Vitré [] ist eine französische Gemeinde im Département Ille-et-Vilaine in der Region Bretagne. Im Bretonischen heißt sie Gwitreg. Vitré ist eine ehemalige Unterpräfektur (bis 1926) und Hauptort des Kantons Vitré mit Einwohnern (Stand ).
Sie liegt an den Toren der Bretagne und in Nachbarschaft zur Normandie, dem Maine und dem Anjou. Aufgrund ihres reichen Kulturerbes hat sie den Ruf einer „Stadt der Kunst und Geschichte“. Sie bildet das Zentrum des Gemeindeverbandes Vitré Communauté.
Geografie Die Stadt liegt an den Hängen des Flusses Vilaine und einer in Ost-West-Richtung verlaufenden Senke, die von der Eisenbahnstrecke Paris–Rennes genutzt wird. An der östlichen Grenze der Bretagne wird das Pays de Vitré von einer Schnellstraße durchquert, die die A 11 verlängert. Wie im gesamten Gebiet des Départements Ille-et-Vilaine sind die Gemeinden des Pays de Vitré über Schnellstraßen erreichbar. Vitré ist das Zentrum eines Gebietes mit etwa 90.000 Einwohnern.
Die Fläche von Vitré beträgt 3.719 ha. Vitré liegt in einer Höhe von ungefähr 89 m (Bahnhofsplatz). Die höchste Erhebung, 127 m, befindet sich im Industriegebiet „Les Ménardières“, rue Pierre et Marie Curie. Der tiefste Punkt, 67 m, befindet sich beim Schlachthof S.V.A. (Société Vitréenne d’Abattage), unter dem Viadukt der Umgehungsstraße.
Bevölkerung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2009 2017Einwohner 10.380 11.343 12.322 13.046 14.488 15.313 16.712 18.037 Quellen: Cassini und INSEE Am Ende des 14. Jahrhunderts hatte die Stadt zwischen 4.000 und 5.000 Einwohner, während Rennes und Nantes ungefähr 13 bis 14.000 Einwohner zählten. Arthur de La Borderie (1827–1901) schätzte ihre Bevölkerung um 1560 während der Renaissance auf 7.800 Einwohner, ungefähr so viel wie die Städte Vannes und Quimper. In der Zeit der Geburt von Madame de Sévigné um 1620 zählte die Stadt 7.500 Einwohner. Es scheint, dass die Bevölkerung von Vitré 1762 14.000 Einwohner erreichte, konzentriert auf das mittelalterliche Stadtgebiet von ca. 50 ha, was einer Dichte von nahezu 30.000 Einwohnern / km² entspräche. Dreifach weniger ausgedehnt als heute, zählte sie dennoch mehr Einwohner. Nach Angaben des Unterdelegierten betrug die Bevölkerung im Jahre 1762 ungefähr 14.000 Einwohner, in der Mehrzahl Handwerker für Leinen und Gestricktes.
1789, am Vortag der Französischen Revolution, erreichte die Bevölkerung 10.850 Einwohner, während Rennes mit 35.000 dreimal so viele Einwohner hatte. Die post-revolutionäre Periode zog eine deutliche Verringerung der Bevölkerungszahlen nach sich; im Jahre 1861 betrug unter der zweiten Republik die Zahl der Einwohner 8.904.
Bis zum Ersten Weltkrieg ließ ein verhaltenes, aber stetiges Wachstum die Zahl auf 10.613 (1911) ansteigen. Die Kriegsfolgen und die Wirtschaftskrise ließen die Zahl danach wieder auf 8.506 Einwohner (Erhebung von 1936) sinken. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der wirtschaftliche Aufschwung wieder zu und man zählte 1982 13.491, 1990 14.490 und 1999 15.313 Einwohner. Die drei Kantone von Vitré (Vitré-West, Vitré-Ost und Argentré-du-Plessis) zählten 1999 44.623 (42.113 Einwohner im Jahr 1990).
Geschichte mini|zentriert|800px|Burg Vitré
Ursprünge mini|Burg Vitré mini|Kirche Notre-Dame mini|Burg Vitré (Ostseite) Es scheint, dass Vitré seit der gallo-römischen Epoche bewohnt war. Der Name Vitré könnte sich von dem gallo-römischen Anthroponym Victor oder Victrix, dem Namen eines gallo-romanischen Guts, das sich in der Region befand, ableiten. Um das Jahr 1000 ernannte der Herzog der Bretagne Geoffroy I. seinen Gefolgsmann Riwallon Le Vicaire („Riwallon der Vikar“) zum ersten Baron von Vitré und erteilte ihm den Auftrag, diese strategische Region zu bewachen, die zur Pufferzone der „Bretonischen Mark“ wurde. Eine kleine Burg aus Holz wurde auf dem Hügel Sainte-Croix errichtet. Sie brannte mehrere Male ab und wurde dann den Benediktinermönchen von Marmoutier vermacht.
