Prichsenstadt ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.

Geografie Geografische Lage Die Stadt (ostfränkisch Brieschdi) liegt im fränkischen Weinland zwischen Main und Steigerwald. Durch die Gemeindeteile Bimbach, Brünnau, Neuses am Sand, Stadelschwarzach und Laub fließt die Schwarzach. Durch die Stadt fließt der Altbach und der Beibach.

Geologisch bildet Prichsenstadt den südlichen Endpunkt der Wipfeld-Prichsenstädter Störungszone. Dabei handelt es sich um eine herzynisch streichende, tektonische Verwerfung. Sie weicht von den typischen geologischen Lagerungsverhältnissen Unterfrankens ab.

Stadtgliederung mini|hochkant=1.4|Die Gemeindeteile der Stadt Prichsenstadt Prichsenstadt ist in elf Gemarkungen aufgeteilt und hat 18 Gemeindeteile: Gmkg.-schl.Gemarkung Flächeha Einwohner1.11.2007. Hierbei ist Kirchschönbach nur einschließlich Riedern mit 389 Einwohnern vermerkt. Der Anteil der Gemarkung wird nach der Volkszählung von 1987 auf 12 geschätztGemeindeteil(e)1130Prichsenstadt 642,73 949 Prichsenstadt, Lohmühle, Schnaudersmühle, Wiesenmühle1132Altenschönbach 562,41 390 Altenschönbach, Lochmühle1117Bimbach 279,65 163 Bimbach, Erhardsmühle1115Brünnau 299,50 200 Brünnau, Stolzenmühle1145Rüdern 634,14 12 Rüdern, Ilmbach1114Järkendorf 338,42 112 Järkendorf1131Kirchschönbach 443,90 377 Kirchschönbach1128Laub 575,54 268 Laub1118Neudorf 209,49 118 Neudorf1116Neuses am Sand 300,97 127 Neuses am Sand1129Stadelschwarzach 599,64 525 Stadelschwarzach Stadt Prichsenstadt 4886,39 3251 9 Ortsteile

Alle Gemarkungen mit Ausnahme von Rüdern waren früher selbstständige Gemeinden. Rüdern wurde 1870 weitgehend abgesiedelt und nach Kirchschönbach eingemeindet. Kirchschönbach (einschließlich Rüdern) sowie die acht übrigen Gemeinden wurden 1972 im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Prichsenstadt eingemeindet.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Oberschwarzach, Geiselwind, Wiesentheid, Volkach und Lülsfeld.

Naturschutz In der Stadt Prichsenstadt spielt die Förderung der Land- und Forstwirtschaft traditionell eine bedeutende Rolle, während der Naturschutz eine eher untergeordnete Stellung einnimmt. Dennoch befinden sich innerhalb des Stadtgebiets mehrere kleine Schutzgebiete.

Drei Naturwälder liegen im Staatswaldkomplex östlich von Altenschönbach, ein weiterer befindet sich östlich von Neudorf. Der Naturwald Ilmbacher Wald (Nummer 4520) erstreckt sich über etwa 13 Hektar und zählt damit zu den größten Naturwäldern im Landkreis Kitzingen. Weiter nördlich liegt der Naturwald Höllgrund (Nummer 4530) mit einer Fläche von 3,53 Hektar, der durch seinen seltenen Waldbestand aus Edellaubholz und Buche besonders schützenswert ist. Der Naturwald Krackentännig, 2,63 Hektar groß, liegt an der Stadtgrenze östlich von Neudorf und zeichnet sich durch einen seltenen Bestand aus Eschen und Schwarzerlen aus. Innerhalb des Stadtgebiets befindet sich zudem der Naturwald Ebener Trieb mit einer Fläche von 1,11 Hektar.

Darüber hinaus sind die beiden Naturdenkmäler Galgensee und Harfenföhre hervorzuheben. Der Galgensee liegt westlich von Prichsenstadt an der Verwaltungsgrenze zu Wiesentheid. Als Feuchtbiotop mit Teich- und Sumpflandschaft steht er aufgrund seiner ökologischen Bedeutung unter Schutz, um die charakteristische Tier- und Pflanzenwelt zu bewahren. Die Harfenföhre, ein weiteres Naturdenkmal, befindet sich östlich des Prichsenstädter Ortsteils Altenschönbach.

Zudem liegen Teile des Stadtgebiets innerhalb des Naturparks Steigerwald.

