Als Pelzinnenfutter (bzw. Pelz-InnenfutterVgl. etwa www.kuerschner-innung.de.) oder Pelzfutter wird die Ausfütterung textiler oder lederner Produkte mit Fell bezeichnet, in der Hauptsache sind dies Wintermäntel und -jacken. Als Futter bleibt der Pelz dabei verborgen, als Verbrämung am Rand, als zusätzlicher Kragen oder Manschetten kann er jedoch gezeigt werden.
Neben den Bauern- und Hirtenmänteln aus Lammfell oder Ziegenfell waren Innenfutter, zusammen mit dem Besetzen (Fellkragen und ‑verbrämungen), vom frühen Mittelalter bis zum Aufkommen der modernen Pelzmode, die nahezu ausschließliche Verwendung von Pelzfellen. Einen kurzfristigen Modewandel mit einer wechselnden Bevorzugung bestimmter Pelzarten gab es ebenfalls erst, als im 19. Jahrhundert begonnen wurde, den Pelz als Pelzmantel oder Pelzjacke mit dem Haar nach außen zu tragen.
Allgemein Pelzfutter können fest eingearbeitet sein, mit Knöpfen oder Druckknöpfen ausknöpfbar oder durch einen Reißverschluss oder Klettband ausreißbar, so dass das Stoffteil auch noch bei wärmerem Wetter getragen werden kann. Gleichzeitig ermöglicht dies das getrennte Reinigen von Pelz und Stoff. Oft gehört auch ein zusammen mit dem Futter oder separat abzunehmender Pelzkragen dazu. Da das Pelzfutter häufig langlebiger ist als die ihn umgebende Textilie, kann der Überzug gegebenenfalls ersetzt werden, modernisiert entsprechend den neuen Ansprüchen des Trägers an Stoffart und Farbe. Bei einem bis zu den Vorderkanten mit Fell gefütterten Kleidungsstück, bei dem das Fell die Kanten umbrämt, sieht in der Regel ein fest mit dem Stoff verbundenes Pelzfutter perfekter aus. Eine Praktikerin der Pelzinnenverarbeitung bemerkte 1958 resignierend über das herausnehmbare Pelzfutter: „Leider muss man aber feststellen, dass die vollkommenste Lösung noch nicht gefunden wurde und es bereitet manches Kopfzerbrechen, diese Verarbeitung ebenso schön wie praktisch zu gestalten“.
Eine Variante der fellgefütterten Kleidung ist der Wendepelz, auf der einen Seite ein auch nach außen tragbarer Stoff, auf der Gegenseite Fell. Ganz gelegentlich werden als modische Highlights auch Wendejacken oder -mäntel hergestellt, die anstelle Stoff, auf der Gegenseite eine meist kontrastierende zweite Fellart aufweisen. Im Februar 1770 zeigte sich die Herzogin von Chartres beim Pariser Opernball in einem Umhang mit einer zwei Meter langen Schleppe, innen und außen aus Zobel.Francis Weiss: Das Debut des Pelzmantels. In: Marco – Information des Hauses Fränkische Pelzindustrie Märkle & Co., Messen 1974, S. 40. Die Schauspielerin Romy Schneider besaß einen Mantel, eine Seite aus cognacfarbenem Lakoda-Seal, die andere aus Wildnerz.
Pelzfutter sind entweder aus ganzen Fellen gearbeitet, wie Bisam, Nutria, Lamm, Feh oder Hamster, oder aber sie bestehen aus Fellteilen, den Pelzstücken genannten „Abfällen“ der Fellverarbeitung, wie Pfoten, Köpfen, Seiten oder sonstigen Fellteilen. Teils auch kleinste Fellreste finden noch eine Verwertung, zumeist für Pelzfutter. Das Zentrum der europäischen Pelzstückenverarbeitung befindet sich in und um die griechische Stadt Kastoria und dem naheliegenden, kleineren Ort Siatista.
Besonders bezeichnet wurden in der Vergangenheit: Der Kürsen oder Kursen, im Mittelhochdeutschen der Name für einen Pelzrock. Auch Kursit (mhd. kursît, Kursat) war gebräuchlich und bezeichnete sowohl den Pelzoberrock als auch den über der Rüstung getragenen Waffenrock, sofern er mit Pelz gefüttert war. Die Pelisse, im Spätmittelalter ein von Männern und Frauen getragenes pelzverbrämtes oder zusätzlich pelzgefüttertes Ober- oder Übergewand. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts ein weiter, capeartiger Mantel oder Umhang aus Satin oder Samt, etwa knielang und mit Armschlitzen versehen. Auch der Dolman der Husarenuniform, das kurze, pelzverbrämte Cape, wird in Frankreich Pelisse genannt. In Österreich-Ungarn nannte man diesen Überwurf Mente, in Deutschland hieß er einfach Pelz. Der Gehpelz, auch Stadtpelz, ein eleganter Herrenwintermantel mit Pelzbesatz und Pelzfutter. Die Winter-Mozetta, ein bis zu den Ellenbogen reichender, über dem Chorhemd getragener Schulterkragen, in der Regel für höhere Geistliche der katholischen Kirche, meist mit Hermelinfell gefüttert.
