Der OECD Better Life Index ist ein im Jahr 2011 von der OECD ins Leben gerufener Indikator zur Messung des Wohlergehens in unterschiedlichen Ländern. Anhand von elf Themen werden mit zahlreichen Messgrößen Aspekte des Wohlergehens gemessen. Somit ermöglicht der Index den direkten Vergleich des Wohlergehens mehrerer Länder. Zudem bietet das interaktive Webtool “Your Better Life Index” des OECD Better Life Index die Möglichkeit, eine individuelle Gewichtung der Kategorien vorzunehmen und ihre Auswirkung auf die Anordnung der Länder in einer Rangliste zu beobachten.
Der OECD Better Life Index ist Teil der Better Life Initiative und wird von dem ebenfalls von der OECD veröffentlichten “How’s Life?”-Report begleitet.
Grundzüge und Entstehung des OECD Better Life Index miniatur|450x450px|Mitgliedsstaaten der OECD (2016) Der Better Life Index ist ein von der OECD 2011 ins Leben gerufener interaktiver Index, welcher über das gesellschaftliche Wohlergehen in den OECD Mitgliedsländern informiert. Zusätzlich sind auch Brasilien und Russland im Index vertreten. Dieser besteht aus 11 Themen, die in die Bereiche materielle Lebensbedingungen sowie die Lebensqualität der Menschen eingeteilt sind. Zu den Besonderheiten des Indizes zählen zum einen, dass die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit aufgegriffen werden sowie dass das bereinigte BIP in den Index aufgenommen wird. Dadurch soll ein möglichst aussagekräftiges und an die heutige Zeit angepasstes Ergebnis zustande kommen. Der Index dient vor allem dem Vergleich der unterschiedlichen Menschengruppen. Momentan besteht die Möglichkeit nach Regionen bzw. Ländern, dem Geschlecht und Altersgruppen zu differenzieren. Die Website ist ein wichtiger Bestandteil des Indexes, da die Besucher ihren eigenen Index erstellen können und sich durch das Hochladen des Indizes an dem interaktiven Projekt beteiligen. Die hochgeladenen Daten werden in den Index mit aufgenommen und ermöglichen zu erkennen, welche Kategorien wo auf der Welt als am Wichtigsten für das persönliche Wohlbefinden erachtet werden. Der Index wird von dem “How’s Life?”-Report begleitet und unterstützt, welcher periodisch alle zwei Jahre von der OECD veröffentlicht wird und die Ergebnisse des Indexes ausführlich zusammenfasst und evaluiert.
Zum 50. Jubiläum der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde der OECD Better Life Index am 24. Mai 2011 veröffentlicht. Mit Hilfe der erlangten Informationen über die Mitgliedstaaten der OECD soll der Index die Arbeit der OECD unterstützen. Des Weiteren sollen Probleme bereits existierender Indizes aufgegriffen und verbessert werden. Der Index versucht objektive mit subjektiven Informationen zu kombinieren, um so ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis über die einzelnen Menschengruppen zu generieren und einen Index zu schaffen, der über das BIP als Wohlstandsindikator hinausgeht.
Absicht Der OECD Better Life Index beabsichtigt die Informationen über immaterielle Werte mit den materiellen Besitztümern der Menschen zu verknüpfen, um so einen möglichst aussagekräftigen Index zu schaffen. Da es sich um einen interaktiven Index handelt, wird ein großes Augenmerk auf die Beteiligung der Nutzer der Website am Index gelegt. Ziel ist es, den Nutzern Informationen bereitzustellen und zugleich Daten über die Teilnehmer des Indexes zu erheben. Zum einen sollen dem Besucher Informationen geliefert werden, wie es um das gesellschaftliche Wohlergehen der Menschen in den aufgezeigten Ländern bestellt ist. Zum anderen führt dies auch dazu, dass sich die Nutzer der Website mit der Frage, was Lebensqualität ist und was diese ausmacht, auseinandersetzen und sich damit beschäftigen. Durch die Teilnahme der Nutzer am Index gelangt die OECD nicht nur an Daten, was den Menschen wo am wichtigsten für ihr Wohlergehen ist, sondern versucht mit Hilfe des Indexes herauszuarbeiten, wie die Präferenzen der Teilnehmer entstehen. Ebenfalls wird dabei der Fokus auf mögliche Zusammenhänge zwischen den präferierten Kategorien, dem Geschlecht oder den in den jeweiligen Regionen herrschenden Lebensumständen gelegt. Die erlangten Informationen kann die OECD dann in ihrer Arbeit mit den Mitgliedstaaten nutzen, um die politischen Entscheidungsträger zu beraten, damit sich die Lebensumstände in der Region verbessern.
