Neom نيوم Bauwerk Megastadt Koordinaten 28° 0' 23" N 35° 12' 9" O Staat Saudi-Arabien Provinz Provinz Tabuk Größe 26.500 km² Ankündigung 24.10.2017 Initiator Mohammed bin Salman Offizielle Website neom.com

Neom (, Eigenschreibweise NEOM) ist ein von der Regierung Saudi-Arabiens projektiertes, im Bau befindliches Siedlungsprojekt ursprünglich auf einer Fläche von 26.500 km². Es liegt im Nordwesten des Landes unweit des Golfs von Akaba an der Küste des Roten Meeres. Neom wurde 2017 vorgestellt und ist Teil des Projekts Saudi Vision 2030. Ursprünglich hatte Neom vier räumlich getrennte Bauprojekte umfasst; 2023/24 stieg deren Zahl auf 15. Das Hauptprojekt war die bis 2045 als 170 km lange Bandstadt mit neun Millionen Einwohnern geplante „The Line“. Die Projektziele für The Line galten ausländischen Beobachtern zufolge bereits früh als gescheitert und wurden von der saudischen Regierung Anfang Oktober 2025 verworfen. Weitere, zum Teil fortgeführte Projekte sind u. a. die Ferienresorts „Sindalah“ und „Trojena“.

Neom und Nachfolgeprojekte sollen ein eigenes Rechtssystem bekommen; die im übrigen Saudi-Arabien geltende Scharia soll nicht zur Anwendung kommen. Bei der Gestaltung sollen die Investoren ein bedeutendes Mitspracherecht bekommen.

Initiiert wurde das Projekt durch Kronprinz Mohammed bin Salman. Das Projekt war Gegenstand mehrerer Kontroversen um negative Umweltauswirkungen und vor allem um Menschenrechte, bei denen es um die Vertreibung der lokalen Bevölkerung, Todesstrafen, eine missbräuchliche Arbeitskultur und den Einsatz von Überwachungstechnologien ging.

Etymologie Der Name „Neom“ ist ein Kofferwort; die ersten drei Buchstaben bilden die Vorsilbe neo (-), und das „m“ steht sowohl für den Namensanfang des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman als auch für den ersten Buchstaben des Wortes für „Zukunft“ (, transkribiert: mustaqbal, Hejazi-Aussprache: [mʊsˈtaɡbal]).What does Saudi Arabia’s mega project ‚NEOM‘ actually stand for? In: al-Arabiya. 24. Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2017 (englisch).

Hintergrund Planstädte gab es in vielen Epochen der Geschichte der Menschheit, sie finden sich in der griechischen Antike, im alten China, in den spanischen Kolonialstädten des 16. Jahrhunderts ebenso wie in den Zentren vieler Großstädte der heutigen USA.

Auch in Saudi-Arabien ist es nicht das erste Mal, dass man sich zum Aufbau einer Planstadt verpflichtet hat: Zum Zeitpunkt der Projektvorstellung waren weitere vier Megastädte im Bau, darunter die King Abdullah Economic City (KAEC).

Geschichte Für Neom ist ein 26.500 Quadratkilometer großes Gebiet vorgesehen (etwas weniger als die Fläche Belgiens), das im Nordwesten des Landes am Roten Meer und an der Grenze zu Ägypten und Jordanien liegt. Neom soll eine unabhängige Wirtschaftszone werden, die über ein eigenes Rechts- und Steuersystem verfügt, aber politisch nicht souverän ist.

Neom soll seinen Energiebedarf ausschließlich aus Wind- und Sonnenkraft speisen. Das Projekt hat zum Ziel, die Wirtschaft Saudi-Arabiens unabhängiger vom Öl zu machen. 2025 soll der erste Bauabschnitt fertiggestellt sein. Dienstleistungen und Standardprozesse sollen „zu 100 Prozent automatisiert“ sein und „von Robotern ausgeführt“ werden.Peter Brors, Thomas Jahn: Klaus Kleinfelds arabisches Märchen. In: handelsblatt.com. 25. Oktober 2017, abgerufen am 30. Oktober 2017 (Artikelbeginn frei abrufbar).

Für Neom waren 2017 Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar vorgesehen, für die Saudi-Arabien garantiert. Der Großteil soll vom saudischen Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) kommen, beitragen soll auch der Börsengang von Saudi Aramco.Gabriel Knupfer: Neom: Saudi-Arabien plant die Stadt der Zukunft. In: Handelszeitung. 26. Oktober 2017, abgerufen am 1. November 2017. Um ausländisches Kapital und Investoren in das Königreich zu holen, sollen Hürden abgebaut werden. Gefördert werden sollen neue Ökonomiebereiche wie Biotechnologie, Energie und Wasser sowie die mediale Entwicklung.Saudi-Arabien plant Megastadt. In: Sächsische Zeitung. 24. Oktober 2017, abgerufen am 27. November 2018.

