Die Straßenbahn München – offiziell und im lokalen Sprachgebrauch als Tram oder Trambahn bezeichnet – ist neben der U-Bahn und der S-Bahn das dritte schienengebundene öffentliche Personennahverkehrsmittel der Stadt München. Sie wird von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sowohl geplant als auch betrieben und ist in den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) integriert.
Die Münchner Straßenbahn nahm am 21. Oktober 1876 den Betrieb auf. Anfangs wurden die Wagen noch von Pferden gezogen, zwischen 1895 und 1900 ist das Netz nach und nach elektrifiziert worden, sodass elektrische Triebwagen die Tiere ersetzten. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie während der Räterevolution konnte die Straßenbahn in München nur eingeschränkt verkehren und 1945 musste der Betrieb für knapp einen Monat vollständig eingestellt werden. Nach der Wiederinbetriebnahme wurde das Streckennetz ausgebaut und erreichte 1964 mit 134 km Länge die größte Ausdehnung. Durch die neu eröffnete U-Bahn sollte die Straßenbahn im Lauf der Jahre ersetzt werden. 1986 jedoch beschloss der Münchner Stadtrat – nach massiven Bürgerprotesten –, die Tram zu erhalten, seit 1996 wird das Straßenbahnnetz wieder ausgebaut.
Das 82 Kilometer lange Streckennetz liegt bis auf einen Abschnitt der Linie 25 in Grünwald im Münchener Stadtgebiet. Auf zwölf Linien werden fahrplanmäßig maximal 105 von 139 Fahrzeugen gleichzeitig eingesetzt (Stand August 2024). Im Jahr 2024 wurden 120 Millionen von insgesamt 615 Millionen Fahrgästen der MVG durch die Tram befördert. Dies entspricht einem Anteil von knapp 20 Prozent. Durch vier Nachtlinien werden 107 der insgesamt 173 Haltestellen rund um die Uhr bedient.
Betrieb und Liniennetz Das Netz besteht aus zehn Straßenbahnlinien, die von etwa 4:45 Uhr bis 1:30 Uhr des Folgetages in der Regel im 10-Minuten-Takt (20-Minuten-Takt während der Spätzeit) verkehren und durch drei weitere nur zeitweise auf verkürzten Strecken verkehrenden Linien verstärkt werden. In der Betriebspause dieser Tageslinien sowie der U-Bahn verkehren vier Nachtlinien von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag alle 15 oder 30 Minuten und in den übrigen Nächten stündlich.
Tageslinien Linie Verlauf Haltest. Fahrzeit Takt Spättakt OSM Schwabing Nord – Scheidplatz – Hohenzollernplatz – Leonrodplatz – Rotkreuzplatz – Romanplatz 24 28 min 10 min 20 min Pasing Bahnhof – Fürstenrieder Straße – Laimer Platz – Ammerseestraße – Gondrellplatz1420 min10 min20 min Romanplatz – Donnersbergerstraße – Hackerbrücke – Hauptbahnhof – Karlsplatz (Stachus) – Sendlinger Tor – Isartor – Maxmonument – Lehel – Effnerplatz (– Arabellapark/Klinikum Bogenhausen – St. Emmeram)(Effnerplatz – St. Emmeram nur in der HVZ als Verstärkung von Linie 17) 26 (35) 39 min(50 min) 10 min 20 min Amalienburgstraße – Romanplatz – Donnersbergerstraße – Hackerbrücke – Hauptbahnhof – Karlsplatz (Stachus) – Sendlinger Tor – Isartor – Gasteig – Max-Weber-Platz – Effnerplatz – Arabellapark/Klinikum Bogenhausen – St. Emmeram 41 57 min 10 min 20 min Gondrellplatz – Westendstraße – Lautensackstraße – Trappentreustraße – Hauptbahnhof Süd – Karlsplatz (Stachus) – Sendlinger Tor – Mariahilfplatz – Ostfriedhof – Giesing Bahnhof – Schwanseestraße 30 42 min 10 min 20 min Pasing Bahnhof – Willibaldplatz – Fürstenrieder Straße – Lautensackstraße – Trappentreustraße – Hauptbahnhof – Karlsplatz (Stachus) Nord – Theatinerstraße – Maxmonument – Maximilianeum – Max-Weber-Platz – Einsteinstraße – Berg am Laim Bahnhof 34 50 min 10 min 20 min Moosach Bahnhof – Westfriedhof – Leonrodplatz – Stiglmaierplatz – Hauptbahnhof – Karlsplatz (Stachus) 17 22 min 10 min 20 min Westfriedhof – Leonrodplatz – Stiglmaierplatz – Hauptbahnhof Nord – Karlsplatz (Stachus) Nord – Theatinerstraße – Maxmonument – Maximilianeum – Max-Weber-Platz – Ostbahnhof – Kreillerstraße – St.