Die 6. Nordischen Skiweltmeisterschaften wurden vom 5. bis 10. Februar 1929 in Zakopane in Polen ausgetragen.

Geschichte Die Wettbewerbe wurden damals offiziell als Internationale FIS-Rennen bezeichnet und hatten nicht den Status einer Weltmeisterschaft. Inoffiziell wurde vor allem in den Medien und interessierten Sportkreisen aber bereits von weltmeisterschaftswürdigen Veranstaltungen, vielmehr aber noch von ebenso inoffiziellen Europameisterschaften im Skilauf gesprochen. Der polnische Skiverband und Zakopane wurde zum ersten Mal mit der Ausrichtung eines großen FIS-Rennens betraut, in den Jahren 1939 und 1962 bekam der polnische Kurort dann auch die Ausrichtung der dann schon offiziellen Weltmeisterschaften zugesprochen.

An den Wettbewerben nahmen insgesamt fünfzehn Verbände aus vierzehn Staaten, größtenteils aus West- und Mitteleuropa sowie Skandinavien teil. Während der Wettläufe der FIS beherbergte Zakopane zusätzlich zum Tross der Aktiven und Betreuer noch etwa 25.000 Kurgäste, sodass in der kleinen polnischen Stadt ein buntes und regen Treiben herrschte.

Wettbewerbe Auf dem Programm standen wie schon bei den vorangegangenen FIS-Rennen von 1927 in Cortina und den Olympischen Winterspielen 1928 in der Schweiz die traditionellen nordischen Skiwettbewerbe im Langlauf über 18 und 50 km, der Sprunglauf und die Nordische Kombination.

Auf dem FIS-Kongress anlässlich der Olympischen Winterspiele in St. Moritz wurde im Februar 1928 auf Antrag von Arnold Lunn auf internationale Anerkennung von Abfahrt und Slalom beschlossen, den nationalen Verbänden zu erlauben, "versuchsweise" Rennen nach den sogenannten "British Rules" durchzuführen. Der polnische Skiverband machte davon anlässlich der FIS-Rennen in Zakopane Gebrauch und führte damit erstmals alpine Wettbewerbe im Rahmen der Internationalen FIS-Rennen durch. Aus heutiger Sicht würde man diese Bewerbe als Demonstrationssportarten bezeichnen.Ski alpin, Wo alles seinen Anfang nahm. In: Jungfrau Zeitung vom 16. Dezember 2012, jungfrauzeitung.ch, abgerufen am 4. Oktober 2023

Zum damaligen Programm der FIS-Rennen zählte auch der Militärpatrouillenlauf. Als die FIS ihren einmal jährlich ausgeschriebenen großen internationalen Rennen nachträglich den Status von Weltmeisterschaften verlieh, wurden jedoch nur noch die traditionellen Wettbewerbe als offiziell bezeichnet. Der Militärpatrouillenlauf blieb dabei ebenso außen vor wie die beiden alpinen Abfahrtsläufe.

Programm DatumUhrzeit (MST)HerrenDamen Dienstag, 5. Februar Skilanglauf: Dauerlauf 50 km Mittwoch, 6. Februar Ski Alpin: Abfahrt Donnerstag, 7. Februar Skilanglauf: Einzel 7 km Freitag, 8. Februar Skilanglauf: Einzel 18 km Nordische Kombination: Skilanglauf 18 km Samstag, 9. Februar vormittags Militärpatrouillenlauf nachmittags Nordische Kombination: Sprunglauf K-60 Sonntag, 10. Februar Skispringen: Sprunglauf K-60

Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: HDW Hauptverband Deutscher Wintersportvereine der Tschechoslowakischen Republik SL RČS Verband der Skifahrer der Tschechoslowakischen Republik (Svaz lyžařů Republiky československé)

Teilnehmer An den FIS-Rennen von 1929 in Zakopane nahmen insgesamt fünfzehn nationale Skiverbände aus vierzehn Staaten teil. Die Tschechoslowakei war erneut mit beiden Verbänden, dem tschechischen SL RČS und dem deutschböhmischen HDW vertreten. Großbritannien war mit neun Sportlern bei den alpinen Bewerben beteiligt, hatte aber auch drei Mann für den Sprunglauf genannt. Frankreich nahm nur am nicht zur Weltmeisterschaft zählenden Militärpatrouillenlauf teil.

Teilnehmer an den offiziellen FIS-Wettbewerben: Europa (15 Verbände) (AÖSV)

(SL RČS) (HDW)

Teilnehmer ausschließlich am inoffiziellen Militärpatrouillenlauf:

Frankreich

Tagung des Internationalen Skisportverbandes Anlässlich der FIS-Rennen hielt der Vorstand des Internationalen Skiverbandes in Zakopane eine Tagung ab und fasste folgende Beschlüsse:

Der Skiverband Lettlands wurde provisorisch als Mitglied aufgenommen. Das Beitrittsgeld wurde Lettland zur Hälfte erlassen, allerdings musste der Beschluss beim nächsten FIS-Kongress 1930 in Oslo noch offiziell anerkannt werden.

