mini|300px|Staatenaufteilung des Landkreises vor 1922
Der Landkreis Gotha ist ein Landkreis in der westlichen Mitte Thüringens. Nachbarkreise sind im Norden der Unstrut-Hainich-Kreis, im Nordosten der Landkreis Sömmerda, im Osten die kreisfreie Stadt Erfurt, im Südosten der Ilm-Kreis, im Südwesten der Landkreis Schmalkalden-Meiningen und im Westen der Wartburgkreis.
Geografie Der Landkreis Gotha liegt im westlichen Mittelthüringen. Im Norden und Osten grenzt er an die Ausläufer des Thüringer Beckens. Das Geländeprofil variiert vom rund 200 Meter ü. NN gelegenen Tiefland im nördlichen Teil des Kreises bis zu den über 900 Meter hohen Gipfeln des Thüringer Waldes im Süden.
Im äußersten Norden des Kreises befindet sich zwischen den Gemeinden Tonna und Bienstädt die Fahner Höhe, eine Muschelkalk-Aufsattelung, deren höchste Erhebung der Abtsberg mit 413 Metern darstellt. Im Süden erstreckt sich der Landkreis bis an den Nordhang des Thüringer Waldes. Die Kreisgrenze verläuft über großen Strecken entlang des Höhen- und Wanderwegs Rennsteig. Nahe Bad Tabarz erhebt sich der Große Inselsberg, der mit 916 Metern ü. NN zu den höchsten Bergen Thüringens zählt. Im Süden des Kreises befinden sich drei große Talsperren: die Ohratalsperre, die oberhalb von Ohrdruf die Ohra anstaut, sowie die Gothaer Talsperre und die Talsperre Schmalwasser, die bei Tambach-Dietharz im Einzugsgebiet der Apfelstädt liegen.
Geologisch interessant ist das durchschnittlich etwa 450 Meter hoch gelegene Muschelkalk-Hochplateau der Ohrdrufer Platte zwischen Ohrdruf und Mühlberg im Südosten des Kreises, das zu großen Teilen seit 1906 auf einer Fläche von 49,5 km² als Truppenübungsplatz genutzt wird.
Bis auf die zum Thüringer Wald gehörenden Gebiete sowie mehrere kleinere bewaldete Höhenzüge ist der größte Teil des Landkreises unbewaldet und wird landwirtschaftlich genutzt.
Geschichte Verwaltungsgeschichte Der Landkreis Gotha wurde am 1. Oktober 1922 aus den jeweils größten Teilen der gothaischen Landratsämter Gotha, Ohrdruf und Waltershausen sowie den selbständigen Städten Ohrdruf und Waltershausen gebildet. Die Stadt Gotha bildete einen eigenen Stadtkreis und wurde Kreisstadt des Landkreises. Der Landkreis erstreckte sich im Süden bis nach Oberhof.
Gegenüber dem historischen Herzogtum Sachsen-Gotha, das sich von Zella-Mehlis und Elgersburg im Süden bis Herbsleben im Nordosten erstreckte und zu dem Exklaven wie Volkenroda bei Mühlhausen oder Werningshausen nahe Sömmerda zählten, fiel der neue Landkreis Gotha kleiner aus, denn 1922 gingen 23 Gemeinden an den neuen Landkreis Arnstadt, die Stadt Ruhla und 15 weitere Gemeinden an den Landkreis Eisenach, die Gemeinden Hohenbergen, Kleinkeula, Körner, Menteroda und Obermehler an den Landkreis Sondershausen sowie Werningshausen an den Landkreis Weimar. 1925 lebten in Stadtkreis und Landkreis Gotha zusammen rund 149.000 Menschen.
Auf dem Gebiet des 1826 in Form einer Personalunion gebildeten Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha hatten seit dem 17. Jahrhundert mehrere Amtsbezirke mit mehreren Justizämtern existiert, die 1858 in drei Landratsamtsbezirke und drei amtsfreie Städte überführt wurden. Diese Ämter waren allerdings rein staatliche Behörden – kommunale Selbstverwaltung und demokratische Legitimation (Kreistag, Wahlbeamte) existierten noch nicht. Der erste Schritt hierzu wurde 1922 getan – die damalige Gemeinde- und Kreisordnung sah zumindest den Kreisrat als vom Volk gewählte Vertretung vor. Dessen ausführendes Organ war zunächst der Kreisdirektor, die ihm unterstellte Behörde die Kreisdirektion. Veränderte Rechtsgrundlagen ließen 1926 den Landrat an die Stelle des Kreisdirektors treten.
Mit den Ermächtigungsgesetzen des NS-Regimes endete 1933 die kommunale Selbstverwaltung abrupt, ohne dass die Kreisvertretungen formell aufgehoben wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg behielten sowohl die zunächst amerikanische als auch die spätere sowjetische Militärregierung die bisherigen Verwaltungsstrukturen aus der Weimarer Zeit bei. 1946 legte schließlich die Demokratische Kreisordnung die Bezeichnungen Kreistag für die Legislative und Kreisrat für die Exekutive fest.