-Veit-Straße 28 37 min 10 min 20 min Münchner Freiheit – Potsdamer Straße – Parzivalplatz – Schwabinger Tor – Am Münchner Tor – Anni-Albers-Straße – Domagkstraße – Schwabing Nord(HVZ alle 5 min, SVZ alle 20 min, sonst alle 10 min) 7 9 min 5/10 min 20 min Max-Weber-Platz – Rosenheimer Platz – Ostfriedhof – Silberhornstraße – Wettersteinplatz – Großhesseloher Brücke – Grünwald, Derbolfinger Platz(Großhesseloher Brücke – Grünwald nur ca. jede zweite Fahrt) 23 31 min 5 min 10 min Petuelring – Hohenzollernplatz – Kurfürstenplatz – Karolinenplatz – Karlsplatz (Stachus) – Sendlinger Tor(Spätzeit: Fr/Sa alle 10 min, sonst alle 20 min) 15 20 min 10 min 10/20 min Scheidplatz – Kurfürstenplatz – Karolinenplatz – Karlsplatz (Stachus) – Sendlinger Tor(nur von 7–20 Uhr / So: 12–19 Uhr, verstärkt die Linie 27) 12 16 min 10 min – E7 MVG Museum – Giesing Bahnhof – Ostfriedhof – Rosenheimer Platz – Ostbahnhof (nur rück) – Max-Weber-Platz(nur zu Öffnungszeiten des MVG-Museums; 30-Minuten-Takt) 1013 17 min22 min 30 min – mini|300px|Geografischer Streckenplan (Stand 2018)
Nachtlinien mini|Nachtlinie N19 an der St.-Veit-Straße
Im Nachtnetz der Tram verkehren folgende Linien: Amalienburgstraße – Effnerplatz (Teilabschnitt der Linie 17) Pasing Bf – St.-Veit-Straße Pasing Bf – Max-Weber-Platz wie Linie 19 Karlsplatz (Stachus) – St.-Veit-Straße wie Linie 21 Moosach Bf – Karlsplatz (Stachus) (wie Linie 20) Petuelring – Großhesseloher Brücke Petuelring – Sendlinger Tor wie Linie 27 Karlsplatz (Stachus) – Ostfriedhof wie Linie 18 Ostfriedhof – Großhesseloher Brücke wie Linie 25
Diese Linien und weitere Nachtbuslinien verkehren täglich etwa von 1:30 Uhr bis 4:30 Uhr. In den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag gilt ein 30-Minuten-Takt, auf den Linien N19 und N27 abschnittweise sogar ein 15-Minuten-Takt. In den übrigen Nächten verkehren die Nachtlinien stündlich. Am Stachus, dem zentralen Treffpunkt aller Nachtlinien, besteht um 1:30 Uhr, 2:30 Uhr, 3:30 Uhr und 4:30 Uhr (am Wochenende sogar halbstündlich) Anschlusssicherung zwischen allen vier Straßenbahnlinien sowie den Buslinien N40 und N41.
Sonderfahrten mini|Von 1994 bis 2019 drehte im Dezember die Christkindltram auf dem Altstadtring ihre Runden
Grundsätzlich können Münchner Trambahnen für Sonderfahrten gemietet werden. So werden saisonal unter dem Namen MünchenTram regelmäßige Stadtrundfahrten angeboten; außerdem kann noch eine „Partytram“ gemietet werden (meist ein P-Wagen). Als MünchenTram kam bis 2019 der M-Triebwagen 2412 mit dem m-Beiwagen 3407 zum Einsatz, bevor dieses Angebot für einige Jahre ruhte. Bei der Wiedereinführung im Jahr 2026 – mit der Schreibweise Münchentram – werden in Ermangelung betriebsfähiger historischer Wagen stattdessen Fahrzeuge aus dem Bestand des Linienverkehrs verwendet, standardmäßig ein mit entsprechender Werbung versehener R2.2b.
