Die 2. Nordischen Skiweltmeisterschaften wurden vom 12. bis 15. Februar 1925 in Johannisbad / Janské Lázně in der Tschechoslowakei ausgetragen.

Geschichte Auf Antrag der Schweiz wurde beim Kongress des Internationalen Skiverbandes am 2. Februar 1924, anlässlich der in Chamonix ausgetragenen Wintersportwoche beschlossen, alljährlich unter der Patronanz der FIS stehende sogenannte internationale Rendezvous-Rennen auszuschreiben.8th International Ski Congress: 2nd February 1924 – Chamonix (FRA), fisc-web-prod.corebine.com (englisch), abgerufen am 30. September 2023 Zugleich wurde einstimmig der tschechoslowakische Skiverband damit beauftragt, das erste Rendezvous-Rennen im Jahr 1925 durchzuführen. Der tschechoslowakische Skiverband traf seine Entscheidung aufgrund der besseren Infrastruktur und der vorhandenen Unterbringungs- und Versorgungsmöglichkeit der Skisportler in den bestehenden Hotel- und Kurbetrieben für Johannisbad und gegen Neuwelt (Nový Svět) bei Harrachsdorf, das zuletzt 1923 die mit den tschechoslowakischen Meisterschaften verbundenen internationalen Kongressrennen ausgerichtet hatte.

In Johannisbad standen den Sportlern geeignete Umkleideräume, in ausreichender Zahl Duschen, ein Schwimmbad zur Erholung und bei Bedarf Behandlungsräume mit ärztlicher Versorgung in den Kureinrichtungen zur Verfügung. Für die Zeit der Veranstaltung hatte die Prager Adam-Apotheke eine Außenstelle in Johannisbad eingerichtet, zudem standen sechs Ärzte im Dienst, die sich um die medizinische Versorgung der Skiläufer kümmerten.

Im Eröffnungskonzert zu den Mitteleuropäischen Skimeisterschaften traten der Baritonsänger des Prager Nationaltheaters Václav Novák und die Violinsolistin Ervina Brokesová auf. Vor den Wettbewerben spielte die Militärmusik aus Hradec Králové für Zuschauer und Teilnehmer auf. Auf Einladung des tschechoslowakischen Skiverbandes wohnte der Verteidigungsminister František Udržal den Wettbewerben an drei Tagen bei. Beim Skispringen waren auch die Minister Jan Šrámek und Josef Dolanský sowie Alice Masaryk, die Tochter des Präsidenten der Republik, anwesend.

Der Staatspräsident der Tschechoslowakei, Tomáš Garrigue Masaryk, sowie einige der Minister und Ehrengäste, darunter František Udržal, Milan Hodža, Jan Šrámek und Jiří Stříbrný, stifteten wertvolle Ehrenpreise wie Bronzen, Silber- und Kristallpokale sowie goldene und silberne Plaketten. Weitere Preise spendeten der Sportklub Slavia, der Verband für Hebung des Fremdenverkehrs und der tschechoslowakische Offiziersverband.

Beim 25. Kongress des Internationalen Skiverbandes vom 8. bis 11. Juni 1965 im rumänischen Tourismusort Mamaia erklärte die FIS die Nordischen Skiwettbewerbe der ersten Olympischen Winterspiele von 1924 in Chamonix als erste Nordische Skiweltmeisterschaften. Mit selben Beschluss wurden zudem die von 1925 bis 1927 ausgetragenen Rendezvous-Rennen und die von 1929 bis 1935 veranstalteten FIS-Rennen offiziell zu Nordischen Skiweltmeisterschaften erhoben. Durch diese Entscheidung zählen die Rendezvousrennen von Johannisbad 1925, die bei ihrer Austragung Mitteleuropäische Skimeisterschaften genannt wurden, seither als die 2. Nordischen Skiweltmeisterschaften.25th International Ski Congress: 8th to 11th June 1965 – Mamaia (ROM), fisc-web-prod.corebine.com (englisch), abgerufen am 30. September 2023

Wettbewerbe Auf dem Programm standen wie schon bei den Olympischen Winterspielen von Chamonix im Vorjahr (vor 1926 noch Internationale Wintersportwoche genannt) die traditionellen nordischen Skiwettbewerbe im Skilanglauf über 50 und 18 km, der Sprunglauf und die Nordische Kombination. Gleich dem IOC schrieb auch die FIS ihre Wettbewerbe damals ausschließlich für Männer aus.

