miniatur|Husterhöh-Kaserne in Pirmasens, 1953
Die Territorialorganisation der US-Streitkräfte in Deutschland ergänzt die Wikipedia-Seite Liste der amerikanischen Militärstandorte in Deutschland. Um die Originalität zu erhalten, folgen die Ortsnamen – so weit es vertretbar erschien – den bei den US-Streitkräften üblichen Bezeichnungen (d. h. spätere Gemeindereformen werden nicht berücksichtigt).
Zeit der Besatzung 1945–1952
Nach der Übernahme der „obersten Regierungsgewalt in Deutschland“ durch die vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges in der Berliner Deklaration vom 5. Juni 1945 und der Einnahme der verabredeten Besatzungszonen, standen die USA ebenso wie Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion vor dem Problem der territorialen Organisation des besiegten Deutschlands. Das amerikanische Kriegsministerium (US War Department) übertrug den Großverbänden die Aufgabe der Wahrung der öffentlichen Sicherheit in ihrem jeweiligen Stationierungsgebiet.Hiervon unberührt war der Aufbau der eigentlichen Militärregierung, des Office of Military Government (OMGUS). Die Abgrenzung der Verantwortungsbereiche orientierte sich an den Grenzen der ehemaligen Länder, Provinzen und Kreise. Mit Wirkung vom 1. August 1945 wurde folgende Einteilung vom Hauptquartier United States Forces European Theater (USFET) in Frankfurt am Main unter dem Kommando von General Dwight D. Eisenhower vorgenommen: Eastern Military District in München, umfasste das Land Bayern und wurde von den Verbänden der Third ArmyThird Army stellte bereits die Truppen der amerikanischen Rheinlandbesetzung vom 1. Dezember 1918 bis zum 24. Januar 1923 mit dem Hauptquartier in Koblenz. Die Personalstärke betrug anfangs 27 000, am Ende 15 000 Mann. Am 24. Januar 1923 wurde das Sternenbanner feierlich auf der Festung Ehrenbreitstein eingeholt. Der Abzug erfolgte aus Protest gegen die französisch-belgische Ruhrbesetzung. Quelle: Hunt-Report, American Military Government 1920. mit HQ in Bad Tölz und München unter dem Befehl von General George S. Patton kontrolliert: XV Corps 1st ID "The Big Red One" (Unterfranken) 102nd ID (Oberfranken) 4th AD (Oberpfalz, Niederbayern) XV Corps Artillery (Mittelfranken) XX Corps 9th ID "Old Reliables" (Oberbayern) 71st ID (Schwaben) Western Military District in Heidelberg, umfasste die Länder Groß-Hessen und Württemberg-Baden und wurde von den Verbänden der Seventh Army mit HQ in Heidelberg unter dem Befehl von General Alexander M. Patch kontrolliert: 3rd ID "Marne Division" (Groß-Hessen ohne Landkreise Bergstraße und Erbach) 6th ID (Württemberg-Baden sowie die hessischen Landkreise Bergstraße und Erbach) 7th Army Headquarters Area (Stadt Heidelberg) USFET Restricted Area, umfasste die Städte Frankfurt am Main und Wiesbaden sowie den Obertaunuskreis und den Main-Taunus-Kreis und unterstand direkt dem Hauptquartier USFET Berlin District für den Amerikanischen Sektor der Stadt Berlin, kontrolliert durch 82nd Airborne Division "All American" (ab 24. November 1945 durch 78th ID "Lightning Division") Bremen Enclave bestehend aus den Städten Bremen und Bremerhaven sowie den Kreisen Wesermarsch, Wesermünde und Osterholz, kontrolliert durch 29th ID.
