Die 7. Nordischen Skiweltmeisterschaften wurden vom 22. Februar bis 3. März 1930 in Oslo in Norwegen ausgetragen.

Geschichte Die Vergabe der FIS-Rennen von 1930 an Oslo erfolgte bereits auf dem 10. Kongress der FIS, der vom 14. bis 16. Februar 1928 anlässlich der II. Olympischen Winterspiele in St. Moritz abgehalten wurde. Im Einklang mit dieser Entscheidung wurde auch festgelegt, den XI. Kongress des internationalen Skiverbandes vom 24. bis 26. Februar 1930 in Oslo und Finse abzuhalten.

Die Wettbewerbe der FIS wurden während der Internationalen Wintersportwoche von Oslo ausgetragen und waren somit teilweise deckungsgleich den alljährlichen Holmenkollenrennen. Während die Militärläufe, der 17-km-Skilanglauf und der Spezial-Sprunglauf reine FIS-Wettbewerbe darstellten, wurden der 50-km-Dauerlauf und die Wettbewerbe der Nordischen Kombination im Rahmen der Holmenkollrennen ausgetragen.

Die Internationalen FIS-Rennen hatten damals noch nicht den Status von Weltmeisterschaften und wurden in den Medien und interessierten Sportkreisen vorwiegend als inoffizielle Europameisterschaften im Skilauf bezeichnet.

Der Norwegische Skiverband und die Stadt Oslo wurden zum ersten Mal mit der Ausrichtung eines großen FIS-Rennens betraut, in den Jahren 1966, 1982 und 2011 bekam die norwegische Hauptstadt weitere Nordische Skiweltmeisterschaften zugesprochen. Dazu fanden 1952 noch Weltmeisterschaftsentscheidungen im nordischen Skisport im Rahmen der Olympischen Winterspiele statt.

An den Wettbewerben nahmen insgesamt zwölf Skiverbände aus ebenso vielen Staaten, größtenteils aus West- und Mitteleuropa, Skandinavien und auch Asien teil. Der französische Skiverband nahm ausschließlich an den Militärwettläufen teil, womit an den heute offiziell zu den Weltmeisterschaften zählenden Wettbewerben elf Skiverbände teilnahmen.

Die Preisverteilung fand am Abend des Abschlusstages im Vaudeville-Theater in Oslo statt und wurde in englischer, deutscher und norwegischer Sprache abgehalten. Die erfolgreichsten Athleten erhielten Pokale, die nachfolgenden Sportler Erinnerungsdiplome.

Wettbewerbe Auf dem Programm standen wie schon bei den vorangegangenen FIS-Rennen von 1929 in Zakopane die traditionellen nordischen Skiwettbewerbe im Skilanglauf über die Kurzstrecke, diesmal über eine Länge von 17 km und im Dauerlauf über 50 km, der Spezial-Sprunglauf von der K-50-Schanze und die Nordische Kombination, die sich aus den Ergebnissen eines Kombinations-Skilanglaufs über 18 km und eines Kombinations-Sprunglaufs von der K-50-Schanze berechnete.

Auf dem FIS-Kongress anlässlich der Olympischen Winterspiele in St. Moritz wurde im Februar 1928 auf Antrag von Arnold Lunn auf internationale Anerkennung von Abfahrt und Slalom beschlossen, den nationalen Verbänden zu erlauben, „versuchsweise“ Rennen nach den sogenannten „British Rules“ durchzuführen. Im Gegensatz zu den Veranstaltern der vorjährigen FIS-Rennen in Polen machten die Norweger davon keinen Gebrauch, galten sie damals doch als Gegner jedweder alpiner Skiwettbewerbe.

Zum Programm der FIS-Rennen zählte auch der Militärpatrouillenlauf und der in drei Klassen gewertete Individual-Militärlanglauf. Diese Rennen wurden gleich den anderen Wettbewerben mit Preisen bedacht, werden heute jedoch nicht mehr als offizielle Weltmeisterschaftswettbewerbe gezählt.

Programm DatumProgram tygodnia zimowego w Oslo. In: Przegląd Sportowy; Ausgabe 16/1930 vom 22. Februar 1930, Seite 5 (polnisch), abgerufen am 5. Oktober 2023Dr. Walter Amstutz: Die F.I.S. Wettkämpfe und der 11. Skikongress in Oslo. In: Der Schneehase. Jahrbuch des Schweizerischen Akademischen Ski-Clubs. Bd. 1, No. 4. von 1930; Seite 374, abgerufen am 5. Oktober 2023Uhrzeit (MEZ)Wettbewerb bzw. Veranstaltung Samstag, 22. Februar 1930 Offizielle Begrüßungsfeier Sonntag, 23. Februar 1930 10:00 Uhr Militärpatrouillenlauf Mittwoch, 26. Februar 1930 vormittags Militär-Skilanglauf 30 km Donnerstag, 27. Februar 1930 Skilanglauf 17 km Freitag, 28. Februar 1930 14:00 Uhr Spezialsprunglauf Normalschanze Samstag, 1. März 1930 Kombinationsskilanglauf 17 km Sonntag, 2. März 1930 Kombinationssprunglauf Montag, 3. März 1930 Dauerlauf 50 km abends Offizielle Siegerehrungen

Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: Wettkampf nicht beendet (did not finish) nicht am Start (did not start) * Sprung als gestürzt gewertet HDW Hauptverband Deutscher Wintersportvereine der Tschechoslowakischen Republik SL RČS Verband der Skifahrer der Tschechoslowakischen Republik (Svaz lyžařů Republiky československé)

Teilnehmer Für die FIS-Rennen von 1930 in Oslo meldeten vierzehn nationale Skiverbände aus dreizehn Staaten. Erstmals stellte mit Japan ein außereuropäischer Skiverband einen Teilnehmer an reinen Skiweltmeisterschaften. Bei nordischen Skiwettbewerben im Rahmen der Olympischen Winterspiele nahmen bereits die USA 1924 in Chamonix teil. Die Vereinigten Staaten hatten erstmals bei Weltmeisterschaften mit einem Athleten genannt, dieser trat jedoch nicht an. Die Tschechoslowakei war wieder mit beiden Skiverbänden, dem SL RČS und dem HDW, dem Skiverband der Deutschböhmen in der Tschechoslowakei vertreten.

Nicht genannt hatten die Skiverbände aus Lettland, Rumänien und Großbritannien, die 1929 in Zakopane noch vertreten waren, sowie die Österreichische Ski-Delegation.

Für die FIS-Meisterschaften waren von den nationalen Verbänden in Summe 389 Teilnehmer (ohne die reinen Militärsportler) genannt worden, wobei das Veranstalterland Norwegen mit über 300 Athleten den 85 ausländischen Sportlern zahlenmäßig klar überlegen war. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Sportler, vor allem aus dem Veranstalterland, verzichtete jedoch an den Wettbewerbstagen auf ein Antreten.389 narciarzy na starcie mistrzostw Europy w Oslo: 389 zgloszeń / 12 narodów w Oslo. In: Przegląd Sportowy; Ausgabe 16/1930 vom 22. Februar 1930, Seite 5 (polnisch), abgerufen am 5. Oktober 2023

Europa (11 Nationen, 12 Verbände)

(SL RČS) (HDW) Amerika (1 Nation)  Asien (1 Nation)  

XI. Kongress des Internationalen Skisportverbandes Der XI. Internationale Skikongress der FIS tagte unter Vorsitz von Ivar Holmquist vom 24. bis 26. Februar in Oslo und Finse. Aus 16 Ländern waren dazu insgesamt rund 30 Delegierte angereist; diese kamen aus Nordamerika (USA, Kanada), Europa (Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei, Ungarn, Großbritannien) und Asien (Japan). Die FIS selbst gibt dazu 26 Delegierte aus 15 Staaten an.

Der Deutsche Skiverband wurde auf dem Kongress durch seinen Vorsitzenden Ganzenmiller (München), Peter Frey (Frankfurt am Main) und Raether (Erfurt) vertreten, die Österreichische Ski-Delegation durch Theodor Rhomberg, der Schweizer Skiverband durch Karl Danegger, Vorstandsmitglied der FIS, Walter Amstutz, Mitbegründer des Schweizerischen Akademischen Ski-Clubs, Fritz Erb, Trainer der Schweizer Skiläufer sowie Oberst Luchsinger. Polen entsandte u. a. den Journalisten Stanisław Faecher und aus Großbritannien nahmen Arnold Lunn und Pelham Maitland teil. Insgesamt hatte der Kongress Beratungen zu 27 Tagesordnungspunkten zu führen.

Einführung der alpinen Skiwettbewerbe mini|hochkant=1| Von besonderer Bedeutung war die Frage der Einführung von Abfahrts- und Slalomlauf in die Wettlaufordnung der FIS. Eine Studienkommission unter Vorsitz von Karl Danegger beriet darüber am 25. Februar abseits des Kongresses in Finse. Weitere Mitglieder der Kommission waren Walter Amstutz (Schweiz), Conte Aldo Bonacossa (Italien), Arnold Lunn (Großbritannien), Oberst Bobkowski (Polen) und Olaf Helset (Norwegen).

