miniatur|Ganzer und halbierter Schokokuss mini|Produktionsprozess in der schweizerischen Schokokussfabrik Dubler in Waltenschwil Ein Schokokuss oder Schaumkuss (Deutschland und Schweiz) bzw. eine Schwedenbombe (Österreich) ist eine Süßigkeit aus weichem Schaumzucker, der auf eine Waffel dressiert und mit Schokolade oder Fettglasur überzogen wird. Veraltete und diskriminierende Bezeichnungen sind Negerkuss und Mohrenkopf.

Bezeichnungen Die Bezeichnungen Schokokuss und seltener Schaumkuss kommen vor allem in Mittelwest- und Südwestdeutschland vor.Ulrich Ammon, Regula Nyffenegger: Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Walter de Gruyter, 2004. Nach deutschem, österreichischem und Schweizer Lebensmittelrecht ist die Bezeichnung Schokokuss (und vergleichbare Namen, die auf Schokolade hinweisen) nur für Produkte zulässig, die mit echter Schokolade überzogen sind, nicht mit Fettglasur.Österreichisches Lebensmittelbuch, Codexkapitel B 15 – Kakao- und Schokoladeerzeugnisse, Lebensmittel mit Kakaoerzeugnissen oder Schokoladen, Abschnitt 3.4.7 ()

In Westösterreich (Vorarlberg), in der Schweiz und in Deutschland war als Bezeichnung auch Mohrenkopf, in Deutschland zudem NegerkussAuf das Schaumgebäck angewendet, soll der Begriff „Negerkuss“ seit den 1950er Jahren bekannt sein, für eine Biskuitkugel war er jedoch schon 1934 enzyklopädisch erfasst worden (Der Große Herder, Bd. 8, Sp. 540, Stichwort Mohrenkopf: „Mohrenkopf ( ... 2 ) auch Negerkuß , gefülltes , kugeliges Gebäck aus Biskuitteig mit Schokoladenüberzug auf der oberen Hälfte“). So Jürgen Eichhoff: Zu einigen im 20. Jahrhundert entstandenen geographischen Unterschieden des Wortgebrauchs in der deutschen Sprache, In: Sprache und Brauchtum. Festschrift Martin, 1980, S. 170–173 verbreitet. Diese Bezeichnungen wurden schon Ende der 1970er JahreChiara Schlenz, Annina Reusser: So nennen andere Hersteller die «Mohrenköpfe» In: nau.ch, 12. Juni 2020 wegen der rassistischen Konnotation der Ausdrücke Mohr und Neger kritisiert, und aus denselben Gründen werden sie heute im formellen Sprachgebrauch auch vermieden.

Die Bezeichnung Mohrenkopf wird vereinzelt noch von herstellenden Unternehmen wie Dubler verwendet.Dubler Mohrenköpfe der Robert Dubler AG in Waltenschwil, Schweiz Die Richterich AG strich im September 2020 das Wort Mohrenkopf von der Goldfolie der Verpackung und beließ dort nur den eigenen Namen. in Laufen, Schweiz Als Mohrenkopf ist regional allerdings auch ein anderes Gebäck bekannt. In Österreich wird die Süßigkeit als Schwedenbombe bezeichnet und unter dieser Bezeichnung ursprünglich von Edmund Niemetz und aktuell von der Nachfolgefirma Heidi Chocolat hergestellt., S. 192 In der Schweiz werden auch die Bezeichnungen Choco-KöpfliDie Perrier „Choco-Köpfli“ haben den ersten Preis der Swiss Marketing Trophy gewonnen. In: presseportal.ch, 17. Januar 2001, abgerufen am 26. Juli 2020 bzw. Schoko-KöpfeVillars Maître Chocolatier S.A., Eintrag im Markenlexikon auf markenlandschaft.ch, abgerufen am 3. Juni 2026 verwendet.