Von 1994 bis 2019 gab es mit demselben historischen Triebwagen im Advent auch regelmäßig eine Sonderlinie mit dem Namen ChristkindlTram, die eine Rundstrecke mit Anfangs- und Endhaltestelle Sendlinger Tor bediente. Diese Trambahn war weihnachtlich geschmückt, in den Wagen wurde Weihnachtsmusik gespielt und es wurden Heißgetränke und Lebkuchen gereicht. Abfahrtzeiten waren jeweils zu vollen und zur halben Stunde am Sendlinger Torplatz. Während der Coronapandemiejahre 2020 und 2021 bot die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) aufgrund der Auflagen zum Infektionsschutz keine Fahrten mit der Christkindltram an. Auch nach Ende der Pandemie und Aufhebung der Auflagen wurde der Betrieb jedoch zunächst nicht wieder aufgenommen – als Grund wurde jetzt der Fahrermangel angegeben.
Im Jahr 2024 fuhr die Christkindltram nach einem Auftrag des Oberbürgermeisters Dieter Reiter wieder. Da der historische Wagen jedoch wartungsbedürftig war, wurde ein modernerer Wagen verwendet.
Baustellenlinien mini|R-Wagen auf der Baustellenlinie 37 mit Umleitungssymbol Bei größeren Baumaßnahmen an wichtigen Knotenpunkten können meist mehrere Linien nicht mehr auf ihrem normalen Linienweg verkehren und müssen geteilt oder umgeleitet werden. Seit dem Jahr 2005 setzt die MVG teilweise Baustellenlinien ein, die Liniennummern von 30 bis 39 erhalten: So wurden beispielsweise die Westäste der Linien 17 und 18 miteinander verknüpft, die damit neu geschaffene Linie bekam die Liniennummer 37. Hierdurch können sich die Fahrgäste besser auf die Änderung des Linienwegs einstellen.
Im Oktober 2017 kam eine Baustellenlinie „U2“ zum Einsatz, da es in der U-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Sendlinger Tor zu Behinderungen kam.
Zur Kennzeichnung einer Baustellenlinie wird das Umleitungssymbol verwendet, das bei R2- und R3-Wagen an der Position des Nachtlinienschilds an der Frontscheibe eingesteckt wird. Die älteren Hochflurzüge vom Typ P erhielten stattdessen ein auffälliges gelbes Zielschild mit Umleitungssymbol.
Werden Trambahnlinien komplett eingestellt und durch Busse im Schienenersatzverkehr ersetzt, so bekam die Ersatzlinie einige Zeit eine »Hunderternummer«, beispielsweise wird aus der Trambahnlinie 18 die SEV-Buslinie 118. Ebenso fuhr eine Buslinie 123 im Vorlaufbetrieb bis zur Eröffnung der neu gebauten Trambahn-Linie 23. Mittlerweile verwendet man hier aber die normalen Liniennummern. So fuhren 2017 Ersatzbusse mit den Nummern 18 und 19.
Elektrische Ausrüstung Seit 2001 beträgt die Spannung der Fahrleitung 750 Volt Gleichspannung, zuvor wurde mit 600 Volt Gleichspannung gefahren. Auf dem Liniennetz werden unterschiedliche Oberleitungssysteme eingesetzt: Hauptsächlich wird in München die Einfachfahrleitung genutzt, bei der der Fahrdraht zwischen den Fahrleitungsmasten abgespannt ist. Auf neu erbauten Strecken findet eher die Kettenfahrleitung Verwendung, bei der die Fahrleitung durch ein zusätzliches Tragseil getragen wird, sodass größere Mastabstände möglich sind. Als Oberleitung wird ein mit Kupfer legierter Fahrdraht mit einem Durchmesser von ungefähr 12 Millimeter verwendet.
Geschichte mini|hochkant|Jubiläums-Aufkleber 1876–2026 Die Anfänge – 1876 bis 1900 Pferdebahn mini|Aktie der Münchner Trambahn-Actiengesellschaft von 1888 mini|Neuestes Münchner Tramban [!] Netz - Netzplan der Pferdestraßenbahn im 19. Jahrhundert mini|Pferdestraßenbahnwagen in München im 19. Jahrhundert am Karolinenplatz