hochkant=1.2|mini|Kloster Dobbertin (1930)
Zur frühen Baugeschichte der Bauten im Kloster Dobbertin ist wie in den meisten mittelalterlichen Klöstern Mecklenburgs sehr wenig überliefert. Einige erhaltene Urkunden geben Auskunft über Besitzverhältnisse, Schenkungen und Käufe im damaligen Klosteramtsgebiet.
Bauten nach Jahrhunderten mini|Nördlicher Kreuzgang im Kloster Dobbertin mini|Vorhandene Arkadenbögen um 1280 an der Südfassade der Klosterkirche (2017)
13. Jahrhundert 1219 vor der Klostergründung war die Halbinsel am Jawir See, dem heutigen Dobbertiner See schon besiedelt, wie durch Funde mittelslawischer Keramik der Menkendorfer Gruppe bei archäologischen Untersuchungen belegt werden konnte.Frank Wiertzichowski: Grabungsbericht Archäologische Baubegleitung des Bauvorhabens Kloster Dobbertin, Sanierung der Klausurgebäude. 2003, S. 17. 1220 um/nach 1220 erfolgte die Gründung eines Benediktiner-Mönchsklosters durch Heinrich Borwin I., die Stiftungsurkunde soll verloren gegangen sein.Friedrich Lisch: Die Kirche und das Kloster zu Dobbertin. In: MJB VIII. (1843) S. 131. 1227 die Bestätigung von Güterbesitz des Mönchklosters Dobbertin und die Ersterwähnung der Dörfer Dobbertin (Dobrotin), Dobbin (Dobin), Jellen (Geline), Goldberg (Golss) und Lohmen (Lomene) erfolgten am 26. August 1227.MUB I. (1863) Nr. 343. Als erster Propst wurde am 3. Dezember 1227 Thedelin (Theodelines, Zheodoricus) genannt.MUB I. (1863) Nr. 344. 1230 Errichtung einer Holzkirche durch Ausprägung einer frühdeutschen Siedlungsschicht.Frank Wietrzichowski: Kloster Dobbertin, Sanierung Kreuzganginnenhof. Bericht über die archäologischen Bergungs- und Dokumentationsarbeiten 2001–2002, S. 5. 1250 einer der sehr bedeutenden Funde bei den baubegleitenden archäologischen Bergungsarbeiten waren im südlichen Klausurgebäude neben eingetieften Hauskellergruben auch ein Schwellenrahmenhaus aus der Klostergründungszeit. Die gefundenen Keramikscherben wurden in die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert. Die älteste nachgewiesenen Bebauung des Klosters mit Holzhäusern wurde durch die nachfolgende Steinbebauung der Klausurgebäude überbaut.Frank Wietrzichowski: Kloster Dobbertin, Klausurgebäude, II. BA Haus XIII und Haus XIV. Bauherrenbericht, Mai 2005. 1275 wurde mit dem Bau einer dreischiffigen Kirche mit aufwendig profilierten Backsteindekor an den Arkadenpfeilern begonnen.Dirk Schumann: Kloster Dobbertin. 2012, S. 6. Erste Körperbestattungen konnten auf der Fläche neben der Kirche nachgewiesen werden. Auf der Nordseite zum Groten Werder, der heutige Klosterpark, soll das Pforthaus errichtet worden sein. Im heutigen Eingangsbereich sind noch die Gurtbögen und Gratgewölbe vorhanden.Fridrich Lisch: Romanisches Gebäude zu Dobbertin. MJB 27 (1862) S. 198–200. 1286 der Weiterbau erfolgte nach einem Planwechsel als einschiffige Saalkirche mit einer Nonnenempore. mini|Refektorium während der Restaurierung (2004) 1290 mit dem Bau des südlichen Klausurgebäudes mit dem Kreuzgang von 12 Jochen wurde Ende des 13. Jahrhunderts begonnen und zeitgleich mit der Kirche errichtet worden.Dirk Schumann: Kloster Dobbertin. 2012. S. 19–20. Das Klausurgebäude wurde als geschlossener Baukörper mit westlicher und östlicher Säulenhalle und mittlerem Durchgang geplant. Bei bauarchäologischen Grabungen wurden im westlichen Raum drei rechteckige Säulenbasen aus Klosterformatsteinen gefunden.Frank Wietrzichowski: Archäologische Baubegleitung der Klausurgebäude. 2004–2005, Befund 28/2003. Beim südlichen Klausurgebäude handelt es sich um den ältesten Teil der Klausuranlage.Dirk Schumann: Die Baugeschichte des Benediktinerinnenklosters Dobbertin. 2012, S. 96. In dem als Winterrefektorium genutzten östlichen Gewölberaum mit den drei Säulen aus gotländischem Kalkstein, den Knospenkapitellen und Basen konnte die älteste Form einer Warmluftheizung nachgewiesen werden.Frank Nikulka, Frank Wietrzichowski: Archäologische Nachweise der Dobbertiner Klosterhalbinsel. 2012, S. 78–79. Das Refektorium als Speiseraum der Nonnen ist neben der Kirche und den vier Kreuzgängen der einzige erhaltene mittelalterliche Gewölberaum in der Dobbertiner Klosteranlage.