Am 1. Juli 1945 wurden die Gemeinden Mühlberg, Röhrensee und Wandersleben aus dem ehemals preußischen Landkreis Weißensee in den Landkreis Gotha umgegliedert.Erste Verordnung über die Kreiseinteilung des Landes Thüringen, Regierungsblatt Thüringen - Präsidialamt 1949, abgerufen im September 2022 Am 1. Oktober 1945 gab der Landkreis die Gemeinde Kleinschmalkalden an den Landkreis Schmalkalden ab.Vierte Verordnung über die Kreiseinteilung des Landes Thüringen, Regierungsblatt Thüringen, abgerufen im September 2022
Bei der ersten Kreisreform in der DDR kam es am 1. Juli 1950 zu mehreren Gebietsänderungen:1. Verordnung zur Ausführung des Gesetzes zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen im Lande Thüringen vom 26. April 1950, Regierungsblatt Thüringen - 1950, abgerufen im September 2022Ergänzung der 1. Verordnung, Regierungsblatt Thüringen, abgerufen im September 2022 Die Gemeinde Röhrensee wechselte in den Landkreis Arnstadt. Die Gemeinden Herbsleben, Kleinfahner, Kornhochheim und Töttelstädt wechselten in den Landkreis Erfurt Die Gemeinden Bischleben und Rhoda wurden in die kreisfreie Stadt Erfurt eingemeindet. Die Gemeinde Craula wechselte in den Landkreis Mühlhausen i. Th. Die Gemeinde Oberhof wechselte in den Landkreis Suhl. Die Stadt Gotha verlor ihre Kreisfreiheit und wurde in den Landkreis eingegliedert. Die Gemeinde Tröchtelborn wechselte aus dem Landkreis Weißensee in den Landkreis Gotha.
Bei der Verwaltungsreform von 1952 in der DDR wurde der Landkreis erneut verkleinert:Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe im Lande Thüringen vom 25. Juli 1952, Regierungsblatt Thüringen, 9. August 1952, abgerufen im September 2022 Die Gemeinde Burla kam zum Kreis Eisenach. Die Gemeinden Aschara, Behringen, Burgtonna, Eckardtsleben, Gräfentonna, Illeben, Reichenbach, Tüngeda und Wiegleben kamen zum Kreis Bad Langensalza. Die Gemeinden Bienstädt und Döllstedt kamen zum Kreis Erfurt-Land. Die Gemeinde Crawinkel kam zum Kreis Arnstadt. Das verbleibende Kerngebiet des Landkreises bestand als Kreis Gotha fort. Gleichzeitig wurde das Land Thüringen in die drei Bezirke Erfurt, Suhl und Gera geteilt, was auch eine Strukturreform auf Kreisebene bedeutete. Während der Kreistag in seiner Funktion erhalten blieb, wurde der Kreisrat zum Rat des Kreises umgewandelt, an dessen Spitze der Vorsitzende und drei Stellvertreter standen. Die in den 1920er-Jahren und nach Kriegsende praktizierte Trennung von Selbstverwaltung und Staatsverwaltung existierte zwar formal weiter, de facto war aber bereits 1949 mit der Gründung der DDR der Kreistag nur noch absegnendes Organ für die Beschlüsse des Rates des Kreises geworden.
zur Zeit von 1952 bis 1994 siehe Hauptartikel Kreis Gotha
Im Mai 1990 fanden seit 1946 die ersten freien Kommunalwahlen in Thüringen statt, wenig später wurde im Oktober das Land Thüringen als Freistaat wieder gegründet. 1993 trat die Thüringer Kommunalordnung in Kraft. Sie legt unter anderem die Bezeichnungen Kreistag und Landrat für die Legislativ- bzw. Exekutivorgane fest. Die Kreisbehörde heißt seit der Wende wieder Landratsamt. 1994 erlebte der Landkreis Gotha seine bislang letzte Gebietsreform: Aus dem ehemaligen Kreis Erfurt-Land kamen die Orte Gamstädt, Bienstädt, Zimmernsupra, Nottleben, Kleinrettbach, Ingersleben, Neudietendorf mit dem Ortsteil Kornhochheim, Apfelstädt, Dachwig, Großfahner, Gierstädt mit dem Ortsteil Kleinfahner und Döllstädt hinzu, vom Kreis Arnstadt die Gemeinde Crawinkel; vom einstigen Kreis Bad Langensalza wechselten die beiden Orte Gräfentonna und Burgtonna, die heute die Gemeinde Tonna bilden, in den Landkreis Gotha.
