Die Westeuropaliga des FEI-Weltcups Springreiten 2017/2018 (Longines FEI World Cup™ Jumping 2017–2018, Western European League) war die 40. Saison der west- und mitteleuropäischen Liga des FEI-Weltcups der Springreiter. Der Weltcup gilt im Bereich der Westeuropaliga als wichtigste Turnierserie in der Hallensaison.
Ablauf der Turnierserie Die Weltcupsaison 2017/2018 brachte kaum Änderungen im Vergleich zur Vorsaison: Die Anzahl und Standorte der Wertungsprüfungen blieb unverändert, lediglich Verona und Lyon tauschten die Reihenfolge innerhalb des Kalenders. Der Auftakt der Weltcupliga erfolgte Mitte Oktober 2017, die letzte Etappe stand Ende Februar 2018 auf dem Programm.
Unverändert war der Schweizer Uhrenhersteller Longines Namenssponsor der Turnierserie. Alle Turniere der Liga waren als CSI 5*, der höchsten Kategorie im Springreiten, ausgeschrieben. Sie wurden mit dem Zusatz -W (also CSI 5*-W) gekennzeichnet, um sie als Weltcupturniere kenntlich zu machen. Es qualifizierten sich die besten 18 Reiter der Westeuropaliga sowie Zusatzteilnehmer („extra competitors“) für das Weltcupfinale 2018.
Die Weltcup-Wertungsprüfung wurde jeweils am Sonntagnachmittag ausgerichtet. Abgewichen wird hiervon lediglich bei drei Turnieren: In Bordeaux und Madrid fanden die Weltcupspringen bereits am Samstagabend statt, in Mechelen wurde diese unabhängig vom Wochentag alljährlich am Nachmittag des 30. Dezember ausgerichtet.
Ausgeschrieben waren die Weltcupspringen als Springprüfung mit einmaligem Stechen, die Höhe der Hindernisse betrug bis zu 1,60 Meter. Das Preisgeld dieser Prüfungen umfasste jeweils mindestens 100.000 €.: Artikel 654, Nummer 6 (englisch)
Medien Alle Prüfungen der Westeuropaliga übertrug die FEI kostenpflichtig über ihr Internet-Portal FEI TV. Im Durchführungsland wurden die Weltcupprüfungen zumeist im Fernsehen live übertragen, auch die anderen Prüfungen der Westeuropaliga wurden in einzelnen Staaten Europas live oder als Aufzeichnung gezeigt. Der pan-europäische Sportsender Eurosport 1 sendete die Prüfungen in einer 60-minütigen Zusammenfassung, die im Regelfall am Abend auf das Turnier folgenden Montags zu sehen war.
Die Prüfungen 1. Prüfung: Oslo Zum Auftakt zur Westeuropaliga der Springreiter stand die Wertungsprüfung im Rahmen der Oslo Horse Show auf dem Programm. Das Reitturnier fand vom 11. bis 15. Oktober 2017 in der Telenor-Arena in Oslo statt.
Das Vorjahressiegerpaar, Alberto Zorzi und Fair Light van’t Heike zeigten im Normalumlauf die klar schnellste Zeit aller Teilnehmer, doch ein Hindernisfehler verhinderte seinen Einzug in das Stechen (Platz neun). Auf den achten Rang kam Michael Whitaker, der sich mit dem 10-jährigen Calisto Blue als einer der wenigen Starter einen Zeitstrafpunkt erlaubte, ansonsten aber fehlerfrei blieb. Sieben Reiter zogen mit ihren Pferden in das Stechen ein.
Hier war es Douglas Lindelöw, der mit Zacramento als erster Starter im Stechen gleich ohne Fehler blieb. Mark McAuley als zweiter Teilnehmer sollte einer von nur zwei Reitern sein, die im Stechen vier Strafpunkte hinnehmen mussten. So wechselte die Führung mehrfach, zuletzt beim vorletzten Stechteilnehmer Daniel Deußer. Deußer hatte bereits am Vortag den Großen Preis des Turniers gewonnen und setzte sich auch im Weltcupspringen mit dem auffällig gezeichneten Grauschimmel Cornet in Führung. Bertram Allen als Schlussreiter versuchte mit Izzy by Picobello ebenso die Führung zu übernehmen, eine fallende Stange am vorletzten Sprung verhinderte dies jedoch.Ergebnis Weltcupspringen Oslo 2017
ReiterPferd1. UmlaufStechenWertungs-punkteStrafpunkteZeit (s)StrafpunkteZeit (s)1 Cornet 0 - 0 36,83 202 For Joy van't Zorgvliet 0 - 0 36,96 173 California 0 - 0 38,22 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 38 Teilnehmern)
2. Prüfung: Helsinki Aufgrund der dortigen Witterungsbedingungen finden die skandinavischen Weltcupturniere jeweils gleich zu Beginn oder zum Ende der Hallensaison statt. So wurde auch die zweite Etappe der Westeuropaliga dort durchgeführt: Vom 18. bis 22. Oktober 2017 wurde die Helsinki International Horse Show ausgerichtet. Das Weltcupspringen des in der Helsingin Jäähalli durchgeführten Turniers fand am 22. Oktober ab 15:40 Uhr Ortszeit statt.