Eine weitere Burg aus Stein, Zeichen des relativen Reichtums des Lehnsherren, wurde 1070 von Robert I. an ihrem gegenwärtigen Standort auf einem Felsen oberhalb der Vilaine erbaut. Einige Teile hiervon sind auch heute noch sichtbar. Ein romanisches Portal existiert noch, welches alternierend aus blau-schwarzem Schiefer und rotem Granit besteht. Der Granit stammt aus einer Grube, die 15 km von der Stadt entfernt liegt, eine zu der damaligen Zeit weite Strecke. Das Portal schmückt eine verzierte Ringelblume, Zeichen der Macht des Barons. Im 13. Jahrhundert wurde die Burg vergrößert und mit mächtigen Türmen und Stadtmauern versehen. Sie nimmt in der Bauart der Burgen von Philippe Auguste die dreieckige Form des Felsens an, auf dem sie errichtet wurde.
In dieser Zeit entstand auch die Altstadt (Vieil Bourg) mit der Kirche Notre-Dame auf dem östlichen Plateau. Die Stadt wurde damit von den Burgmauern und den äußeren Kluften umgeben und die geschlossene Stadt nahm ihre gegenwärtige Form ein. Zur gleichen Zeit entstanden die „privilegierten Stadtteile“ (bourgs privilégiés), d. h. die Vorstädte, auf Wunsch des Barons um die geschlossene Stadt herum. Die Bebauung folgt überwiegend in gerader Anordnung dem Straßenverlauf, der diese Stadtviertel verbindet. Seit dem 13. Jahrhundert vereint Vitré alle Elemente einer mittelalterlichen Stadt: Burg, religiöse Bauten (Kirche, Stiftskirche) und Vorstädte.
Im 15. Jahrhundert, mit dem Fortschritt der Artillerie wie dem Bau von Schießscharten für Kanonen, wandelte sich die Burg von einem Verteidigungsbau in eine komfortable Residenz für Jeanne de Laval-Châtillon und ihre Tochter Anne de Laval. Zur gleichen Zeit entwickelte sich die Stadt und es wurden Häuser mit Holzwänden und (nichtköniglichen) Stadtpalais im Stadtinneren gebaut. Das Stadtinnere war von drei Toren (Gâtesel im Süden, Enbas im Osten und Enhaut im Westen) und einer Poterne erschlossen, wobei die Poterne eine enge Passage darstellte, durch die die Stadtmauer durchschritten werden konnte (Poterne Saint-Pierre im Norden).
Die städtischen Charakteristika dieser mittelalterlichen Viertel zeigen sich in der hohen Dichte und den gewundenen dunklen Straßen sowie einem Gassennetz, welches die einzelnen Häuserblöcke verband. Diese Straßen profitierten zwischen dem Wechsel von Sonneneinfall und Schatten. Die Straßen waren eng und undurchsichtig angelegt, um Angriffe zu erschweren. Die Häuserfassaden bestanden aus Holz oder aus Stein. Die Auskragungen (Hervorstehen der höher gelegenen Etagen über die Straße hinaus) erlaubten einen Zugewinn an Raum und boten Fußgängern Schutz vor Unwettern. Das Regenwasser wurde in einer zentralen Gosse gesammelt, um eine Verunreinigung der Holzwände zu verhindern. Das Gleiche gilt für Häuser mit Vorhallen, die dazu geeignet waren, Platz zu gewinnen, aber auch um Handelsware in den geschützten Galerien auszustellen. Die Straßennamen leiten sich häufig von der Zunft ab, die diese öffentlichen Plätze bestimmte. Beispiele in Vitré sind die Rue de la Baudrairie, in der Leder bearbeitet wurde, und die Rue de la Poterie (Töpferhandwerk).
Das historische Stadtzentrum enthält nur einen eigentlichen Platz: la Place du Marchix. Typischerweise öffnen sich die Plätze zu den religiösen, politischen oder juristischen Machtstätten. Wie der Name andeutet, befand sich der Marktplatz in der Nähe des Konvents der Benediktiner. Der aktuelle Schlossplatz war der Vorhof und damit Teil der Burg. Der Place Notre-Dame war von einer Halle besetzt, die als Halle aux Toiles („Stoffhalle“) bezeichnet wurde. Die Anwesenheit von Hallen ist Synonym des Wachstums. Vitré, prosperierende Stadt seit dem 15. Jahrhundert, gründete im Jahr 1472 eine Zunft, die den internationalen Textilhandel erlaubte. Die Blütezeit Vitrés führte zum Wohlstand der Renaissance.