Der deutsche Manager Klaus Kleinfeld war von Herbst 2017 bis August 2018 an der Spitze des Projekts Neom zuständig, wo er als persönlicher Berater des Kronprinzen Mohammed bin Salman fungierte. Im August 2018 wurde er zum Chef des Verwaltungsrates von Neom berufen (Stand 2018).Caspar Busse, Paul-Anton Krüger: Ex-Siemens-Chef soll für Saudi-Arabien futuristische Megastadt planen. In: Süddeutsche Zeitung, 24. Oktober 2017, abgerufen am 24. Oktober 2018.Gerhard Hegmann: Saudi-Arabien-Affäre lässt deutsche Konzerne kalt. In: Die Welt, 13. Oktober 2018, abgerufen am 24. Oktober 2018. Am 3. Juli 2018 wurde Kleinfeld als neuer Berater von Muhammed bin Salman ab dem 1. August 2018 bekannt gegeben. Nadhmi Al-Nasr wurde ab dem 1. August 2018 sein Nachfolger als neuer Direktor von Neom.

Am 29. Januar 2019 kündigte Saudi-Arabien die Gründung einer geschlossenen Aktiengesellschaft mit dem Namen NEOM an. Das Ziel dieses Unternehmens, das sich zu 100 Prozent im Besitz des Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) befindet, ist die Entwicklung der neuen Wirtschaftszone Neom, für deren Entwicklung 500 Milliarden US-Dollar aufgebracht werden sollen.

Im Juni 2019 wurde der Flughafen Neom eröffnetNeom Bay, Saudi Arabia opens to commercial traffic und Linienverbindungen nach Riad und al-Wadschh aufgenommen.Neom Bay (NUM) flight index Erste Erdbauarbeiten für The Line begannen im November 2021 und im März 2022 gründete NEOM das Unternehmen Enowa zur Entwicklung von erneuerbaren Energien, grünem Wasserstoff und abfallfreier Entsalzung.

Am 29. März 2022 erfolgte ebenfalls die Grundsteinlegung für die Anlage der NEOM Green Hydrogen Company zur Herstellung von grünem Wasserstoff und Ammoniak. Die Leitung des Projektes, für dessen Realisierung fünf Milliarden US-Dollar veranschlagt sind, hat der niederländische Manager Peter Terium (Stand 2022).

2023 und 2024 wurden elf weitere Bauprojekte für Neom vorgestellt: Leyla, Epicon, Siranna, Utamo, Norlana, Aquellum, Zardun, Xaynon, Elanan, Gidori und Treyam.

Im April 2024 wurden Berichte veröffentlicht, dass bis zum Jahr 2030 nur etwa 2,5 Kilometer von The Line fertiggestellt werden können und weniger als 300.000 Menschen die beiden Gebäude dann beziehen können. Im Februar 2024 begann Saudi-Arabien, Kredite zur Finanzierung aufzunehmen, zudem sollen islamische Anleihen (Sukuk) ausgegeben werden.

Mit der „Moses Bridge“ (auf Deutsch etwa „Moses-Brücke“) soll ein weiteres Bauprojekt entstehen, das Ägypten über den Golf von Akaba mit Saudi-Arabien verbindet und direkt zu The Line führt. Sie würde eine Interkontinentalbrücke zwischen Afrika und Asien darstellen. Das rund vier Milliarden Dollar teure Bauvorhaben wird vollständig von Saudi-Arabien finanziert. Der Name des Projekts spielt auf die biblische Erzählung an, wonach das Rote Meer beim Exodus unter Führung Moses geteilt worden sei.

Anfang Oktober 2025 berichtete der Blick, der saudische Staatsfonds habe die Ausgaben für die Teilprojekte The Line und Magna gestoppt. Laut NZZ sei das Vorhaben zu gigantisch, um in absehbarer Zeit umgesetzt zu werden. Anne Allmeling: Der Machtbesessene. Mohamed bin Salman herrscht in Saudi-Arabien autoritärer als alle seine Vorgänger, in: NZZ vom 17. November 2025. Ein Augenmerk liege nun auf der Fertigstellung des Bergresorts Trojena. Auch nach einem alternativen Standort des in The Line geplanten Stadions für der Fußball-Weltmeisterschaft 2034 werde gesucht. Der Wertverlust Neoms bis zur Intervention soll rund 37,5 Milliarden Euro betragen haben.

Siedlungsprojekte Initiierung der Projekte (2017) mini|Küste und Inseln, Halbinsel Neom (Mitte)

Neom Bay Neom Bay sollte nach ursprünglichen Plänen eine Stadt am Golf von Akaba und der erste realisierte Teil von Neom werden. Einige Vorhaben wurden bereits realisiert, darunter der Flughafen Neom, ein Krankenhaus und ein Golfplatz. Das Projekt wird zurzeit nicht mehr vermarktet.