Herstellung Die Herstellungsverfahren variieren. Der gezuckerte Eiweißschaum, der manchmal mit Kakao und/oder Rumaroma versetzt ist, wird auf eine Waffel aufgebracht und mit Kuvertüre überzogen, bei einigen Produkten auch mit Fettglasur. Früher wurde der weiße Schaum dazu in die Überzugsmasse getaucht, wodurch er vor dem Umdrehen einen charakteristischen „Zipfel“ auf der Oberseite ausbildete. Im modernen Herstellverfahren wird die Glasur im Überzugsverfahren aufgebracht.

Varianten miniatur|Auswahl an Varianten Der Schokokuss ist mit vielerlei Schokoladensorten erhältlich und kann nach dem Überziehen mit Kokosraspeln, Krokantstreuseln oder Mandeln bestreut werden.

Eine vor allem bei Schulkindern beliebte Form des Verzehrs ist das Schokokuss- oder Schaumkussbrötchen, u. a. auch bezeichnet als Boxer,Vgl. etwa Schön war die Zeit, flitzerglitzer.de, 2. November 2018 Matschbrötchen, Datschweck, Gedatschter, Klatschbrötchen, Fortunabrötchen,fortunabrötchen.de oder Sportweck; früher auch Mohrenkopfbrötchen oder Negerkussbrötchen, bei dem ein Schokokuss zwischen zwei Brötchenhälften zerdrückt wird.Schokokuss-Brötchen kontra Getreidebratling?: Schulcafés und gesunde Ernährung; Dokumentation eines Erfahrungsaustausches. Verbraucherzentrale Hessen, 1994 Um gesündere Ernährung zu fördern, wurde im Umfeld einzelner Schulen der Verkauf von Schokoküssen untersagt, was teils zu Schülerprotesten führte.

Auf Gemeindefesten und Kindergeburtstagen werden bisweilen Schokokuss-Wurfmaschinen eingesetzt, die meist selbst gebaut sind.Bauanleitung für eine Wurfmaschine, .toom-baumarkt.de (PDF; 5 MB) Dabei muss mit einem Ball ein Auslöser getroffen werden. Bei einem Treffer schleudert eine Sprungfeder oder ein federgespannter Wurfarm einen Schokokuss in Richtung des Werfers. Dieser muss ihn dann mit der Hand oder dem Mund auffangen.

Verbreitung In Deutschland werden jährlich ca. 1 Milliarde Schokoküsse verzehrt.Jessica Braun: Träume Schäume sind. Der Tagesspiegel, 30. Oktober 2011. International ist der Schokokuss ebenfalls verbreitet. In Israel ist der Schokokuss unter der Bezeichnung krembo, in Dänemark als , in den Niederlanden als und in Italien als bzw. bekannt.

Geschichte Die ersten Schokoküsse sollen um das Jahr 1800 in Dänemark hergestellt worden sein. Im 19. Jahrhundert entstanden in französischen Konditoreien die „“, auf Deutsch „Negerköpfe“, hergestellt aus einer baiserartigen Masse und einem Schokoladenguss. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es sie dann auch in deutschen Konditoreien.

1920 begann Mayer Junior in Bremen mit der Fertigung dieser Spezialität in Deutschland und fertigt sie bis heute in kleinen Chargen. Aus der 1890 gegründeten Konditorei von Edmund Niemetz in Linz wurde 1930 die Süßwarenmanufaktur Walter Niemetz. Hier wurde 1926 die Schwedenbombe entwickelt, so benannt nach einem aus Schweden stammenden Mitarbeiter.

In den 1940er Jahren stellte das Unternehmen Köhler in Hainburg eine Variante des Schokokusses her, Köhler’s Wunder-Mohren-Tüte. Es waren Hörnchen mit einer Füllung aus Köhlerküssen, und in der Waffel waren kleine Überraschungen versteckt. Die Massenproduktion in Deutschland begann um 1950.

Literatur Michael Reichelt: Judenapfel, Zigeunerschnitzel und Negerkuss – die Verwendung ethnischer Gruppenzuschreibungen bei Nahrungsmittelbezeichnungen. In: Hannah Dingeldein, Eva Gredel (Hrsg.): Diskurse des Alimentären – Essen und Trinken aus kultur-, literatur- und sprachwissenschaftlicher Perspektive. LIT Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-643-13562-9

Weblinks

Video zur Schokokussherstellung

Einzelnachweise

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