Das interaktive Webtool “Your Better Life Index” Die Website des OECD Better Life Indexes spielt eine übergeordnete Rolle, da sie nicht nur die Ergebnisse des Indexes visualisiert, sondern auch den Besuchern die Möglichkeit bietet, sich an dem Index zu beteiligen. Da es sich um einen interaktiven Index handelt, stellt die Einsteigseite auch gleich den Index selbst dar. Hier hat der Besucher der Website die Möglichkeit die Länder anhand elf Themen des Wohlergehens miteinander zu vergleichen. Die Länder im Index werden jeweils durch eine grafische Blume mit elf Blütenblättern visualisiert und lassen sich alphabetisch oder nach Platzierung anordnen. Außerdem kann der Besucher der Website einen individuellen Index erstellen sowie hochladen und sich somit an der "Better Life Initiative" beteiligen. Der individuelle Index lässt sich erstellen, indem die elf Themen gewichtet werden. Weitere Bereiche der Website dienen der Information der Nutzer. Zum einen werden die einzelnen Themen aufgelistet und deren Relevanz und Quantifizierung erläutert. Zum anderen werden detaillierte Informationen über die Ergebnisse einzelner Länder im Index und mögliche Ursachen geboten. Außerdem stellt die OECD auf der Website des Better Life Index viele weitere Informationsquellen, wie beispielsweise den "How’s Life?" Report, bereit, um weitreichende Evaluationen des gesellschaftlichen Wohlergehens zu offerieren.
Themen Der OECD Better Life Index misst das Wohlergehen der Menschen anhand elf sogenannter Themen. Diese Themen werden von der OECD als relevant für das individuelle Wohlergehen erachtet. Sie umfassen ökonomische, soziale und ökologische Aspekte des Lebens. Die Leistung eines Landes in Bezug auf ein Thema wird durch spezifische Indikatoren gemessen. Dabei dienen je ein bis vier Indikatoren zur Messung eines Themas. Diese Indikatoren werden fortlaufend von der OECD weiterentwickelt. Entscheidend für die Nutzung eines Indikators im Index ist die Verfügbarkeit von Daten in allen im Index teilnehmenden Ländern. Die Themen des OECD Better Life Index lassen sich in materielle und nicht-materielle Themen einteilen. Materielle Themen sind Wohnverhältnisse, Einkommen und Beschäftigung. Nicht-materielle Themen sind Gemeinsinn, Bildung, Umwelt, Zivilengagement, Gesundheit, Lebenszufriedenheit, Sicherheit und Work-Life-Balance.
Anhand der Räume pro Person und ob eine sanitäre Grundausstattung vorhanden ist, werden die Wohnverhältnisse ermittelt. Zusätzlich werden die Wohnausgaben in Betracht gezogen, indem betrachtet wird, wie groß der Anteil der Wohnausgaben an dem Bruttoeinkommen ist. Die Wohnverhältnisse sind relevant für die Ermittlung des gesellschaftlichen Wohlergehens, weil es nicht nur darum geht, ein Dach über dem Kopf zu haben, sondern der Wohnort auch ein Rückzugsort ist und der Platz, an dem die Familie zusammenlebt und die Menschen sich wohlfühlen sollen.
Der Index misst das Einkommen, da es als grundlegend für weitere Faktoren des Wohlergehens gilt. Als Indikatoren für das Einkommen dienen das bereinigte verfügbare Haushaltsnettoeinkommen und das Nettofinanzvermögen der privaten Haushalte. Somit werden sowohl das reguläre Nettoeinkommen als auch Finanzanlagen wie Ersparnisse oder Aktien, nicht aber das Sachvermögen berücksichtigt.
