mini|Erich Leimkugel (1877–1947) 1933 (Bildausschnitt) Erich Leimkugel (* 8. August 1877 in Schöppenstedt; † 22. März 1947 in Essen) war ein deutscher Apotheker, Freiballonfahrer und Politiker.

Leben und Wirken Apotheker Erich Leimkugel wurde als Sohn eines Fabrikanten geboren.Zum 125. Geburtstag von Erich Leimkugel; in: Deutsche Apothekerzeitung vom 28. Juli 2002 Er besuchte nach der Volksschule in Schöppenstedt das Gymnasium Wolfenbüttel, wobei er die Obersekundareife erreichte. In Bielefeld absolvierte er ab 1894 bei Dr. Oelze eine Lehre zum Apotheker und machte am 30. März 1897 die Apothekergesellenprüfung. Daran knüpften sich die Wanderjahre an, in denen er Tätigkeiten in unterschiedlichen Apotheken im In- und Ausland annahm. Zu seinen Zielen gehörten unter anderem die Schweiz und die Côte d’Azur. In den Jahren 1899 bis 1901 studierte er Pharmazie an der Technischen Universität Braunschweig. Nach dem Staatsexamen arbeitete er als Apotheker in Ostende. Dann kaufte er die Adler-Apotheke in Gevelsberg, die er nach zwei Jahren wieder veräußerte. Im Oktober 1907 heiratete er die aus Gevelsberg stammende Gertrud Klingemann. Leimkugel kam 1907 nach Essen, wo er am 31. August 1908 als Alleininhaber der 1619 gegründeten Einhorn-Apotheke am Markt 5 in der Innenstadt ins Handelsregister eingetragen wurde.Eintragung in das Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts zu Essen-Ruhr. In: Essener Volkszeitung vom 10. September 1908 Neben dem alten Patrizierhaus, in dem sich die Apotheke befand, errichtete er in den Jahren 1913/14 einen Neubau und verlegte in ihn seine Apotheke. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg durch einen Luftangriff am 5. März 1943 eröffnete er sie am 2. Mai 1946 neu. Nach 1918 bis 1933 war er Vorsitzender des Essener Apothekervereins. Nach 1946, nachdem er die letzten Kriegsmonate in seiner Geburtsstadt verbracht hatte, kehrte er 1945 wieder nach Essen zurück und wurde nach 1946 zum Kreisapotheker berufen. Das Gesundheitsamt Essen bestellte ihn zum Vertrauensapotheker.

Freiballonfahrer Leimkugel förderte zusammen mit Karl Bernhard Bamler und Ernst August Schröder den Ballonsport. Dabei nahm er ab 1909 an 149 Ballonaufstiegen und zahlreichen nationalen und internationalen Wettfahrten teil, wobei er diese als Fahrtenwart des Niederrheinischen Vereins für Luftfahrt (NVfL) teils selbst organisierte. Am 3. Dezember 1913 wurde er in der Jahresversammlung des Vereins im Berliner Hof als Fahrtenwart abgelöst und zum Beisitzer bestimmt.Luftschiffahrt. In: Essener Volkszeitung vom 6. Dezember 1913 Zum Teil nutzte er die Ballonfahrten für meteorologische Beobachtungen.

1910 unternahm er zusammen mit Ernst Milarch aus Bonn einen Ballonaufstieg zur Beobachtung des Halleyschen Kometen. Als einer der ersten Ballonfahrer entwickelte Leimkugel eine einfache Methode der Radiopeilung, um die Ortsbestimmung bei Nacht- und Wolkenfahrten zu ermöglichen.