Viele Reiter kamen in Normalumlauf auf Ergebnisse von acht und mehr Strafpunkten, sechs verzichteten auf die Beendigung des Parcours. Fehlerschwerpunkt war die Schlusslinie bestehend aus einer zweifachen Kombination mit einer blau-weißen Planke am Aussprung sowie einem dann aus der Wendung anzureitendem Oxer. Dennoch gelang neun Starterpaaren der Einzug in das Stechen.
Auch bedingt durch enge Arena in der Größe eines Eishockeyfeldes (ca. 60 × 30 Meter) war das Stechen sehr „kringelig“ mit vielen engen Wendungen gebaut.Weltcupspringen Helsinki 2017: Parcourskizze Nachdem die ersten drei Stechreiter auf jeweils vier oder acht Strafpunkte gekommen waren, gelang Robert Whitaker mit Catwalk IV die erste Nullrunde – die jedoch die langsamste des Stechens war. Fast eine Sekunde schneller war Henrik von Eckermann, dessen Stute Mary Lou nach der Landung nach dem vorletzten Sprung durch Wegrutschen fast stürzte. Von Eckermann konnte dies durch Gewichtsverlagerung verhindern. Auf der längeren Galoppstrecke zum letzten Hindernis fand das Paar dann wieder in seinen Rhythmus und setzte sich an die Spitze des Zwischenklassements. Nach ihm folgte Felix Haßmann, der als einziger deutscher Reiter den Sprung in das Stechen geschafft hatte und mit seinem Schimmel Cayenne mit der schnellsten Vier-Strafpunkt-Runde im Endergebnis auf den fünften Rang kam.
Die letzten beiden Reiter traten mit Pferden des niederländischen VDL Stud an. Marlon Modolo Zanotelli kam mit der 10-jährigen Stute Celena fehlerlos in einer Zeit in das Ziel, die knapp langsamer als jene von Henrik von Eckermann war. Mehr als eine Sekunde schneller als das bisher führende Paar war der letzte Starter: Jur Vrieling kam mit Glasgow van't Merelsnest ohne Fehler in das Ziel und sicherte sich damit den Sieg im Weltcupspringen von Helsinki.Ergebnis Weltcupspringen Helsinki 2017 ReiterPferd1. UmlaufStechenWertungs-punkteStrafpunkteZeit (s)StrafpunkteZeit (s)1 Glasgow van't Merelsnest 0 - 0 36,85 202 Mary Lou 0 - 0 38,41 173 Celena 0 - 0 38,60 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 40 Teilnehmern)
3. Prüfung: Verona Auf einem früheren Termin als in den Vorjahren fand Jumping Verona, das italienische Weltcupturnier der Springreiter, statt. Bereits Ende Oktober, vom 26. bis 29. Oktober 2017, wurde das Turnier im Rahmen der Fieracavalli durchgeführt.
Im am Abschlusstag des Turniers ausgerichteten Weltcupspringen setzte sich zunächst das erfolgreiche Jahr für die italienischen Springreiter fort: Von den elf Reitern, die sich für das Stechen qualifizierten, starteten vier unter italienischer Flagge. Das Stechen eröffnete Janika Sprunger, die mit dem 11-jährigen Bacardi gleich mit einer Nullrunde in 39,21 Sekunden vorlegte. Der 23-jährige Luigi Polesello griff als zweiter Starter die Zeit Sprungers an, bekam jedoch zwei Hindernisfehler und endete damit auf dem zehnten Rang in dieser Prüfung. Auch die nächsten vier Starter kamen nicht fehlerfrei in das Ziel. Anders Lorenzo de Luca: Mit Halifax van het Kluizebos setzte sich der zu diesem Zeitpunkt erfolgreichste italienische Springreiter in Führung.
Doch die Führung sollte nicht halten: Pieter Devos übernahm als nächster Starter die Spitzenposition. Ihm wiederum nahm der nachfolgende Reiter, Maikel van der Vleuten, Platz eins ab. Alberto Zorzi kam ohne Fehler in das Ziel, die Zeit dicht an der von van der Vleuten. Doch die Zeit des Niederländers und seines 15-jährigen Hengstes Verdi war besser. Auch der Vorjahreszweite Simon Delestre konnte sich als letzter Starter im Stechen den Sieg nicht mehr holen, Maikel van der Vleuten gewann die Prüfung.Ergebnis Weltcupspringen Verona 2016
ReiterPferd1. UmlaufStechenWertungs-punkteStrafpunkteZeit (s)StrafpunkteZeit (s)1 Verdi 0 - 0 35,91 202 Fair Light van't Heike 0 - 0 36,17 173 Apart 0 - 0 37,03 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 37 Teilnehmern)
4. Prüfung: Lyon Lyon bildet den Austragungsort für das vierte Weltcupturnier der Westeuropaliga in dieser Saison: Vom 1. bis 5. November 2017 wurde die Equitá Lyon ausgerichtet. Austragungsort war das Messegelände Eurexpo. Das mit 300.000 Euro hochdotierte Weltcupspringen wurde am 5. November ab 15:30 Uhr durchgeführt.