14. Jahrhundert mini|Tonnengewölbe im Keller des westlichen Klausurgebäudes (2004) mini|Grabplatte für den Mühlenbauer Hinrik Glove 1371 im südlichen Kreuzgang (2017) 1300 beachtenswert sind die figürlichen Malereien beidseitig des Stufenportals im südlichen Kreuzgangflügel. Auf der linken Seite ist Christophorus als überlebensgroße Figur dargestellt. Auf der rechten Seite ist offenbar ein heiliger König mit einem Palmenzweig zu erkennen.Andreas Baumgart: Farbfassungen und Malereibefunde in der Klausur. 2012, S. 146–148. 1309 Papst Clemens V. bestätigte ein Haus mit Krankensaal dem Kloster Dobbertin.MUB V. (1869) Nr. 3327. 1310 das westliche zweigeschossige Klausurgebäude wurde im frühen 14. Jahrhundert im Anschluss an das südliche Klausurgebäude errichtet. Der dazugehörige Kreuzgang hat 12 Joche.Dirk Schumann: Kloster Dobbertin. 2012, S. 24–26. Als einziges Klausurgebäude hat es einen über die ganze Länge des Gebäudes reichenden Keller mit einem Tonnengewölbe. 1337 Ersterwähnung einer Wassermühle.MUB X. (1877) Nr. 5752. 1365 das Nonnenkloster bat wegen der Verwüstung seiner Güter und des Verfalls seiner Gebäude den Lübecker Rat wiederholt um Unterstützung.MUB XV. (1890) Nr. 9429. 1371 Der Mollen(Mühlen)bauer Hinricus Glove schenkte sein Haus samt Besitz in Dobbertin den Nonnen im Kloster. Seine Grabplatte von 1371 steht heute noch im südlichen Kreuzgang der Klausurgebäude.MUB XVIII. (1897) Nr. 10157.Christine Magin, Jürgen Herold, Marion Grether: Die Inschriften auf den Grabplatten im Kloster Dobbertin. 2012, S. 156–157.Friedrich Lisch: Alte Leichensteine der Kirche zu Dobbertin. MJB XXVII. (1862) S. 237–238.Horst Alsleben: Mühlenbauer im Nonnenkloster. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 8. Februar 2019.
15. Jahrhundert 1410 während der Verlegung der neuen Ver- und Entsorgungsleitungen in der Klosteranlage wurden im Sommer 1998 südlich des ehemaligen 1756 errichteten Klosterhauptmannshaus umfangreiche Gebäudereste freigelegt. Nach bauarchäologischen Untersuchungen des 8 m breiten und über 21 m langen mittelalterlichen Kellers könnte es sich um das ehemalige außerhalb des Klosters gestandene Propsteigebäude handeln.Dagobert Ernst: Kloster Dobbertin: Erstmals Mauern aus dem Mittelalter entdeckt. SVZ Lübz–Goldberg–Plau. 8. August 1998. 1484 das sogenannte Ritterhaus wurde am 17. November 1484 erwähnt.
16. Jahrhundert 1520 Priorin Anna Thun und der Klosterkonvent hatten dem Propst Heinrich Möller Geld geliehen, wofür er Hopfen und Malz für die Klosterbrauerei kaufen konnte. 1524 Propst Michael PawliHorst Alsleben: Zusammenstellung aller Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin. Schwerin 2010–2013. musste Hopfen und Malz kaufen, um auf Johannis die Mauersleute zu löhnen…. 1586 die vom niederländischen Bildhauer Philipp Brandin gefertigte Sandstein-Tauffünte in der Klosterkirche wurde vom Klosterhauptmann Joachim von der Lühe gestiftet.Horst Alsleben: Kostbarkeit in der Klosterkirche. SVZ Lübz–Goldberg–Plau, 19. September 1996. 1592 Errichtung eines Kalkofens durch des Ziegler Valentin Hogede aus Bellin.