Geschichte mini|Westtor

Bis zum 19. Jahrhundert In einer Urkunde der Grafen zu Castell wurde Prichsenstadt 1258 zum ersten Mal erwähnt, als die Grafen dem Ritter Heinrich von 'Briesendorf' es als Kämmererlehen übertrugen. Die Ritter saßen auf dem Schloss Prichsenstadt. 1367 erhielt Prichsenstadt die Stadtrechte von Kaiser Karl IV. verliehen. Anschließend ging es in den Besitz seines Sohnes König Wenzel von Böhmen über. Nach einigen Auseinandersetzungen gelangte der Ort in den Besitz der Burggrafen von Nürnberg, später die Markgrafen von Brandenburg. Mehrmals war die Stadt schweren Zerstörungen ausgesetzt: 1492 durch den Würzburger Bischof Johann III. von Grumbach und 1632 durch kaiserliche Truppen vom Lager Wallensteins sowie in den folgenden Jahren durch umherziehende plündernde Haufen. 1803 kam Prichsenstadt vom 1792 preußisch gewordenen Fürstentum Ansbach, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag, an das Kurfürstentum Bayern.

Jüdische Gemeinden Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien im Ort ansässig, die eine jüdische Gemeinde bildeten und in der Freihofgasse eine Synagoge und ein Schulhaus errichteten. Beide Gebäude wurden beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern verwüstet, sie werden seither für andere Zwecke genutzt. An der Friedhofsmauer erinnert eine Gedenktafel an dieses Geschehen und an die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Einwohner in der Shoa.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 184 Neben der jüdischen Gemeinde in Prichsenstadt bestanden in den heutigen Ortsteilen Altenschönbach, Brünnau, Järkendorf und Kirchschönbach Kultusgemeinden.

Wüstungen und Eingemeindungen Im 15. Jahrhundert wurde das Dorf Kleinschönbach aufgegeben und die Bewohner zogen in das befestigte Prichsenstadt. Bis zur Gebietsreform in Bayern gehörte Prichsenstadt zum Landkreis Gerolzhofen. Dieser wurde am 30. Juni 1972 aufgelöst und die bis dahin selbstständigen Gemeinden Altenschönbach, Bimbach, Brünnau, Järkendorf, Kirchschönbach, Laub, Neudorf, Neuses am Sand und Stadelschwarzach nach Prichsenstadt eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2833 auf 3050 um 217 Einwohner bzw. um 7,7 %. 2006 hatte die Stadt 3240 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik Stadtrat Der Stadtrat hat 16 Mitglieder. Er setzt sich nach den Kommunalwahlen seit 2014 wie folgt zusammen: Parteien und Wählergemeinschaften202620202014AnteilSitzeSitzeSitzeCSUChristlich-Soziale Union in Bayern44,40767UWGFreie Bürgergemeinschaft (FBG)28.50444UWGLauber Wählerliste (LWL)16,40330GrüneBündnis 90/Die Grünen6,30110UWGLebenswerte Heimat (LH)4,40100UWGStadelschwarzacher Ortsliste (STOL)0,00022SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands0,00003Gesamt100,0161616Wahlbeteiligung in %74,1073,50

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit der Kommunalwahl 2026 Roland König (Lauber Wählerliste). Er wurde in der Stichwahl mit 60,7 % der gültigen Stimmen gewählt. Qua Amt ist er zusätzliches Mitglied des Stadtrats.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler

In der Stadt Prichsenstadt und ihren Gemeindeteilen hat sich eine Vielzahl an Baudenkmälern erhalten, die aus nahezu allen Kunstepochen seit dem Mittelalter stammen. Die meisten dieser Denkmäler befinden sich in der Kernstadt. In allen größeren Dörfern der Umgebung sind Schlösser und Burgen erhalten, die auf die ehemals herrschaftliche Zersplitterung der Region hinweisen. Die unterschiedlichen Errichtungsumstände der Dorfkirchen geben Hinweis auf die jahrhundertelange konfessionelle Spaltung des Steigerwaldvorlandes.

Mittelalterliche Altstadt

mini|Der ehemalige Freihof in der Kernstadt Prichsenstadt hat eine nahezu vollständig erhaltene, mittelalterliche Altstadt, die im 15. Jahrhundert erstmals von einer Befestigung umgeben wurde. Die Stadt, die spätestens im 16. Jahrhundert das evangelische Bekenntnis annahm, lag inmitten des katholischen Hochstifts Würzburg und war deshalb häufig den Angriffen des großen Nachbarn ausgesetzt. Der Großteil des Baubestands geht auf die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg zurück. Die Altstadt von Prichsenstadt ist als Ensemble unter besonderen Schutz gestellt.