Bereits dem zweiten Starter, Holger Wulschner, gelang der Einzug in das Stechen. Zehn weitere Reiter mit ihren Pferden sollten ihm folgen. Im Stechen ritt Wulschner mit Skipper in gemäßigtem Tempo, verpasste jedoch die angestrebte Nullrunde und kam daher im Endergebnis nur auf Rang zehn. Mit einer zwei Sekunden schnelleren Zeit und ohne Fehler setzte sich Michael Whitaker mit Calisto Blue als zweiter Reiter in Führung. Schon beim nächsten Reiter wechselte die Führung erneut, Mark McAuley war mit Miebello eine Hundertstelsekunde schneller im Ziel. Nach weiteren Wechseln an der Spitze lag Simon Delestre mit Hermes Ryan im Führung.
Während Roger-Yves Bost als vorletzter Starter aufgrund von zwei Hindernisfehlern nichts mit dem Sieg zu tun hatte, sah dies bei Henrik von Eckermann anders aus: Mit seiner 11-jährigen Stute Mary Lou schien er die Zeit Delestres noch erreichen zu können. Doch dies gelang ihm nicht ganz, es wurde für von Eckermann der zweite Platz in einem Weltcupspringen in dieser Saison. Simon Delestre hingegen gewann die Prüfung und damit 20 Wertungspunkte.Ergebnis Weltcupspringen Lyon 2017
ReiterPferd1. UmlaufStechenWertungs-punkteStrafpunkteZeit (s)StrafpunkteZeit (s)1 Hermes Ryan 0 - 0 37,72 202 Mary Lou 0 - 0 38,35 173 Bianca 0 - 0 39,05 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 40 Teilnehmern)
5. Prüfung: Stuttgart Mitte November stand das erste Weltcupturnier auf dem Programm, bei dem neben dem Springreiterweltcup auch die Dressurreiter und die Vierspänner Weltcuppunkte sammelten. Die Stuttgart German Masters als fünfte Wertungsprüfung der Westeuropaliga der Springreiter wurden vom 15. bis 19. November 2017 durchgeführt.
Weltcupspringen in Stuttgart war der Große Preis von Stuttgart, welcher am letzten Turniertag ab 15:00 Uhr ausgerichtet wurde. Gleich 16 der 40 teilnehmenden Reiter schafften mit einer Null-Fehler-Runde den Einzug in das Stechen. Auch im Stechen kam es kaum zu Fehlern, so dass 13 Doppel-Nullrunden zu verzeichnen waren. Somit musste die Zeit zum entscheidenden Kriterium um den Sieg werden.
Simone Blum hatte am Freitagabend bereits den German Master gewonnen. Bei ihrem einzigen Weltcupstart in dieser Saison (ihre Stute Alice sollte über den Winter hinweg eine Turnierpause bekommen) kam sie mit 50,14 Sekunden auf den vierten Platz. Während sich zwei weitere deutsche Reiter auf den Plätzen drei und zwei platzieren konnten, ging der Sieg in die Schweiz. Erstmals gewann Steve Guerdat den Großen Preis von Stuttgart.Steve Guerdat holt das Stuttgarter Weltcup-Springen, Gabriele Pochhammer, St. Georg, 19. November 2017Ergebnis Weltcupspringen Stuttgart 2017
ReiterPferd1. UmlaufStechenWertungs-punkteStrafpunkteZeit (s)StrafpunkteZeit (s)1 Hannah 0 - 0 48,19 202 Asathir 0 - 0 48,76 173 Epleaser van't Heike 0 - 0 49,13 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 40 Teilnehmern)
6. Prüfung: Madrid Die erste spanische Wertungsprüfung der Westeuropaliga wurde bei der Madrid Horse Week durchgeführt. Das Weltcupturnier von Madrid war zum vierten Mal Teil der Westeuropaliga. Die Feria de Madrid bildete den Austragungsort dieses Turniers, welches vom 23. bis 26. November 2017 ausgerichtet wurde.
In der am späten Abend des Turniersamstags (25. November) stattfindenden Prüfung kam es ein weites Mal zu einem übergroßen Stechen, mit 18 Pferd-Reiter-Paaren zog fast die Hälfte der Teilnehmer in das Stechen ein. So galt es auch hier für die Teilnehmer nicht nur fehlerfrei, sondern auch sehr schnell den Stechparcours zu bewältigen. Elf Reiter kamen erneut ohne Strafpunkte in das Ziel.