15. – 19. Jahrhundert: Vom goldenen Zeitalter bis zum Niedergang der Altstadt mini|Schloss Rochers-Sevigné
Vitré war eine der florierendsten Städte des Herzogtums. Die Ausdehnung setzte sich in der geschlossenen Stadt und den Vororten fort. Sie erreichte den Höhepunkt ihres Wohlstands im 16. Jahrhundert, als die Zunft der Überseehändler ihre Hanfstoffe und Stickmustertücher in ganz Europa verkauften. Dieser Handel verlief über den Hafen von Saint-Malo, wo der Handel zwischen den südamerikanischen Kontoren und den europäischen Kontoren, insbesondere der Hanse, der großen und mächtige Handelsvereinigung des nördlichen Europas im Mittelalter, abgewickelt wurde. Das erklärt die Häuser, die großen Stadtpalais und die Elemente der Renaissance in der geschlossenen Stadt (Hôtel Ringes de la Troussannais oder auch der Kapellenkranz der Burg). Dies begründete weiterhin den Reichtum dieser zu Zünften zusammengeschlossenen Handelsleute.
Der erste Franzose, der eine Weltumrundung durchführte, war der Vitréener Pierre-Olivier Malherbe; das war ein weiteres Zeichen der Öffnung der Stadt zur Welt. Heinrich IV. kam im Jahre 1598 nach Vitré und war vom aufwändigen Lebensstil der bürgerlichen Gesellschaft beeindruckt. Während der Hugenottenkriege am Ende des 16. Jahrhunderts war die protestantische Stadt über fünf Monate von den Truppen der Liga unter dem Kommando von Herzog Philippe-Emmanuel de Lorraine belagert. In den Jahren, als Rennes von der Pest heimgesucht wurde oder aufständisch war (1655, 1671, 1697 und 1705), fanden die Versammlungen der Staaten der Bretagne in Vitré statt. Madame de Sévigné hatte zu dieser Zeit eine Residenz in der Umgebung von Vitré: Le Château des Rochers. Sie unterstützte diese Staaten und erwähnte sie oft in ihren berühmten Briefen.
Im Verlauf des 17. Jahrhunderts zogen die Barone von Vitré an den Hof von Versailles, der zu dieser Zeit eine starke Ausstrahlungskraft hatte. Die Stadt verlor ihre Bekanntheit und wurde innerhalb der Stadtmauern zu einer etwas verschlafenen Stadt inmitten einer aktiven Landschaft. Sie brach die Verbindungen zur angrenzenden Landbevölkerung ab, die sie mit Hanf und Flachs versorgte. So begann sowohl ökonomisch als auch städtisch der Abstieg von Vitré. Diese Situation spitzte sich vor allem im 18. Jahrhundert zu. Es gibt folglich wenige Bauten in dieser Epoche, mit Ausnahme einiger religiöser Gebäude wie des Augustiner-Konvents von 1620 und 1675 oder einiger Stadtpaläste wie das Hôtel Sévigné. Dieses wurde im 18. Jahrhundert auf den alten Stadtmauern erbaut, wo sich in einem Turm ein Appartement von Mme de Sévigné befand. Dieser Stadtpalast wurde dem Parlement de Bretagne nachempfunden. Diese Situation bestand das ganze 18. Jahrhundert hindurch und dann bis zum Bau der Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts. Von 1793 bis 1804 dauerte der bewaffnete bäuerliche Widerstand (Chouannerie), der das Ende der Herrschaft von Vitré und den Anfang eines neuen und wichtigen Status für die Stadt bedeutete: die Rolle als Unterpräfektur.
19. Jahrhundert: der Bau des Bahnhofes und die Ankunft des 70. Infanterieregiments mini|West-Flügel der ehemaligen Kaserne des 70. Infanterieregiments (1877) In den 1830er Jahren entschied sich die Stadt dafür, die südlichen Festungsanlagen zu schleifen, die geschlossene Stadt zu öffnen und die Übersichtlichkeit zu verbessern. Die Tore von En Haut (1835), Gâtesel (1839) und En Bas wurden abgerissen. Dies erlaubte eine Urbanisierung der geschlossenen Stadt nach Süden hin. Zu dieser Zeit wurden die großen Verkehrsadern gezogen, die heute die Hauptzufahrtsstraßen in die Stadt darstellen (Rue de Fougères im Norden, Rue de Brest im Westen, nach Rennes führend, Boulevard de Châteaubriant nach Nantes und Boulevard des Rochers nach Angers).