Tore tanzt ist ein deutscher Kino-Spielfilm aus dem Jahr 2013. Das Langfilmdebüt von Regisseurin Katrin Gebbe feierte seine Weltpremiere am 23. Mai 2013 in der Sektion Un Certain Regard der 66. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. nordmedia.de2013 Official Selection festival-cannes.fr, abgerufen am 1. Mai 2013. Der internationale Titel lautet Nothing Bad Can Happen.

Handlung

Tore, ein Mensch mit epileptischen Anfällen, und ohne erkennbare Familie oder Freunde, lernt bei den Jesus Freaks Gott kennen. Er lässt sich in der Elbe taufen und möchte konsequent Gott folgen, wie er es in den Versammlungen und Gottesdiensten der Jesus-Freak-Gemeinde erfährt. Daher ist Tore überzeugt, dass Gott auf eine Art und Weise wirken kann, wie es die wenigsten Menschen vermuten.

Auf einem Rastplatz bemerkt Tore einen Pick-up, der nicht anspringt. Zusammen mit seinem Freund Eule, mit dem er in der Jesus-Freak-Kommune wohnt, beugt er sich über die Motorhaube und spricht ein Gebet, mit dem er Gott um das Anspringen des Wagens bittet. Tatsächlich springt der Wagen nach dem Gebet an. Benno, Fahrer und Vater der Familie, die im Pickup saßen, nimmt dies ungläubig und erstaunt zur Kenntnis. Er bietet Tore Wohnstatt und Verköstigung in seinem Schrebergarten-Häuschen an.

Tore überwirft sich mit seinem Freund Eule, da er ihn beim Vorspiel mit dessen Freundin Maithe erwischt hatte. Für Tore ist vorehelicher Sex gegen Gottes Willen, und so zieht er spontan aus der Kommune aus. Bei Benno und seiner Lebensgefährtin Astrid mit den Kindern Sanny und Dennis findet Tore die versprochene Wohnstatt.

Bald lernt der Jesus Freak die cholerische Seite Bennos kennen; denn dieser lebt seine sadistischen Neigungen immer mehr an Tore aus. Für Tore sind dies Prüfungen Gottes, die er mit einer Aufgabe an ihn verbunden sieht. Tore erduldet die sadistischen Exzesse Bennos, indem er ihm seine Sanftmut und Gewaltlosigkeit entgegensetzt, die er bei den Jesus Freaks gelernt hatte. Dieses Entgegensetzen wird durch sein Verlieben in Sanny noch verstärkt, da Tore sich für sie verantwortlich fühlt. So kehrt er trotz gelungener Flucht zweimal wieder in diese Hölle zurück.

Die Gewalt gegen Tore eskaliert weiter, bis er schließlich von Benno zusammen mit Astrid und dem befreundeten Ehepaar Cora und Klaus so sehr gequält und verstümmelt wird, dass er daran stirbt. Bis zum Schluss hält Tore an seinem Glauben an einen gütigen Gott fest, sehr zu Bennos Ärgernis. Diese letzten, am Ende tödlichen Quälereien, geben Sanny die Kraft, mit ihrem Bruder Dennis das gewalttätige Elternhaus zu verlassen.

Entstehungsgeschichte mini|Filmregisseurin Katrin Gebbe bei der Vorführung von Tore tanzt in ihrem Geburtsort Ibbenbüren am 26. Februar 2014 Stoffentwicklung Die Regisseurin Katrin Gebbe schrieb auch das Drehbuch, wobei sie durch Matthias Glasner beraten wurde. Dabei lehnte Gebbe sich an einen Kriminalfall an, der sich in den Jahren 2002 und 2003 in Udenhausen ereignete. Dort hatte ein Ehepaar einen geistig behinderten Jungen wie einen Sklaven gehalten, gequält, und schließlich ermordet.

In einem Interview beim Filmfestival Melbourne sagte Katrin Gebbe dazu:

Finanzierung Katrin Gebbe und Verena Höfe-Gräft, die Produzentin des Films, hatten sich während ihres Studiums an der Hamburg Media School kennengelernt und im Jahr 2009 mit der Arbeit an dem Projekt begonnen.Mit dem ersten Langfilm zu den Filmfestspielen abendblatt.de, 13. Mai 2013, abgerufen am 20. März 2017.

Der Film entstand im Auftrag der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel und wurde dort betreut von der Redakteurin Katharina Dufter. Weitere Fördermittel kamen von der Nordmedia Niedersachsen / Bremen, und der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Insgesamt hatte der Film ein Budget von ungefähr 470 000 Euro. Der Verleih erfolgte durch Rapid Eye Movies.

Dreharbeiten Die Dreharbeiten fanden vom 15. Mai bis zum 26. Juni 2012 in Hamburg und Schleswig-Holstein statt.

Festivals und Auswertung Tore tanzt war der einzige deutsche Beitrag im offiziellen Programm der Filmfestspiele von Cannes 2013. Noch vor der Premiere wurden von dem Verleih Drafthouse Films die USA-Rechte gekauft.

Es folgten Festivalteilnahmen in Karlovy Vary (Juni 2013) und Melbourne (Juli 2013), bevor es im September 2013 zur Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg kam. Dort erhielt Katrin Gebbe den Montblanc Drehbuch Preis.

Der deutsche Kinostart war am 28. November 2013. In den USA startete der Film in einzelnen Kinos am 27. Juni 2014. Am 29. Juni 2015 hatte der Film schließlich seine TV-Premiere im ZDF – Das kleine Fernsehspiel.

Rezeption Aufgrund seiner drastischen Misshandlungs- und Folterszenen war Tore tanzt sowohl bei Filmkritikern als auch Zuschauern umstritten. Über die Premiere in Cannes sagte die Regisseurin:

Kritiken Die deutschen Filmkritiker waren mehrheitlich beeindruckt von dem Film. Es gab aber negative Urteile:

Jury-Begründungen Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat »Besonders wertvoll«:

Der Film gewann zwei Preise der Deutschen Filmkritik. Die Begründung der Jury:

Auszeichnungen mini|Sascha Alexander Gersak gewann den Preis der deutschen Filmkritik für seine Darstellung des sadistischen Benno Preis der deutschen Filmkritik 2013 Bestes Spielfilmdebüt Bester Darsteller: Sascha Alexander Geršak Nominiert war Tore tanzt auch für den Spielfilm-Hauptpreis, und Heike Gnida für ihren Schnitt.

Bayerischer Filmpreis 2013 Beste Nachwuchsregisseurin: Katrin Gebbe

Deutscher Regiepreis Metropolis 2013 Bester Schauspieler: Julius Feldmeier Beste Redakteurin: Katharina Dufner (ZDF)

Filmfest Hamburg 2013 Bestes Drehbuch: Katrin Gebbe

Deutscher Schauspielerpreis 2014 Bester Schauspieler Nachwuchs: Julius Feldmeier

Deutscher Filmpreis 2014 Nominierungen für Beste Regie und Beste Filmmusik (Johannes Lehniger, Peter Folk)

Festival Filmplus 2014 Nominierung von Heike Gnida für den Filmstiftung NRW Schnitt-Preis Spielfilm

Weblinks

(mit Trailer und Fotogalerie) Tore tanzt bei katringebbe.com

Einzelnachweise

Kategorie:Jesus Freaks Kategorie:Christentum im Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Filmtitel 2013 Kategorie:Deutscher Film