mini|390px|Einwohnerentwicklung des Landkreises Gotha von 1925 bis 2018 nach nebenstehender Tabelle Einwohnerentwicklung 235x235px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Gotha (Datenquelle: Zensus 2011) Jahr Einwohner 1925 104 178 1933 106 262 1939 111 101 1946 142 732 1994 148 437 1995 148 373 1996 148 868 1997 149 532 1998 149 625 1999 149 491 2000 148 527 Jahr Einwohner 2001 147 418 2002 146 632 2003 145 383 2004 144 833 2005 143 745 2006 142 491 2007 141 405 2008 140 041 2009 138 857 2010 138 056 2011 137 340 2012 135 376 Jahr Einwohner 2013 135 155 2014 135 381 2015 136 831 2016 135 430 2017 135 521 2018 135 452 2019 134 908 2020 134 563 2021 133 825 2022 137 321 2023 136 933 2024 135 838 Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember
Politik
Kreistag Die 50 Sitze im Kreistag verteilten sich nach der Wahl am 26. Mai 2024 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: Partei Sitze (nach der Wahl) AfD 14 (+5) CDU 12 (−1) SPD 11 (−2) BSW 6 (+6) FW 3 (−2) DIE LINKE 2 (−3) GRÜNE 1 (−2) FDP 1 (−1)
Nach der Kreisratswahl 2024 haben sich folgende Fraktionen gebildet: Fraktion Linke-Grüne – 3 Sitze Fraktion BSW – 4 (erst 6) Sitze Fraktion AFD – 14 Sitze Fraktion CDU – 13 Sitze Fraktion SPD – 11 Sitze Fraktion Freie Wähler – 3 Sitze fraktionslos – 2 Sitze (Werteunion) Eine Kreisrätin und ein Kreisrat des BSW wechselten bereits im Juni 2024 zur Werteunion, die bisher im Kreistag nicht vertreten war.
Landrat Landrat des Kreises Gotha ist seit 1. Juli 2018 Onno Eckert (SPD).
Ehemalige Kreisdirektoren, Landräte und Vorsitzende des Rates des Kreises Gotha seit 1922: 1922 Max Friedrich Jungherr (kommissarischer Kreisdirektor) 1922–1924 Edmund Christian Georg Koch (Kreisdirektor; SPD) 1924–1933 Louis Leutheusser (Kreisdirektor, ab 1926 Landrat; DNVP) 1933–1945 Ernst Guyet (Landrat; parteilos, später NSDAP) 1945 Hans Echarti (Landrat; parteilos) 1945–1949 Arthur Luck (Landrat; SPD/SED) 1949–1950 Kurt Hecht (Landrat; SED) 1950–1951 Elisabeth März-Wesenick (Landrat; SED) 1951–1953 Hugo Gräf (Landrat, später Vorsitzender des Rates des Kreises; SED) 1953–1958 Fritz Singer (Vorsitzender des Rates des Kreises; SED) 1958–1960 Herwig Roos (Vorsitzender des Rates des Kreises; SED) 1960–1966 Karl Hupe (Vorsitzender des Rates des Kreises; SED) 1966 Herbert Korb (amtierender Vorsitzender des Rates des Kreises; SED) 1966–1981 Rudolf Kornagel (Vorsitzender des Rates des Kreises; SED) 1981–1990 Wolfgang Schädel (Vorsitzender des Rates des Kreises; SED) 1990 Günter Hertel (amtierender Vorsitzender des Rates des Kreises; SED) 1990–2000 Dieter Reinholz (Landrat; CDU) 2000–2005 Siegfried Liebezeit (Landrat; SPD) 2005–2018 Konrad Gießmann (bis 2006 amtierender Landrat, ab 2006 Landrat; CDU)
Wappen Wappenbeschreibung: Geteilt von Silber und Rot; oben das Schloss Friedenstein in Silber und mit schwarzen Dächern; unten über einem von Silber und Schwarz geschliffenen sechsstrahligen Stern ein silberner Wellenbalken.
Das herzogliche Schloss Friedenstein mit den markanten unterschiedlichen Türmen, das 1993 seine 350-jährige Grundsteinlegung feierte, steht als Symbol für das Gothaer Land. Der silberne Wellenbalken symbolisiert den 1366 künstlich angelegten Leinakanal, der die Verbindung zwischen Stadt und Land darstellen soll. Der Stern ist dem Thüringer Landeswappen entlehnt und dokumentiert die Zugehörigkeit des ehemaligen Herzogtums und jetzigen Landkreises Gotha zum Freistaat Thüringen. Die Tingierung Silber/Rot steht gleichfalls für Thüringen. Die Kreisfahne des Landkreises Gotha ist weiß-rot längs gestreift und trägt das Kreiswappen.
Eine Übersicht zu den Wappen der Städte und Gemeinden des Landkreises findet man in der Liste der Wappen im Landkreis Gotha.
Wirtschaft und Infrastruktur