Programm DatumUhrzeit (MST)Wettbewerb Donnerstag, 12. Februar 08:30 Uhr Skilanglauf 50 km Männer Freitag, 13. Februar Ruhetag Samstag, 14. Februar 09:30 Uhr Skilanglauf 18 km Männer mit Kombinationslanglauf 18 km Männer Sonntag, 15. Februar 09:00 Kombinationssprunglauf Männer anschließend Spezialsprunglauf Männer abends Preisverteilung

Skiverbände Österreich und Tschechoslowakei Österreich und die Tschechoslowakei verfügten neben dem hier nicht teilnehmenden Finnland über jeweils zwei als offizielle Mitglieder des Internationalen Skiverbandes anerkannte Skiverbände. Jeweils beide Verbände dieser Länder hatten auch ein Entsendungsrecht ihrer Sportler zu den FIS-Rennen bzw. Skiweltmeisterschaften (nordisch und alpin). Anders war die Situation jedoch bei Olympischen Winterspielen, da das IOC ein Entsendungsrecht entweder nur einem der beiden Verbände oder einem gemeinsamen Dachverband (für Österreich z. B. der Österreichischen Ski-Delegation bzw. später dem Österreichischen Skibund) einräumte.

Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: ÖSV Österreichischer Skiverband AÖSV Allgemeiner Österreichischer Skiverband HDW Hauptverband Deutscher Wintersportvereine der Tschechoslowakischen Republik SL RČS Verband der Skifahrer der Tschechoslowakischen Republik (Svaz lyžařů Republiky československé)

Teilnehmer Für die Rendezvouz-Rennen der FIS von 1925 in Johannisbad hatten 248 Athleten von 12 nationalen Skiverbänden aus 10 Staaten genannt. Die skandinavischen Skiländer Finnland und Schweden lehnten eine Teilnahme an den Rendezvous-Rennen in Mitteleuropa ab und blieben der Veranstaltung fern. Der norwegische Skiverband entsandte ebenfalls keine Mannschaft, erlaubte jedoch den zu dieser Zeit aufgrund ihres Studiums in Mitteleuropa wohnhaften Sportlern Henry Ljungmann und Johan Blomseth die Teilnahme. Europa (12 Verbände)

(ÖSV) (AÖSV)

(SL RČS) (HDW)

Medaillenspiegel + Nationen Platz Land 20px 20px 20px 40px 1 (HDW) 2 3 2 7 2 (SL RČS) 2 0 1 3 3 0 1 0 1 4 0 0 1 1

+ Sportler Platz Sportler(in) Nation 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 Otakar Německý (SL RČS) 2 0 0 2 2 Franz Donth (HDW) 1 1 0 2 3 Wilhelm Dick (HDW) 1 0 0 1 4Josef Adolf (HDW) 0 1 0 1Franz Häckel (HDW) 0 1 0 1Henry Ljungmann 0 1 0 1 7Xaver Affentranger 0 0 1 1Josef Erlebach (SL RČS) 0 0 1 1Albert Ettrich (HDW) 0 0 1 1Franz Wende (HDW) 0 0 1 1

Skilanglauf Detaillierte Ergebnisse

18 km Platz Sportler Land Zeit 1 Otakar Německý SL RČS 1:43:38,0 h 2 Franz Donth HDW 1:43:54,5 h 3 Josef Erlebach SL RČS 1:45:40,0 h 4 Josef Adolf HDW 1:48:16,0 h 5 Josef Bräth HDW 1:48:46,0 h 6 Giuseppe Ghedina 1:48:47,0 h 7 Enrico Colli 1:48:53,5 h 8 Franz Häckel HDW 1:49:46,0 h 9 Vincenzo Colli 1:50:26,5 h 10 Josef Německý SL RČS 1:51:41,0 h Datum: Samstag, 14. Februar 1925. Startzeit 09:30 Uhr.

Streckenverlauf: Der Skilanglauf über 18 km fand bei einer Temperatur von 11° C in der direkten Umgebung von Johannisbad statt. Er führte in Serpentinen auf den 740 Meter hohen Janský vrch, weiter zur Hoffmann-Baude (Hofmanovy boudy), über den schwierigsten Streckenabschnitt zur Spieglerbaude (Spieglerovy boudy) auf 900 Meter Seehöhe und von da an zurück nach Johannisbad. Die Athleten hatten neben den zum Teil starken Steigungen vor allem mit den Schneeverhältnissen zu kämpfen. Während die durch Wald führenden Streckenabschnitte gut mit Schnee bedeckt waren, stellten die durch das anhaltende Tauwetter teils matschig gewordenen Wiesen in den tieferen Regionen große Anforderungen an ihre Ausdauer.

Teilnehmer: 222 genannt; 140 gestartet; 136 gewertet. Der Wettbewerb war sowohl für die Spezialläufer als auch für die Kombinationsläufer ausgeschrieben. Von der Rekordzahl an 222 Nennungen ergab sich schließlich eine Anzahl von 140 Startenden in vier verschiedenen Leistungs- und Altersklassen. In der 1. Klasse starteten 44, in der 2. Klasse 78 Teilnehmer. Die Altersklassen I (über 32 Jahre) und II (über 40 Jahre) umfassten 12 bzw. 2 Athleten. Von den gestarteten Skiläufern mussten nur vier den Wettbewerb vorzeitig abbrechen, womit sich 136 klassieren konnten.