Sonst benutzte und verwendet man noch die üblichen Kostümbezeichnungen wie Rock, Kleid, Mantel usw. und fügte bei einer genaueren Beschreibung hinzu, ob sie mit Pelz gefüttert oder verbrämt sind. Mit Pelz gefüttert werden bei Mänteln und Jacken meist nur der Rumpf, entweder zurückgesetzt bis zum Stoffinnenbeleg, oder aber als Verbrämung bis zur Vorderkante bei gleichzeitigem Besetzen des Kragens, die Ärmel erhalten in der Regel nur ein wärmehaltendes Zwischenfutter. Ärmellose Capes, Mützen, Handschuhe, Muffe, Schuhe, Fuß- und Schlafsäcke können ebenfalls mit Fell ausgefüttert werden, wobei hier fast immer eine Verbrämung den Pelz sichtbar werden lässt.
Pelzfutter können auch lose gearbeitet sein, variabel unter verschiedene Kleidungsstücke zu tragen. Vor allem bei den während der beiden Weltkriege produzierten Unterfuttern für die Soldaten war dies der Fall. Im zivilen Bereich wurden bevorzugt Hamsterfutter auch lose, ohne unnötige Weite, gearbeitet, die als „Hamsterhemden“ bekannt wurden.
Die Herstellung der für die Pelzmäntel benötigten Stoffjacken und Mänteln unterlag bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts den Schneidern. Noch bis nach dem Mittelalter war es den Kürschnern untersagt, die WinterenveloppenP. N. Sprengels Künste und Handwerke in Tabellen. 2. Sammlung, 2. Auflage, Verlag der Buchhandlung der Realschule, Berlin 1782, S. 456. (von englisch „envelop“ = einhüllen), in der Pelzbranche heute noch Hüllen genannten, Stoffteile, selbst herzustellen, genauso wie es den Schneidern verboten war, Pelzfutter zu arbeiten oder auch nur einzuarbeiten, Verstöße wurden unnachgiebig verfolgt. In der Zunftordnung der Kürschner zu Deggendorf stand 1459: „Item so wollen wir auch, das der Schneider den [das] Kürschnerhandwerk unter kein Gewand nicht ziehen noch das nicht verbrämen soll. Welcher aber das überführe und darmit erfunden und begriffen würde, derselb Schneider soll das unsern Herren vom Rate wandlen und abtragen mit ½ Pfund Regensburger Pfennig, ohne alle Gnade zu geben.“Karl Schädler: Die Zunftordnung der Kürschner zu Deggendorf vom 7. Juni 1459. In: Die Pelzwirtschaft Nr. 8, Berlin 8. August 1962, S. 24–25. – Nicht nur zwischen Kürschnern und Schneidern gab es Auseinandersetzungen. Im Jahr 1857 wurde im Braunschweigischen ausdrücklich festgelegt, dass die Kürschner neben den Schuhmachern berechtigt sind, pelzgefütterte Überziehstiefel anzufertigen und feilzuhalten.Gesetz- und Verordnungs-Sammlung für die herzoglich Braunschweigischen Lande. Band 44, S. 55.
Mit Pelzfuttern wurde überwiegend die Männerkleidung ausgestattet. Das Einfüttern galt als eine besonders schwierige, verantwortungsvolle Tätigkeit. In einem Bericht eines Kürschners über die bereits sehr differenzierte Arbeitsteilung in der US-amerikanischen Pelzherstellung hieß es 1902 erstaunt: „Sogar Herrenpelze werden meistens durch Arbeiterinnen eingefüttert“.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. I. Teil, Nr. 3–4, Kapitel Das Kürschnerhandwerk. Verlag Larisch und Schmid, Paris 1902, S. 85. Auch spätere größere Reparaturarbeiten, bei denen das Futter ausgetrennt werden muss, gelten als „heikle Angelegenheit, da jede Formveränderung ein Verziehen des Futters und damit auch eine hässliche Faltenbildung hervorruft“.
Der Sohn des italienischen Schneiders Balzani erinnerte sich, wie ein „Elite-Paletot“ noch Mitte der 1930er Jahre entstand:
Folgt man Christoph Weigels Werk Abbildung der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände, dann waren es die Kürschner in Rom zu Kaiser Neros Zeiten (37–68), die als erste „Kleider mit Peltzwerk“ fütterten.Abbildung Der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände Von denen Regenten Und ihren So in Friedens- als Kriegs-Zeiten zugeordneten Bedienten an, biß auf alle Künstler Und Handwercker. S. 616–617. Jedenfalls nahm dort das Bedürfnis, sich mit dem durch germanische und gallische Tracht inspirierten Pelzwerk zu schmücken in den nächsten beiden Jahrhunderten derartig zu, dass es Kaiser Flavius Honorius (384–423) veranlasste, neben dem Tragen von rötlichem germanischem Haar auch das Tragen von Pelzwerk innerhalb der Stadt Rom zu verbieten.