Einzelne markante und wichtige Baulichkeiten wurden vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege geschützt. Einen der Mittelpunkte der Stadt bildet die evangelisch-lutherische Sixtuskirche, die eine Pfarrkirche wurde. Der Bau geht weitgehend auf das 18. Jahrhundert zurück. Im Inneren überwiegen Elemente des Markgrafenstils mit einer Staffelung von Altar und Orgel. Besonders wertvoll ist die Kanzel aus der Zeit der Renaissance. → siehe auch: Evangelische Kirche (Prichsenstadt)

Die weltlichen Pendants bilden das dreigeschossige Rathaus, das mit seinen Fachwerkobergeschossen auf das ausgehende 17. Jahrhundert zurückgeht und der Freihof. Der Freihof ist der letzte Überrest des ehemaligen Amtschlosses der Markgrafen von Ansbach. Er hat als typisches Bauwerk der Renaissance einen Stufengiebel und ein bossiertes Eingangsportal. → siehe auch: Freihof (Prichsenstadt)

Die Stadt wurde im Mittelalter von einer Befestigung umgeben, die noch weitgehend erhalten ist. Besonders eindrucksvoll ist das sogenannte Vorstadttor mit seinen zwei breiten Rundtürmen und der Stadtturm, der die ehemalige Innenstadt von der Vorstadt trennte. Um die Altstadt befinden sich der Friedhof aus dem 16. Jahrhundert und die katholische Filialkirche St. Thekla und St. Lioba. Im Friedhof ist eine Außenkanzel erhalten, typisch für das Kitzinger Land. → siehe auch: Friedhof (Prichsenstadt) und St. Thekla und St. Lioba (Prichsenstadt)

Gemeindeteile In den Gemeindeteilen dokumentieren ebenfalls Denkmäler die jahrhundertelange Entwicklung. Besonders das Dorf Laub kann mit einigen baulichen Besonderheiten aufwarten. Dort herrschte jahrhundertelang das Bürgerspital Würzburg und sorgte für die Abgabenfreiheit der Bewohner. Die sogenannten Lauber Madonna in der katholische Nikolauskirche mit ihrem kleinen Dachreiter ist eine bedeutende frühgotische Plastik. → siehe auch: St. Nikolaus (Laub) und Lauber Madonna

Anders als Prichsenstadt selbst gelang es den Gemeindeteilen nicht, eine eigene aufzubauen, weil die wirtschaftlichen Grundlagen dies nicht zuließen. Statt einer Ortsummauerung, für die die wirtschaftlichen Grundlagen fehlten, befestigten die Dörfer lediglich ihren Kirchhof. Die einzige, erhaltene Kirchhofbefestigung im Ortsteil Stadelschwarzach besteht aus mehreren Gaden und Überresten der Ringmauer. Das Zentrum der Anlage, zu der auch das ehemalige Gemeinderathaus und ein Amtshaus des Klosters Münsterschwarzach gehören, bildet die Bartholomäuskirche. → siehe auch: Kirchenburg Stadelschwarzach, Rathaus (Stadelschwarzach) und St. Bartholomäus (Stadelschwarzach)

In Altenschönbach wurde im 16. Jahrhundert die Reformation eingeführt. Die Dorfherren, lange Zeit die Herren von Crailsheim, erhöhten damit ihren Einfluss auf die Untertanen. In der Dorfkirche St. Marien entstanden Verehrungsorte für die Herren. Im Jahr 1596 wurde ein großes Epitaph für den verstorbenen Georg Wolfgang von Crailsheim errichtet. Die Decke der Kirche ist seit dem beginnenden 17. Jahrhundert von einer Wappendecke mit einer bunte Ahnenprobe der Crailsheimer überspannt. → siehe auch: St. Marien (Altenschönbach)

Die territoriale Zersplitterung sorgte auch für die Errichtung repräsentativer Herrensitze in kleineren Ortschaften. So ließen sich die Fuchs von Dornheim zu Bimbach in dem Dorf ein mächtiges, zweiflügeliges Renaissanceschloss errichten. Das Jagdschloss Ilmbach ist wesentlich jünger. Es wurde im 19. Jahrhundert durch die katholische Familie von Schönborn anstelle eines aufgelassenen Kartäuserklosters als Sommersitz errichtet. Die meisten Schlösser in der Großgemeinde sind noch bewohnt. → siehe auch: Schloss Bimbach und Schloss Ilmbach

Sagen In mehreren Gemeindeteilen wurden Sagen und mündliche Erzählungen überliefert, zumeist im 19. und 20. Jahrhundert erstmals schriftlich festgehalten. Es ist eine klare Trennung zwischen den überwiegend katholisch bewohnten Orten und den evangelischen Gemeinden festzustellen. Die lutherischen Dorf- bzw. Stadtherren versuchten die vermeintlich abergläubischen Geschichten zu verbieten. Eine Ausnahme bildet aber Prichsenstadt selbst.