Vom 1. April 1946 bis zum 30. Juni 1946 wurde Seventh Army Area aufgelöst und beide Districts unter Third Army Area, Heidelberg, zusammengelegt. Nunmehr bestanden nur noch: 1st ID, Regensburg, für Ostbayern Nürnberg-Fürth Enclave als besondere territoriale Einheit wegen der Kriegsverbrecherprozesse 3rd ID, Würzburg, für Hessen und Unterfranken 9th ID, Augsburg, für Südbayern und Württemberg-Baden USFET Restricted Area weiterhin für Frankfurt und Wiesbaden Heidelberg Area Command für die Städte Heidelberg und Mannheim sowie deren Landkreise
Mit Genehmigung des US War Departments begann ein Jahr nach der bedingungslosen Kapitulation auf Drängen des Oberbefehlshabers General Lucius D. Clay der Nachzug der Familienangehörigen der in Deutschland stationierten Soldaten. Der erste Transport der „dependents“ traf an der Columbuskaje in Bremerhaven am 28. April 1946 ein. Zur Aufnahme der amerikanischen Familien wurden 49 Military Communities in Deutschland und 3 in Österreich eingerichtet. Als erste Military Community meldete sich Gießen am 1. März 1946 einsatzbereit. Der Auftrag für diese Communities war etwas grundsätzlich Neues: es ging nicht mehr darum, Besatzungsaufgaben zu erledigen, sondern amerikanische Familien dabei zu unterstützen, sich fern der Heimat in einem zerstörten Land häuslich einzurichten. Alle Military Communities mussten über eine Post Exchange, kurz PX (Kaufhaus), ein Commissary (Lebensmittelmarkt) sowie Bäckerei, Schusterei, Wäscherei, Reinigung verfügen.Vgl. Hickman, Donald J., The United States Army in Europe 1953–1963, Historical Division. U.S. Army Europe, 1964. S. 209–222. Am 23. Mai 1949 wurde ein eigenständiger Kommandobereich Österreich (United States Forces, Austria) geschaffen. Die logistische Versorgung der Military Communities oblag US European Command (EUCOM). Es entstanden folgende Military Communities:
Third US Army Area, HQ Heidelberg: Amberg, Augsburg, Bad Tölz, Bad Wildungen, Bamberg, Bayreuth, Berchtesgaden, Darmstadt, Fulda, Garmisch, Göppingen, Grafenwöhr, Heidelberg, Kassel, Kaufbeuren, Kitzingen, Landshut, Munich, Murnau, Nürnberg, Regensburg, Sonthofen, Stuttgart, Weiden, Wetzlar US Air Forces in Europe (USAFE), HQ Wiesbaden: Ansbach, Bad Kissingen, Erding, Erlangen, Fritzlar, Fürstenfeldbruck, Giebelstadt, Lechfeld, Neubiberg, Nordholz, Oberpfaffenhofen, Rhein Main, Schweinfurt, Straubing, Wiesbaden Berlin District, US Army, HQ Berlin-Dahlem: Berlin Headquarters Command, USFET, HQ Frankfurt am Main: Frankfurt Continental Base Section, HQ Bad Nauheim: Bad Nauheim, Gießen, Grohn (Bremen), Hanau, Mannheim, Wesermünde, Würzburg US Forces, Austria, HQ Salzburg: Linz, Salzburg, Wien
Mit der Verschärfung des Ost-West-Konflikts richtete sich Washington darauf ein, dauerhaft oder zumindest wesentlich länger als ursprünglich geplant in Deutschland militärisch präsent zu sein. Dafür war die provisorische Aufgabenwahrnehmung durch die aktive Truppe obsolet geworden und es wurde eine Polizeitruppe, die eher einer Gendarmerie glich, aus Third Army aufgestellt: → US Constabulary (USCON). Das Hauptquartier nahm am 1. Juli 1946 in Bamberg seinen Dienst auf und meldete sich auch einsatzbereit zur Übernahme der Grenzkontrolle (Border Control) von 1st, 3rd und 9th ID entlang der Ostgrenze der Amerikanischen Zone. Am 15. Februar 1947 übernahm USCON die Funktionen von Third Army und verlegte nach Heidelberg, 1948 bis 1952 in Stuttgart-Vaihingen, ab 24. November 1950 als Teil von Seventh Army. Zum 15. März 1947 wurde auch die Spitzenorganisation der US-Streitkräfte in Europa den neuen Erfordernissen angepasst. USFET wurde zu US European Command (EUCOM) in Frankfurt am Main umgegliedert und 1948 nach Heidelberg verlegt. Für die Dienstaufsicht über die nun zu Military Posts umbenannten Communities wurden Military Districts eingerichtet. Aus den 58 Military Communities (Stand Juni 1946) wurden 22 Military Posts nach Kriterien der Zweckmäßigkeit ohne Berücksichtigung der Ländergrenzen gebildet. Übrige Standorte wurden als Sub Posts weitergeführt oder aufgegeben:
1st Military District im Land Bayern (unter HQ 1st Infantry Division Bad Tölz) mit 10 Military Post HQ (Augsburg, Bad Tölz, Bamberg, Garmisch, Grafenwöhr (bis 30. April 1947 in Amberg), Kaufbeuren, Munich, Nürnberg, Regensburg, Würzburg), 2d Military District in den Ländern Hessen und Württemberg-Baden (unter HQ US Constabulary Heidelberg), mit 7 Military Post HQ (Darmstadt, Fulda, Gießen/Wetzlar, Hanau (sofort wieder aufgelöst und auf Frankfurt und Fulda verteilt), Heidelberg, Kassel, Stuttgart), dazu Frankfurt (unter Headquarters Command) und Wiesbaden (unter United States Air Force Europe), Bremerhaven Military Post und Bremerhaven Port of Embarkation im Land Bremen, Berlin Military Post. Sämtliche Installationen der amerikanischen Luftstreitkräfte auf den Gebieten der einzelnen Military Posts waren exemt und unterstanden direkt Wiesbaden Military Post und damit USAFE. Diese Zweiteilung der Verantwortungen zwischen US Army und US Air Force ist durchgängig bis in die Gegenwart zu bemerken. 1948 erfolgte die Auflösung der Military Districts, danach übernahm Military Post Division, HQ EUCOM die Dienstaufsicht.