Oxagon Oxagon (ursprünglich Neom Industrial City genannt) ist das Projekt eines teilweise schwimmenden Industriekomplexes in Form eines Achtecks (Oktagon). Er soll etwa 25 Kilometer nördlich der Hafenstadt Duba liegen und sich über eine Fläche von etwa 200–250 Quadratkilometern erstrecken, von denen etwa 40 Quadratkilometer die Stadt bilden sollen. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf moderner Fertigung, industrieller Forschung und Entwicklung sowie dem Ausbau des Hafens von Duba. Die Pläne für den Komplex umfassen eine Meerwasserentsalzungsanlage, ein Wasserstoffwerk und ein ozeanographisches Forschungszentrum. Hier wird auch das kognitive multinationale Unternehmen Tonomus (ursprünglich NEOM Tech & Digital Company) angesiedelt sein, das als erstes Tochterunternehmen aus der NEOM hervorgegangen ist.

The Line

Im Januar 2021 wurde The Line vorgestellt. Geplant war ursprünglich eine 170 km lange Bandstadt für eine Million Einwohner. Oberhalb eines schnurgeraden unterirdischen Verkehrswegs, der nur von einer Hochgeschwindigkeits-U-Bahn sowie autonom fahrenden Fahrzeugen befahren werden soll, sollten „city modules“ entstehen, innerhalb derer kein Fußweg länger als fünf Minuten dauern soll. Oberirdischer Verkehr sollte Fußgängern und Radfahrern vorbehalten bleiben. Eine Reise mit der U-Bahn soll von einem Ende zum anderen in 20 Minuten möglich sein. Im Juli und August 2022 wurde ein Entwurf veröffentlicht, der den Ansatz der verbundenen „city modules“ verwirft und ein einziges, 170 Kilometer langes, 500 Meter hohes und 200 Meter breites Gebäude vorsieht, das Platz für nun neun Millionen Menschen bieten sollte. Dabei fand die siedlungsuntypische längliche Ausdehnung mit erhöhten Verbindungszeiten besondere Aufmerksamkeit. Motorisierten Individualverkehr sollte es nicht mehr geben; alle Wege sollen zu Fuß, mit Aufzügen oder mit der U-Bahn im Fuß des Gebäudes erledigt werden. Im Jahr 2024 wurde publik, dass die Länge der Stadt auf 2,4 Kilometer abgeändert wurde.

Sindalah

Im Dezember 2022 kündigte Neom Pläne für Sindalah an, einen 1.100.000 Kubikmeter großen Luxusresortkomplex vor der Küste der Stadt, der über einen Yachthafen mit 86 Liegeplätzen und drei Luxushotels verfügen und täglich bis zu 2400 Besucher beherbergen könnte. mini|links|500px|Links im Foto die Insel Sindalah mit Marina im Roten Meer nahe des Neom Residential Camp 01 rechts auf dem Festland (2026)

Trojena

Unter dem Namen Trojena () soll ein Winter- und Bergsport-Resort auf einer Höhe von 1500 bis 2600 Metern über dem Meer entstehen. Trojena liegt etwa 50 km von der Küste entfernt und soll eine Fläche von 57 km² einnehmen. Die Winter-Asienspiele 2029 sollen in Trojena abgehalten werden. Die Vergabe an die Retortenstadt erfolgte im Oktober 2022 durch das asiatische Olympia-Komitee. Dazu soll die Stadt bis 2026 fertiggestellt werden.

Landwirtschaft Neom plant, 6500 Hektar des umliegenden Landes in landwirtschaftliche Nutzflächen umzuwandeln und dabei in hohem Maße auf gentechnisch veränderte Nutzpflanzen zu setzen.

Projekterweiterung (2023/2024)

Aquellum Im Januar 2024 kündigte Neom Aquellum an, eine „unterirdische, digitalisierte Gemeinschaft der Zukunft“, die „die architektonischen Prinzipien umkehren wird, um sich in die Natur zu integrieren“. Das als „umgedrehter Wolkenkratzer“ beschriebene Gebäude wird in einen 450 m hohen Berg gegraben und über einen Unterwasserplatz zugänglich sein.

Epicon Das am Golf von Akaba geplante Luxushotel Epicon soll aus zwei futuristischen Türmen bestehen, von denen einer 225 Meter und einer 275 Meter hoch sein wird. Die Türme sollen 41 Zimmer mit 14 Suiten und Apartments umfassen. Nicht weit vom Hotel entfernt ist das Epicon-Resort mit 120 Zimmern und 45 Strandvillen geplant.

Leyja