17. Jahrhundert 1603 während der Hexenprozesse saßen Anna Bolten und Anne Ortmann aus Dobbertin im Klosteramtsgefängnis.Universität Rostock, Juristische Fakultät: Spruchakten zu Hexenprozessen, S 0251, S. 89. 1606 um die geführten Klagen der Jungfern bei den vielen Mängel in ihren Kammern und Wohnungen abzuschwächen, sollte bis zur Beßerung ihres hauses und schornsteins behutsam mit dem feuer umgegangen werden, damit dem Closter kein Schade zuwachße.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 82 Häuser und Mängel. 1608 bei den Wohnungsvisitationen mit Besichtigung aller Wohnungen der Junffern noch in den Zellen der Nonnen wurde festgestellt, teils fehlten Türschlösser und Fenster, die Öfen und Schornsteine waren kaputt und es gab keine Kellerfenster.LHAS 2.12-3.2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 314, 350. 1612 ließ der Klosterhauptmann Joachim von Oldenburg das erste Armenhaus für sechs arme Untertanen im Peltzer-Haus zu Dobbertin errichten. Er vermachte dem Armenhaus noch 100 Gulden und der Prediger Enoch Zander sammelte mit dem Klingelbeutel in der Kirche.Fundations-Brief des Armen-Hauses zu Dobbertin de 1612. Mühlenmeister war Hinrich Hardern. Die Holzfenster im Kreuzgange wurden ausgebessert. 1621 wurde die Mühle zu Dobbertin verpachtet.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3148 Verpachtung der Mühle zu Dobbertin 1621. 1633 in einem Inventarium wurden auf dem Klosteramt beim Hausgeräth alle Wäsche und Geschirr registriert. Auch von der Schlafkammer des Klosterhauptmanns, der Schreibstube, der Amtsküche, der Fischkammer bis zu den Stuben vom Landreiter und dem Bauknecht. 1645 am 5. November wurde ein Inventarium der vorhandenen Möbel im Herrenhaus, im Landreiter-Stall, im Brauhaus, Pforthaus, beim Küchenmeister, auf der Schreibstube und im Pfarrhaus erstellt.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 915 Verzeichnis Inventar Amtshaus. 1649 am 9. Oktober wurde …der Turm der Klosterkirche nach schwerem Sturm stark beschädigt und große Teile des Daches fehlen…LHAS 2.12-3/5 Kirchenvisitation Protokoll Nr. 187 Amt Goldberg und Dobbertin. 1666 wurde ein Kontrakt zum Kauf eines Hauses zur Übernachtung der Klosterdamen in Güstrow abgeschlossen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 180 Kauf von Wohnungen 1666–1749. 1672 durch den Orgelbauer Johann Gade wurde in der Dobbertinschen Closter Kirche eine Orgel eingebaut.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3162 Reparatur Orgelwerk. 1674 der Maurermeister Erdmann baute das Müllerhaus neben der Klostermühle. 1675 der Tischler Andreas Fischer und ein Maurer aus Güstrow hatten 11 Tage Arbeit welcher eine Stube im güstrauschen Hauße dem Hoeffe werts verfestigt, damit jemandts darauff logieren könnte. Der Schornsteinfeger aus Güstrow hatte die Schornsteine im Kloster und im Klosteramt zweimal jährlich zu reinigen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 1105 Hauptrechnungen 1675/76. 1680 ein Feldbrandofen im Kloster, …auß dem hiesigen Closters Ziegelofen kamen 4600 Mauersteine, die auch 1683 noch nicht vom Herzog in Güstrow bezahlt waren …LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 439. 1686 Küchenmeister Arendt Kalsow wurde dienstlich gebeten, Mängel in den Zimmern der Jungfern abzustellen, so fehlende Cammer Thüren, Stubenthüren und Fenster flügel und eine gute Melckendte Kuhe zu besorgen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 82 Vergabe und Mängel an Damenwohnungen 1608–1892.
18. Jahrhundert
1707 Contract vom 8. November 1707 mit dem Maurer Siegmund Walter zu Dobbertin und dem Küchenmeister Johann Erdmann zu Reparaturen im Closter, der Kirche und den Klosterdörfern. Im Kloster waren die Dächer der Klausur, die Wohnung des Klosterhauptmanns, des Schreibers, die Küche und das Korn Hauß mit Steinen um zudecken. Reparaturen in den Wohnungen von Frl. von Baßewitzen, Frl. von Lützowen, Frl. von Voßen und Frl. von Wedemannen waren vorzunehmen, dazu gab es neben dem jährlichen Lohn noch eine Tonne Bier.Aktenbestand im Kloster Ribnitz. 1711 Am 7. Februar erfolgten durch den Maurer Grahl aus Goldberg Reparaturen in den Räumen der Domina von Finecken oberhalb der Remters im südlichen Klausurgebäude.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 773 Amtsprotokolle 1710–1788. 1712 Der erste Bauhof befand sich am südlichen Rand des Klosterparkes, dem Goten Werder. Nach dem Inventarium gab es in der Stube des alten Amtshauses einen alten Tisch aus Tannenholz und eine Eichen-Bank.