Zeit der Stationierungsstreitkräfte im Kalten Krieg 1952–1990
Die Ausdehnung des StationierungsgebietsFranzösisch-amerikanische Übereinkunft, angeregt vom französischen Außenminister Robert Schuman auf der Konferenz des Außenministerrats in New York im September 1950, unterzeichnet von den Hochkommissaren und Oberbefehlshabern in Remagen am 2. März 1951, zur Stationierung von US-Truppen in der nördlichen Französischen Zone westlich des Rheins und südlich der Linie Bingen-Idar-Oberstein, ausgenommen die Saar. Im Gegenzug Stationierung von französischen Truppen in der Amerikanischen Zone. In: Exchange of Troops and Facilities US and French Zones 1950-1951, Historical Division 1952. auf Rheinland-Pfalz brachte zum 1. Dezember 1952 erneut eine tiefgreifende Umgliederung. Oberhalb der Military Posts wurden vier Area Commands gebildet. Die Commands unterstanden United States Army Europe (USAREUR), außer Wiesbaden Military Post, das nach wie vor United States Air Force Europe (USAFE) zugeordnet war. Military Posts und Subposts wurden zu Area Commands zusammengefasst:
Headquarters Area Command (HACOM): HQ Heidelberg (Seckenheim, Hammond Barracks). Bestand aus dem früheren Heidelberg Military Post (ohne Karlsruhe). 1958 wurde HACOM mit NACOM zusammengelegt. Western Area Command (WACOM): HQ Kaiserslautern (Panzer-Kaserne). Bestand aus Rhine Military Post gegründet im September 1950 als Subpost unter Heidelberg (1951 Post). 1958 wurde WACOM mit NACOM zusammengelegt. Southern Area Command (SACOM): HQ München (McGraw Barracks). Bestand aus den früheren Augsburg, Garmisch, Munich, Stuttgart und Nürnberg (ohne Bamberg) Military Districts sowie Karlsruhe Subpost aus der Heidelberger Region. 1953–1954 Garmisch und Berchtesgaden zu SEACOM (Southeastern Area Command) zusammengefasst, 1957 Karlsruhe zu HACOM. 1964 wurde die Zahl der Posts von 5 auf 4 verringert (Grafenwöhr als 7th Army Training Center unter Nürnberg Post). 1964 wurden SACOM und NACOM zusammengelegt, HQ SACOM aufgelöst und Munich als Subdivision (neue Bezeichnung der Subpost) zu Augsburg geschlagen. Northern Area Command (NACOM): HQ Frankfurt am Main, ab 1958 Heidelberg. Bestand aus den früheren Frankfurt und Würzburg Military Districts sowie Bamberg aus der Nürnberger Region. 1958 wurden HACOM und WACOM mit NACOM zusammengelegt und das „12-post concept“ in der vergrößerten NACOM umgesetzt. Bremerhaven Port of Embarkation Berlin Command Neue Führungseinrichtung wurde das USAACOM (US Army Area Support Command) in Frankfurt am Main.
1965 wurde die US Territorial-Organisation der föderalistischen Struktur der Bundesrepublik Deutschland angepasst und die Area Commands mit deutschen geographischen Bezeichnungen versehen (Wiesbaden blieb als USAFE unterstellter Military Post davon unberührt):
Heidelberg (Seckenheim, Hammonds Barracks) – North Baden Area Command Kaiserslautern (Panzer-Kaserne) – Palatinate Area Command Bad Kreuznach – Rhineland Area Command Augsburg (Reese Barracks) – South Bavaria Area Command Nürnberg (Fürth, W. O. Darby Barracks) – North Bavaria Area Command Stuttgart (Robinson Barracks) – North Württemberg Area Command Frankfurt (3804 Kaserne) – Taunus Area Command Gießen (Pendleton Barracks) – Hesse Area Command Hanau (Pioneer Kaserne) – Vogelsberg Area Command Würzburg (Leighton Barracks) – Franconia Area Command