In Bezug auf die damals bevorstehenden Olympischen Spiele in Lake Placid 1932 wurde beschlossen, die Teilnahme der europäischen Verbände von finanziellen Zuschüssen Amerikas abhängig zu machen.

Die Österreichische Ski-Delegation (ÖSD) stellte einen Antrag auf offizielle Einführung von Abfahrtsläufen bei FIS-Rennen. Der Antrag wurde einer Kommission übergeben, die die Erfahrungen der einzelnen Verbände über Abfahrtsläufe sammeln und auf Grundlage dieser Ergebnisse Vorschläge für den Kongress in Oslo auszuarbeiten hatte.

Zuletzt wurde der Beschluss gefasst, beim Neubau von Skisprungschanzen deren Größe zu beschränken, um damit die großen Gefahren für die Sprungläufer zu minimieren und die Jagd nach Weitenrekorden zu unterbinden.

Medaillenspiegel Endstand nach 4 heute offiziell zur WM zählenden Wettbewerben + Nationen Platz Land 20px 20px 20px 40px 1 2 2 1 5 1 2 2 1 5 3 0 0 2 2

+ Sportler Platz Sportler Nation 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 Anselm Knuuttila 1 1 0 2 Veli Saarinen 1 1 0 2 3 Sigmund Ruud 1 0 0 1 Hans Vinjarengen 1 0 0 1 5 Kristian Johansson 0 1 0 1 Ole Stenen 0 1 0 1 7 Hjalmar Bergström 0 0 1 1 Esko Järvinen 0 0 1 1 Hans Kleppen 0 0 1 1 Olle Hansson 0 0 1 1

Skilanglauf Männer Detaillierte Ergebnisse 18 km Platz Sportler Land Zeit 1 Veli Saarinen 1:20:03,0 h 2 Anselm Knuuttila 1:20:40,0 h 3 Hjalmar Bergström 1:21:28,0 h 4 Olle Hansson 1:23:03,0 h 5 Hagbart Haakonsen 1:23:36,0 h 5 Gustaf Jonsson 1:23:36,0 h 7 Väinö Liikkanen 1:23:43,0 h 8 Ernst Krebs 1:25:12,0 h 9 Franz Donth (HDW) 1:25:42,0 h 10 Walter Bussmann 1:26:11,0 h Datum: Freitag, 8. Februar 1929

Streckenverlauf: Die Strecke führte beginnend östlich von Zakopane auf einem Rundweg über die umliegenden Hänge. Der Start befand sich in einer Höhe von 920 m. Die ersten drei Kilometer senkte sich die Loipe kontinuierlich ab, um dann wieder auf 1100 Meter zu steigen. Nach dem Anstieg hatten die Läufer eine Abfahrt auf eine Höhe von 860 m vor sich, an die sich eine längere ebene Streckenführung anschloss. Nach einer erneuten Steigung auf 975 m senkte sich der Verlauf der Strecke wieder bis zum Ziel ab. Insgesamt wies die Strecke eine Höhendifferenz von etwa 220 m auf. Die Schneelage war gut, sodass die Strecke abgesehen von den Temperaturen von −15 °C, keine allzu große Herausforderung an die Kräfte der Bewerber stellte.

Teilnehmer: 55 gestartet; 40 gewertet. Die insgesamt 98 Teilnehmer von zwölf Verbänden wurden gemäß der Ausschreibung in zwei Klassen gewertet, in jener der Speziallangläufer und jener der Kombinationslangläufer.

Die drei deutschen Vertreter im Speziallanglauf konnten sich recht gut klassieren. Sie erhielten bei der am Vortag vorgenommenen Auslosung mit den Nummern 29 für Otto Wahl, 31 für Krebs und 75 für Helmut Schuster auch gute Startnummern. Am besten schnitt überraschend der Münchener Ernst Krebs ab, der zum ersten Mal an einer großen internationalen Konkurrenz teilnahm und sich als bester Mitteleuropäer noch vor dem bekannten Deutschböhmen Franz Donth und dem Schweizer Walter Bussmann auf dem ausgezeichneten achten Rang platzieren konnte. Wahl und Schuster lieferten ebenfalls eine ausgezeichnete Leistung ab, verpassten aber jeweils wegen Skibruchs, wodurch sie einiges an Zeit verloren, noch bessere Platzierungen.

Die Skandinavier, allen voran die Finnen, machten das Rennen erwartungsgemäß unter sich aus. Veli Saarinen erzielte die beste Zeit und verwies seinen Landsmann Anselm Knuuttila, den Gewinner des Dauerlaufes, um 37 Sekunden auf den zweiten Platz. Die schwedischen Vertreter fielen wieder überraschend positiv auf und krönten ihre Leistung mit dem dritten Platz durch Hjalmar Bergström. Der einzige Vertreter Norwegens Hagbart Haakonsen kam auf den fünften Rang.