Die Organisation des Wettbewerbes wurde trotz der für damalige Zeiten hohen Teilnehmerzahl als ausgezeichnet beschrieben. Die Firma VJ Rott aus Prag, bei der einst Emmerich Rath seine Lehre zum Handlungsgehilfen absolvierte, hatte auf der Strecke Markierungszeichen und im Zielbereich eine große Anzeigetafel aufgestellt, mit der den Zuschauern die Zwischen- bzw. Endlaufzeiten der Teilnehmer rasch näher gebracht werden konnten. Als Ehrengast wohnte auf Einladung des tschechoslowakischen Skiverbandes der damalige Verteidigungsminister František Udržal der Veranstaltung bei.

Der 18-km-Langlauf endete mit einem großen Erfolg der tschechoslowakischen Skiläufer. In den ersten zehn Rängen platzierten sich mit drei Italienern lediglich drei Ausländer, sowie drei Läufer des tschechoslowakischen Verbandes (SL RČS) und vier Athleten des Hauptverbandes deutscher Wintersportvereine (HDW) in dem die deutschböhmischen Skiläufer organisiert waren.

Otakar Německý aus Nové Město na Moravě holte sich mit dem Sieg seine erste von insgesamt drei Weltmeisterschaftsmedaillen seiner Karriere. Auf dem zweiten Platz folgte der Gewinner des 50-km-Laufes, Franz Donth, der damit die zweite von insgesamt vier Medaillen bei Nordischen Skiweltmeisterschaften errang. Die Bronzemedaille ging an den für den tschechoslowakischen Verband startenden Deutschböhmen Josef Erlebach, einem Nachfahren von Einwanderern aus der Schweiz.

Den sehr guten elften Platz belegte der österreichische Skipionier Peter Radacher aus Mühlbach am Hochkönig dessen Neffe und Sohn in späteren Jahrzehnten ebenfalls an Skiweltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnahmen.

Von der Schweizerischen Mannschaft klassierte sich Xaver Affentranger als bester auf dem 14. Rang, zwei Plätze dahinter folgte Sepp Schmid.

Der beste Reichsdeutsche Läufer war der Riesengebirgler Kurt Endler vom Skiklub in Schreiberhau, der sich erst eine Woche zuvor zum Sieger der gemeinsamen Ski-Meisterschaft von Deutschland und Österreich gekrönt hatte.

Aladar Thern aus der Zips, der regierende Skimeister des Karpathenverbandes kam auf den 17. Endrang. Der bekannte Prager Allroundsportler Emmerich Rath erreichte mit seinen 42 Jahren den 102. Rang und konnte somit noch 34 Läufer hinter sich lassen.

50 km Platz Sportler Land Zeit 1 Franz Donth HDW 5:09:56,0 h 2 Franz Häckel HDW 5:11:20,0 h 3 Albert Ettrich HDW 5:15:12,0 h 4 Josef Adolf HDW 5:23:01,0 h 5 Josef Erlebach SL RČS 5:29:47,5 h 6 Josef Německý SL RČS 5:34:26,0 h 7 Karel Koldovský SL RČS 5:34:49,5 h 8 Enrico Colli 5:39:26,0 h 9 Josef Körber HDW 5:40:24,0 h 10 Jaroslav Martin SL RČS 5:44:18,0 h Datum: Donnerstag, 12. Februar 1925. Startzeit 08:30 Uhr

Teilnehmer: 90 genannt; 65 gestartet, 54 gewertet. Neben der großen Schar an Sportlern der beiden tschechoslowakischen Skiverbände starteten Teilnehmer aus Deutschland (1), Österreich (1), Italien (3), Polen (5), Jugoslawien, Rumänien (1), Norwegen (2) und Frankreich.

Streckenverlauf: Der Start des Dauerlaufes erfolgte bei sonnenklarem Wetter vor dem Hauptkurhaus in Johannisbad auf einer Höhe von 649 Meter. Aufgrund des Tauwetters herrschte in den tiefer gelegenen Regionen Schneemangel, weshalb der Streckenverlauf etwas abgeändert und auf höhere Lagen verlegt werden musste. Dadurch kam die Strecke auf eine Länge von 53 km. Weiter ging es über die Töpferbaude (Hrnčířské Boudy) und die Lahrbauden (Lahrovy boudy) zu den Hinteren Rennerbauden (Zadní Rennerovky), bei denen die Läufer den mit 1200 Meter höchsten Punkt der Strecke erreichten. Über die Vordere Rennerbaude (Přední Rennerovky) führte die Strecke weiter nach Pommerndorf, Novinka, Benetzko, über den Heidelberg (Žalý) Richtung Starkenbach und weiter nach Ober-Hohenelbe (Hořejší Vrchlabí) und Hohenelbe. Durch die Höherlegung ergaben sich für die Wettbewerber im Allgemeinen gute Schneeverhältnisse, teilweise mit Firnschnee auf den Bergen. Einzig bei Hohenelbe musste ein Stück auf der Straße durch wässrigen, aufgeweichten Schnee zurückgelegt werden. Über Niederhof, Ober Langenau und Schwarzenthal ging es wieder zurück nach Johannisbad.