Mit der Überquerung der Zentralalpen am 13. Mai 1912 mit dem Ballon „Tirol“ von Innsbruck aus erregte er Aufmerksamkeit. Nach dem Start um 8.20 Uhr wurde um 9.00 Uhr das Zillertal in 4.100 m Höhe überflogen, um 9.15 Uhr die Krimmler Wasserfälle, um 9.20 Uhr der Großvenediger und schließlich um 9.45 Uhr der Großglockner, nach eigener Aussage der Ballonfahrer der „wohl der eindrucksvollste Moment der Fahrt“. Um 10.20 Uhr war der Zentralkamm der Alpen überflogen. Nachdem die Gurktaler Alpen passiert waren, erreichte man um 11.15 Uhr mit 4.800 m die größte Höhe der Fahrt. Die Landung erfolgte um 11.30 Uhr.

Im Jahre 1913 nahm er für den Niederrheinischen Verein für Luftschiffahrt mit dem Ballon „Braunschweig“ am Gordon-Bennett-Preis der Lüfte teil.

Im September 1932 nahm er erneut am internationalen Gordon-Bennett-Cup in Basel teil, wobei er den Freiballon „Deutschland“ mit seinem Mitfahrer – unter Zuhilfenahme von Sauerstoffgeräten – wetterbedingt auf rund 7000 Meter Höhe brachte, als der Höhenmesser aussetzte.Ballonführer Leimkugel erzählt. In: Volkswacht (Sozialdemokratisches Organ für Groß-Essen) vom 30. September 1932

1933 unternahm er seine letzte Ballonfahrt in St. Louis, USA. Danach durfte er diesen Sport aufgrund seiner demokratischen Gesinnung nicht mehr ausüben.

Im Ersten Weltkrieg war er in den Jahren 1914 bis 1918 freiwillig gemeldeter Kriegsteilnehmer, wobei er Meteorologe bei der 34. Feldfliegerabteilung in Cunel bei Verdun war. Er fertigte dabei maßgerechte Luftbilder (Ballon-Photogrammetrie) dieses Frontabschnitts an. Nach dieser Zeit kehrte er nach Essen zurück.

Politik und weitere Tätigkeiten Im August 1919 wurde Erich Leimkugel Vorsitzender des Essener Schachverbands, einem Zusammenschluss dreier Essener Schachvereine.Arbeiter-Zeitung (Allgemeiner Beobachter) für den Stadt- und Landkreis Essen vom 12. August 1919

Am 30. Juni 1920 zog er für die von ihm mitgegründete Deutsche Demokratische Partei (DDP) in die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Essen ein. Er wurde Mitglied des Vollzugsausschusses.Essener Stadtverordneten-Sitzung. In: Essener Arbeiter-Zeitung vom 31. Juli 1920 Nach der Umbenennung der DDP in Deutsche Staatspartei im Juli 1930 gehörte Leimkugel dem Vorstand der Kreisgruppe Essen an.Deutsche Staatspartei. In: Volkswacht (Sozialdemokratisches Organ für Groß-Essen) vom 3. Februar 1932

Zur Zeit des Nationalsozialismus schloss er sich um 1935 dem „Steffensmeier-Kreis“ in Essen an, einer Widerstandsgruppe, die vom ehemaligen Mitglied der Zentrumspartei, Heinrich Steffensmeier, gegründet worden war.

1940 gründete er als Sammler das Till-Eulenspiegel-Museum Schöppenstedt und schenkte es 1947 seiner Geburtsstadt. Es war unter anderem in einem Teilgebäude seines Elternhauses untergebracht, befindet sich aber heute in einem Neubau.

1945 gehörte Leimkugel zu den Mitbegründern der Essener FDP. Nach einem Herzanfall vom 13. März 1947 starb er in Essen, wurde aber am 30. März 1947 in seiner Geburtsstadt Schöppenstedt beigesetzt.

Auszeichnungen Erich Leimkugel erhielt 1929 vom Deutschen Luftfahrer-Verband das Sportabzeichen für Freiballonführer in Gold Nr. 2 für seine Verdienste um das Freiballonwesen. In Schöppenstedt und im Essener Nordviertel gibt es jeweils eine nach ihm benannte Leimkugelstraße.

Literatur

Erich Leimkugel zum Gedächtnis, Essen 1947.

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Einzelnachweise

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