Die Kategorie Beschäftigung wird an vier Faktoren gemessen. Durch die Beschäftigungsquote und die Langzeitarbeitslosigkeit wird gemessen, wie viele Menschen einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, und im Falle der Arbeitslosigkeit wird die Situation auf die Fristigkeit geprüft. Hinzu kommt noch, dass das Arbeitsentgelt betrachtet wird ebenso wie die Arbeitsplatzsicherheit, die über das Einkommen bzw. die drohenden Einkommensverluste Auskunft geben. Der Hintergrund für diesen Indikator ist, dass Arbeit der Grundpfeiler für das Leben vieler Menschen ist, an dem sich das restliche Leben orientiert und anpasst. Weiterhin hat die Arbeit Auswirkungen auf soziale Kontakte sowie das Selbstwertgefühl, das gesellschaftliche Ansehen, die Selbstverwirklichung und schließlich der Idee dem Leben einen Sinn und eine damit verbundene Aufgabe zu geben. Deshalb wirkt sich Arbeitslosigkeit, insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit, negativ auf die Zufriedenheit der Menschen aus.
Das Thema Gemeinsinn beinhaltet im OECD Better Life Index die Menge und Ausprägung sozialer Kontakte. Diese sind entscheidend für das Wohlbefinden, da der Mensch ein soziales Wesen ist. Der Gemeinsinn wird durch die Frage gemessen, ob man jemanden kennt, auf den man sich im Notfall verlassen kann.
Die Bildung soll sowohl quantitativ als auch qualitativ bestimmt werden, indem man die durchschnittlichen Bildungsjahre zählt und sie mit dem Bildungsniveau, gemessen in Abschlüssen pro Sekundarbereich und Tertiärbereich, kombiniert. Auch die Ergebnisse des PISA-Tests werden in diese Kategorie integriert, um die Qualität der Bildung bestimmen zu können. Der Gedanke bei dieser Kategorie ist, dass wir in einer "Bildungsgesellschaft" leben, weshalb es wichtig ist, diesen Faktor im Index zu berücksichtigen. Häufig entscheidet Bildung über den weiteren Verlauf des Lebens. Dies wird daran deutlich, dass die spätere Arbeit, Integration in das soziale Umfeld oder beispielsweise die politische Beteiligung darauf zurückzuführen sind. Oftmals entscheidet die Bildung, was für ein Leben ein Mensch führen kann und welche Chancen sich der Person bieten.
Als einziges Thema deckt die Kategorie Umwelt die ökologische Dimension des Indexes ab. Eine intakte Umwelt steigert die Gesundheit und das Wohlbefinden, da sie Möglichkeit zur Erholung aber auch zur körperlichen Aktivität bietet. Zudem sind natürliche Ressourcen essenziell für jedes Land. Als Indikatoren dienen die Messung der Luftverschmutzung und der Wasserqualität.
Bei dem Thema Zivilengagement wird zum einen die Wahlbeteiligung in den jeweiligen Ländern in Betracht gezogen und zum anderen die Beteiligung von Interessensgruppen am Gesetzgebungsprozess. Diese Kategorie ist relevant, weil die Bevölkerung möglichst viel Vertrauen in die politischen Instanzen haben muss, damit das Wohlergehen positiv beeinflusst wird. Außerdem gilt, je mehr Menschen sich politisch beteiligen, desto besser wird die Meinung der Bevölkerung repräsentiert. Die Beteiligung der Bevölkerung an der Politik hat zudem positive Auswirkungen auf die politische Transparenz.
Gesundheit steht in starkem Zusammenhang mit Lebenszufriedenheit und wird von vielen Menschen als ausschlaggebend für eben diese angegeben. Die Gesundheit wirkt sich zudem positiv auf weitere Faktoren des Wohlergehens sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene aus. Die Gesundheit wird im Index einerseits durch den objektiven Indikator der Lebenserwartung und andererseits durch den subjektiven Indikator der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes gemessen.
Die Lebenszufriedenheit soll von den Teilnehmern des Indexes im Hinblick auf das ganze Leben anhand einer Skala von 0 bis 10 angegeben werden. Sehr wichtig in einem Index, der die Lebensqualität messen soll, ist die rein subjektive Wahrnehmung des eigenen Lebens, welche die objektiven Daten ergänzt.
Der OECD Better Life Index beinhaltet das politisch aktuelle Thema der Sicherheit. Im Vordergrund der Betrachtungen stehen die Vermeidung von physischem Schmerz sowie die Vermeidung des Gefühls der Unsicherheit. Mit dem objektiven Indikator der Mordrate und der subjektiven Frage “Fühlst du dich sicher, wenn du nachts alleine nach Hause gehst?” wird die Sicherheit messbar gemacht.