelly Furtado wurde im Remix des Songs No Hay Igual vom puerto-ricanischen Reggaeton-Duo Calle 13 unterstützt. Jim Jones, der einen puerto-ricanischen Vater hat, machte zusammen mit Tego Calderon und Don Omar einen Reggaeton-Remix seiner Hit-Single We Fly High. Auf Daddy Yankees Album El Cartel: The Big Boss findet man wieder einige Gastauftritte amerikanischer Hip-Hop-Stars: Nicole Scherzinger in Papi Lover Fergie in Impacto (Remix) Will.i.am in Plane to P.R. Akon in Bring It On