50 km Platz Sportler Land Zeit 1 Anselm Knuuttila 3:50:01,0 h 2 Veli Saarinen 3:53:23,0 h 3 Olle Hansson 3:53:30,0 h 4 Väinö Liikkanen 3:56:15,0 h 5 Gustaf Jonsson 3:58:07,0 h 6 Hjalmar Bergström 3:59:05,0 h 7 Leif Skagnaes 4:02:43,0 h 8 Franz Donth (HDW) 4:04:39,0 h 9 Ole Stenen 4:11:51,0 h 10 Josef Německý 4:19:05,0 h Datum: Dienstag, 5. Februar 1929 Teilnehmer: 41 genannt; 32 gestartet, 28 gewertet.

Als erster Wettbewerb kam bei mäßigen Schneeverhältnissen und einer Temperatur von −7° °C der Dauerlauf über 50 km zur Austragung. Die Strecke säumten einige Tausend Zuschauer, als geladene Gäste im Zielbereich fanden sich viele Militärattachés aus dem europäischen Ausland.

Erwartungsgemäß belegten die Skandinavier die vorderen Plätze. Der Finne Anselm Knuuttila gewann seine erste und einzige Goldmedaille bei einem Großereignis, sein Landsmann Veli Saarinen errang mit der Silbermedaille den zweiten Erfolg nach seinem dritten Rang von den Weltmeisterschaften 1926 in Lahti über 50 km. Der dritte Platz ging an den Schweden Olle Hansson. Etwas enttäuschend war das Abschneiden der favorisierten Norweger deren beste Läufer erst auf den Rängen sieben und neun ins Ziel kamen.

Als bester Mitteleuropäer klassierte sich der Deutschböhme Franz Donth auf dem achten Rang. Gute Plätze belegten auch sein tschechoslowakischer Landsmann Josef Německý sowie der Schweizer Walter Bussmann.

Die deutsche Mannschaft versäumte den Wettbewerb, weil sie auf der Anreise von Klingenthal in Sachsen nach Zakopane den Anschlusszug verpasste. Von deutscher Seite waren Helmut Schuster, Hans Bauer, Otto Wahl und Fritz Pellkofer für den Wettbewerb genannt worden.

Skispringen Männer Detaillierte Ergebnisse Großschanze Platz Sportler Land Weite 1 Weite 2 Note 1 Sigmund Ruud 57,0 m 55,0 m 227,2 2 Kristian Johansson 56,0 m 56,0 m 225,2 3 Hans Kleppen 57,0 m 55,0 m 223,8 4 Alois Kratzer 53,0 m 56,0 m 220,0 4 Hans Vinjarengen 55,0 m 53,5 m 220,0 6 Arne Busterud 53,0 m 55,0 m 217,1 7 Christian Holmen 52,0 m 55,5 m 215,3 8 Paavo Nuotio 48,0 m 53,0 m 210,3 9 Erich Recknagel 50,0 m 53,5 m 209,2 10 Bronisław Czech 50,0 m 53,5 m 208,7 Datum: Sonntag, 10. Februar 1929 Sprunganlage: Wielka Krokiew Teilnehmer: 57 genannt; 49 gestartet, 41 gewertet.

Die Krokiew-Schanze liegt etwa fünfzehn Minuten vom Zentrum Zakopanes entfernt und zeigte 1929 folgende Charakteristika: Der Anlauf hatte eine Länge von 93 Meter, die Neigung betrug 30 Grad und die Aufsprungbahn zeigte eine Weite von 135 Meter. Für die Zuschauer gab es eine große Tribüne, die aufgrund der grimmigen Kälte mit nur 5.000 Zuschauern nicht ausgefüllt war.

Der Sprunglauf fand am Sonntag zu Mittag bei etwa −34 °C Kälte statt und wurde unter anderem live durch den Wiener Sender im Radio übertragen. Die Schanze zeigte sich in einem hervorragenden Zustand. Die Anlaufspur war durch die Sprünge vom vortägigen Kombinationsspringen schneller geworden, wodurch größere Weiten erzielt werden konnten. Bei einem Probetraining am Mittwoch zeigten sich die favorisierten Norweger, allen voran Hans Vinjarengen und Sigmund Ruud in bestechender Form. Einen guten Eindruck hinterließen dabei auch die deutschen Springer, angeführt vom Thüringer Erich Recknagel, sowie die polnischen und tschechoslowakischen Vertreter.

Im Wettbewerb selbst dominierten wiederum die Norweger, die ihre Sprünge in vorbildhafter Haltung ausführten. Sigmund Ruud gewann die Konkurrenz mit Sprüngen über 57,0 und 55,0 Meter vor seinen Landsleuten Kristian Johansson und Hans Kleppen. Außer Konkurrenz stellte Ruud mit einem Sprung über 71,5 Meter einen neuen Schanzenrekord auf.

Zum besten Mitteleuropäer avancierte Alois Kratzer als Vierter, der mit seinen Weiten von 53 und 56 Metern die norwegische Phalanx durchbrechen konnte. Das hervorragende Abschneiden der deutschen Mannschaft komplettierte Erich Recknagel mit Platz neun. Thannheimer und Müller platzierten sich in den Top Zwanzig.

Nordische Kombination Detaillierte Ergebnisse Einzel (Normalschanze/18 km)