Pelzfutter in höfischer, städtischer und modischer Kleidung Die Entwicklung der Pelzkleidung lässt sich zwar knapp so zusammenfassen: „Im Mittelalter fütterte der Kürschner, im Rokoko besetzte er und heute bekleidet der Kürschner“, jedoch blieb das Einfüttern von Textilkleidung mit Fell in allen Zeiten ein wesentlicher, wenn auch auf Abbildungen seltener sichtbarer Teil der Kürschnerei.
Dass das Füttern, neben dem Zurichten (Gerben) der Felle einmal die wohl fast einzige Aufgabe des Kürschners war, lässt sich an alten, in manchen Ländern auch heute noch erhaltenen Berufsnamen, erkennen. Der deutsche Buntfütterer fütterte überwiegend die edlen Fellsorten ein, wie Feh (Buntwerk) und Hermelin. Der heutige französische „Fourreur“ und der englische Name „Furrier“ für den Pelzverarbeiter bedeuten ebenfalls „Fütterer“. Ein Pelz war ein mit Fell gefüttertes oder mit der Lederseite der Felle nach außen getragenes Bekleidungsstück, nicht wie im heutigen Sprachgebrauch, ein mit dem Haar nach außen gearbeitetes Teil.
Für das Mittelalter ist eine Abstufung der Art der pelzgefütterten Kleidung nach gesellschaftlichem Stand festzustellen. Die Landbevölkerung und die sich von der Jagd ernährenden hochnordischen Völker trugen den Pelz nicht mit Stoff abgefüttert, sondern entweder mit der Lederseite nach außen, oder aber in extrem kalten Gegenden die pelzene Unterkleidung mit dem Haar nach innen und einem Außenpelz darüber. Die europäische und Teile der asiatischen Stadtbevölkerung besaßen bei entsprechendem Wohlstand pelzgefütterte, pelzverbrämte oder pelzgefütterte und gleichzeitig pelzverbrämte Tuchmäntel. Je höher der Stand und wohlhabender der Besitzer, desto aufwändiger war das Stoffteil und vor allem umso teurer der Pelz. Kaiser und Könige trugen zu ihrer Proklamation bevorzugt hermelingefütterte und -verbrämte Roben, auch beim oberen Adel gehörten Roben mit Pelz zur Ausstattung. In Luxus und Kleiderpracht standen die kirchlichen Würdenträger den Feudalherren nichts nach, sie zählten zu den Hauptkäufern von Pelzen, „feinstes Pelzwerk mit Zobel-, Marder-, Hermelin-, Otter- und Biberfellen war ihnen gerade gut genug.“
Nie wieder spielte die Kleidung als Statussymbol eine so wichtige Rolle wie im Mittelalter, Kleidung zeigte Rang, Reichtum, Autorität und Macht. Es wurde sehr viel mehr Geld dafür verwendet als in späterer Zeit, in der zunehmend andere Möglichkeiten der hervorhebenden Selbstdarstellung entstanden. Festgeschrieben wurde die Rangfolge zusätzlich durch diverse Kleiderordnungen, besonders auch für die Verwendung der einzelnen Pelzarten. Die heutigen Roben lassen sich in ihrer Ausführung fast sämtlich auf das Mittelalter zurückführen. Der Pelz als Standeskleidung hat sich bis in die jüngste Zeit an verschiedenen Orten, neben den Krönungsmänteln, vor allem an Roben der Kleriker, Bürgermeister, Richter und Honoratioren der Universitäten erhalten. Die Notwendigkeit des Wärmens bei diesen, meist in geschlossenen und heute beheizten Räumen getragenen Kleidern besteht heute kaum noch. Außer vereinzelt beim Klerus wird der Pelz hier wohl nur noch als Besatz oder Verbrämung und nicht mehr zur Fütterung verwendet.
Mittelalter, Gotik (etwa 6. bis 15. Jahrhundert) mini|Eine der ältesten Kürschnerdarstellungen (Chartres, ca. 13. Jh.): Der Meister zeigt einem vornehmen Kunden zwei Pelzfutter, das obere aus Fehwamme. Dargestellt sind drei Fehfutter in verschiedener Zusammensetzung. Die Futter sind in einer Lade verwahrt, aus welcher der Lehrling sie herausreicht. mini|Der Kürschner im Hintergrund hält ein Fehfutter zum Verkauf bereit(Paris, 15. Jh.)