Anhand der zwei damals bestehenden Wettlaufordnungen des Ski-Club of Great Britain und des Schweizerischen Akademischen Skiclubs wurde ein Entwurf erarbeitet, der als Zusatz zur Wettkampfordnung der FIS gedacht war. In der Schlusssitzung des FIS-Kongresses empfahl Danninger als Präsident der Studienkommission dem Kongress die Reglementierung von Abfarts- und Slalomlauf und erklärte die Beweggründe der Kommission u. a. damit, „dass das Skifahren in den Alpen infolge der besonderen topografischen Verhältnisse eine ganz andere Entwicklung genommen habe als im Norden“, und betonte „dass es die Schuldigkeit der FIS sei, diese Verhältnisse in Mitteleuropa zu berücksichtigen.“Dr. Walter Amstutz: Die F.I.S. Wettkämpfe und der 11. Skikongress in Oslo. In: Der Schneehase. Jahrbuch des Schweizerischen Akademischen Ski-Clubs. Bd. 1, No. 4. von 1930; Seite 396

Nikolai Ramm Østgaard als Sprecher der bisher strikt gegen die Aufnahme von alpinen Wettbewerben aufgetretenen Skiverbände der drei skandinavischen Länder erklärte überraschend und ohne weitere Diskussion, die Resolution gut zu heißen, wenn es in der Wettlaufordnung heiße: "Außerdem können Abfahrts- und Slalomläufe durchgeführt werden". Mit der internationalen Reglementierung von Abfahrts- und Slalomlauf durch die FIS wurde auf dem Kongress in Oslo der Grundstein zur Entwicklung des alpinen Skirennlaufes gelegt, wie er sich in den nachfolgenden Jahrzehnten vollziehen sollte.

Nachdem die Delegierten des Deutschen Skiverbandes erklärten von der Ausschreibung der alpinen Wettbewerbe in Oberhof noch Abstand zu nehmen, schlug der Ski-Club of Great Britain in Person von Arnold Lunn vor, als Ersatz im Anschluss an die FIS-Wettkämpfe in Thüringen Slalom- und Abfahrtsläufe für Männer und Frauen in Mürren in der Schweiz durchführen zu wollen. Diese Eingabe wurde ohne Gegenstimme angenommen. Diese ersten als solche benannten Internationalen alpine FIS-Rennen von Mürren wurden später rückwirkend als erste Alpine Skiweltmeisterschaften anerkannt.

Weitere Tagungspunkte Der Bewerbung des Deutschen Skiverbandes zur Austragung der internationalen FIS-Wettkämpfe von 1931 in Oberhof in Thüringen wurde entsprochen. Prinzipiell wurde durch die Delegierten der nationalen Skiverbände der Beschluss zur sportlichen Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Lake Placid in den USA gefasst. Lake Placid wurde auch als Ort des nächsten Skikongresses 1932 vorgemerkt. Eine endgültige Beschlussfassung wurde auf die Tagung in Oberhof verschoben, da die Abhaltung des Kongresses von massiven finanziellen Unterstützungen bezüglich der Unterkunfts- und Überfahrtskosten abhängig gemacht wurde und die Verhandlung darüber noch nicht abgeschlossen werden konnten. Der Delegierte des US-amerikanischen Skiverbandes, Fred Harris, stellte die Gründung eines diesbezüglichen Fonds in Aussicht. Für den Fall des Scheiterns der Subventionen wurde als Ersatzort die französische Hauptstadt Paris bestimmt. Als zweiter stellvertretender Vorsitzender der FIS wurde einstimmig der deutsche Peter Frey gewählt. Der einzige Gegenkandidat Pierre Minelle (Frankreich) erklärte nach längerem persönlichem Bemühen des tschechoslowakischen Delegierten Moser aus Rücksichtnahme darauf, dass die nächsten FIS-Rennen in Deutschland stattfinden, seinen Verzicht und stimmte hernach selbst für Frey. Der Deutsche Skiverband wurde mit der Ausarbeitung eines Wettlaufentwurfs für die Organisation von Staffelläufen beauftragt, der dem Kongress 1932 vorgelegt werden sollte. Der Antrag des tschechoslowakischen Skiverbandes auf Neuformulierung der Bewertungskriterien für die Nordische Kombination mit stärkerer Berücksichtigung des Skilanglaufes blieb unerledigt. Bezüglich der Regelung der Amateurfrage wurde beschlossen an der geltenden Reglementierung festzuhalten. Damit war es Athleten die mit dem Skilauf Geld verdienten (z. B. Skilehrer), im Gegensatz zu den Olympischen Winterspielen des IOC auch weiterhin erlaubt an internationalen FIS-Rennen teilzunehmen. Die Confédération internationale des étudiants wurde ermächtigt, jährlich internationale Universitäts-Skiwettkämpfe auszuschreiben und durchzuführen.

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